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 Betreff des Beitrags: 96 HOURS - TAKEN 2 - Olivier Megaton
BeitragVerfasst: 23.11.2012 06:13 
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96 HOURS – TAKEN 2
[TAKEN 2][FR][2012]

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Regie: Olivier Megaton
Darsteller: Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Rade Serbedzija, Leland Orser, Luke Grimes, Luenell, Laura Bryce, Kevork Malikyan, Aclan Bates, Jon Gries

Einst pflügte Bryan Mills [Liam Neeson] mit brutaler Gewalt durch Europa, um seine entführte Tochter zu retten. Dabei hinterließ er dank seiner Nahkampferfahrung und skrupelloser Entschlossenheit mehrere Leichen. Murad ist der Vater einer der unter diesen Umständen ums Leben Gekommenen. Und er schwört Rache. Nun soll Mills das genommen werden, was er am meisten liebt: seine (Ex-)Frau Leonore [Famke Janssen] und seine Tochter Kim [Maggie Grace]. Als Familie Mills in Istanbul aufeinandertrifft, sieht er seine Chance: Murads Schergen greifen sich Mills und Leonore. Nun liegt es an Kim, ihren Eltern zu helfen...

„Ich werde Sie finden, und ich werde Sie töten!“ raunte Bryan Mills im Jahre 2008 den Entführern seiner Tochter telefonisch ins Ohr, um im Anschluss selbiges in die Tat umzusetzen – in dieser Reihenfolge und mit beispielloser Akribie.

96 HOURS (im Original TAKEN), ein recht kostengünstig und ohne großartige Übertreibungen inszeniertes Actionbrett, geriet zu einem kaum absehbaren Überraschungserfolg, der Freunde knochentrockener und prickelnd unmoralischer Vergeltungsmaßnahmen die Freudentränen ins Knopfloch trieb. Ein fabelhaft gegen den Strich besetzter, gerade aufgrund seiner Unaufdringlichkeit begeisternder Liam Neeson kämpfte, folterte und meuchelte sich jenseits aller Schamgrenzen durch Europas Unterwelt, um zu verhindern, dass seine Tochter skrupellosen Mädchenhändlern anheim fällt.

Da Erfolge eine Fortsetzung brauchen, überrascht es kaum, dass Bryan Mills vier Jahre später wieder einen Haufen Ärger am Hacken hatte. Dramaturgisch folgt die Weiterführung mit dem unsinnigen deutschen Titel 96 HOURS – TAKEN 2 dabei ohne großes Risiko dem Original. So hat Bodyguard Bryan Mills zunächst abermals eher unspektakuläre Privatproblemchen mit der Ex-Frau und vor allem dem Töchterlein, das er sowohl vor der Entjungferung als auch vor dem wiederholten Durchrasseln bei der Führerscheinprüfung retten muss. Bei Familienzwist und Männergespräch mit Grillkumpanen vergeht erneut einige Zeit, bis das Geschehen in Wallung kommt. Doch wo das Original ab der Entführung von Mills Tochter das Gaspedal quasi pausenlos durchtrat und eine zum Schneiden dichte Atmosphäre kreierte, kommt die Fortsetzung nie so recht in die Gänge und stottert meist planlos vor sich hin.

Die Idee, dieses Mal Mills selbst zum Entführungsopfer werden zu lassen und stattdessen seine Tochter auf Rettungsmission zu schicken, ist so unoriginell nicht, verläuft jedoch bereits nach kürzester Zeit im Sande, da Mills sich im Rekordtempo und auf geradezu lachhaft simple Art und Weise selbst befreien kann. Das nun zwangsläufig folgende Actionspektakel, hauptsächlich bestehend aus Verfolgung, Schusswechsel und Handgemenge, erfüllt freilich seinen Zweck und bietet Adrenalinbedürftigen zumindest das Basisfutter. Das besondere Etwas jedoch, die Grimmigkeit, der Zynismus und vor allem die klare Konsequenz, die das Original so überraschend frisch machten, fehlt fast völlig. War die Action im Vorgänger noch auf ein festes Ziel fixiert, dabei straff, stringent und schnörkellos, wirkt sie bei TAKEN 2 nur beliebig, episodenhaft und zum Selbstzweck verkommend. Das Skript müht sich verzweifelt, kann seine Konstruiertheit jedoch kaum verbergen. Hier eine Hetzjagd, dort eine Rauferei, doch alles ohne echte Motivation, ohne Zusammenhang, ohne Evidenz.

