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 Betreff des Beitrags: SCHARFE KÜSSE FÜR MIKE FORSTER - Peter Bezencenet
BeitragVerfasst: 12.08.2013 15:24 
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SCHARFE KÜSSE FÜR MIKE FORSTER / CITY OF FEAR (1965)

mit Paul Maxwell, Marisa Mell, Terry Moore, Albert Lieven, Pinkas Braun, Helga Lehner, Maria Rohm, u.a.
ein Film der Towers of London Productions im Schneider Filmverleih
ein Film von Peter Bezencenet


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»Sie müssen entschuldigen, ich habe nicht viel an«


Der amerikanische Journalist Mike Forster (Paul Maxwell) wartet am Flughafen Wien auf seine Maschine nach Budapest. Während dieser Wartezeit trifft er auf einen Fremden (Pinkas Braun), der ihn offenbar gezielt anspricht und ihn in ein Gespräch verwickelt. Er berichtet von seiner ungarischen Schwester, deren angeblich todkrankes Kind ein Serum braucht, welches vor Ort nicht verfügbar sei. Also ersucht er Mike, ein kleines Päckchen mit dem dringend benötigten Serum für ihn durch den Zoll zu schmuggeln, um es seiner Schwester zu übergeben. Als Flüchtling könne er diese Aufgabe selbst nicht übernehmen. Auf einem Zettel stehen Name und Telefonnummer der Frau. Ohne ablehnen zu können ist der Mann auch schon wieder verschwunden, Mike hat keine Wahl mehr, als den zweifelhaften Auftrag zu erledigen. In Budapest angekommen, verliert der verunsicherte Journalist jedoch den Zettel mit der Anschrift. Da es möglicherweise doch um ein Menschenleben geht, strengt er eine Durchsage in Radio Budapest an, worauf sich wenig später eine geheimnisvolle Frau namens Ilona Kovács (Marisa Mell) in seinem Hotel meldet. Mike wird nach dem ersten Gespräch mit ihr zunehmend misstrauisch, bis er schließlich den Inhalt des Pakets überprüft. Darin befinden sich zu seiner Verwunderung zwei amerikanische Pässe, ausgestellt auf Ilona und ihren Vater (Albert Lieven). Eine undurchsichtige Jagd nach der Wahrheit beginnt...

Mit "Scharfe Küsse für Mike Forster" lieferte Peter Bezencenet seine fünfte, und bereits letzte Arbeit als Regisseur ab, produziert wurde die ganze Affäre von Harry Alan Towers, und das Endergebnis ist ziemlich durchwachsen, da der Film erheblich mit seinem mangelndem Profil zu kämpfen hat. Auch die erneute Sichtung beschwor leider keine Offenbarungen hervor, da ich aber einem Marisa Mell-Film in der Regel ungerne als langweilig abqualifiziere, muss ich wohl noch ein Weilchen überlegen, bis mir die passenden Worte dazu einfallen. Der Plot ist weder neu, noch ist er originell in Szene gesetzt worden, viele hölzerne Passagen dominieren das Geschehen immer wieder aufs Neue sehr ungünstig, und insgesamt gelingt es der Regie nur sporadisch, irgendwelche Ausrufezeichen zu setzen. Spannung und Tempo muss man hier eher mit dem Mikroskop suchen, und letztlich wirkt Mike Forsters Reise ins Ungewisse ziemlich verwirrend, was jedoch nicht an der Logik liegt, sondern an der völlig reibungsarmen und unspektakulären Inszenierung, die buchstäblich ratlos stimmt. Zwar ist sein Trip durch Budapest mit diversen scharfen Küssen gewürzt, was die Aufmerksamkeit enorm begünstigt, aber die Jagd von Treffpunkt zu Treffpunkt zu Treffpunkt wirkt nach der Hälfte des Films ziemlich ermüdend. Was man der inhaltlich gesehen, sehr spartanischen Produktion allerdings zu Gute halten kann ist, dass sie im Rahmen der handwerklichen Umsetzung nicht allzu schlampig inszeniert wirkt, und einige klassische Elemente transportiert. Der größte Hingucker ist und bleibt jedoch die Besetzung des Films.


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Titelheld Mike Forster alias Paul Maxwell darf den Bräuten also die Köpfe verdrehen, zu diesem Zweck setzt er natürlich seine Allzweck-Geheimwaffe ein, nämlich scharfe Küsse. Eigenartig dabei ist jedoch, dass er vollkommen langweilig wirkt, und seine Ziele ohne jegliches Charisma erreicht. Dass er bei Weitem nicht gewitzt oder aufgeweckt wirkt, macht ihn ja eigentlich schon wieder recht sympathisch, dennoch stolpert dieser Herr dem Empfinden nach lediglich von einer lausigen Kulisse in die andere, eilt von einem Treffpunkt zum nächsten, und macht dabei das halbe Dutzend voll, und nicht nur er, sondern auch jeder Zuschauer wird so langsam aber sicher unruhig. Synchronisiert wurde Paul Maxwell angenehmerweise von Reinhard Glemnitz, was dem Protagonisten noch zusätzlich ein Gefühl von Gelassenheit verleiht. Terry Moore findet ihren Weg in diese Geschichte durch das Zufallsprinzip, sie wird ständige Begleiterin von Forster und muss ihm hin und wieder aus der Klemme helfen. Jedoch wirkt das Schauspiel der Amerikanerin, dem Charakter der trivial angelegten Rolle entsprechend, vollkommen untertourig und belanglos, was sehr schade ist, denn mit ein bisschen mehr Fantasie hätte man diese Rolle ausgefeilter präsentieren können. Der Rest der Crew hat allerdings mit dem gleichen Problem zu kämpfen. Pinkas Braun taucht leider nur sehr kurz auf, genau wie der sonst so großartig aufspielende Albert Lieven, und beide Darsteller sind im Konzept des Films vollkommen verheizt worden. Erwähnenswert sind noch der kurzen Auftritte von Towers' Ehefrau Maria Rohm als Zimmermädchen, die Mike eine wichtige Nachricht aus ihren Nylons zukommen lässt, und dabei betont, dass sie die ganze Nacht wach sei, ja und die reizende Helga Lehner sehe ich ja sowieso immer gerne.

