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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: MUDHONEY - IM GARTEN DER LUST - Russ Meyer
BeitragVerfasst: 19.03.2015 23:24 
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Mudhoney - Im Garten der Lust (D)
Le désir dans les tripes (F)
Esclave de ses passions (B)
Mudhoney... Leaves a Taste of Evil! (USA - Recut Version)
Rope of Flesh (USA - ursprünglicher Verleihtitel)
Mudhoney (USA + int.)


USA 1965

R: Russ Meyer
D: Hal Hopper, Antoinette Cristiani, John Furlong, Rena Horten, Stuart Lancaster, Princess Livingston, Lorna Maitland, Fred Owens, Michael Finn u.a.


dt. Kinopremiere: 25.11.1969

Score: Henri Price

OFDb



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1933 zur Zeit der Prohibition in einem provinzialen Nest im Westen der USA: Der ehemalige Sträfling Calif McKinney (John Furlong) wurde nach einer mehrjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis in die Freiheit entlassen und befindet sich auf einem ziellosen Streifzug durch den ländlichen Westen.
Da er sich irgendwo im unbekannten Nirgendwo eine neue Existenz aufbauen möchte, benötigt er zunächst einmal eine entlohnte Arbeitsstelle. Nachdem er in einem kleinen unbekannten Dorf den taubstummen Paris-Hilton Vorläufer (aus einer noch schäbigeren Stunden-Hotel-Klitschen-Dynastie) Eula (Rena Horten) kennen lernt, landet er mit dieser auf dem Anwesen der zahnlosen und knautschgesichtigen (Puff-)Mama Maggie Marie (Princess Livingston).

Diese bewohnt mit ihren beiden frivolen Töchtern Clara Belle (Lorna Maitland) und Eula ein bumsfideles Landhäuschen, wo sie ihre beiden prall-bestückten und immer-willigen Blondgeschöpfe an eine liebestolle Kundschaft wie z.B. den schon zum Inventar des Hauses gehörenden Stammkunden Injoys (Sam Hanna) verscherbelt.
Darüberhinaus betreibt sie in ihrer Scheune eine illegale Schnappsbrennerei und gilt somit in der näheren Umgebung als beste Anlaufstelle für schwarz-gebrannten Hochprozentigen.... und das Geschäft floriert bestens!

Doch McKinneys Aufenthalt auf der liebestollen Farm weilt nur von kurzer Dauer, da er sich aufgrund eines heißen Tipps bzgl. einer möglichen Arbeitsstelle direkt wieder auf den Weg in Richtung "Wade Ranch" begibt. Dort trifft er dann zunächst auf Hannah Brenshaw (Antoinette Cristiani), die blonde Nichte des Farmbesitzers Lute Wade (Stuart Lancaster) und ist so gleich auch von deren inneren Werten verzückt.
Nachdem ihm Onkel Lude auch noch zum guten Schluss das so sehnlichst erhoffte Jobangebot unterbreitet, scheint auch für McKinney wieder die Sonne in seinem Leben zu scheinen.... doch was er noch nicht weiß: Sein blonder Engel ist mit dem eigentlichen Hauptprotagonisten dieses Films verheiratet.

Dieser nennt sich Sidney Brenshaw (Hal Hopper) und ist seines Zeichens ein irrer arbeitsloser und hochgradig suchtkranker Vollzeitalkoholiker, der bereits dem Größenwahn verfallen und aufgrund seiner ständigen Rauschzustände völlig unberechenbar geworden ist. Zudem verprügelt der jähzornige Trunkenbold seine Ehefrau Hannah regelmäßig im Suff und vergeht sich ungefragt an dieser. Weiterhin betrügt er Hannah ständig mit den Töchtern seiner geliebten Schnapslieferantin Maggie Marie, die er fast täglich für neuen Nachschub und zugleich zur Befriedigung seiner Libido aufsucht. Insgeheim hat er es als Ehemann der erbberechtigten Nichte es aber auf die Farm des schwer-herzkranken Onkels abgesehen und erhofft sich sehnlichst dessen baldigen Abgang ins ewige Himmelreich.

