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 Betreff des Beitrags: DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU - Jess Franco
BeitragVerfasst: 28.07.2011 08:58 
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DVD-Box von Kinowelt


Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu (Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien 1969, englischer Titel: The Castle of Fu Manchu)

Günther schwingt das Skalpell, Rosalba zieht die Wumme

...und wieder schlägt Fu Man Cu (Christopher Lee) zu! Nicht weniger als die übliche Forderung nach der Weltherrschaft im Gepäck, lässt er zwecks Demonstration seiner Macht ein dickes Schiff im Ozean versinken. Professor Heracles (Gustavo Re) hat eine Substanz entwickelt, die gigantische Mengen Wasser umgehend zu Eis erstarren lassen kann. Selbstverständlich hat der verschlagene Dr. Fu Man Chu den Wissenschaftler längst in seine Gewalt gebracht, doch der schwerkranke Gelehrte rückt die Formel nicht raus, steht kurz vor dem Herztod. Klar ist jedoch, dass grosse Mengen Opium zur Herstellung des Materials benötigt werden. In Anatolien verschafft sich der Supergangster Zugriff auf den Stoff, dazu nimmt er die Hilfe des lokalen Gauners Omar Pascha (José Manuel Martín), und dessen Tochter Lisa (Rosalba Neri) in Anspruch. Nachdem sich Fu Man Chu den Palast des Gouverneurs unter den Nagel gerissen hat, beendet er die Zusammenarbeit mit Omar auf seine Weise, Lisa verschwindet in finsteren Foltergewölben. Damit sich Professor Heracles nicht aus dem Leben verabschiedet, lässt Fu Man Chu den Herzspezialisten Dr. Curt Kessler (Günther Stoll) samt seiner Assistentin Dr. Ingrid Koch (Maria Perschy) entführen, Kessler soll eine Herztransplantation durchführen. Gewissermaßen vor der Nase von Nayland Smith (Richard Greene) und Dr. Petrie (Howard Marion Crawford), werden Kessler und Koch aus London verschleppt. Nayland Smith macht sich auf die Suche nach seinem Erzfeind, wird er Fu Man Chu endlich zur Strecken bringen? Immerhin kann er auf die Hilfe Omar Paschas setzen, der seine Lisa den Krallen des Chinesen entreissen will...

Jess Franco führte bereits beim vierten Auftritt des Oberschurken Fu Man Chu Regie, auch der fünfte und letzte Beitrag zu dieser schönen Filmreihe geht auf sein Konto ("Filmreihe" bezieht sich auf die fünf Fu Man Chu-Streifen aus den sechziger Jahren, vorherige und spätere Werke sind davon ausgenommen). Zur Gestaltung des Auftakts der fünften Sause, bediente man sich beim zweiten Film der Reihe, Szenen aus dem Finale von "Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu" müssen herhalten. Eine dreiste und clevere Maßnahme, das Konto des Geldgebers wird sich gefreut haben, tatsächlich funktionieren die "gestohlenen" Szenen in ihrem neuen Umfeld erstaunlich gut.

