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 Betreff des Beitrags: MUTANT HUNT - Tim Kincaid
BeitragVerfasst: 18.08.2012 12:44 
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Mutant Hunt
USA 1987 - Written & Directed by Tim Kincaid
Starring: Rick Gianasi, Mary Fahey, Ron Reynaldi, Bill Peterson, Stormy Spill, LeeAnne Baker...


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Aus der beliebten Reihe "Filme, die zum ungläubigen Kopfschütteln animieren", heute: Mutant Hunt von Tim Kincaid aus dem Jahre 1987. Bereits im Jahr davor hat der umtriebige Regisseur aus Kalifornien mit seinem schleimigen Sexploitation-Heuler Breeders (Killer-Alien) den Cineasten das Fürchten gelehrt. Mit Mutant Hunt beweist der Mann so eindrucksvoll wie nachhaltig, daß Breeders kein Zufallstreffer war. Man muß wohl eine Art Genie sein, um solch belämmerte Streifen abzuliefern. Diese Art Film kann man schwer planen und bewußt machen (gut, man kann sie natürlich bewußt machen, aber dann wirken sie gekünstelt, verkrampft und uncharmant)... diese Art Film muß passieren. Tim Kincaid ist es einige Male passiert. An Mutant Hunt stimmt einfach alles... oder nichts, je nach Sichtweise. Ein unerklärliches, faszinierendes Stück Zelluloid, verrückt wie eine BSE-verseuchte Kuh im Endstadium. Wer versucht, dieses Wunderwerk mit konventionellen Mitteln (Logik, Spannungsdramaturgie, Figurencharakterisierung, etc.) zu erfassen, befindet sich im Nu auf der Verliererstraße, und die endet im Irrenhaus.

Der Schauplatz ist New York, irgendwann in der nicht allzu fernen Zukunft. Ein mächtiger Konzernchef mit Welteroberungsambitionen namens Z (Bill Peterson) pumpt seine Cyborgs mit der neuen Superdroge Euphoron voll (die übrigens nicht gespritzt, sondern ins Ohr eingeflößt wird!), was diesen so gar nicht bekommt. Sie flippen aus, verprügeln sich gegenseitig, und attackieren jeden, der ihren Weg kreuzt. Ganz klar ein Fall für den Söldner Matt Riker (Rick "Sgt. Kabukiman" Gianasi), dem einzigen, der die durchgeknallten Killer stoppen und Ordnung ins Chaos bringen kann. So weit, so belanglos. Doch die Teufel stecken in den Details, und sie sind Legion. Man führe sich nur einmal die ach-so-bedrohlichen Cyborgs vor Augen (über diese erbärmlichen Kreaturen ließe sich stundenlang palavern). Im Schneckentempo stolzieren die sonnenbebrillten Wesen durch die Gegend, so stocksteif, als ob man ihnen einen Besenstiel zur Gänze in den Hintern gerammt hätte. Das wirkt sich besonders im Kampf Mann gegen Cyborg nicht gerade vorteilhaft für sie aus; nicht nur, daß sie aufgrund ihrer Langsamkeit kaum Schläge anbringen können, sie schaffen es auch selten, Schlägen bzw. Tritten auszuweichen. Darüber hinaus sind sie dumm wie Brot, anders läßt sich ihr Verhalten kaum erklären (womit sie den handelnden Personen in etwa ebenbürtig sind, denn auf die trifft dasselbe zu). Euphoron wirkt zudem ein wenig seltsam. Das Bedürfnis zu töten ("they kill for pleasure") übermannt die Cyborgs etwa alle sechs Stunden, zur Strafe beginnen sie langsam dahinzuschmelzen! Immerhin besteht eine Art telepathische Verbindung zu ihren Jägern... jedenfalls spüren sie, daß Riker und sein Kumpel Johnny Felix (Ron Reynaldi) hintern ihnen her sind. Tja, warum auch nicht? Und dann ist da noch die Euphoron-süchtige Domina (Stormy Spill in ihrem ersten und letzten Filmauftritt), die es ihrem ehemaligen Partner Z, der sie irgendwann mal hintergangen hat, so richtig heimzahlen will. Zu diesem Zwecke schuf sie einen Super-Cyborg (die neue Generation, Delta 8), den sie wie eine Mumie mit Bandagen umwickelt hat. Ich wiederhole es gerne noch mal: Tja, warum auch nicht?