Doch als nach und nach McKinney immer weiter in der Gunst der heißen Nichte und ihres sterbenskranken Onkels steigt und den Platz von Sidney einzunehmen scheint, sieht der bösartige Säufer plötzlich seine Felle wegschwimmen und schmiedet einen hinterhältigen und perfiden Plan gegen den Ex-Sträfling:

Sidney vertraut sich dem einflussreichen Prediger Bruder Hansen (Frank Bolger) an und spielt diesem den geläuterten und trockenen Alkoholiker vor, der von seiner eiskalten und gefühlslosen Frau mit einem fremden Reisenden auf unchristlichste Art und Weise betrogen wird. Der übereifrige Prediger ist als Hardliner seiner Gattung bekannt und prangert natürlich vehement das unsittliche Verhalten dieses Sündenpfuhls aufs Schärfste an.
Durch seinen sehr guten Einfluss auf die Dorfgemeinschaft kann er diese im Namen "der Gerechtigkeit" gegen die sündigen Ehebrecher aufstacheln, um gemeinsam mit dem Mob dem gefallenen Engel Hannah und dem fremden Eindringling die gerechte Strafe für die verübte Todsünde zukommen zu lassen.
Nur und ahnen Hannah und McKinney zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der entstehenden Gefahr und Hetze gegen sie.... aber das wird sich bald schon ändern!


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Russ Meyer zeigt in "Mudhoney" ungeschönt die verheerende Doppelmoral unter der kleindenkenden und ländlichen Bevölkerung aus dem Westen der USA in all ihrer Selbstgerechtigkeit und der daraus resultierenden Gewalt gegen unbescholtene Bürger.
Durch den Einfluss des bereits getäuschten Predigers sollen im Namen des Herrn genau die Gräueltaten verübt werden, die dieser eigentlich aufs Schärfste verurteilt.
Aufgrund der kleinkarierten Denkmuster in den meisten Köpfen der patriotisch-angehauchten und einfach strukturierten Landbevölkerung ist es für den einflussreichen Prediger ein leichtes Spiel, diese für seine Absichten zu gewinnen und sie im Weiteren anzuheizen.

In "Mudhoney" gibt es jede Menge skurrile, aber auch verwerfliche Charaktere, einen verblendeten Prediger, freizügige blonde Frauen, eine scheinheilige Landbevölkerung und ein sehr hohes Maß an Gewalt zu bewundern. Also alles erlesenste Zutaten für eine außerordentliche Film-Bombe des amerikanischen Exploitation Films.... und diese knallt dann auch ganz mächtig.

Dieser weitere in s/w gedrehte Roughie gehört wohl zu den intensivsten Werken des Regisseurs.
Im Vergleich zu den mir bekannten Meyer Filmen ist "Mudhoney" schwer dialog- und storylastig ausgefallen, was dem Film aber m.E. sehr gut tut. (dem Drehbuch lag wohl ein Roman von F. Raymond zugrunde, welches der liebe Russ aufgrund inhaltlichen Sex-Mangels zunächst gar nicht verfilmen wollte.. :shock: Zum Glück entschied er sich letztendlich richtig und schuf mit dieser Verfilmung eine kleine und dreckige Exploitation-Perle der ganz besonderen Klasse).
Die dt. Synchro ist m.E. auch hier wieder recht ordentlich gelungen und die fehlende Stellen der dt. KF wurden auch hier wieder mit einer Neu-Synchro aufgefüllt.

Die schauspielerischen Leistungen schwanken enorm von recht ordentlich bis unglaublich, bieten aber durchwegs einen unterhaltsamen Filmspass.
Hal Hoppers in der Rolle des dauer-besoffenen, fiesen, jähzornigen und größenwahnsinnigen Sidney Brenshaw legt eine sehr bemerkenswerte Leistung an den Tag und glänzt mit der besten Darstellung in diesem außerordentlichen B-Movie.
John Furlong macht seine Sache in der Rolle des aus der Haft entlassenen Sträflings auch recht ordentlich.

Wer die Satansweiber und die Motorpsychos in sein Herz schließen konnte, der wird auch "Mudhoney" lieben. :dh:


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filmdienst.de hat geschrieben:
Ein ehemaliger Sträfling findet bei seiner Wanderschaft durch den amerikanischen Westen Arbeit auf einer abgelegenen Farm, die von einem despotischen Säufer tyrannisiert wird. Ein Verhältnis mit der Hausherrin führt zur Katastrophe; die Affäre endet mit Lustmord, Vergewaltigung, geistiger Umnachtung und Lynchjustiz. Ein billig produziertes, wüstes Melodram, inszeniert als garstig-böse Farce mit einer comic-stripartigen Dramaturgie, die die Figuren zu überlebensgroßen Karikaturen US-amerikanischer Archetypen werden läßt. (Fernsehtitel: "Mudhoney - Im Garten der Lust"; Videotitel: Russ Meyer's Mudhoney)



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www.youtube.com Video From : www.youtube.com