Christopher Lee gibt den ultrabösen, skrupellosen Megaschurken mit gewohnter Souveränität, wer sich seinem Willen widersetzt wird vernichtet. Bekanntlich führen selbst Gehorsam und Zusammenarbeit nicht zum Ziel, Geschäftspartner die ihre Aufgaben erfüllt haben, lässt der Doc ebenfalls gern von seinen Mitarbeitern entsorgen. Wenn freche Arbeiter sich nicht als Packesel einspannen lassen, lässt Fu Man Chu vor Zorn den grössten Staudamm des nahen Osten bersten, den ungehorsamen Pöbel sintflutartig hinfort spülen. Nebenbei führt er damit dem noch nicht in der Spur laufenden Dr. Kessler vor Augen, dass man sich vorzugsweise dem Willen Fu Man Chus unterwerfen sollte. Günther Stoll sehe ich sehr gern, in den letzten Monaten tauchte er immer wieder in den frühen Derrick-Episoden auf, leider verstarb er bereits 1977. Stoll hat in "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" einige herrliche Szenen. Stoll und Perschy werden von den Schergen des Bösewichts in Särgen abtransportiert, schälen sich nach dem Ende der Zwangsnarkose wie Untote aus den Holzkisten. Jess Franco taucht diese Momente in soft-gruselig bunte Farben, derartige "Spätsechziger-Psychedelic-Ausleuchtung" bietet der Streifen immer wieder an. Stoll darf nicht nur dem Sarg entsteigen, gemeinsam mit Frau Perschy verpflanzt er ein Pumporgan, Fu Man Chu hat freilich an einen geeigneten Operationssaal gedacht. Maria Perschy ist recht hübsch anzusehen, ihre Rolle gibt indes nicht allzu viel her. In erster Linie darf sie Günther Stoll schöne Augen machen, so verpasst man dem Treiben nebenbei eine kleine Liebesgeschichte. Weitaus interessanter mutet der Part von Rosalba Neri an, die mit dem Schiessprügel für eine Dosis Radau sorgt. Neri sorgt in anderen Filmen, bei einigen Fans des Eurokult-Kinos für feuchte Träume, spontan denke ich an "Das Schloss der blauen Vögel" (1971) von Fernando Di Leo. Diesmal gibt sie sich züchtig, gewährt dem geifernden Lüstling keine Einblicke. Leider taucht Rosalba im Mittelteil des Films ab, für meinen Geschmack hätte man ihre Rolle gern ein wenig grösser anlegen dürfen. Tsai Chin sehen wir wie immer als treue und fiese Tochter des Dr. Fu Man Chu, Howard Marion Crawford gehört als Weggefährte von Nayland Smith ebenfalls zum Inventar der Reihe. Richard Greene mag nicht ein so überzeugender Nayland Smith wie Nigel Green sein (Der in "Ich, Dr Fu Man Chu" diese Rolle innehatte), kann aber mit einer zufriedenstellenden Vorstellung aufwarten. Nayland Smith steht sowieso nicht mehr so stark im Mittelpunkt wie zu Beginn der Reihe, von daher gibt es nichts relevantes an der Leistung von Greene zu bemängeln.

Jess Franco taucht in seinen Filmen gern selbst vor der Kamera auf. In diesem Streifen sehen wir ihn als phlegmatischen Polizisten, der in der Türkei für Recht und Ordnung sorgen soll. Ich mag die Auftritte des knubbeligen Spaniers, solche Schlaffis wie der von ihm verkörperte Inspektor Ahmet passen prima zu Franco. Insgesamt wirkt "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" für einen Jess Franco Film eher zahm, auf Erotik und sonstige Auswüchse wurde (leider) verzichtet. Im Vergleich zu Francos "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu", kommt der fünfte Streifen um den Superschurken ein wenig hüftsteifer daher. Ich vermisse den frischen Wind des Vorgängers, welcher der Reihe sehr gut zu Gesicht stand. Wirft man darüber hinaus einen Blick auf die Filmographie des Meisters, stellt man fest, dass Franco während der späten sechziger/frühen siebziger Jahre, ganz andere Kaliber auf die Beine gestellt hat. Selbst der Blick in die vermeintliche Folterkammer fällt fast verschämt aus, die Handbremse bleibt angezogen. Im Finale geht manchmal die Übersicht verloren, die Kamera hat Mühe dem Popanz zu folgen.

Auf der DVD findet man (wie üblich) die deutsche und die internationale Version des Films. Beide Fassungen funktionieren, einmal mehr gefällt mir die lange (internationale) Fassung etwas besser, sie wirkt stimmiger, runder. Auch bezüglich der Bildqualität hat die lange Variante klar die Nase vor, die deutsche Kinofassung hat mit deutlichen Qualitätsschwankungen zu kämpfen. Für die lange Fassung -die in englischer Sprache vorliegt- stehen zuschaltbare Untertitel in deutscher Sprache zur Verfügung. Der unverzichtbare Hinweis auf die "Dr. Fu Man Chu Collection" aus dem Hause Kinowelt, in der alle fünf "Fu Man Chu" Filme mit Christopher Lee enthalten sind:

• Ich, Dr. Fu Man Chu (1965)
• Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu (1966)
• Die Rache des Dr. Fu Man Chu (1967)
• Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu (1968)
• Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu (1969)


Das Set wird inzwischen für schlappe 15€ gehandelt, ein sehr fairer Kurs für diese fünf schönen Filme! Sicher, die Umsetzung der deutschen Fassungen mag nicht perfekt sein. Doch die internationalen Auswertungen sind in der Regel sowieso vorzuziehen, ich betrachte die deutschen Versionen als angenehmen Bonus. Auch wenn nur der erste Film von mir 8/10 (sehr gut) erhielt, möchte ich für das Gesamtpaket dennoch 8/10 ziehen! Fu Man Chu sorgt für gute Laune, und wenn ich die unzähligen "Wohlfühlpunkte" zumindest im Ansatz in die Bewertung einfliessen lasse, dann sind 8/10 keinesfalls zu großzügig bemessen!

