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 Betreff des Beitrags: DIE NACHT DES LEGUAN - John Huston
BeitragVerfasst: 25.12.2015 17:35 
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Originaltitel: The night of the Iguana
Produktionsland/Jahr: USA 1964
Darsteller: Richard Burton, Deborah Kerr, Ava Gardner, Sue Lyon, James Ward, Grayson Hall, Cyrill Delevanti, Mary Boylan, Gladys Hill, Billie Mattiks, Eloise Hardt
Drehbuch: John Huston & Anthony Veiller
Produziert von: Ray Stark
Musik: Benjamin Frankel

Aus dem Kirchendienst entlassen, versucht sich Reverend Shannon (Richard Burton) nun als Reiseführer und fährt mit einem Bus eine Gruppe von Lehrerinnen durch Mexiko.
Unter ihnen befindet sich auch die 18-jährige Charlotte (Sue Lyon), die sich zum Reverend hingezogen fühlt.
Die Aufsichtsperson der Reisegruppe, Judith Fellowes (Grayson Hall), glaubt, sie müsse Charlotte vor Reverend Shannon "beschützen".
Shannon ist ihr schon von Anfang an ein Dorn im Auge und so kommt es ihr gerade recht, als sie Charlotte und ihn nach einem Bad im Meer gemeinsam am Zimmer erwischt.
Sie schickt ein Telegramm an die Direktion des Reiseveranstalters, in der Hoffnung, Shannon würde infolgedessen seinen Job verlieren.
Shannon muss unbedingt verhindern, dass Fellowes die Antwort zu lesen bekommt und fährt deshalb an dem gebuchten Hotel vorbei, weiter bis zu einem kleinen abgelegeneren Hotel.
Die Besitzerin ist nämlich Maxine (Ava Gardner), die Frau eines kurz zuvor verstorbenen Freundes.
Sie ist bereit, Shannon zu helfen und verhindert eine weitere Kontaktaufnahme von Mrs. Fellowes mit dem Reiseveranstalter.
Es dauert nicht lange, da kommen zwei weitere Personen ins Hotel: Hannah Jelkes (Deborah Kerr) und ihr Großvater, der angeblich der älteste noch lebende, aktive Dichter weltweit ist.
Und jetzt geht's für Shannon erst richtig los, denn jetzt sind es vier Frauen, die sich um ihn streiten: Mrs. Fellowes, die ihn immer noch loswerden will, Charlotte, Maxine und Hannah.

Das war mein erster Huston und ich bin ehrlich gesagt doch ein bisschen enttäuscht.
Habe ihn mir eigentlich nur aufgrund einer Empfehlung besorgt, aber weil der ganze Film in Mexiko gedreht wurde, hat mich das dann doch auch selber gereizt.
Und von daher bin ich auch enttäuscht, weil man von Mexiko so gut wie gar nichts sieht und es auch musikalisch nicht besonders auffällt.
In einer Szene gibt's kurz Mariachis zu hören, aber das war es dann auch.
Größtenteils spielt sich das ganze in dem kleinen Hotel ab und das ist in dem Fall doch gar wenig.
Denn das ganze ist weitgehend unemotional gemacht, also konnte mich auch die Geschichte nicht wirklich mitreißen.
Es ist ja so, dass der Reverend sich in der gleichen Situation befindet, wie der angebundene Leguan.
Auch er kann bei den Zwistigkeiten unter den Frauen um ihn nur zuschauen, aber nicht wirklich etwas tun.
Da sind also vier Frauen, die sich um ihn streiten und er kann nur zusehen, wird fast wahnsinnig dabei.
Gut hätte es werden können - höchstens brauchbar ist es geworden.
Um die Charakterzeichung haben sich Huston und Veiller offenbar nicht sonderlich gekümmert, denn es gibt hier keinen Sympathisanten für den Zuschauer.
Und das ist, glaube ich, auch das größte Problem des Films; außerdem hat man das ganze mit fast 2 Stunden schon ein bisschen sehr lang gezogen.
Trotzdem sei aber gesagt: Richard Burton und Ava Gardner machen ihre Sache wunderbar und das bringt ja auch was.
Von mir gibt's jedenfalls maximal 7/10.

Trailer
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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DES LEGUAN - John Huston
BeitragVerfasst: 25.12.2015 19:54 
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Also ich würde da noch 2 Punkte drauf legen und dem Ganzen 9/10 geben.
Für mich ein wunderbares "Kammerspiel".
Sue Lyon spielt quasi nochmal die Lolita und hat das einfach drauf. Auch die Aufklärung, warum denn die Gouvernante eigentlich so streng zu ihr ist, war mehr als nachhaltig rübergebracht. Burtons Spiel finde ich hier auch mit eines seiner Besten. Wie er immer irrer wird und den Damen auch noch ein ganz besonderes Geschenk zu den Koffern stellt ;)
Ava Gardner und Ihre Boys und dazu die scheinbar verklemmte Dichterstochter mit Ihrem Hundertjährigen die gauklermäßig Vorträge halten... Alles Menschen in komplett verschiedenen Welten, die auf kleinstem Raum miteinander konfrontiert werden. Kann ich mir immer wieder ansehen und finde ich ganz großes Kino! Daumen hoch und eine klare Empfehlung wenn man mal was ruhiges sehen will, bei dem die Action unter der Oberfläche abläuft.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DES LEGUAN - John Huston
BeitragVerfasst: 26.12.2015 22:13 
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Schöner John-Huston-Film mit sehr guter Besetzung und Dramaturgie.

