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 Betreff des Beitrags: THE BLACK PANTHER - Ian Merrick
BeitragVerfasst: 18.08.2013 11:51 
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Mit Bedenken in dieses Unterforum gepackt. Großer Tipp, unbedingt anschauen!!!

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Bild
DVD/BD-Combo: BFI Flipside (GB)



The Black Panther (Großbritannien 1977, Originaltitel: The Black Panther)

Gnadenlos beschränkt, unbeschränkt gnadenlos?

Donald Neilson (Donald Sumpter) lebt mit Frau (Marjorie Yates) und Tochter (Sylvia O'Donnell) ein unauffälliges Leben. Hinter der Fassade knechtet der ehemalige Soldat seine kleine Familie, starr vor Angst werden kaum Fragen gestellt, regt sich kein Widerstand. Immer wieder plant Neison Raubzüge, hat es auf kleine Postämter in ländlichen Gegenden abgesehen. Trotz Planung kommt es zu fürchterlichen Zwischenfällen, Gegenwehr beantwortet der Räuber mit tödlicher Gewalt. Nach diversen Schreckenstaten gehört der "Black Panther" zu den meistgesuchten Verbrechern in Großbritannien, hingegen gestaltet sich die Beute aus seinen Überfällen eher überschaubar. Irgendwann beginnt Neilson seinen großen Coup zu planen, er will eine jugendliche Erbin entführen und £50,000 erpressen ...

Ian Merricks Film basiert auf wahren Begebenheiten, tatsächlich sorgten die Taten des "Black Panther" damals für jede Menge Aufregung. Donald Neilson wurde 1975 festgenommen, 1976 zu einer lebenslangen Freihheitsstrafe verurteilt, verstarb schließlich Ende 2011 in Haft. 1977 war der Fall noch immer in aller Munde, so regte sich heftiger Widerstand gegen Merricks Werk. Zunächst wurde die Premiere verschoben, später hagelte es beim Start im kleinen Stil erneut Proteste. Zu diesem Zeitpunkt hatte man bereits 300 Kopien für den offiziellen Kinostart angefertigt, zu dem es jedoch nicht kam, pleite und geprügelt verließ Ian Merrick das Land. Dabei geht der Streifen keineswegs exploitativ ans Werk, bleibt offenbar recht nahe an der Realität. Merrick gelingt der Spagat zwischen fast dokumentarischer Aufbereitung und angenehm unbequemer Unterhaltung, wenige Ausbrüche physischer Gewalt dienen stets der Erzählung.

Donald Neilson wird als Mensch mit wenig Mitgefühl gezeigt, geprägt durch seine Zeit beim Militär (diverse Flashbacks weisen auf diesen Lebensabschnitt hin), Frau und Tochter haben sich dem Drill gebeugt. Durchaus akribisch bereitet Neilson kommende Raubzüge vor, studiert Karten, markiert mögliche Fluchtwege und Rückzugspunkte, geht bis an die Zähne bewaffnet und ausgestattet zu Werk. Trotzdem laufen seine Unternehmungen fast immer aus dem Ruder, da er bei Gegenwehr rücktsichtslos zur Schußwaffe greift. Mangel an Empathie in Verbindung mit Selbstüberschätzung, im Fall von Donald Neilson eine explosive und tödliche Kombination. Merrick nimmt sich Zeit für Feinheiten, zeichnet den Protagonisten des Schreckens nicht als völlig entmenschten Unhold. Während einer rührseligen Szene im Fernsehen weint er, frelich fällt dies der Tocher auf, die daraufhin barsch abgebügelt wird. Auch die Entführung Lesley Whittles lässt Neilson nicht völlig unberührt, mehrfach fällt er in seine normale Stimmlage zurück. Gleichwohl siegt immer rücktsichtsloser Stumpfsinn, werden nahes Umfeld und die gesamte Umwelt für das eigene Scheitern verantwortlich gemacht. Donald Sumpter gelingt eine unglaublich intensive und glaubwürdige Darstellung Neilsons, beängstigend, befremdlich und nachhaltig! Neben Sumpter bleibt vor allem Debbie Farrington in Erinnerung, ihre Lesley Whittle schwankt zwischen Hoffnung, Angst und nackter Panik.

Sämtliche Vorwürfe gegen Ian Merricks Film erweisen sich letztlich als völlig haltlos. Unfähigkeit der Ermittlungsbehörden und Sensationsgier der Presse werden am Rande thematisiert. Dies mag eventuell zusätzlich den Unmut diverser Lokalpolitiker und Schreiberlinge geschürt haben, falls die Herrschaften den Film überhaupt gesehen haben. "The Black Panther" zeigt uns das England der siebziger Jahre von seiner tristen Seite, ansonsten liebliche Landschaften muten leer und grau an, sogar das Essen auf Neilsons Teller stimmt in den Chor allgegenwärtiger Tristesse ein. Selten wurde ein realer Kriminalfall derartig feinfühlig und gleichzeitig kraftvoll verfilmt, gespickt mit starken Nebendarstellern und einem überragenden Hauptakteur. Drehbuch, Kamera und Regie finden die perfekte Balance zwischen trockener Realität und stimmungsvoller Unterhaltung.

Das DVD/BD-Set des British Film Institute präsentiert "The Black Panther" in sehr guter Qualität, fachkundiger und respektvoller Umgang mit dem Material erfreuen den Zuschauer. Im Booklet findet der Leser interessante Beiträge, auf den Scheiben den sehr sehenswerten Kurzfilm "Recluse" von Bob Bentley als Bonus. Großes Kino, nun endlich in angemessener Form verfügbar, ganz dicke Empfehlung für diese Veröffentlichung!

8,5/10 (sehr gut bis überragend)


Lieblingszitat:

"We'll have money! I'll get money!"

_________________
Blap V 3.0 regaining paradise

***
Vom Ursprung her verdorben


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