Die zwar heftig abgestandene, doch deswegen nicht minder gültige Botschaft, dass Gewalt notwendigerweise Gegengewalt erzeugt, also Mills' von den Fans geliebte Kompromisslosigkeit im Erstling die Fortsetzung somit quasi erzwungen hat, ist dabei ein nettes Gedankenspiel, und immer mal wieder steht die Frage nach der Legitimität von Selbstjustiz im Raum. Doch in selber Regelmäßigkeit werden diese Ansätze auch wieder fallengelassen, als hätten sich die Macher plötzlich vor ihrem eigenen Intellekt erschrocken. Die Möglichkeit einer interessanten Selbstreflexion bezüglich eines der kontroversesten Aspekte des Originals, die rücksichtslose Gewaltanwendung zum Zwecke hehrerer Ziele, wird somit sinnlos vertan.

Vielleicht wollte man die Fans auch einfach nicht mit zu viel Hirnfutter vergrellen, was durchaus seine Berechtigung hat. Doch fehlt es TAKEN 2 selbst unter dieser Prämisse erheblich an Glaubwürdigkeit. Nun ist Logik fraglos kein zwingendes Konzept für einen funktionierenden Actionfilm. Doch hatte es der erste Teil von 96 HOURS vortrefflich verstanden, Mills Suche, sein Geschick, seine Taktiken, Tricks und Kniffe verblüffend plausibel und nachvollziehbar erscheinen zu lassen. Verfolgte man dort noch fasziniert, wie Mills die Puzzleteile nach und nach zusammenfügte, weicht die Gewitztheit hier eher abstrusen Ideen und ernüchternder Einfallslosigkeit: Da lässt Mills seine Tochter Handgranaten durch Istanbul schleudern, um zwecks genauer Analyse von Windrichtung und Schallreflexion seinen Standort zu bestimmen, und telefoniert selbst in verschnürtem Zustand noch mit dem Notfallhandy aus der Stinkesocke, während die brutalen Gangster den wohl zu dem Zeitpunkt gefährlichsten Mann Istanbuls lediglich mit simplem Plastikbändchen fesseln und sich anschließend wundern, dass ihm die Flucht gelingt.

TAKEN 2 hat gewiss den Nachteil, einen wirklich großartigen 96 HOURS als Vorgänger zu haben. Aber selbst ohne den direkten Vergleich mag sich keine rechte Begeisterung einstellen. Zwar präsentierte auch der Erstling ein eher abgehalftertes Feindbild, gab sich in seinem Verzicht auf Schnörkel und Sperenzchen aber letztendlich dennoch erstaunlich alternativ. Dem Nachfolger jedoch geht jene erfrischende Attitüde fast völlig ab, der befreiende Aha-Effekt weicht den üblichen Klischees, von welchen sich das Original gerade so angenehm unterschied. Die fiesen Gaunerfratzen hat man einmal mehr von ganz tief unten aus der Klamottenkiste gezogen und verärgern durch bereits unzählige Male bis zum Erbrechen durchexerzierte Ganovenklischees (was bereits in der ersten Szene beginnt, als die Albaner bar jeder Logik statt in ihrer Muttersprache in gebrochenem Englisch Blutrache schwören). Istanbul bietet zwar eine schöne Kulisse für das gewalttätige Treiben, wird jedoch abermals als hinterwäldlerischer Moloch präsentiert, in dem Verbrechen und Gewalt dermaßen an der Tagesordnung sind, dass selbst die achtlos in die Gegend geschleuderten Handgranaten niemanden zu interessieren scheinen.

Statt Pierre Morel nahm beim Mills zweitem Ausflug Olivier Megaton auf dem Regiestuhl Platz (der vier Jahre zuvor mit TRANSPORTER 3 ebenfalls eine von einem anderen Regisseur begonnene Actionreihe beerbte), was ebenfalls ein paar Veränderungen mit sich bringt. Sein Stil fiel doch deutlich hektischer aus als die eher besonnene Inszenierung Morels (was sich vor allem in den arg unübersichtlich gestalteten Autoverfolgungen zeigt). Liam Neeson, den man vor 96 HOURS niemals auch nur ansatzweise in einem Actionthriller vermutet hätte, agiert hingegen in bekannter Qualität. Ebenso souverän wie agil beweist er, dass unkonventionelle Besetzungen die halbe Miete sein können. Famke Janssen an seiner Seite hingegen wird vom Skript dermaßen unter Wert verkauft, dass es fast ein Trauerspiel ist.

Der Überraschungseffekt, den der Erstling mit sich brachte, ließ sich freilich unmöglich wiederholen. TAKEN 2 müht sich zwar, bleibt aber letztendlich eine nicht zwingend notwendige und an den Haaren herbeigezogene Fortsetzung, die quasi alle Qualitäten des Originals vermissen lässt: Die zielstrebige Killerklimax weicht beliebiger Larifari-Action, das Aufbegehren gegen gängige Konventionsmuster weicht eben diesen. Sicherlich gibt für Actionfreunde schlechtere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Die Happy Hour ist dennoch vorbei.

s. auch: 96 HOURS - TAKEN 2

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Zuletzt geändert von DJANGOdzilla am 01.09.2013 15:28, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: 96 HOURS - TAKEN 2 - Olivier Megaton
BeitragVerfasst: 23.11.2012 09:30 
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Als ich den im Kino gesehen hab war ich im Nachhinein richtig enttäuscht.