Nun steht die Einzelwertung für "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" an. Beim direkten Vorgänger sah diese wie folgt aus: "7/10 (gut) halte ich für angemessen, der "Wohlfühlfaktor" lässt den Flick in höhere Regionen schweben. Danke, lieber Jes(u)s." Weil die "Folterkammer" ein wenig abfällt, kann ich mir lediglich 6,5/10 abringen. Aber ihr wisst ja: Knuffigkeit passt in kein Zahlenraster!

Lieblingszitat(e):

Aus der englischen Fassung:

"We are very happy to serve you."

Aus der deutschen Fassung:

"Wenn sich die Regierungen der Großmächte meinem Willen nicht beugen, werde ich die Menschheit vernichten!"

_________________
Blap V 3.0 regaining paradise

***
Vom Ursprung her verdorben


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU - Jess Franco
BeitragVerfasst: 10.12.2014 11:58 
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Christopher Lee   Tsai Chin   Maria Perschy   in

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● DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU / EL CASTILLO DE FU-MANCHU / IL CASTELLO DI FU MANCHU / THE CASTLE OF FUMANCHU (D|E|I|1969)
mit Günther Stoll, Howard Marion-Crawford, Werner Abrolat, Rosalba Neri, José Manuel Martín und Richard Greene
eine Gemeinschaftsproduktion der Terra Filmkunst | Italian International Film | Tilma Films | Balcázar Producciones Cinematográficas | im Verleih der Constantin
ein Film von Jess Franco


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»Die Foltern des Fu Man Chu sind grausamer als der Tod!«


Super-Schurke Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) lässt in der Karibik einen künstlichen Eisberg entstehen, mit dem er ein großes Passagierschiff kollidieren lässt. Hunderte Menschen kommen ums Leben. Mit dieser Demonstration ist die Ankündigung verbunden, die Menschheit auszurotten, falls die Regierungen aller Länder sich nicht seinem Willen beugen. Dieses Verfahren wurde von Professor Henderson (Gustavo Re) entwickelt, der sich in der Gewalt Fu Man Chus befindet, doch der Wissenschaftler ist schwer herzkrank, so dass er seine Erfindung nicht verfeinern kann. Lin Tang (Tsai Chin) wird beauftragt, den Chirurgen Dr. Kessler (Günther Stoll) und dessen Assistentin Dr. Koch (Maria Perschy) zu entführen, damit die beiden eine Herztransplantation bei Henderson vornehmen können. Falls sie sich weigern, werden sie in der Folterkammer landen. Nayland Smith (Richard Greene) von Scotland-Yard nimmt erneut die Verfolgung auf, doch wird er den größenwahnsinnigen Verbrecher noch aufhalten können..?

