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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 17.12.2013 17:00 
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Italien / Spanien / Frankreich (1965)
Deutsche Erstaufführung: 24.9.1965
FSK: 18
Drehbuch & Regie: Simon Sterling (Sergio Sollima)
Musik: Piero Umiliani
Darsteller:
Giorgio Ardisson, Barbara Simon, George Riviére, Seyna Seyn, Franco Andrei, José Marco, Pietro Torrisi, Fernando Sancho

Agent 3S3 ist der bestqualifizierte Mann der Spezialabteilung drei der amerikanischen C.I.A. Er wird an Krisenherde und besonders heikle Brennpunkte geschickt und muss dort ansetzen, wo Politik, militärische Macht oder Diplomatie versagen. Er ist ganz auf sich allein gestellt, trägt hohe Verantwortung und lebt ständig unter tödlicher Gefahr. Er kann vorgehen, wie er es für nötig hält und darf verführen, töten und erpressen.(Filmprogramm)

Nachdem eine amerikanische Agentin von Mitgliedern des Spionagerings "Organisation" erschossen und ein wichtiger Mikrofilm gestohlen wurde, setzt man den C.I.A.-Agenten Walter Ross auf den Fall an. Seine Mission führt ihn zunächst ins verschneite Österreich, denn in Wien lebt die Tochter des Mannes, der als Kopf der "Organisation" gilt und "Mr. A" genannt wird. Von ihr erfährt 3S3, dass dessen derzeitiger Aufenthaltsort Beirut sein soll. Dort spielt sich dann auch die weitere Handlung des Films ab und es beginnt eine mörderische Jagd.

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Dieser erste Film der 3S3-Reihe gilt als einer der besten italienischen Agentenfilme. Ich finde allerdings, dass es bessere gibt. Der Anfang ist ein wenig zäh und so etwas wie Spannung kommt erst nach und nach auf. Ardisson kann als "Bond-Ersatz" durchaus überzeugen, auch wenn er bei weitem nicht an das damalige Vorbild Sean Connery heranreicht. Er bekommt hier immer wieder Gelegenheit, bei Angriffen und Schlägereien seine kämpferischen Fertigkeiten zu beweisen und wird mit jedem Gegner fertig. Wobei er sich aber auch schon mal ein paar Blessuren zuzieht. Einmal gerät er mit seinem Kleinwagen zwischen zwei große Trucks, die es darauf anlegen, ihn zu zermalmen. Zu seinen Gegenspielern gehört die attraktive Seyna Seyn, die eine kleine Puderdose besitzt, mit der sie winzige tödliche Pfeile abschießen kann.
In Italien war der Film ein kommerzieller Erfolg (Platz 35 in der Saison 1964/65). In Spanien lief es mit 488.195 Kinobesuchern weniger gut.

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 Betreff des Beitrags: Re: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 17.12.2013 20:05 
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Ich weiß nicht, ne halbe Million Besucher in Spanien... Wie war den das Kinobesuchesverhalten zu dieser Zeit? Ich könnte mir vorstellen, dass er dort ebenfalls nicht als Flop betrachtet wurde.


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 Betreff des Beitrags: Re: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 17.12.2013 20:15 
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Sollima betonte ja den Erfolg der Filme...wenn die bei ihrem Mini-Budget dann zusätzlich noch ordentlich in Italien und BRD liefen, dann waren sie am Ende sicher ordentlich im Plus...

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 Betreff des Beitrags: Re: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 17.12.2013 20:30 
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Nobody hat geschrieben:
Ich weiß nicht, ne halbe Million Besucher in Spanien... Wie war den das Kinobesuchesverhalten zu dieser Zeit? Ich könnte mir vorstellen, dass er dort ebenfalls nicht als Flop betrachtet wurde.

Ein Flop war der Film nicht. Ich meinte : im Vergleich zu Italien.

Als Beispiel die Besucherzahlen erfolgreicher Eurospyfilme in Spanien:
OSS-117 - Pulverfass Bahia: 1,5 Mio
Bob Fleming hetzt Prof. G: 1,1 Mio
Agent 3S3 pokert mit Moskau: 994.000
Jack Clifton jagt Wosto III: 945.000


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 Betreff des Beitrags: Re: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 17.12.2013 20:44 
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Cool. Hast du da eine Quelle für?


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 Betreff des Beitrags: Re: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 17.12.2013 21:08 
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Nobody hat geschrieben:
Cool. Hast du da eine Quelle für?

Der Link zur Seite ist meterlang. Am besten suchst Du mit Google nach:
Base de datos de peliculas calificadas


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 Betreff des Beitrags: Re: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 17.12.2013 21:27 
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Vielen Dank. Die Seite kenne ich, aber besonders der Eintrag in der italienischen Liste würde mich interessieren. Die Filmchartseiten, die ich kenne gehen höchstens bis Platz 25. Hast die Zuschauerzahlen für Italien in diesem Jahr?