Sicherlich gibt es noch gelungenere Tennessee-Williams-Verfilmungen; die Vorlage wurde dennoch stark von dem Meisterregisseur umgesetzt.

Retrospektiv betrachtet gehört der Film innerhalb des Hustonschen Universums in die Kategorie "Abenteuer der Seele" - ähnlich wie u.a. auch dessen 20 Jahre später inszenierter UNDER THE VOLCANO (1984) mit Albert Finney.
Derartige Themen haben es mit einer breiteren Akzeptanz naturgemäß meistens etwas schwerer, da sich die beabsichtigte Wirkung dem Betrachter gegenüber des öfteren nicht sofort entfaltet.
Die Langzeitwirkung ist dafür umso nachhaltiger.

Empfehlung !


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DES LEGUAN - John Huston
BeitragVerfasst: 02.04.2018 23:55 
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Meistens ist es ja so, wenn man von einem Regisseur (oder aus einem Genre) erstmals einen Film sieht, dass sich der dann im Gedächtnis hält, dass er dann in der Folge etwas "Besonderes" für denjenigen bleibt.
Bei Huston und mir ist es anscheinend ein bisschen anders.
DIE NACHT DES LEGUAN war damals der erste Huston, den ich gesehen habe und er ist mir bis heute, trotz 2-3 Sichtungen dazwischen, nicht gut in Erinnerung geblieben.
Schon nach der Erstsichtung als höchstens brauchbar empfunden, hat sich das bis heute nicht geändert.
Ich habe in den letzten Tagen nur einen Huston gesehen, der schwächer war: DIE SPUR DES FALKEN.
Der Leguannacht fehlt es ähnlich an Spannung, wodurch sich auch keine Intensität aufbauen kann, obwohl die Voraussetzungen dazu eindeutig gegeben wären.
Ein Haufen total unterschiedlicher Charaktere gemeinsam an einem Ort, da müsste es eigentlich zu Konflikten und Spannungen untereinander kommen.
Das passiert zwar auch, aber irgendwie sollte sich die Spannung dann auch auf den Zuschauer übertragen, was auch den Unterhaltungsgrad heben würde.
Das gelingt Huston hier aber nicht, der Zuschauer bleibt immer der außenstehende Beobachter, der mal mehr, mal weniger interessiert zuschaut.
Die Einbindung fehlt ganz einfach, das ist die wesentliche, die große Schwäche des Films.
Da können Burton, Gardner und Kerr so gut sein, wie sie wollen und auch Sue Lyon in einer Weiterführung ihrer Lolita-Rolle kann daran nicht viel und wenn dann nur zeitweilig ändern.
Deswegen bleibe ich wohl bei 7/10.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DES LEGUAN - John Huston
BeitragVerfasst: 03.04.2018 13:11 
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Sbirro,

7 Punkte ist ja eine recht hohe Bewertung, so dass Du dem Film ja doch gewisse Qualitäten (bei der Führung der Schauspieler, bei der szenischen Inszenierung, bei der dramatischen Entwicklung?) zugestehst, ich kann Deine Kritik - so wie Du sie ausführst - auch nachvollziehen; allerdings - finde ich -, dass DIE NACHT DES LEGUAN es in keiner Weise an Intensität fehlen lässt, eher das Gegenteil...
es ist absolut richtig, dass hier kein vordergründiger Konfliktrahmen aufgebaut wird, es eher "ruhig" zugeht, was jetzt verbale oder körperliche Auseinandersetzungen betrifft...
- aber - so denke ich -, dass eigentliche Thema des Films dreht sich doch gerade darum, dass die "Dinge" nicht ausgesprochen werden, dass es eine "Wand des Schweigens" gibt
- das Deckeln von Tabus etc. äußerst sich nur in bestimmten Symptomen - denk an Hustons FREUD -, die sich in einem Blick, inszenatorisch in einer besonderen Bildeinstellung etc. ausdrücken können, um so auf das eigentliche Problem zu verweisen...
effektive Spannung durch Affekte - die es ja dennoch im Film gibt - wäre hier nach meiner Meinung nicht das "Richtige" in der Inszenierung gewesen...
ich kenne den Film schon seit meiner frühsten Jugend - aus dem Spätprogramm - und war immer von dieser "Dichte" sehr beeindruckt, die ich bei den - ungesagten - Konflikten dann wohl eher "heraus-interpretiert" als im Dialog oder im Szenischen wahrgenommen habe, der Film war für mich immer sehr "intensiv"... aber jeder Film wird auch immer anders gesehen...


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