Nach diesem fünften Teil wurde der Plan einer weiteren Fortsetzung schnell zu den Akten gelegt, da Jess Francos zweite Fu-Man-Chu-Adaption sowohl bei der Kritik als auch bei der Zuschauergunst nicht unbedingt erfreut aufgenommen wurde. Und tatsächlich ist Film N°5 noch verworrener und umständlicher konstruiert worden als sein eigentlich unterhaltsamer Vorgänger. Bereits der Beginn lässt den Eindruck entstehen, dass man hier nicht nur schnell inszeniert hat, sondern dass wesentliche Fragmente lediglich eilig zusammen gebastelt wurden, so dass kein rundes Gesamtbild entsteht. Minutenlanges Archiv-Material lässt eine frühe Langeweile entstehen und eine kaum zu überbietende Zusammenhanglosigkeit windet sich durch den kompletten Verlauf. Auf der anderen Seite bekommt man es zusätzlich auch noch mit einem durch und durch konservativen Franco zu tun, was die Aufmerksamkeit nicht gerade unterstützend fordert. Erneut ist es der Regie in keinem Moment gelungen, an das bestehende Zeitfenster anzuknüpfen und es sieht tatsächlich so aus, als würde Dr. Fu Man Chu seine Rachepläne im Jahr 1969 schmieden. Diese Zeit- und Gedankensprünge machen die ohnehin ausgelutschte Geschichte nicht gerade interessanter, es haben einfach ein paar zündende Einfälle gefehlt, um der Reihe zu einen neuen Schub zu verhelfen. Aber die Inszenierung stellt ja insofern quasi eine Expertise dar, dass man sich diese Strategie wohl schon vorher aus dem Kopf geschlagen hatte. Jess Francos Eigensinn überlagert somit resolut das tatsächliche Serien-Konzept und der Zusammenhang wird nur noch durch die boshaften Protagonisten und deren Gegenspieler am Leben gehalten. Die Zusammenstellung der Stammbesetzung und der immer wieder neu integrierten Charaktere sorgt für eine willkommene Abwechslung, hochkarätige Darsteller für Wiedersehensfreude, wenngleich sie unter der Regie beinahe nur noch Sekundär-Charakter haben.



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In "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" ist es beonders seltsam und unverständlich, aber Christopher Lee und Tsai Chin wollen hier nicht die gewohnte Freude aufkommen lassen. Sie wirken erstens recht konträr zu der jeweiligen Strategie aus Vorgängerfilmen inszeniert, außerdem fehlt zweitens die diabolische Note. Dr. Fu Man Chu möchte erneut die Weltherrschaft für sich gewinnen, doch in keinem der anderen Beiträge ging es so konfus zu, wie hier. Christopher Lee wirkt nahezu so, als sei er lediglich zum Stichwortgeber degradiert worden und Tsai Chin plätschert ohne die bekannte und gerne wahrgenommene Vehemenz nebenher, so dass es von vorne herein klar erscheint, dass auch hier kein Blumentopf zu gewinnen ist. Dieser Eindruck nimmt dem Szenario in schwerwiegender Art und Weise die sowieso nicht vorhandene Spannung und Francos zweiter Beitrag verkommt zu einem unausgereiften Abenteuer-Film. Maria Perschy kann ihrre Unterforderung leider zu keinem Zeitpunkt verbergen, also beschloss sie offenbar als Ablenkungsmanöver, besonders schön und elegant wie selten auszusehen. Ihre Rolle gestaltet sich im Serien-Kontext nur noch als obligatorisch und geht schließlich unter, was sehr schade ist. Günther Stoll teilt das gleiche Schicksal, denn seine - im eigentlichen Sinne Schlüsselfigur - verblasst ebenfalls im Dickicht der Inszenierung. Richard Greene und Howard Marion Crawford messen zwar gewohnt ihre Kräfte, was jedoch hier nichts anderes als ausgemergelte Routine bedeutet und eine mit Maschinenpistolen herumballernde Rosalba Neri verleitet bestenfalls zum Träumen, andernfalls eher zum Schmunzeln. Darsteller und Stab läuten das Ende der Serie also mit Pauken und Trompeten ein und man wundert sich, dass hier durchgehend derartig schlampig und verworren inszeniert wurde. Im Großen und Ganzen hat Jess Franco wenig empathische Fähigkeiten bei der Bearbeitung des Stoffes angesichts bestehender Regeln einer laufenden Serie bewiesen und wirklich alles hier wirkt isoliert voneinander, als habe jeder aneinander vorbei gearbeitet. Hin und wieder kommen einige schöne Bilder und gelungene Veranschaulichungen zum Vorschein, die die Wurzeln in Erinnerung rufen, allerdings folgen darauf unmittelbar wieder Stilbrüche und unwirsche Bearbeitungsmethoden, so dass man es schlussendlich mit dem wohl schwächsten "Fu Man Chu"-Teil zu tun hat. Insgesamt gesehen ist "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" als unkonventioneller Versuch im Sinne der Reihe gescheitert, aber eigenartigerweise gibt es dennoch genügend Unterhaltungspotential aufzuspüren. So lala!


