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 Betreff des Beitrags: EINER FRISST DEN ANDEREN - Gustav Gavrin
BeitragVerfasst: 13.09.2013 18:26 
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EINER FRISST DEN ANDEREN / DOG EAT DOG (1964)

mit Cameron Mitchell, Jayne Mansfield, Dodie Heath, Isa Miranda, Werner Peters, Ivor Salter, Pinkas Braun und Elisabeth Flickenschildt
es singt Ines Taddio
eine Produktion der Ernst Neubach-Film | Unione Cinematografica Internazionale | Michael Arthur Films | im Verleih der Constantin
ein Film von Gustav Gavrin


Bild


»You love games?«


Das Gangster-Trio Corbett (Cameron Mitchell), Kostis (Ivor Salter) und die attraktive Darlene (Jayne Mansfield) haben gemeinsam einen großen Coup gelandet. Von einem Navy-Schiff erbeuteten sie 1 Million US Dollar in großen Scheinen, die eigentlich vernichtet werden sollten. In einem Hotel abgestiegen, ist die Freude über diesen Triumph jedoch nicht von allzu langer Dauer, denn die Beute lockt andere Herrschaften an, die ihre große Chance wittern. Der Manager des Hotels, Livio Morelli (Pinkas Braun) und seine Schwester Sandra (Dodie Heath) wollen das Geld an sich bringen, doch der Plan, die anderen auszuschalten, misslingt. Sandra wurde als Geisel genommen und auf eine abgelegene, scheinbar verlassene Insel verschleppt. Doch auch dort ist man alles andere als ungestört. Die überaus seltsame Lady Xenia (Elisabeth Flickenschildt) hat ihr Anwesen zusammen mit ihrem Butler Janis (Werner Peters) wieder bezogen, und die beiden stören die Gangster und die Verfolger des Geldes erheblich. Jeder versucht jedem das Geld abzujagen, doch als es auch noch verschwunden ist, liegen die Nerven blank. Die idyllische Insel wird schließlich zur tödlichen Falle, da eine mysteriöse Mordserie beginnt. Von nun an sind alle auf sich selbst gestellt, doch wer ist der Killer..?

Der Film "Einer frisst den anderen" basiert laut Trailer auf dem Roman 'When Strangers Meet' von Robert Bloomfield, und wurde von Gustav Gavrin inszeniert, außerdem hatten offenbar noch einige andere Regisseure ihre Hände mit im Spiel. Vor dem ersten Anschauen könnte man tatsächlich glauben, dass man es mit etwas in Richtung Wallace-Stil-Verwandtschaft zu tun haben könnte, dies stellt sich dann aber schnell als großer Irrtum heraus, obwohl viele Zutaten in dieser Produktion deckungsgleich erscheinen. Der große Unterschied und die weite Entfernung dazu liegt weniger am Konzept oder am Grundgerüst des Films, sondern daran, dass man natürlich krampfhaft versuchte, im bekannten Fahrwasser mitzuschwimmen, und unbedingt etwas spektakulär-außergewöhnliches liefern zu wollen. Jetzt stimmt es natürlich wenn man sich fragt, ob das nicht die meisten Produktionen beabsichtigt hatten. Ganz bestimmt war das so, doch hier hat man es mit einem merkwürdig inkohärenten Film zu tun, der an diversen Stellen einfach hoffnungslos entgleist. Dem Zuschauer werden direkt zu Beginn, und ohne Vorwarnung 1 Million Dollar vor die Füße geworfen, wo sie herkommen weiß zunächst nur der Wind. Sie sind einfach da, doch nicht nur das. Sie liegen im Bett mit einer gewissen Jayne Mansfield, die sich vergnüglich hin- und herräkelt und beinahe lustvoll dabei stöhnt, wie sie die $ 1000 Noten an sich reibt und presst. Und diese unfreiwillige Komik wird einen im gesamten Verlauf verfolgen, auf Kosten eines ernstzunehmenden Thrillers. Was die unerhört spektakuläre Besetzung angeht, so sieht man ebenfalls diverse Licht- und Schattenseiten.

Die Hauptrolle übernahm Cameron Mitchell, der zu dieser Zeit zum angesagten europäischen B-Movie Star aufgestiegen war. Hätte man ihn in dieser Produktion etwas dezenter eingesetzt, würde nicht der Eindruck entstehen, dass er beinahe an einer Fehlbesetzung vorbeigeschlittert ist. Seine rabiate und impulsive Art hätte jedenfalls so manchem Rache-Western ausgezeichnet zu Gesicht gestanden. Mit ihm erlebt man letztlich eine Irrfahrt zwischen dichter Überzeugungskraft und hoffnungsloser Überzeichnung. Sein Partner beim Überfall wird von Ivor Salter nahezu miserabel dargestellt. Sein dreckiges, unangebrachtes, erniedrigendes Lachen wirkt nicht nur vielen Situationen schlecht angepasst, sondern wirklich auf Dauer Nerv tötend, denn diese Passagen kommen leider häufiger vor. Von ihrer puren Erscheinung hingegen, wirken beide Darsteller richtig überzeugend als Gangster, die jedoch kaum tiefgründiger voneinander differenziert wurden. Pinkas Braun spielt eine für ihn herkömmliche Rolle leider ebenfalls ziemlich herkömmlich und reiht sich in die wenig herausragenden Interpretationen ein. Es sei aber zu erwähnen, dass er ebenfalls durch seine auffällige Erscheinung im Bezug auf Gangster-Visagen oder Misstrauens-Kandidaten für Aufsehen erregen konnte, was in diesem Film auch ganz besonders für Werner Peters gilt, der eine nicht nur undurchsichtige Figur zeichnet, sondern ebenfalls Unbehagen und Unschlüssigkeit transportiert. Werner Peters, der ja stets als Garant für gute Interpretationen zu bezeichnen ist, liefert in 'Dog Eat Dog' eine der herausstechendsten Leistungen. Es handelt sich bei Weitem um keinen Meilenstein in den Filmografien der Herren, aber jeder konnte schließlich von sich behaupten, einmal in ihrer Karriere Jayne Mansfield in den Armen gelegen zu haben.