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 Betreff des Beitrags: Re: MUDHONEY - IM GARTEN DER LUST - Russ Meyer
BeitragVerfasst: 23.07.2015 19:06 
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MUDHONEY liegt bei mir in der Mitte der S/W-Streifen nach den Satansweibern und vor LORNA und MOTORPSYCHO.
Diesmal gibt's sogar eine recht interessante Geschichte und es hat mir nichts gemacht, dass Meyer auch hier wieder weitgehend auf nackte Haut verzichtet.
Stattdessen setzt er auf eine ausgeprägtere Charakterzeichnung und mehr Gewalt.
Die meiste Gewalt geht von Sidney Brenshaw aus, der von Hal Hopper ausgezeichnet gespielt wird.
Er ist ein dauerbesoffener Arbeitsloser, der mittlerweile dem Größenwahn verfallen und unberechenbar ist.
Ich finde auch, dass er die eigentliche Hauptfigur ist, denn es dreht sich ja alles um ihn.
Alle anderen gehen da ein wenig unter.
Abgesehen von den Charakteren finde ich auch den Aufbau des gesamten Films hervorragend.
Auf der einen Seite ganz unscheinbar ein paar Farmer, auf der anderen Seite der von Anfang an durchgeknallte Brenshaw.
Bei ihm denkt man immer: "Viel schlimmer kann's ja nicht mehr werden, der muss sich doch schon bald das Gehirn weggesoffen haben".
Aber es trifft wieder das Sprichwort zu: "Schlimmer geht's immer" und das schaukelt sich dann eben langsam hoch bis Brenshaw irgendwann zu weit geht.
Dann ist aber im Dorf die Hölle los und diese letzten paar Minuten kommen trotz alldem, was man zuvor gesehen hat, als Schlag in die Magengrube daher.
Genau deshalb bekommt MUDHONEY von mir verdiente 8/10.


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 Betreff des Beitrags: Re: MUDHONEY - IM GARTEN DER LUST - Russ Meyer
BeitragVerfasst: 23.07.2015 19:32 
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Dachte ich hätte den schon gepostet. :o Folgend ein Kommentar vom 3.11.2011.

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Produktionsland: USA
Produktion: George Costello, Eve Meyer, Russ Meyer
Erscheinungsjahr: 1965
Regie: Russ Meyer
Drehbuch: Raymond Friday Locke
Kamera: William Maley
Musik: André Brummer
Länge: ca. 95 Min.
Freigabe: FSK 16
Darsteller: Hal Hopper, Antoinette Christiani, John Furlong, Rena Horten, Princess Livingston, Lorna Maitland,Sam Hanna, Stuart Lancaster





Calif ist aus der Strafanstalt entlassen worden. Er findet Arbeit auf einer Farm, die von Hannah, ihrem Mann Sidney und Hannahs Onkel geleitet wird. Sidney ist Alkoholiker und wird täglich handgreiflich gegenüber seiner Frau. Als Calif und Hannah eine Affäre beginnen, spitzt sich die Situation zu…

Mudhoney ist einer der Filme, die mit einem kleinen Budget entstanden sind und unter dem Strich eine ganze Menge zu bieten haben. Russ Meyers Film zeigt deutliche depressive Tendenzen, die sich zweifelsohne auch mit der Zeit der amerikanischen Wirtschaftskrise, in der der Film spielt, begründen lassen. Des weiteren ist die Auswahl der Charaktere sehr gut getroffen. Sei es auf der einen Seite, durchgeknallte Hillibillies, wie auch auf den anderen fehlgeleitete Dorfbewohner, die sich auf das Hetzen des Pfarrers, zu Gottes Werkzeug auserwählt fühlen. Dieses ist auch einer der zentralen Kerne die anzusprechen sind, denn Meyer prangert religiösen Wahn zweifelsohne genauso an, wie die Debilität der Individuen.

Mudhoney bewegt sich zwar in einem ähnlich depressiven Rahmen wie Motorpsycho und Faster Pussycat Kill Kill! weist allerdings eine vollkommen andere Absicht auf. Im Vergleich zu den anderen beiden Filmen, versucht Meyer mit Mudhoney die Selbstjustiz anzuprangern. Der Zuschauer behält zwar seinen Hass auf Sidney, lässt diesen allerdings etwas abkühlen durch die ebenfalls nicht zimperliche Dorfgemeinde. Es fehlt ihm am Ende der eigentliche Bezugspunkt, der ihm sagt was nun richtig und falsch ist. Prinzipiell ist der Charakter von Hannah dazu auserkoren, dieser weist allerdings darauf hin, dass ein Lynchen von Sidney falsch wäre.