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU - Jess Franco
BeitragVerfasst: 27.12.2014 15:46 
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Sehr geehrter Herr Prisma, so sehr ich Ihre Rezensionen schätze, hier muss ich Ihnen ausnahmsweise zumindest teilweise widersprechen. Sie schreiben

Prisma hat geschrieben:
Minutenlanges Archiv-Material lässt eine frühe Langeweile entstehen
Ich hingegen finde diesen Kessel Buntes aus den 13 SKLAVINNEN DES DR. FU MAN CHU und der TITANIC, geschätzt aus dem Jahr '53, ausgesprochen unterhaltsam. Klar, innovativ geht anders. Aber irgendwie passt es doch zum Film und zu Jess Franco schon auch. Irgendwie.

Prisma hat geschrieben:
..., außerdem fehlt zweitens die diabolische Note.
Au contrair! Ich finde Christopher Lee so diabolisch wie in keinem der Vorgänger. Nicht nur dass er in beiden Francos sehr herrschaftlich und arrogant wirkt, hier kommt durch das psychedelische Farbenspiel auch noch eine recht teuflische Stimmung auf. Fu Manchu in rotgrünem Licht, wenn er äußert (sprechen kann man das ja nicht nennen) "You must obey until death.", da laufen Gänsehäute rauf und runter :D

Prisma hat geschrieben:
Erneut ist es der Regie in keinem Moment gelungen, an das bestehende Zeitfenster anzuknüpfen und es sieht tatsächlich so aus, als würde Dr. Fu Man Chu seine Rachepläne im Jahr 1969 schmieden.
Sehe ich ehrlich gesagt nicht so, weder beim Vorgänger noch hier. Oldtimer fahren durch die Gegend, und Rosalba Neri benutzt eine Maschinenpistole mit Trommelmagazin wie weiland die Gangster in Chikago. OK, richtiges 20-er-Jahre-Flair kommt nicht auf, aber ich könnte mir durchaus vorstellen (und das ist unbedingt vorurteilsfrei zu verstehen), dass das Istanbul der 20-er und der 60-er Jahre sich nicht so wesentlich unterscheiden.

Das der Film etwas wirr geraten ist, gut , da stimme ich zu. Jess Franco war einfach kein Regisseur für Abenteuerfilme. Maria Rohm meint im Interview zur TODESKUSS-DVD ja auch, dass er, wenn er keinen erotischen Kontext einbauen konnte, nicht ordentlich arbeiten konnte oder wollte. Und unter diesem Gesichtspunkt finde ich hat Franco hier einen durchaus ansehbaren Abenteuerfilm (Eurospy??) auf die Beine gestellt, der mit einfachen Mitteln (wie z.B. der Schnittfolge bei der Sprengung des Staudamms oder eben des erwähnten Teasers) doch ganz ordentlich funktioniert. Klar, Don Sharp hätte den Streifen anders inszeniert. Knackiger, wahrscheinlich etwas härter auch. Aber das Franco-Universum funktioniert eben nach anderen Regeln. Die Details sind es hier: Dass die Schergen Fu Manchus mit mexikanischen Ringermasken am hellichten Tag durch Istanbul laufen ohne Aufsehen zu erregen finde ich schon gigantisch. Genauso wie die Tatsache, dass Scotland Yard sein Hauptquartier offensichtlich in das British Museum verlegt hat (das legt zumindest die Schnittfolge nahe). Jess Francos Rolle als schlapper und uninteressierter Inspektor der Istanbuler Polizei ist umwerfend. Und das Gesicht Maria Perschys wenn sie die Praxistür öffnet und die Asiaten sieht: Unbezahlbar ... Solche Kleinigkeiten sind einfach das Salz in der zugegebenermaßen manchmal etwas konfus schmeckenden Suppe.

Eine Frage an die Experten: In der OFDB wird Herbert Fux als Gouverneur geführt. Weiss vielleicht jemand genaueres über den Verbleib seiner Rolle? Oder war das Cameo so geschickt dass ich ihn nicht erkannt habe ...?