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 Betreff des Beitrags: Re: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 08.06.2015 15:58 
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AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN
[AGENTE 3S3: PASSAPORTO PER L'INFERNO][ITA][1965]

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Regie: Sergio Sollima
Darsteller: George Ardisson, Barbara Simon, Georges Rivière, Seyna Seyn, Franco Andrei, Liliane Fernani, José Marco, Charles Kalinski, Francisco Sanz, Henri Cogan, Fernando Sancho


Inhalt:

Agent Walter Ross [George Ardisson], Codename 3S3, erhält einen neuen Auftrag von der amerikanischen Regierung: Er soll sich das Vertrauen einer in Österreich lebenden jungen Dame namens Jasmine von Witheim [Barbara Simon] erschleichen. Grund: Ihr Vater, vom Geheimdienst stets nur „Mr. A“ genannt, leitet eine gefährliche Verbrecherorganisation, ist aber seit geraumer Zeit verschwunden. Da das Zielobjekt sehr hübsch ist, kann sich Ross natürlich schlechtere Aufträge vorstellen, zumal es explizit heißt: „Es steht dir frei, sie zu verwöhnen, auszuführen und zu beschenken – wenn es sein muss, heirate sie.“ Tatsächlich fällt es ihm auch nicht weiter schwer, an sie heranzukommen. Allerdings weiß auch Jasmine, die von den Untaten ihres Vaters nichts ahnt, ebenfalls nicht, wo sich die Zielperson aufhält. Der Organisation ist das plötzliche Auftauchen 3S3s indes nicht entgangen und schickt umgehend ihre Killer los.

Kritik:

Hätte es James Bond nicht gegeben, so manch kantengesichtiger Schauspieler wäre in den 60er Jahren arbeitslos gewesen. Da Sean Connery 1962 aber hocherfolgreich das Rätsel um DR. NO lösen konnte, schossen die Leinwand-Agenten plötzlich wie Pilze aus dem Boden, um die westliche Zivilisation das ein ums andere Mal vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Vor allem in Italien hatte man wenig Scheu davor, auf den kassenträchtigen Spionage-Zug aufzuspringen, weswegen viele der Weltenretter trotz ihres vermeintlich englischen Namens inkognito im Auftrag des Stiefellandes unterwegs waren. Giorgio Ardisson war einer davon. Und um ihn als amerikanischen Staatsbürger durchgehen zu lassen, verschleierte man seine Herkunft – wie es damals eben üblich war – durch den anglisierten Decknamen George. Das ist zwar nicht besonders originell, aber das gilt ja auch für die gesamte Produktion, die ohne nennenswerte inhaltliche Innovation die bewährten Erfolgsformeln abarbeitet und sich dabei gar nicht großartig Mühe gibt, als etwas anders zu erscheinen als das simple Plagiat eines übergroßen Vorbilds.

Ardisson ist dann auch eindeutig nicht aufgrund darstellerischer Überzeugungskraft an die Hauptrolle gekommen, sondern hauptsächlich aufgrund seines Äußeren, das rein optisch dem Rollenklischee der 60er Jahre voll und ganz entsprach. Selbst, wenn man nicht wüsste, dass man es bei seinem Walter Ross mit einem Geheimagenten zu tun hat, allein sein Aussehen verriete ihn auf Anhieb. Tatsächlich ist er hier auch eigentlich gar nicht wirklich geheim unterwegs, denn sein Feind weiß im Nu um seine Person und beginnt unmittelbar nach dessen erstem Auftauchen mit den üblichen komplizierten Vernichtungsmaßnahmen. Wenig überraschend: sie schlagen allesamt fehl – was einigen Schergen der Gegenseite den Kopf kostet. Die Bezirzungsversuche seitens 3S3 (denn natürlich führt seine Mission über die Vertrauensgewinnung einer jungen Dame) sind hingegen umgehend von nötigem Erfolg gekrönt - mehr als eine steif choreographierte Kneipenschlägerei (natürlich stilecht vollzogen in Anzug und Krawatte) braucht es nicht, um nachhaltigen Eindruck bei der holden Weiblichkeit zu schinden.

Es sind diese liebgewonnen Stereotypen, die AGENT 3S3 (tolles Kürzel übrigens, kann sich garantiert niemand merken) ein solch heimeliges Gefühl verleihen, und tatsächlich läuft alles in genau den rustikalen Bahnen, die man auch erwartet. Selbstverständlich geht es dabei trotz angeblicher Großgefahr mal wieder urgemütlich zu: Es wird geschäkert, geliebt und gescherzt, als befände man sich statt auf Freiheitsmission im Sommerurlaub, während die Schlägereien mit den brutalen Schergen der Gegenseite an arglose Sandkastenbalgereien erinnern. Ohnehin erscheint der Kontrahent nur wenig bedrohlich, was auch damit zusammenhängt, dass man sich irgendwie nicht wirklich auf einen Hauptgegner einigen konnte, und daher ein wirklicher Bezug fehlt (zumal auch Art und Motivation der Schandtaten nicht so klar ersichtlich sind – der Feind muss hier in erster Linie vor allem deshalb vernichtet werden, weil er eben der Feind ist). So ist das Geschehen dann auch alles andere als aufregend, und selbst die einzige Szene, die man im Ansatz als Actionszene bezeichnen könnte – ein motorisierter Mordanschlag auf den Titelhelden - , verführt niemanden zum Nägelknabbern.

