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 Betreff des Beitrags: DAS OHR - Karel Kachyna
BeitragVerfasst: 21.03.2014 12:42 
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Ucho/ The Ear/ Das Ohr
Tschechoslowakei 1970
Regie: Karel Kachyna
Drehbuch: Jan Procházka, Karel Kachyňa
Musik: Svatopluk Havelka
Darsteller: Radoslav Brzobohatý, Jiřina Bohdalová, Jiří Císler, Miloslav Holub, Jaroslav Moučka, Ladislav Křiváček, Alois Mottl, František Němec, Bronislav Poloczek, Josef Šulc, Jan Teplý st.,

Bild


Der Film entstand, wie es die Jahreszahl vermuten lässt, im Dunstkreis des Prager Frühlings bzw. dann schon in der Zeit der Normalisierung und wurde bei erscheinen erstmal wieder unter Verschluss gehalten.
Der Film handelt von einem Ehepaar, dem ranghohen Politiker Ludvik und seiner trinkfreudigen Ehefrau Anna.
Nach einer durchzechten Partei-Party kommen sie heim und das Haus (die Kellertür) steht offen, die Notfallschlüssel sind weg, genau wie der Strom.
Im Haus entwickelt sich eine bösartige Stimmung. Das Paar und der Zuschauer steigern sich in die Vermutung, dass Ludvik auf der Abschussliste der Partei geraten ist. In Flashbacks rekonstruieren sie den Abend, was passiert ist, wer mit wem sprach und ob es irgendwelche Hinweise auf irgendetwas gibt.

Ausserhalb des Hauses steht ein Auto, besetzt mit Personen, ausserhalb des Lichtes der Straßenlaterne. Später stehen Fremde im Garten. Bewegungslos.
Ludvik wird rasend und vermutet eine mysteriöse Arbeit von ihm als Grund der Bespitzelung und der, für ihn und mich folgerichtigen, kurz bevorstehenden Verhaftung. Er verbrennt möglicherweise kompromittierendes Material und schüttet die Asche ins Klosettwasser. Später wird der Strom angestellt und ein alter Armee-Freund kommt mit einer Gruppe vorbei zum saufen.Mitten in der Nacht. Das diese Situation eigenartig sein könnte, wenn ein Freund, der Monate- oder Jahre nicht gesehen wurde, Nachts ankommt, mit, dem Gastgeberpaar eher unbekannten, Trinkkumpels, lässt sich keiner der Beteiligten anmerken. Sie spielen die Gastgeber, auch die Frau reißt sich zusammen.


Als sie weg sind, beginnen die Streiterein zwischen dem Ehepaar von neuem. Er prügelt sie, hält sie unter kaltes Wasser und beide beschimpfen sich auf das übelste. Später entdecken sie die neu gelegten Wanzen.
Die einzig freie Stelle zum Reden ist der Balkon, dort zucken sie bei jedem vorbeifahrenden Auto...



Der Film ist nervenzehrend. Schwarz/weiß gedreht.
Die Frage als Zuschauer ist ja auch: Sollte ich Mitleid haben mit ihm? Immerhin biedert er sich dem Staat an, besetzt selbst eine höhere Stelle. Er sticht also eventuell schon heraus aus der grauen Masse der Mitläufer und ist selbst ein das System weiter stabilisierendes und zementierendes Element. Ihre Wohnung ist eine schon luxuriöse. Das er hinter dem eisernen Vorhang lebt ist seine Schuld ja nicht, dass er zu einem Dissidenten wird ist auch nicht einforderbar, dass er sich durch sein Handeln aber zu einem Gewinner und Nutznießer aufschwingt ist schon ein Naserümpfen wert. Das nun er selbst ein womögliches Opfer der Partei wird, zeigt wie irrational dieses System funktioniert, dass die eigenen funktionierenden Teile aus unersichtlichen Gründen zu entfernen vermag. Diese Paranoia die sich dann steigert, die Filmzeit beträgt ja nur einen Abend bis zum Morgen, ist bemerkenswert. Sie suchen nach Gründen, weswegen sie in Ungnade gefallen sein könnten und natürlich finden sich Marginalien die, im Grunde unbedeutend, zu Lebenszerstörerischen Elementen aufgebauscht werden.

Interessant waren die Dialogaufnahmen, in der der sprechende Frontal eingeblendet wurde und mit dem Zuschauer sprach. Auch die Ansprache des Obergenossen: stand er mit dem Rücken zum Publikum, der Kamera zugewandt.
Die Spannung, die Aufgebaut wurde und dieses Ende waren meisterhaft. Toller Agentenfilm.

Ist mal bei second run erschienen. Gibt's also für 10-14 Euro bei ebay.
Die tschechische DVD kostet knapp 5 und hat englische Untertitel.

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