Prisma hat geschrieben:
Hunderte Menschen kommen ums Leben. Mit dieser Demonstration ist die Ankündigung verbunden, die Menschheit auszurotten, falls die Regierungen aller Länder sich nicht seinem Willen beugen. Dieses Verfahren wurde von Professor Henderson (Gustavo Re) entwickelt, ...
Ei verbibsch, und ich dachte immer das Verfahren zum Ausrotten der Menschheit, falls die Regierungen aller Länder sich nicht seinem Willen beugen, wäre von George W. Bush erfunden worden. :geek:

Im Großen und Ganzen ein netter Abenteuerflick, der nicht ganz so vergnügt daherkommt wie sein Vorgänger, aber immer noch jede Menge Laune macht. Die gesamte Box, die über die Weihnachtstage geschaut wurde, ist ein Freudenspender wie er im Buche steht. Gute Filme in wirklich ordentlicher Aufbereitung, angenehme Extras (das Audio-Interview mit Karin Dor ist nicht einfach zu verstehen, aber hoch informativ und teilweise sehr lustig), interessantes Werbematerial, und die Gesamtaufmachung passt auch. Hier nicht zuzuschlagen würde Fu Manchus Befehlen zuwiderlaufen, und wer möchte das schon riskieren?

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU - Jess Franco
BeitragVerfasst: 27.12.2014 18:30 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Sehr geehrter Herr Prisma, so sehr ich Ihre Rezensionen schätze, hier muss ich Ihnen ausnahmsweise zumindest teilweise widersprechen. Sie schreiben
Warum denn so förmlich? :lol:


Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Ich hingegen finde diesen Kessel Buntes aus den 13 SKLAVINNEN DES DR. FU MAN CHU und der TITANIC, geschätzt aus dem Jahr '53, ausgesprochen unterhaltsam. Klar, innovativ geht anders. Aber irgendwie passt es doch zum Film und zu Jess Franco schon auch. Irgendwie.
Mich hats maßlos gelangweilt und es zeigt mir, dass Franco schnell und billig abgespult hat. Außerdem wirkt dieser Griff in die Archiv-Trickkiste zusammenhanglos. Macht keinen guten Eindruck im Film.


Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Ich finde Christopher Lee so diabolisch wie in keinem der Vorgänger. Nicht nur dass er in beiden Francos sehr herrschaftlich und arrogant wirkt, hier kommt durch das psychedelische Farbenspiel auch noch eine recht teuflische Stimmung auf.
Auch hier sehe ich das komplett anders. Es ist offensichtlich, dass Franco Christopher Lee nicht richtig angepackt hat, von einer arroganten Note sehe ich nichts, gut und das herrschaftliche gibt ohnehin sein Wesen her. Mal ehrlich. Christopher Lee respektive Dr. Fu Man Chu läuft unter Jess Francos Marschrichtung beinahe nur noch mit. Auch bei Tsai Chin sehe ich den schwerwiegenden Fehler, von Prämissen fortzugehen. Sie hat nichts mehr von einer teuflischen Note, eher sieht man sie mit ungünstigen Gefühlsregungen und Emotionen ausgestattet. In einer Szene lacht/lächelt sie sogar. Ich finde da wurde ein gutes Stück Aura und Magie vom holprigen Drehbuch weichgespült. Die Regie hat sich auf zu viele Belanglosigkeiten konzentriert.

Insgesamt sieht man es doch an den meisten beteiligten Darstellern, dass Jess Franco diese Truppe nicht im Griff hatte. Beispielsweise Maria Perschy, die man zugegebenermaßen selten so schön gesehen hat, wurde verschwenderisch eingesetzt und beinahe komplett verschenkt. Nichts zu machen, dieser Fu-Man-Chu-Teil besteht nur aus vagen Assoziationen zur laufenden Serie und wurde aus ebenso kruden neuen Ideen zusammengebastelt. Ja, ich sehe es mir bei all der Kritik doch noch recht häufig an, aber ein Gewinn bringender Beitrag für die Reihe ist nicht entstanden und ein guter Film überdies auch nicht. Bei mir genießt "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" jedenfalls nicht den obligatorischen Franco-Welpenschutz, da es sich - egal wie ich es mir persönlich auch drehen mag - kein zufriedenstellender Film entstanden ist, er für einen Franco zu konservativ ist und ohne gewisses Etwas vor sich hinplätschert.