Taken 1: 8,5/10
Taken 2: 5,5/10

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 Betreff des Beitrags: Re: 96 HOURS - TAKEN 2 - Olivier Megaton
BeitragVerfasst: 23.01.2013 16:50 
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Der erste ist wesentlich besser, aber man darf nicht vergessen, dass der in Deutschland auch uncut lief, während der zweite um etwa 10 Minuten gekürzt gewesen sein soll. Da sich der Vorgänger vor allem durch die kompromisslose Gewaltdarstellung auszeichnete, fällt das schon ziemlich ins Gewicht, denn im Prinzip wurde halt alles gekürzt, was für den Erfolg des 1. Teils verantwortlich war.

Zudem lag die Messlatte extrem hoch, denn der erste ist für mich handwerklich der vielleicht beste Actionthriller überhaupt und die Gründe dafür geben auch viele andere Leute an, wenn sie sich positiv zu dem Film äußern. Der Film ist einfach unglaublich gut geschnitten und gefilmt, wahnsinnig schnell, dynamisch und physisch bärenstark - es wirkt schlichtweg so als hätte Liam Neeson sämtliche Stunts komplett alleine gemacht... und der Mann war damals fast 55.
Das konnte der zweite mit einem um fünf Jahre älteren Liam Neeson letzten Endes nicht toppen.

Ich glaube aber trotzdem, dass der zweite den Anschluss geschafft hätte, wenn Pierre Morel erneut Regie geführt hätte, denn das was bei dem ersten als so innovativ und überzeugend gefeiert wurde, war vor allen Dingen Morels Handschrift, die er bereits davor bewiesen hat. Es passte nur niemals alles so gut wie in "Taken" zusammen.
Da die meisten Leute Morel aber nicht kannten oder kennen, wurde das Ganze dann alles dem Film an sich zugute gehalten. Die Handschrift ist aber lupenrein Morel und "Taken" nur EIN Film darunter - gut, DER Film, aber es ist jetzt nicht so als hätte sich Morel hier irgendwie ans Thema angepasst oder sowas (höchstens in den ruhigen Szenen am Anfang, aber nicht bei den Szenen, die den Film auszeichnen... die tragen ganz klar seine typische Marke). Tatsächlich sind mir sogar nur wenige Action-Regisseure bekannt, die eine so klare und eindeutige Handschrift haben.
Nur kennen muss man sie halt - und wäre das bekannt genug gewesen, hätte es unter Garantie breite Petitionen gegeben, dass Morel auch den zweiten Teil machen soll. Die Leute dachten aber, dass "Taken" an sich der Träger des Rezepts ist und das war der Denkfehler. Entsprechend groß war die Irritation und Enttäuschung vieler beim zweiten Film.

Den Regisseur auszutauschen war von daher eine nicht allzu sinnvolle Idee, aber man merkte dem zweiten Film an, dass Megaton sich sehr bemüht hat, den Geist des Vorgängers zu atmen.

Der erste kriegt von mir aalglatte 10/10 (dagegen ist selbst "Stirb langsam" Kindertheater), der zweite nur 6,5 - vorbehaltlich einer Sichtung der UNCUT-Version auf DVD.

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"Wenn du mit mir sprechen willst, ruf die Nummer 6-6-6 an."
Luc Merenda in "A Man Called Magnum" zu einer minderjährigen weiblichen Zeugin von vielleicht 13 Jahren, nachdem diese ihm vorher einen Kuss auf die Wange gedrückt hat, nur weil er ihre Bilder lobte... :D


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 Betreff des Beitrags: Re: 96 HOURS - TAKEN 2 - Olivier Megaton
BeitragVerfasst: 24.06.2015 19:29 
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Letztens ein paar Liam Neeson Filme gesehn, die Taken Trilogie Sowie NON-Stop.

Bei Taken wäre die Reihenfolge bei mir: Nr. 1, dann der dritte, dann erst die 2.


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 Betreff des Beitrags: Re: 96 HOURS - TAKEN 2 - Olivier Megaton
BeitragVerfasst: 24.06.2015 21:58 
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Reverendo Colt hat geschrieben:

Bei Taken wäre die Reihenfolge bei mir: Nr. 1, dann der dritte, dann erst die 2.

Bei mir auch.
Der 2. war echt mies.

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