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 Post subject: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 23.03.2013 15:46 
TOPAS
USA 1969
Darsteller: Frederick Stafford, Karin Dor, John Vernon, Dany Robin, Frederick Forsyhte, Michele Piccoli, Phillip Noiret
Musik: Maurice Jarre
Regie: Alfred Hitchcock

Inhalt:
Der französische Agent André Devereaux (Frederick Stafford) macht es Ehefrau Nicole (Dany Robin) nicht leicht. Einst waren sie Kameraden in der Résistance, heute leistet André dem CIA so manchen Gefallen. Als die frisch verheiratete Tochter Michèle (Claude Jade) und der als Journalist arbeitende Schwiegersohn Francois Picard (Michel Subor) mit den Brauteltern einige Tage in New York verbringen, nutzt André die Gelegenheit, um für CIA-Mann Nordtsrom (John Forsythe) in Harlem geheime Dokumente der kubanischen Delegation zu stehlen. Im weiteren Verlauf spioniert André mit seiner Ex-Geliebten Juanita (Karin Dor) in Kuba.

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 23.03.2013 16:11 
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Last edited by Mater Videorum on 03.12.2015 19:04, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 23.03.2013 16:15 
Mater Videorum wrote:
TOPAS ist leider einer der wenigen Filme vom guten Alfred, die mich (auch nach mehrmaligen Anschauen) eher kalt lassen.
Und das liegt nicht an den Darstellern, denn Karin, Stafford oder Forsythe machen eine ordentliche Performance, mir taugt
der kalte-Krieg-Spionage-Anteil nicht so sehr, außerdem bleiben Dramatik und Spannung fast ganz auf der Strecke, etwas
was bei Hitch eigentlich nie der Fall war. Für mich der schlechteste Beitrag aus der Hitchcock-Universal-Ära...



TOPAS ist mit Sicherheit problematisch. Die besten Abschnitte spielen auf Kuba und unbestreitbar hat Karin Dor die unvergesslichste Szene des ganzen Films.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 23.03.2013 16:19 
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Last edited by Mater Videorum on 03.12.2015 19:04, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 23.03.2013 16:28 
Mater Videorum wrote:
italo wrote:
TOPAS ist mit Sicherheit problematisch. Die besten Abschnitte spielen auf Kuba und unbestreitbar hat Karin Dor die unvergesslichste Szene des ganzen Films.


Geb ich Dir recht...in allen 3 Punkten...aber Karin kann's dann trotzdem nicht rausreißen!



Da gebe ich dir auch recht aber trotzdem ist der Film immer noch ein Hitchcok und dadurch so viel besser als anderes.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 23.03.2013 17:24 
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aber Hitchcock ist mit Spionagefilmen eh nicht gut gefahren, Der zerissene Vorhang ist auch nichts besonderes

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 15.10.2013 18:19 
Dieses wunderschöne Bild von Karin Dor als Juanita de Cordoba wollte ich Euch nicht vorenthalten.
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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 15.10.2013 18:43 
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Ein paar Streifen Hitchcocks mochte ich schon immer, aber erst in den letzten Jahren lerne ich seine Werke wirklich zu lieben. "Topaz" werde ich vermutlich neu entdecken dürfen, da ich den Film als Jugendlicher geschaut habe (also vor einer Ewigkeit), mich damals nicht weiter dafür interessierte, da ich mehr auf "Psycho" oder "Die Vögel" eingenordet war.

Seit ein paar Tagen steht die UK-BD im Regal, freue mich auf die bevorstehende Sichtung.

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 15.10.2013 18:52 
Blap wrote:
Ein paar Streifen Hitchcocks mochte ich schon immer, aber erst in den letzten Jahren lerne ich seine Werke wirklich zu lieben. "Topaz" werde ich vermutlich neu entdecken dürfen, da ich den Film als Jugendlicher geschaut habe (also vor einer Ewigkeit), mich damals nicht weiter dafür interessierte, da ich mehr auf "Psycho" oder "Die Vögel" eingenordet war.