Jayne Mansfield, die nur wenige Jahre später bei einem Autounfall tödlich verunglückte, zieht hier alle Register, und um ehrlich zu sein, das gar nicht mal so schlecht. Sie tut etwas, das beim Zuschauer für eine erfreuliche Überraschung sorgt, nämlich sie zeichnet eine Art Karikatur der ehemaligen Sexbombe Jayne Mansfield und trägt ihre kaum vorhandene Ernsthaftigkeit auf einem Silbertablett zur Schau. Das alles quittiert sie mit einem gewaltigen Augenzwinkern und vermittelt nicht nur Spiellaune, sondern auch einen hohen Spaßfaktor. Jayne Mansfield war zu den Dreharbeiten in Jugoslawien schwanger, und sie präsentiert ihre dadurch noch üppigeren Formen vergnüglich den Zuschauern. Dodie Heath, die neben ihr verblasst, aber ebenfalls eine sehr attraktive Erscheinung ist, spielt eine annehmbare, wenn auch unscheinbare Rolle als unfreiwillige Komplizin ihres Bruders Livio, und als Geisel der Gangster. Denkwürdige Szenen hat sie mit Kollegin Jayne Mansfield, mit der sie sich sogar prügeln wird, wobei ich immer dachte, dass Damen so etwas nicht tun würden. Mit Isa Miranda und Elisabeth Flickenschildt hatte man zwei große Interpretinnen an Bord. Die Italienerin Isa Miranda, die im europäischen Kino gewiss kein unbeschriebenes Blatt war, spielt das Optimum aus ihrer leider kaum relevanten Rolle heraus und wirkt wie immer sehr präzise und konzentriert. In gleichen Sphären, aber mit einer wesentlich signifikanteren Rolle, bewegt sich keine Geringere als Elisabeth Flickenschildt, die teilweise die Szenerie dominiert. In jeder ihrer Einstellungen hat man den Eindruck, dass sie einen Bühnenauftritt zu interpretieren habe. Große Gesten, überzeichnete Mimik, eine theatralische Darstellung, die traumwandlerisch beeindruckt, aber auch nicht gut zu ordnen ist. Ihre Dialoge sind lyrisch angehaucht und nur selten nachvollziehbar. Es entsteht der Eindruck, dass man es mit einer Dame zu tun hat, die auf einem anderen Planeten zu Hause ist. Die mysteriöse Frau ist ständig in Schwarz gekleidet und trägt majestätische Roben und Schleier, eine vergleichbare Interpretation war mir von ihr bislang nicht bekannt.

Die Schauplätze der Insel und das Anwesen sind beeindruckend, und erscheinen zunächst idyllisch, bis das Katz- und Mausspiel in Fahrt kommt. Natürlich wird es bei dieser Gelegenheit immer einer weniger werden, obwohl die Anzahl der beteiligten Personen ja sehr übersichtlich ist. Auffällig ist die experimentierfreudige Kameraführung, die Details hervor hebt und die Gegebenheiten teils elegant, teils spannend heraus arbeitet. Action und Tempo kommen mehrfach auf und es entsteht so gesehen keine Langeweile. Das Problem ist jedoch, dass der Streifen sich mit einer zu einfach gestrickten und vorhersehbaren Geschichte begnügen und herumplagen musste, und seine Darsteller deswegen alle Kompensationsmechanismen in Gang setzen mussten, was eben nicht dezent im Hintergrund bleibt. Ein großes Ereignis ist die Musik von Carlo Savina, die nicht nur Jayne Mansfield beim Tanz begleiten, sondern auch jede erdenkliche Situation exzellent untermalen konnte. Übrigens hört man einige der hier integrierten Musikstücke ebenfalls in der Jahre später entstandenen Produktion "Schreie in der Nacht" von 1969. Was ganz merkwürdig erscheint, ist die Gesangseinlage von Ines Taddio, die ihren temporeichen Schlager im Hotel auf Deutsch singt, gedreht wurde nämlich in Englisch. Die Synchronisation ist wenig gelungen und strengt meines Empfindens sogar erheblich an, abgesehen von den hauptsächlich plumpen Dialogen. Insgesamt muss der Zuschauer die Entscheidung fällen, womit man es bei "Einer frisst den anderen" zu tun hat. Seine inkonsequenten und verspielten Passagen erschweren diese Aufgabe jedenfalls erheblich. Mich hat diese Produktion beim ersten Sehen als Außenseiter ohne Profil maßlos enttäuscht, da ich mir etwas in Richtung Wallace erhofft hatte, diese Elemente aber nur weitläufig angekratzt wurden. Beim zweiten Mal habe ich den Film als das angenommen was er tatsächlich ist, nämlich Unterhaltung der eigentümlicheren Sorte. Er hat mich zwar nicht als Genre-Film überzeugt und auch angesichts der harten Konkurrenz nicht gerade begeistert, aber amüsiert und unterhalten hat mich 'Dog Eat Dog' doch allemal. Elisabeth Flickenschildt zeigt auf dem Screenshot eigentlich sehr gut, wie man den Film dann schlussendlich betrachten sollte. Insgesamt eine ziemlich krude Angelegenheit!


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