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 Betreff des Beitrags: MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN - Guido Zurli
BeitragVerfasst: 28.05.2016 12:33 
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MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN

● MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN / SIGPRESS CONTRO SCOTLAND YARD (D|I|1968)
mit George Martin, Karin Field, Ingrid Schoeller, Paolo Carlini, Orchidea de Santis, Andrea Aureli, Marianne Leibl und Klaus Kinski
eine Produktion der Parnass | Cine Teatri | Cinesecolo | Rekord Film | im Gloria Filmverleih
ein Film von Guido Zurli


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»Du bist ja so süß, da krieg ich sofort Komplexe!«

Die Londoner Unterwelt hat neuerdings ein großes Problem, denn den Gangstern wird ihre Beute regelmäßig abgejagt. Hierfür zeigt sich aber nicht etwa Scotland-Yard verantwortlich, sondern der Gegner wird "Mister Zehn Prozent" (George Martin) genannt, der zusammen mit seinem Diener Periwinkle (Klaus Kinski) operiert, und das sehr erfolgreich. Die abgefangene Beute wird gleich an die Polizei übergeben, natürlich abzüglich der zehn Prozent Finderlohn für den Zwei-Mann-Betrieb. Als nächster Coup steht ein groß angelegter Versicherungsbetrug auf der Liste, dessen Aufklärung jedoch ungeahnte Gefahren mit sich bringt...

Der Einstieg in Guido Zurlis Gangster-Komödie provoziert zunächst förmlich eine gesunde Skepsis beim Zuschauer, da man im wenig originellen Vorspann mit einem, laut Credits offensichtlich von Ralph Siegel und Michael Kunze höchstpersönlich produziertem, und von Michael Martin gesungenem Titel-Schlager konfrontiert wird, der die Grenzen der Komik subversiv zu unterwandern versucht. Es folgen Sprüche, die etwas zu flott anmuten und mäßige Choreografien lassen nichts Gutes erahnen, doch dann kippt der Film plötzlich um, und das in einer sehr positiven Art und Weise, was man vielleicht schlicht und einfach Mut der Verzweiflung nennen könnte. Die Geschichte basiert auf einem Kriminalroman aus der "Neue Revue", eine Tatsache, die vielleicht nicht die günstigste Grundvoraussetzung darzustellen vermag, allerdings bekommt man auf inszenatorischer Ebene recht ordentliche Ansätze angeboten, stilistisch geht das Ganze sogar oft über den Durchschnitt hinaus. Die Aushängeschilder dieses Beitrags im Konkurrenzkampf mit der Schwemme an handelsüblichen, beziehungsweise absolut gleich gestrickten Produktionen, bleiben die Titelfigur selbst, aber vor allem die herrliche Dynamik der Kamera, die sich dem Empfinden nach überall zu positionieren scheint und dabei eine Reihe von starken Momenten herbeiführt. Viele Ortswechsel, ein paar nette Spielereien und etliche krude Gestalten lassen die eher mäßige Story immer wieder rasante Zustände annehmen, sodass eigentlich nur wenig Leerlauf aufkommt, und der Film unterm Strich einen kurzweiligen Charakter vermitteln kann, ohne sich dabei todernst nehmen zu wollen. Die Titelfigur "Mister Zehn Prozent" wurde mit George Martin nahezu ideal besetzt, da er die Sympathien spielend auf seine Seite ziehen kann und nicht nur einen besonders agilen, sondern auch einen angenehm-gewitzten Eindruck hinterlässt.

