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 Betreff des Beitrags: LOLITA - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 01.08.2016 16:40 
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Produktionsland/Jahr: USA, Großbritannien 1962
Darsteller: James Mason, Sue Lyon, Shelley Winters, Peter Sellers, Marianne Stone, Bill Greene, Jerry Stovin, Diana Decker, Lois Maxwell
Drehbuch: Stanley Kubrick, James Harris, Vladimir Nabokov
Produziert von: James B. Harris
Musik: Nelson Riddle & Bob Harris

Humbert Humbert (James Mason), Professor für französische Literatur, will am Ende des Sommers eine neue Stellung annehmen und sucht sich zur vorherigen Entspannung ein Zimmer in New Hampshire, wo ihn die sexuell frustrierte Witwe Charlotte Haze (Shelley Winters) aufnimmt. Humbert zögert, bis er Charlottes Tochter Dolores (Sue Lyon) kennenlernt, ein frühreifes, kindhaft flirtendes Gör, in das er sich auf der Stelle verliebt und "Lolita" nennt. Charlotte verlangt in der Folge mehr und mehr von Humberts Aufmerksamkeit, er jedoch bleibt hauptsächlich wegen Dolores vor Ort, heiratet die Mutter schließlich sogar. Als diese ihre Tochter wegschickt und dann erfährt, wie sehr Humbert ihre Tochter begehrt, kommt sie bei einem Unfall ums Leben.
Humbert holt Dolores daraufhin aus dem Mädchencamp und gibt sich in der Folge als ihr Vater aus, während sie quer durch die Vereinigten Staaten reisen. Ihre Reise oder Flucht mündet schließlich in eine Affäre, doch da ist noch jemand, der den beiden stets folgt und das Verhältnis aus der Ferne betrachtet...
(Ofdb)

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov aus dem Jahre 1955.
Für Kubrick ist es die erste britische Produktion.
Er schafft es, das an sich heikle Thema (es geht schließlich um Parthenophilie) in dem Sinn ordentlich umzusetzen, als dass er das Ganze zum einen nicht zu sehr in den schnulzigen Bereich zieht (Situationen für derartige Szenen würden sich ja genug bieten).
Zum Anderen aber Lolita auch nie als wirklich kindlich in ihrem Verhalten darstellt (zumindest nie übermäßig auffällig), sodass man immer das Gefühl hat, sie ist dem Erwachsensein doch näher als der Jugend.
James Mason und Sue Lyon geben ein überzeugendes "Liebespaar" ab und das ist bei dem Film schon die halbe Miete, kann man sagen, denn von dieser Beziehung mit ihren Höhen und Tiefen, Schwierigkeiten und Veränderungen im Laufe des Films, davon lebt der Film hauptsächlich.
Natürlich sind auch die kleinen Rollen von Shelley Winters und vor allem Peter Sellers nicht unerheblich.
Speziell Peter Sellers hat mich überrascht, da er ja ansonsten fast ausschließlich im Komödien-Bereich tätig war.
Ein klein wenig Leichtigkeit in dem eigentlichen Beziehungsdrama mit Roadmovie-Anleihen ist aber doch auch zu bemerken.
Alles in allem passt das also wunderbar zusammen und so wird man sich auch bei einer Laufzeit von 2 1/2 Stunden nicht langweilen, würde ich meinen.
8,5/10

Trailer:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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 Betreff des Beitrags: Re: LOLITA - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 10.08.2016 19:51 
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Hab ihn auch gesehen. Nur wurde ich kurz vor ende mal abgelenkt.

Kann mir mal jemand die Rolle von "Peter Sellers" in einem Spoiler genau erläutern. Würde gerne alles zu seiner Figur und der Beziehung zu Lolita wissen :) Sehr undurchsichtiger geselle..

Ein Film der Andeutungen, ging damals noch nicht anders.... Ganz gut und spannend ;)

7/10

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 Betreff des Beitrags: Re: LOLITA - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 10.08.2016 20:37 
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reggie hat geschrieben:
Hab ihn auch gesehen. Nur wurde ich kurz vor ende mal abgelenkt.

Kann mir mal jemand die Rolle von "Peter Sellers" in einem Spoiler genau erläutern. Würde gerne alles zu seiner Figur und der Beziehung zu Lolita wissen :) Sehr undurchsichtiger geselle..

Ein Film der Andeutungen, ging damals noch nicht anders.... Ganz gut und spannend ;)

7/10


Ich habe den Film schon länger nicht mehr gesehen - aber in Erinnerung, dass

Sellers eine Affäre mit Lolita hatte und immer noch besessen von ihr ist, weshalb er Humbert und sie auch - in Maskeraden - stalkt.


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 Betreff des Beitrags: Re: LOLITA - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 11.08.2016 10:38 
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Die Figur des Clare Quilty (Sellers) hat mich am Film "Lolita" ebenfalls schon immer fasziniert, und die Figurenkonstellation ist wirklich bitterböse:

Quilty ist (Drehbuch-)Autor, Künstler und Beatnik und beginnt bereits in Lolitas Heimatstadt eine Affäre mit der Minderjährigen.
Dies gesteht Lolita Humbert Humbert in der gemeinsamen letzten Szene unter dem für Humbert schmerzlichen Zusatz, dass Quilty der einzige Mann war, nach dem sie je verrückt gewesen sei.
Da Quilty stets von einer schweigenden Schwarzhaarigen flankiert ist und jenseits gesellschaftlicher Normen lebt und denkt, schwingt im Subtext des Filmes bereits mit, dass es sich bei der Affäre mit Lolita nicht zwingend um Blümchensex gehandelt haben dürfte (Lolita verlässt Quilty auch erst, als dieser von ihr verlangt, in Pornos mitzuwirken).