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Intermission. Um etwas zu verschnaufen, sich die Füße zu vertreten und die Gedanken ordnen zu können... kommen wir nun zu Mutant Hunts besten Dialog, den ich in voller Länge wiedergeben möchte. Die Situation ist folgende: Riker, der Held, befindet sich in Dominas Wohnung, stehend, die Hände mit Ketten über seinem Kopf gefesselt. Domina hat an seinem Hinterkopf einen kleinen Sprengsatz angebracht und steht selbstbewußt vor ihm. (Anmerkung: Nachdem jeder seinen Satz aufgesagt hat, muß man sich bitte, bevor das Gegenüber antwortet, eine (hoch)dramatische Pause von zwei bis fünf Sekunden denken.)
Riker: "How do I get this bomb out of my head?"
Domina: "Tell me where she is!" (Mit "she" ist Darla (Mary Fahey) gemeint, die Tochter des Wissenschaftlers, der die Cyborgs für den bösen Z konstruierte.)
Riker: "Okay. Deactivate me first!"
Domina: "You'll tell me where she is?"
Riker: "You bet. Got nothing to loose, you can see that." (mit seinem Kopf auf seine Fesseln deutend)
Domina: "Alright." (greift an seinen Kopf, entfernt etwas)
Riker: "That it?"
Domina: "Yeah."
Riker: "You sure?"
Domina: "I promise."
Riker: "You really mean it?"
Domina: "Yes, I really mean it."
Riker: "Okay. Guess I just have to trust you." Sprach's, nimmt wie selbstverständlich seine rechte Hand aus der Fessel und rammt Domina seinen Ellbogen in die Fresse!

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Ein paar Worte zu den "Schauspielern". Deren Unvermögen ist beachtlich, umso mehr, da sie sowohl der Regisseur als auch der Kameramann im Regen stehen läßt. Die Inszenierung der Dialogsequenzen ist nämlich äußerst undynamisch, die Kamera bleibt statisch, der Film kommt quasi zum Stillstand. Es folgt banges Warten, bis die Darsteller ihren Text absolviert haben, schließlich ist dieser für das Verständnis der Handlung relevant. Danach hat meist einer der Cyborgs seinen Auftritt, und mit der Action kann's wieder weitergehen. Oh ja, die Action, die hat es wahrlich in sich. Es wird gekickboxt, bis die Funken fliegen und der Schleim spritzt. Nicht, daß die Beteiligten Martial Arts beherrschen würden, aber das hindert sie nicht daran, so zu tun als ob. Das beste daran ist jedoch, daß meist eine kleine Gruppe (zwei bis vier Personen) in den Kampf involviert ist, jedoch jeweils nur einer gegen den Cyborg antritt. Während also dieser eine ums nackte Überleben kämpft, lungern die anderen gelangweilt in der Gegend rum, als ob sie das alles überhaupt nichts anginge. Kein verdammter Finger wird gerührt, um ihrem Kumpel zu Hilfe zu eilen. Unfaßbar! Dieses unkollegiale Verhalten kann schon mal grob ins Auge gehen, wie der blonde (und ausgesprochen zickige) Pleasure Droid (LeeAnne Baker, die Kathleen aus Breeders) feststellen muß, wird das heiße Sexspielzeug doch eben mal aus dem Fenster geworfen.

Die phantasievollen Spezialeffekte stammen von Ed French, und die sind gar nicht mal schlecht, besonders, wenn man das geringe Budget des Streifens in Betracht zieht. Blut spritzt (ein wenig), Schleim tropft (recht viel), ein grotesk zugerichteter Cyborg avanciert zum heimlichen Star, und zum Drüberstreuen vermögen die Mutanten ihre Arme einige Meter zu dehnen (das tolle Videocover-Artwork in bester Pulp-Manier lügt also nicht völlig, auch wenn die dargestellte Szene so natürlich nicht im Film vorkommt). Die eine oder andere entblößte weibliche Brust verirrt sich ebenfalls vor die Kamera, aber es sind bei weitem nicht so viele wie in Breeders. Die Musik, die Ausstattung, die Kostüme (besonders die von Z und Domina), die Frisuren, die heruntergekommenen Locations, das New York-Flair der Achtziger, die bizarren Einfälle (wie z. B. eine explosive Wanze mit dem wohl langsamsten Countdown der Filmgeschichte), die präsentierte Computertechnik (damals wohl der letzte Schrei, heute hoffnungslos veraltet)... all das trägt mit dazu bei, daß Mutant Hunt ist was es ist. Eine filmische Katastrophe einerseits, eine unvergeßliche Low-Budget-Wundertüte andererseits, die fast schon surreale Ausmaße annimmt. Wie heißt es so schön: der Film ist leider geil. Leider sogar megageil und deshalb für Fans unverzichtbar. Merke: Kincaids Genrefilme sind wie Euphoron, sie machen süchtig!

Ich schließe mit einem weiteren, köstlich schrägen Dialog über die "gefährlichen" Cyborg-Mutanten.
Darla: "Do you really know what you're dealing with? These things aren't Euphoron dealers or sex maniacs, they're superhuman machines, ten times stronger than any man."
Johnny Felix (schulterzuckend, stirnrunzelnd, unwissend, worauf sie hinaus will): "So?"
Darla: "So? SO? You can't even remember that they're called cyborgs!"

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