Häufig veranstaltet er kleinere Maskeraden und führt seine Gegner an der Nase herum, überhaupt scheint er mit allen Wassern gewaschen zu sein und hat bei der Arbeit sichtlichen Spaß daran, ausgiebig in die Trickkiste greifen zu dürfen. George Martin bietet schließlich einen sehr erfrischenden Protagonisten an, der als halbes Pendant wesentlich interessanter wirkt als viele andere Herren, die in diesem Genre ihr Unwesen getrieben haben und oftmals an Karikaturen vorbei schlitterten. An seiner Seite sieht man Klaus Kinski als seinen treu ergebenen Diener, dessen vorausschauende Fähigkeiten ihn zur rechten Hand werden lassen. Kinski agiert zur Abwechslung vollkommen beherrscht und distinguiert, unterstützt wird dieser Auftritt durch eine feine sarkastische Note, die die ansonsten so platt ausgefallenen Dialoge etwas aufwerten kann. Des Weiteren sind die ungleichen Damen der Schöpfung zu erwähnen, für die Ingrid Schoeller und Karin Field zunächst einmal schöne Gesichter mitbringen. Die Rollen sind etwas nebulös angelegt, sodass man sich Spielräume für potentielle Überraschungen offen hält, vor allem Karin Field sieht man in diesen Turbulenzen in einer glänzenden Spiellaune, dass sich das Anschauen alleine schon deswegen rentiert. Auf Basis einer Komödie lassen sich zwischen Fehlzündungen und echter Situationskomik einige Eindrücke sammeln, Tempo und Kostproben von Action blicken immer einmal wieder vorsichtig über den Tellerrand und auch wenn Guido Zurlis Beitrag im Endeffekt keine Bäume ausreißen kann, handelt es sich doch um angemessene Unterhaltung im Dunstkreis der offenkundigen Plagiate. Falls alle Stricke reißen und "Mister Zehn Prozent" doch floppen sollte, gibt es in dieser kleinen Krimi-Komödie immer irgend einen gerne gesehenen Interpreten, der bei der Stange halten kann und hier besteht sogar die Möglichkeit, dass es gleich mehrere sein könnten. Kann man sich anschauen.


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 Betreff des Beitrags: Re: MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN - Guido Zurli
BeitragVerfasst: 30.05.2016 11:58 
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Das mit der "Neue Revue" ist doch bestimmt eher nur eine deutsche Marketing-Masche gewesen, oder?
Übrigens ist die ganz, ganz, ganz, ganz schlimme Musik zusammen mit den albernen akustischen Boing- und Doing-Effekten nur in der deutschen Fassung zu finden. Wenn man es deutlich weniger grenzdebil, aber trotzdem äußerst lässig und immer noch sehr komisch mag, sollte man sich die fast eine Viertelstunde länger dauernde und trotzdem noch nicht zu lange internationale Version geben.


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 Betreff des Beitrags: Re: MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN - Guido Zurli
BeitragVerfasst: 30.05.2016 14:45 
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udobroemme hat geschrieben:
Das mit der "Neue Revue" ist doch bestimmt eher nur eine deutsche Marketing-Masche gewesen, oder?

Dazu kann ich nichts sagen, steht so jedenfalls im deutschen Vorspann:

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 Betreff des Beitrags: Re: MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN - Guido Zurli
BeitragVerfasst: 30.05.2016 15:24 
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udobroemme hat geschrieben:
Das mit der "Neue Revue" ist doch bestimmt eher nur eine deutsche Marketing-Masche gewesen, oder?


Warum sollte das der Fall sein?


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 Betreff des Beitrags: Re: MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN - Guido Zurli
BeitragVerfasst: 30.05.2016 21:33 
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Ist nur eine Vermutung. Solche Dinger kamen doch öfter vor. 'Das Schloss der blauen Vögel' hat ja mit Konsalik genauso viel zu tun wie die ersten beiden Argentos mit Bryan Edgar Wallace... :)


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 Betreff des Beitrags: Re: MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN - Guido Zurli
BeitragVerfasst: 30.05.2016 21:54 
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Abgesehen von der schlimmen deutschen Bearbeitung bleiben aber ein paar echte Knallerszenen übrig. Die Stelle, an der Klaus Kinski ohne eine Miene zu verziehen den Bobby mit zwei Schlagstockschlägen ausknockt ist allerfeinster Slapstick, bei der man mindestens zweimal zurückzappt, um sie sich nochmal anzuschauen...

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 Betreff des Beitrags: Re: MISTER ZEHN PROZENT - MIEZEN UND MONETEN - Guido Zurli
BeitragVerfasst: 31.05.2016 18:11 
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udobroemme hat geschrieben:
Ist nur eine Vermutung. Solche Dinger kamen doch öfter vor. 'Das Schloss der blauen Vögel' hat ja mit Konsalik genauso viel zu tun wie die ersten beiden Argentos mit Bryan Edgar Wallace... :)


Das ist natürlich richtig, aber ob es tatsächlich Auszüge in der NEUEN REVUE gab, wird sich ja nachprüfen lassen bzw. die Illustrierte dürfte den damaligen Kinogängern ja nicht völlig unbekannt gewesen sein.


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