Was bleibt Meyer in einer solchen Situation nun schon anderes übrig, als das Ende pessimistisch, fies und böse aussehen zu lassen? Nichts, denn dieses Ende unterstreicht den Film in seinem düsteren, pessimistischen und depressiven Charakter.

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 Betreff des Beitrags: Re: MUDHONEY - IM GARTEN DER LUST - Russ Meyer
BeitragVerfasst: 26.07.2015 21:21 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Alle anderen gehen da ein wenig unter.
Abgesehen von den Charakteren finde ich auch den Aufbau des gesamten Films hervorragend.



Wie bitte? Wohl (u.a.) Maggie Marie vergessen :?

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:D


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 Betreff des Beitrags: Re: MUDHONEY - IM GARTEN DER LUST - Russ Meyer
BeitragVerfasst: 20.03.2017 17:54 
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Im Garten der Lust – Russ Meyer

(USA 1965)

Dezember 2002, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
13.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF, 1,33:1, gekürzt)



Meine Hommage an „Früchte des Zorns“.
Russ Meyer



Inhalt:

Die Zeit der Prohibition. Calif McKinney ist nach 5 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und auf der Suche nach Arbeit; weswegen er einsaß, möchte er für sich behalten. Bevor er auf der Farm von Lute Wade angestellt wird, begegnet er Maggie Marie, einer alten Schnapsbrennerin, die ihre beiden Töchter Eula und Clara Belle gegen Bezahlung an die männliche Kundschaft prostituiert. Auf die Avancen der beiden hübschen Töchter reagiert Calif desinteressiert und zurückhaltend, da es ihm wichtiger ist, Arbeit zu finden.

Weniger Zurückhaltung zeigt Sidney Brenshaw ein Alkoholiker und Raufbold, der, als Eula ihn anlächelt und anfängt, ihn zu streicheln, in irres Gelächter ausbricht und sie in den Fluss schubst, wenn er aber zurückgewiesen wird nach Hause fährt und seine Frau Hannah verprügelt. Hannah arbeitet und lebt auf der selben Farm, auf der Calif eine Anstellung findet, und so lernt dieser auch bald Sidney kennen, besonders, als Sidney, wieder einmal verärgert, nachts seine Frau vergewaltigt. Am nächsten morgen erklärt Calif Hannah, dass er sich überlegt habe, etwas dagegen zu unternehmen und zwar nichts gemacht habe; deutet aber an, dass er das nächste Mal einschreiten werde. Kurze Zeit später erklärt Sidney Calif seine wahnhafte und verzerrte Auffassung der Realität, indem er Calif, den er letzte Nacht bemerkt hatte, als er Hannah vergewaltigte, als in Hannah verliebt wähnt und sein Auftauchen als versuchten Betrug und Untreue seiner Frau auffasst.

Sidney erhält mit dem fanatischen Gottesmann Bruder Hansen einen Verbündeten und beide verbreiten in der Stadt, dass Calif eine unzüchtige Affäre mit Hannah pflege. Ebenfalls versuchen sie, das sündige Treiben in Maggie Maries Hütte zu unterbinden, als Hansen bemerkt, dass seine Bibelverse, die den verderbten Seelen Eulas und Clara Belles Tugend und Rettung verschaffen sollen, nichts außer Gelächter bewirken, verlässt er das Sündenbabel. Sidney hat inzwischen erfahren, dass er nicht als Erbe der Farm des alten Lute eingesetzt wurde, sondern Calif, er sucht Lute auf, um ihn mit seiner gewalttätigen Nachdrücklichkeit nach dem Grund zu fragen und muss aber feststellen, dass Lute in seinem Bett gerade entschlafen ist. Auf dessen Begräbnis beginnt er einen Streit, in dessen Verlauf er in Lutes Grab fällt, erneut in das irre Lachen ausbricht, das er zuvor schon zeigte, als Eula ihm nähergekommen war und zündet Lutes Farm an.

Schwester Hansen, die sich mit Sidney angefreundet hatte, hält der Wahnhafte nun für seine Ehefrau Hannah, auch als sie ihm immer wieder zuruft, sie nicht Hannah, schlägt er sie und ertränkt sie schließlich im Fluß. Nun wiegelt Bruder Hansen einen Lynchmob auf, weder der Sheriff, noch Calif und Hannah können die Gewalt der Masse stoppen. Als Sidney gehängt wird und auch Bruder Hansen stirbt, entweicht der um Sidney trauernden taubstummen Eula zum ersten Mal ein Schrei.