Der stockkonservative Humbert Humbert selbst ist jedoch ein der Lolita verfallener Liebestrottel, der sich lediglich an wohldosierten Zuneigungen Lolitas erfreuen darf.
Während sich Lolita also bei Quilty völlig öffnet, spielt sie lediglich mit Humberts Zuneigung und sexueller Abhängigkeit von ihr.
Quilty, der von Lolita auch über ihre Beziehung zu Humbert Humbert weiß, spielt wiederum perfide auf der Klaviatur Humberts Paranoia, in dem er in verschiedene Rollen schlüpft und Humbert u. a. als vermeintlicher Agent oder Psychologe zu Handlungen manipuliert, die die Sexaffäre Lolitas und Quiltys begünstigen.
Während Quilty die Affäre ziemlich locker genießen kann, steht es derweil um Humbert - bedingt durch den psychischen Druck, seine Affäre geheim zu halten - gesundheitlich immer schlechter.

Frech von Quilty und unglücklich für Humbert übrigens, dass Humbert die Maskeraden des Quilty (der Humbert sogar in einer anfänglichen Szene unmaskiert begegnet) nicht durchschaut. Aber der gute Humbert ist nun mal viel zu sehr mit seiner eigenen Verfehlung beschäftigt, um einen Blick auf das zu haben, was um ihn vorgeht.
Lolita brennt schließlich mit Quilty durch und meldet sich erst Jahre später wieder bei Humbert und offenbart ihm die ganze Wahrheit, die noch schrecklicher ist, als Humbert sie sich ausgemalt hatte.


In der Rolle des Inspektor Clouseau finde ich Sellers überbewertet, als Partyschreck und Muffley /Dr. Strangelove gefällt er mir ziemlich gut, in der Rolle des Quilty trifft er voll ins Schwarze.
Toll gespielt!!


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 Betreff des Beitrags: Re: LOLITA - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 31.08.2016 20:16 
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Danke Leute , sehr erhellend :)

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 Betreff des Beitrags: Re: LOLITA - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 16.12.2017 18:09 
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Bizarro hat geschrieben:
Die Figur des Clare Quilty (Sellers) hat mich am Film "Lolita" ebenfalls schon immer fasziniert, und die Figurenkonstellation ist wirklich bitterböse:

Quilty ist (Drehbuch-)Autor, Künstler und Beatnik und beginnt bereits in Lolitas Heimatstadt eine Affäre mit der Minderjährigen.
Dies gesteht Lolita Humbert Humbert in der gemeinsamen letzten Szene unter dem für Humbert schmerzlichen Zusatz, dass Quilty der einzige Mann war, nach dem sie je verrückt gewesen sei.
Da Quilty stets von einer schweigenden Schwarzhaarigen flankiert ist und jenseits gesellschaftlicher Normen lebt und denkt, schwingt im Subtext des Filmes bereits mit, dass es sich bei der Affäre mit Lolita nicht zwingend um Blümchensex gehandelt haben dürfte (Lolita verlässt Quilty auch erst, als dieser von ihr verlangt, in Pornos mitzuwirken).

Der stockkonservative Humbert Humbert selbst ist jedoch ein der Lolita verfallener Liebestrottel, der sich lediglich an wohldosierten Zuneigungen Lolitas erfreuen darf.
Während sich Lolita also bei Quilty völlig öffnet, spielt sie lediglich mit Humberts Zuneigung und sexueller Abhängigkeit von ihr.
Quilty, der von Lolita auch über ihre Beziehung zu Humbert Humbert weiß, spielt wiederum perfide auf der Klaviatur Humberts Paranoia, in dem er in verschiedene Rollen schlüpft und Humbert u. a. als vermeintlicher Agent oder Psychologe zu Handlungen manipuliert, die die Sexaffäre Lolitas und Quiltys begünstigen.
Während Quilty die Affäre ziemlich locker genießen kann, steht es derweil um Humbert - bedingt durch den psychischen Druck, seine Affäre geheim zu halten - gesundheitlich immer schlechter.

Frech von Quilty und unglücklich für Humbert übrigens, dass Humbert die Maskeraden des Quilty (der Humbert sogar in einer anfänglichen Szene unmaskiert begegnet) nicht durchschaut. Aber der gute Humbert ist nun mal viel zu sehr mit seiner eigenen Verfehlung beschäftigt, um einen Blick auf das zu haben, was um ihn vorgeht.
Lolita brennt schließlich mit Quilty durch und meldet sich erst Jahre später wieder bei Humbert und offenbart ihm die ganze Wahrheit, die noch schrecklicher ist, als Humbert sie sich ausgemalt hatte.

Ja, das ist genial ausgearbeitet, ich habe das erst bei der gestrigen Zweitsichtung richtig realisiert.
Da hat sich mir doch glatt - natürlich nur im Bezug auf die hier beschriebenen Figuren und deren Konstellation und Vorgehensweise - ein Vergleich mit BITTER MOON aufgedrängt.
Dort ist es ja ähnlich: Da gibt es den Ehemann, der von seiner wesentlich jüngeren Frau als sexuelle Gespielin so abhängig ist, dass er alles mit sich machen lässt.
Würde man mich jetzt aber fragen, welchen Film ich, in der Hinsicht, besser gemacht finde, die Antwort wäre ohne zögern: LOLITA.


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 Betreff des Beitrags: Re: LOLITA - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 16.12.2017 18:14 
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Interview mit Sue Lyon zu LOLITA:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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