Seit ein paar Tagen steht die UK-BD im Regal, freue mich auf die bevorstehende Sichtung.



Hat die UK BD das Cover mit Karin Dor?


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 15.10.2013 19:09 
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italo wrote:
Hat die UK BD das Cover mit Karin Dor?

Das ist das UK-Cover:

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 15.10.2013 22:16 
Vision-Thing wrote:
italo wrote:
Hat die UK BD das Cover mit Karin Dor?

Das ist das UK-Cover:

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Danke! Dann ist es tatsächlich ein anderes Cover.
Wenn die US BD Codefree ist, würde ich mir die bestellen, wegen dem schöneren Cover.

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 16.10.2013 13:17 
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Sind eigentlich beide hässlich ... ;)


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 16.10.2013 13:37 
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Naja, es gibt fraglos schönere Cover. Immer dieser auf modern getrimmte Kram, wo es doch oft herrliche Kinoplaktmotive gibt. Grmblfx. Ihr Schweine. :lol:

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 27.10.2013 11:13 
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Vor wenigen Tagen geschaut ...

Nach den vielen Jahren erinnere ich mich nicht mehr wirklich an die kürzere Fassung, die längere Version ist aus meiner Sicht sehr stimmig. Sehr unterhaltsamer Spionagestreifen mit starker Besetzung. Frederick Stafford passt geradezu perfekt, John Vernon gefällt als eifersüchtiger Fanatiker, Karin Dor hinterlässt trotz knapper Mitwirkungsdauer bleibenden Eindruck.

Mit der britischen BD bin ich sehr zufrieden, dicke Empfehlung!

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 27.10.2013 11:29 
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Falls jemand Interesse an der britischen DVD mit der Langfassung hat: PN me.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 06.08.2014 17:11 
Ich habe gerade total Lust auf den Film bekommen und werde heute erstmal die deutsche Blu-ray in Augenschein nehmen.
Normalerweise müsste die deustche Blu-ray schlechter sein, als die amerikanische, weil es sich bei der deutschen Version um eine Kinoversion handelt und nicht einmal das Universal Verleihlogo zu sehen ist. Ich hatte gestern kurz in den Anfang reingesehen. Da kommt keine Universal Verleihmarke, sondern der Film startet gleich. Ob hier eine deutsche Kinorolle abgetastet wurde, weil es diese Version doch nur in Deutschland gab oder? Weiß einer mehr?


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 07.08.2014 11:28 
Ich habe mir gestern nach weit über 10 Jahren TOPAS mal wieder zu Gemüte geführt und wirklich genossen.

Hitchcock bewegt sich hier auf einem für ihn relativ ungewöhnlichen Terrain,
was den Film für einige Leute etwas schwieriger zugänglich machen dürfte.

Der Film ist sehr komplex und fordert die hundertprozentige Aufmerksamkeit des Zuschauers,
also kein Film zum nebenbei Ansehen.

Auffällig ist, dass der Film wesentlich größer angelegt ist, als die meisten Hitchcock Filme.
Die vielen verschiedenen Drehorte, die wunderbare Kameraarbeit sind ein Fest für den Filmfan.
Die Story ist sehr spannend und clever konstruiert, spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab um sich letztendlich zu einem perfekten Ganzen zu verbinden.
Es gibt unvergesslich inszenierte Momente, die eine unglaubliche Wirkung erziehlen, wie zum Beispiel das Verhör des Ehepaares und der Reaktion von John Vernon auf den Namen Juanita De Cordoba.
Karin Dor hat mit Sicherheit die beste Filmszene ihrer gesamten Karriere und diese gilt in der Filmgeschichte schließlich als eine der schönsten ihrer Art.
Der Film ist außerordentlich gut besetzt und selbst Fredderick Staffort ist fantastisch.
Allerdings hinterlässt Karin Dor den bleibendsten Eindruck im Film.
Hitchcock wollte übrigens einen weiteren Film mit Dor drehen, leider kam es nie dazu.
Die Musik von Maurice Jarre ist kraftvoll und geht ins Ohr. Sehr gelungen.

