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 Betreff des Beitrags: CODENAME U.N.C.L.E. - Guy Ritchie
BeitragVerfasst: 16.08.2015 17:51 
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CODENAME U.N.C.L.E
[THE MAN FROM U.N.C.L.E.][GB][2015]

Bild

Regie: Guy Ritchie
Darsteller: Henry Cavill, Armie Hammer, Alicia Vikander, Jared Harris, Elizabeth Debicki, Daniel Westwood, Claudia Newman, Guy Potter, Christian Berkel, Sylvester Groth, Hugh Grant


Inhalt:

1960: Der Kalte Krieg befindet sich auf dem Höhepunkt; die USA und Russland sind bis aufs Blut verfeindet. Inmitten dieser angespannten Situation werden CIA-Agent Napoleon Solo [Henry Cavill] und KGB-Agent Illya Kuryakin [Armie Hammer] gezwungen, zusammenarbeiten: Sie sollen eine von Altnazis unterwanderte Verbrecherorganisation ausfindig machen, die in den Besitz einer Atombombe gelangt ist. Das Gleichgewicht der Mächte steht auf dem Spiel! Vermutlich soll der als tot geltende deutsche Wissenschaftler Udo Teller [Christian Berkel] dazu gezwungen werden, die Bombe zusammenbauen. Solo und Kuryakin suchen in Ost-Berlin dessen Tochter, die taffe Automechanikerin Gaby Teller [Alicia Vikander], auf, um an ihn herankommen. Tatsächlich gelingt es ihnen, die junge Frau zur Zusammenarbeit zu bewegen. Die Spur führt nach Italien zu Gabys Onkel Rudi [Sylvester Groth]. Dieser scheint nicht ganz so harmlos zu sein, wie er tut...

Kritik:

SOLO FÜR O.N.K.E.L. lautet der Titel der Agentenserie, die in den 60er Jahren als amerikanisches Pendant zu JAMES BOND entworfen wurde und sich schon bald als Straßenfeger erwies. Die Ähnlichkeit zum großen Vorbild hatte dabei nicht ausschließlich kommerzielle Gründe: Bond-Erfinder Ian Fleming selbst war an der Konzeption beteiligt und erdachte die Figur des Napoleon Solo, der im Auftrage der titelgebenden Organisation erst um die Welt jettet, um sie dann im Anschluss vorschriftsmäßig zu retten. Noch bevor er damit auch die deutschen Fernsehschirme erreichte, brachte er es hierzulande in mehreren Zusammenschnitten sogar zu Kinoehren und konnte dort im Fahrwasser seines britischen Kollegen trotz deutlich kostengünstigerer Machart beachtliche Erfolge einheimsen. Am Anfang noch um Seriosität bemüht, verlies die Serie diesen Pfad im Laufe der Zeit und wurde nach und nach zur schrillen Selbstpersiflage und dient nun somit in erster Linie der Dokumentation der ausgelassenen Attitüde der 'Swinging Sixties', an deren knalliger Übertreibung von Kitsch und Klischee wohl auch Austin Powers seine helle Freude gehabt hätte. Ungewöhnlich für damalige Verhältnisse war dabei der Umstand, dass der Hauptfigur ein russischer Partner zur Seite gestellt wurde, der – nach etwas vorsichtig-zaghaftem Einstieg – bald gleichberechtigt und auf Augenhöhe mit dem Amerikaner agieren durfte, was zu Zeiten des Kalten Krieges schon ein ziemliches Novum darstellte.

Eben diese Idee griff das Team um Regisseur Guy Ritchie auf, als man sich fast 50 Jahre nach Einstellung der Serie an eine Kino-Neuauflage wagte. Dabei versetzte man die Ereignisse nicht etwa in die Moderne, sondern verortete sie abermals in den 60er Jahren, als sich die Feindschaft zwischen Russen und Amerikanern auf ihrem Höhepunkt befand. Ein seröses Zeitdokument ist das natürlich trotzdem nicht: Der historische Hintergrund wurde lediglich dazu genutzt, einen ironisch-amüsierten Blick auf damalige Zustände zu werfen und auf dieser Basis eine launige Kumpel-Komödie zu kreieren, die sich der bewährten Grundformel des Genres bedient: Zwei vollkommen verschiedene Charaktere treffen aufeinander, kabbeln sich um die Wette und werden nach Überwindung äußerer und innerer Widerstände schließlich ein Herz und eine Seele. CODENAME U.N.C.L.E. erzählt somit strenggenommen die Vorgeschichte zur Serie, wenn berichtet wird, wie Napoleon Solo und Illya Kuryakin zum ersten Male aufeinandertreffen und sich erst zu einem Team zusammenraufen müssen – zumindest theoretisch, denn mit den Originalen haben diese beiden Figuren in erster Linie nur noch die Namen gemein. So machte man den in der Vorlage eine blütenreine Weste spazierentragenden Solo zum Ex-Kriminellen und -Knastbruder und seinen Kollegen Kuryakin zum traumatisierten Waisenkind mit leicht psychotischen Zügen.