Die weitgehend belanglose Produktion ist für Marisa Mell-Fans lange nicht so uninteressant, wie es zunächst wirken mag, denn sie ist die einzige der deutschprachigen Darsteller, die mit ihrer Originalstimme zu hören ist. Zu bemerken hierbei ist, dass es sich 1965 bereits um ihren letzten Film handelte, den sie selbst synchronisiert hat, und immer wieder kommt der charmante österreichische Akzent zur Geltung. Marisa Mell, in der deutschen Fassung an erster Stelle in den Credits genannt, taucht erst nach rund 25 Minuten im Geschehen auf, und ist eine der wenigen, die ihrem Charakter ein gewisses Profil geben konnte, wobei die Rolle der Ilona Kovács im Karriere-Kontext keine der besonders Aufsehen erregenden geworden ist. Im optischen Sinne hatte Marisa Mell 1965 eines ihrer schönsten Jahre, und ihr makelloses Gesicht wirkt innerhalb der sterilen und harten Bildgestaltung wie ein Lichtblick am Ende des Tunnels. Man sieht ihr in ihren frühen Karrierejahren noch an, dass sie wesentlich motivierter, leichtfüßiger und unverbrauchter agierte, und ihre Interpretationen strahlten noch in Eleganz und waren mit raffiniertem Understatement versehen, was bereits schon zehn Jahre später fast nur noch eine schöne Erinnerung sein sollte. Marisa Mells dargestellte, zunächst nervöse und übervorsichtige Ilona wird im Verlauf zu einer ambivalenten Persönlichkeit, von der man langsam immer wieder neue Gesichter zu sehen bekommt. Aber mal ehrlich, auch sie kann dem Geschehen lediglich zu einem überaus angenehmen Bonus verhelfen, und man sieht sie einmal mehr in einer untergeordneten Hauptrolle.

"Scharfe Küsse für Mike Forster" ist dem Empfinden nach nicht zu Unrecht seit Jahrzehnten in der Versenkung verschwunden, da die Produktion als Konkurrenz-Produkt nichts neues zu bieten hat, und vergleichsweise sogar deutlich abgeschlagen wirkt. Die vagen Zusammenhänge und die diffuse Jagd nach einem mutmaßlichen Phantom wirken zu einfach gestrickt, und der Verlauf wirkt viel zu sehr in die Länge gezogen, ohne dass etwas Signifikantes geschieht. So muss man hier tatsächlich fast eine geschlagene Stunde auf die erste Verfolgungsjagd warten, und die Situation wirkt noch nicht einmal bedrohlich. Viele Ortswechsel begünstigen normalerweise den Eindruck von Abwechslung, doch in Verbindung mit den vielen neuen Treffpunkten, die nicht konkret erklärt werden, kommt schließlich Ungeduld auf. Schön sind die Aufnahmen un Budapest, die ein zeitgemäßes Flair transportieren können, auch die Musik von Johnny Douglas begleitet Forsters Reise in Ungewisse sehr ruhig und angenehm, begünstigt aber gleichzeitig den allgegenwärtigen Eindruck, dass nichts Bedrohliches passiert, und man sich eher auf einer Sightseeing-Tour befindet, bei der es einige ungünstige Verwicklungen gibt. Der ambitionierte Versuch einer Kehrtwendung im Finale ist leider an der Vorhersehbarkeit gescheitert. Schade, der Film ist viel zu genügsam und spannungsarm verlaufen, so dass man es einfach nicht nachvollziehen kann, warum an etlichen Stellen in allen Belangen so sparsam inszeniert wurde. Das schwache Drehbuch und die lethargische Regie erscheinen auch nach beinahe 50 Jahren vollkommen unverständlich. Komischerweise hat mich 'City of Fear' mal wieder recht gut unterhalten, aber genauso aufs Neue verwirrt wie immer.


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 Betreff des Beitrags: Re: SCHARFE KÜSSE FÜR MIKE FORSTER - Peter Bezencenet
BeitragVerfasst: 12.08.2013 17:58 
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Schöne Besprechung von diesem etwas seltsamen Frühwerk von Produzent Harry Alan Towers. Die Film wirkt in der Tat recht unausgegoren. Hat vermutlich auch damit zu tun, dass Towers hier eine (oder gar zwei?) Folgen seiner wohl erfolglosen Fernsehserie SECRET CITIES von 1962 verwurstet hat. Bei den Filmaufnahmen in Österreich hat Towers dann 1964 immerhin Helga Grohmann (alias Maria Rohm) kennengelernt und der Rest ist Geschichte - wie man so schön sagt...


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 Betreff des Beitrags: Re: SCHARFE KÜSSE FÜR MIKE FORSTER - Peter Bezencenet
BeitragVerfasst: 12.08.2013 20:54 
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Sehr interessante Informationen, vielen Dank! Dann hat sich das Projekt für Towers ja auf jeden Fall ausgezahlt! :mrgreen:
Für die beteiligten Darsteller offensichtlich eher nicht. Gerade Marisa Mell hat zu dieser Zeit ja in einigen Flops ihr Unwesen getrieben.


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