Auf mich wirken die (inszenatorischen) Foltern des Jess Franco hier im Endeffekt grausamer als die des Dr. Fu Man Chu! :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU - Jess Franco
BeitragVerfasst: 11.06.2016 11:55 
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● MARIA PERSCHY als DR. INGRID KOCH in
DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU (D|E|I|1969)



Die Tatsache, dass Dr. Fu Man Chu nach seinem vermeintlichen Ende jeweils wieder aus dem Nichts auftauchen konnte, garantierte dem interessierten Zuschauer stets ein baldiges Wiedersehen mit dem gefährlichen Superverbrecher und darüber hinaus weitere Auftritte beliebter Stars. In "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" kommt man unter der vergleichsweise unorthodoxen Inszenierung von Jess Franco in den Genuss mehrerer starker Frauenrollen und in diesem erlesenen Kreis sieht man Maria Perschy zumindest einmal in der nominellen, weiblichen Hauptrolle. Es bleibt gleich anzumerken, dass die Schauspielerin ganz offensichtlich nicht das von der Regie erwartete Potential mitbrachte, denn ihre Rolle wirkt im Vergleich zu Tsai Chin und Rosalba Neri ausbaufähig. Ob Franco die Österreicherin nicht richtig anzupacken, beziehungsweise zu inszenieren wusste, ob sie selbst für besondere Ideen des Spaniers nicht zur Verfügung stand, oder die Dramaturgie einfach nichts Wesentliches hergeben wollte, entscheidet sich im Auge des Betrachters. Fakt bleibt jedoch, dass das Zugpferd Maria Perschy dieses Rennen nicht gewinnen wird, denn dafür bleibt ihr Auftritt zu unbedeutend und in die zweite Reihe verwiesen. Die einfache Betrachtung dieser Rolle hinterlässt zunächst einen eher funktionellen Eindruck, denn sie ist großer Name, eye candy und Zahnrad für die Geschichte in einem. Auffallend schön und elegant, bereichert sie das Geschehen, in welches sie erst ziemlich spät eingreift, schon einmal pauschal, aber wie erwähnt bleibt sie weit unter ihren Möglichkeiten zurück. Der Film bietet nicht die großen Momente, die es in der Reihe schon in zahlreicher Form gegeben hat, auch die Dialoge verhelfen dem Szenario in keine höheren Sphären, die Offiziere dieses Schachspiels fallen letztlich einer Heerschar Bauern zum Opfer.

Die Publikumswirksamkeit, kurzweilige Phasen und nette Ideen bei der Inszenierung lassen diesen Verlauf weniger durchschnittlich aussehen, als er eigentlich ist, doch für Maria Perschy gab es hier zugunsten von Tsai Chin und insbesondere Rosalba Neri keine große Bühne. Da Großaufnahmen unter Jess Franco schon einmal eine Garantie darstellen, sieht man Ingrid immer wieder prominent im Vordergrund, auch wenn es sich auf ihre bloße Erscheinung reduzieren lässt. Maria Perschy zehrt von ihrer besonderen Präsenz und der Fähigkeit, viel aus eher widrigen Voraussetzungen machen zu können. Leider wird sie Teil der undankbaren Aufgabe, eine plumpe Liebesgeschichte kolportieren zu müssen, obendrein mit Partner Günther Stoll, der wie immer nicht gerade von Temperament strotzt und nicht recht zu ihr passen mag. Diese weichspülenden Elemente sind und bleiben unglaubwürdig und für den Verlauf nicht gerade sehr förderlich. Perschy bereichert den Film mit Ausstrahlung und Attraktivität, zeigt aber bei Weitem keine Höchstleistungen und man kann es als eine der ersten Etappen in der spanisch beteiligten Filmbranche nennen, in der sie einige Jahre später zum Star werden sollte. Hier fristet sie lediglich ein Dasein in Grauzonen. Als Frau wirkt sie für das bediente Zeitfenster der Geschichte ungewöhnlich modern und bodenständig, im Rahmen des Produktionsjahres und im Wandel der Frauenrollen sieht man jedoch deutliche Rückschritte im Sinne des unbeholfen wirkenden, zu beschützenden Opfers, das Anweisungen und Bevormundung gewöhnt zu sein scheint. Gerade dieser Eindruck wirkt so konträr zu bestehenden Eindrücken von Maria Perschys Darbietungen, die selten auf einer solchen Basis aufgebaut wurden. Unterm Strich bleibt zu sagen, dass die Wiedersehensfreude wieder einmal groß war, was man von der Anforderung unter Jess Franco allerdings nicht behaupten kann.


➥ MARIA PERSCHY


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