Ardisson ist kein großartiger Schauspieler, macht seine Sache als B-Bond aber gut und dem tiefergelegten Niveaupegel angemessen. Der in Turin geborene Mime begann seine Karriere in kostengünstigen Sandalen-Schinken und dürfte für die Rolle als Frauenschwarm und Ganovenschreck dankbar gewesen sein. Die große Karriere blieb ihm anschließend dennoch verwehrt; das deutsche Publikum durfte ihn später immerhin noch als Western-Ikone 'Django' in DJANGO – DEN COLT AN DER KEHLE erleben (auch, wenn der dort verkörperte Revolverheld im Original gar nicht Django hieß). Als schutzbedürftiges Mägdelein sieht man an seiner Seite Barbara Simon, die nur selten auf der Leinwand zu Gast war, dabei unter anderem in DJANGO UND DIE BANDE DER GEHENKTEN neben einem „echten“ Django, dargestellt von Terence Hill. Simon muss hier eigentlich nur hübsch aussehen, was ihr auch im ansprechenden Maße gelingt – freilich ohne dabei vollends zu begeistern. Auch auf Schurken-Seite gibt es keine Glanzleistungen zu vermelden, zumal die konturlos gezeichneten bösen Buben ohnehin fast nur reines Kanonenfutter sind. In den Nebenrollen fallen mit Fernando Sancho [→ EINE PISTOLE FÜR RINGO] und Sal Borghese [→ EIN TURBO RÄUMT DEN HIGHWAY AUF] immerhin noch zwei bekannte Gesichter des Italo-Kinos auf.

Mal abgesehen von dem schmissigen Titelsong (der – auch keine sonderlich große Überraschung - vor nett gemachtem James-Bond-Gedächtnis-Vorspann abgespielt wird), ist die musikalische Begleitung eher verunglückt und erinnert überwiegend an jahrmärktliche Leierkasten-Beschallung. Atmosphärisch gelungen geriet hingegen die Anfangsszene, in welcher eine Frau in panischer Angst durch die Nacht flüchtet – eine stimmige Eröffnung, die an einen klassischen Horrorfilm-Moment erinnert und schließlich zwar absehbar, aber schön makaber aufgelöst wird. Das Versprechen, das diese Sequenz gibt, kann das nachfolgende Abenteuer freilich nicht einhalten – dazu fehlt es einfach zu sehr an Spannung, Dramatik und Kreativität. Das ist eigentlich erst dann erstaunlich, wenn man sich ansieht, wer hier das Regiezepter in der Hand hielt: Sergio Sollima wurde nachfolgend zu einem von den Kritikern sehr geschätzten Mann und inszenierte nur kurze Zeit später die Western-Meisterwerke DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE, VON ANGESICHT ZU ANGESICHT und LAUF UM DEIN LEBEN sowie den exzellenten Noir-Thriller BRUTALE STADT. Von der Großartigkeit dieser Bravurstücke ist hier noch rein gar nichts zu spüren; die Agenten-Soße rinnt zwar geschmeidig, bleibt jedoch eine eindeutige Billig-Produktion ohne besondere Ambition.

Der deutsche Titel ist natürlich viel zu reißerisch, ist 3S3 doch nicht mal im Ansatz die kalte Killermaschine, die einem hier angekündigt wird. Doch auch der Originaltitel übertreibt nicht minder: Walter Ross löst hier keineswegs eine Eintrittskarte zur Hölle, sondern vielmehr zu gediegener Sonntagsnachmittags-Unterhaltung für Freunde nostalgischer Leinwand-Erlebnisse. Und für die lohnt sich die Reise trotz fehlender Aufregungen dennoch. Und da sich Agent 3S3 im Anschluss immerhin noch auf eine weitere Mission begeben durfte (für das deutsche Publikum sogar noch auf noch eine mehr, weil man ein anderes Ardisson-Vehikel kurzerhand zum Walter-Ross-Auftritt umfunktionierte – was mit Django geht, geht mit 3S3 schon lange), zahlte sich die Nummer wohl auch hinreichend aus. Es sei gegönnt. 3S3 mag zwar nur ein laues Lüftchen sein, an manch heißem Sommertag jedoch ist ein laues Lüftchen genau das, was man gerade braucht.

s. auch: AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN

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