Review:

Zwischen „Lorna“ (1964) und „Mudhoney“ drehte Russ Meyer „Fanny Hill“ (1964) für Artur Brauner, ein Film dem man Meyers Regie kaum anmerkt und mit dem er künstlerisch ganz und gar nicht zufrieden war. Aus Deutschland brachte er jedoch Rena Horten mit, die in „Fanny Hill“ eine kleine Rolle als Hure hatte und in „Mudhoney“ die taubstumme Eula spielt – taubstumm, weil Horten kein Englisch sprach. Bevor sie Meyer kennenlernte, war sie in „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ (1962) und „Zimmer 13“ (1964) in ebenfalls kleinen Rollen zu sehen, mit Meyer führte sie anschließend etwa ein Jahr lang eine Affäre, die ihn über den finanziellen Mißerfolg „Mudhoneys“ hinwegtröstete. Princess Livingston hatte nach „Wilde Mädchen des nackten Westens“ ihren zweiten Auftritt in einem Russ-Meyer-Film und sollte noch mehrere weitere Male zu sehen sein. Einen zweiten Auftritt hatte ebenfalls Lorna Maitland, die zuvor schon in „Lorna“ (1964) die Hauptrolle spielte und der Meyer eine Mitschuld am Flop des Films gab, da ihre Brüste zu hängen anfingen – bei „Lorna“ war sie schwanger und hatte vollere Brüste.

Wenn auch „Mudhoney“ ein finanzieller Flop war, ist er sicherlich kein künstlerischer, sondern stellt Meyers ersten großen Höhepunkt dar, den er jedoch im selben Jahr mit „Die Satansweiber von Tittfield“ noch übertreffen sollte. Meyer gelingt es hier sowohl, die bestialische Bösartigkeit Sidney Brenshaws wie einen Schlag in die Magengrube des Zuschauers wirken zu lassen, was auch auf das schauspielerische Talent Hal Hoppers zurückzuführen ist, der in „Lorna“ bereits ebenfalls einen unsympathischen Gewalttäter spielte, als auch, die Derbheit und Bösartigkeit mit grotesken Einfällen und etwas Erotik zu brechen. Beeindruckend ist bereits der Beginn des Films, der mit First-Person-Camera erzählt wird und nur die Schritte Sidneys zeigt, der auf dem Weg zu Hannah ist. Ein Schnitt in Hannahs Schlafzimmer und auch hier sehen wir nur Bilder aus ihrer subjektiven Sicht, erst, als sich die Tür öffnet und sich Sidney und Hannah sehen können, sieht auch der Zuschauer ihre Gesichter. Später, wenn der Gottesmann Bruder Hansen eingeführt wird, spricht er mit einem Hall in der Stimme und in einer anderen Szene begleitet jeden seiner Schritte eine mißgestimmte Orgel – bestes, ironisch eingesetztes Mickey-Mousing!

Bereits in „Lorna“ hatte ein Gottesmann zu Beginn ein Auto aufgehalten und die Insassen – das Kinopublikum – gewarnt, den Weg zur Sünde, wohin diese Straße führe, weiter zu beschreiten. Unbeeindruckt, aber vorgewarnt, setzt der Zuschauer daraufhin seinen Weg fort; am Ende des Films erhalten alle aus Sicht des Gottesmanns ihre gerechte Strafe, und Lorna ist wie Lots Frau als zur Salzsäule erstarrt gefilmt, während zuvor, kurz bevor sie in dem Film stirbt, der Sensenmann sein Werkzeug schwingt. Meyer hatte mit diesem religiös-moralischen Überbau noch beabsichtigt, es den Tugendwächtern im Bible-Belt, den US-Südstaaten, recht zu machen, sein Film wurde jedoch trotzdem in 3 Staaten verboten. Diese Zugeständnisse machte er nun nicht mehr, im Gegenteil trägt religiöse Bigotterie einen großen Teil dazu bei, dass in „Mudhoney“ die Gewalt eskaliert, Recht und Gesetz der Hoheit des Staates entrissen und den Händen des religiös fanatisierten Pöbels überantwortet wird. Bruder Hanson gerät so zu einem vierten Typus des schwachen Mannes – nach dem Voyeur, dem ganz in der Arbeit aufgehenden und dem gewalttätigen Mann aus den vorherigen Filmen Meyers, die jedoch auch in „Mudhoney“ teils wieder auftauchen – den des selbstgerechten, moralisierenden religiös-fanatischen Eiferers, dem jeder Anflug von Lust und Erotik Anstoß und Ekel erregt und zu inquisitorischer Gewalt greift, um die menschliche Sexualität zu vernichten.


Fazit:

Großartiges Drama um die Mechanismen religiös motivierter Gewalt, mit grotesken Elementen.


Wertung:

9 / 10


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