Nun hätte eine schlichte 1:1-Umsetzung wohl auch kaum funktioniert, waren die einstigen Titelhelden doch reichlich konturlose Gestalten, die, außer, dass sie jede noch so gefährliche Situation mit einem Achselzucken und einem flotten Spruch zu kommentieren wussten, keine besonderen Merkmale vorzuweisen hatten. Henry Cavill [→ KRIEG DER GÖTTER] und Armie Hammer [→ LONE RANGER] sind hingegen deutlich verwundbarer und liefern sich, wenn auch keine sonderlich innovativen, so doch durchaus amüsante Machtspielchen, die angenehm bei Laune halten können. Ergänzt werden sie dabei von Alicia Vikander [→ SEVENTH SON], die für die unverzichtbare weibliche Note sorgt und ihre Rolle als Gaby Teller mit einnehmendem Charme absolviert. Woran es hingegen mangelt, ist ein wirklich ernstzunehmender Gegner: Kämpfte man in der Serie noch pro Folge gegen ein meist größenwahnsinniges Verbrechergenie mit sinisteren, der Realität enthobenen Vernichtungs- und Beherrschungsplänen, präsentiert man hier gleich eine ganze Handvoll Finstermänner und -frauen, die für sich genommen zwar reizvoll sind, in ihrer Vielzahl jedoch unnötig verschenkt wirken.

Ohnehin ist es etwas betrüblich, dass man bei der Neuauflage, obwohl ein durchaus beträchtliches Fass an Ironie und schwarzem Humor geöffnet wurde, insgesamt doch eher auf dem Teppich blieb, betrachtet man die völlig verrückten Ausschweifungen, die das Original zum Teil einst betrieb. CODENAME U.N.C.L.E. verzichtet auf die Möglichkeit zur allumfassenden satirischen Verhöhnung, was die Vorlage mit all ihrer Hemmungslosigkeit und ihrem arglosen Sexismus fast zur größeren Komödie macht. Ritchies Werk gibt sich im Vergleich eher zurückhaltend und suhlt sich stattdessen im attraktiven Retro-Look, der allerdings so gut gelungen ist, dass letztendlich auch das nicht sonderlich originelle Drehbuch hinter ihm zurückstecken muss. Wirklich aufregend ist die ausgelutschte Story vom Kampf gegen eine atomar bestückte Schurken-Organisation nämlich beileibe nicht. Dafür beweist Ritchie abermals sein Talent und serviert elegantes, bisweilen sogar meisterhaft inszeniertes Nostalgie-Kino mit zum Teil hervorragenden darstellerischen Leistungen. Exemplarisch für beides sei die Szene genannt, in welcher einer der Protagonisten seine Maske fallenlässt und zur fröhlichen Folterstunde einlädt: Die großartige Regie entfacht, in Kombination mit dem grandiosen Schauspiel, ein alptraumhaftes Szenario, das einem, obwohl ironisch gebrochen, einen Schauer über den Rücken jagt, bevor es schließlich in einer überaus makabren, doch befreienden Pointe gipfelt.

Auf allzu viele Extravaganzen wurde allerdings verzichtet. Anders, als bei SHERLOCK HOLMES, dem Guy Ritchie 2009 auf ähnliche Art und Weise eine erfolgreiche Wiederbelebung spendierte, geriet die Inszenierung hier weitaus weniger verspielt und – gemäß der Vorlage - beinahe schon klassisch. Eine im aufgeregten Split-Screen erzählte Aktion in der Mitte wirkt daher schon fast ein wenig fehl am Platze. Dass es dennoch aus allen Poren nur so sprüht vor Stil, Esprit und Leichtigkeit stellt eine regelrechte Erholung dar, betrachtet man zum Vergleich die einstige Blaupause James Bond, welcher zur selben Zeit mit nie zuvor erlebtem Ernst und Schwermut operierte. Der Mann von U.N.C.L.E. hat sich somit endgültig von 007 emanzipiert und empfiehlt sich als amüsante, augenzwinkernde Alternative zum überwiegend freudlosen Agentenalltag der Konkurrenz – ein knallbunter Rückwärts-durch-die-Zeit-Trip mit etwas Action, viel Humor und einer gehörigen Portion Schwung und Schick. Nicht nur für Onkel. Auch für Tante.

s. auch: CODENAME U.N.C.L.E.

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 Betreff des Beitrags: Re: CODENAME U.N.C.L.E. - Guy Ritchie
BeitragVerfasst: 05.12.2015 23:42 
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Danke für die Vorstellung! Fand ihn auch gut, dabei bin ich kein zwingender Fan von Ritchie.

Leider dämlich an der deutschen DVD ist, dass die festen englischen Untertitel der US-Version, wenn deutsch oder russisch gesprochen wird, auch bleiben, wenn man die deutsche Version schaut. Also gibt es Passagen, in denen Figuren ganz normal deutsch reden und englisch untertitelt sind. Da hätte Warner sich drum kümmern können und hätte es vielleicht auch getan, wenn der Film mehr Erfolg gehabt hätte.

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