Wer TOPAS seine volle Aufmerksamkeit schenkt wird mit einem Deluxe Spionagethriller über 2 Stunden sehr spannend unterhalten.

10/10

Auch wenn Hitchcock mit einigen Filmen sich selbst übertroffen hat, gebührt TOPAS die volle Punktzahl.

Wahrscheinlich wäre TOPAS für mich ein Hitchcock Meisterwerk, wenn man den Regisseur nicht genötigt hätte, das Duell Finale rauszunehmen, bzw. ein anderes Ende zu nehmen. Das Duell Ende ist ziemlich over the Top und gerade deswegen wäre es einfach Hitchcock Pur. Der wusste schon was er tut.


Übrigens ist das Bild der Blu-ray fantastisch. Es hat viel Spaß gemacht, den Film in HD neu zu entdecken.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 07.08.2014 23:17 
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Auch mit voller Aufmerksamkeit bleibt Topas ein wenig überzeugender Hitchcock. Unterhaltsam, aber nichts Großes. 6/10


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 26.05.2015 09:52 
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Ich muss sagen, ich finde den Film nicht schlecht. Es fehlt ein wenig ein wirklich roter Faden in der Story, aber Hitchcock kann die einzelnen Szenen wie immer gekonnt um, daher bleibt auch die Spannung bis zum Schluss erhalten. Ich würde ihm durchaus 8/10 geben.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 12.10.2018 15:26 
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Nach langer Zeit einmal wieder gesehen und "Topas" bleibt vom Eindruck her nach wie vor überzeugend. Insgesamt behält der Film ein so hohes Ansehen bei mir, da ich ihn noch nie Vergleichen innerhalb des Hitchcock-Orbit unterzogen habe. Die Stärken liegen im klaren Aufbau und im buchstäblichen Ausreizen der zeitlichen Spannen, was prägnante Veranschaulichungen zur Folge hat. Langatmig finde ich den Verlauf daher nicht, da ein derartiges Abarbeiten en detail für einen solchen Spionagefilm erforderlich ist, und die Handlungsstränge somit nicht wie vom Himmel gefallen wirken. Wenn "Topas" straffer inszeniert wäre, würde ihm für meine Begriffe das Unsentimentale ein wenig mehr abgehen. Die Darsteller überzeugen hier sehr, allen voran Frederick Stafford, dessen unaufgeregte Leistung den Film trägt. John Vernon als personifizierter Schleudersitz der Szenerie bringt eine zusätzliche Brisanz hinein und es ist von vorne herein unausweichlich, dass das Ganze in eine Katastrophe steuern muss, wenn auch nur für bestimmte Personen, und nicht global gesehen. Besondere Erwähnung muss natürlich noch Karin Dor zuteil werden, deren Rolle vor allem in inszenatorischer Hinsicht auf höchstem Niveau präsentiert wird.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 12.10.2018 22:42 
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Ich hätte den Film lieber mit dem alternativen Ende gesehen, wo Michel Piccoli sich nicht umbringt, sondern die Aeroflot-Maschine besteigt und den anderen Protagonisten etwas höhnisch zuwinkt. Das Ende mit dem Schußgeräusch und dem einfrierenden Standbild empfinde ich als die schwächste der alternativen Endfassungen.

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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 13.10.2018 12:43 
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Jokerfive wrote:
Das Ende mit dem Schußgeräusch und dem einfrierenden Standbild empfinde ich als die schwächste der alternativen Endfassungen.

Geht mir ganz genauso, wobei ich auch finde, dass ein komplett anders inszeniertes Ende dem Film noch ein bisschen besser gestanden hätte.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 18.03.2019 20:44 
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Herbst 1962: Der französische Geheimagent André Devereaux reist im Auftrag der Amerikaner nach Kuba. Er soll herausbekommen, was es mit den angeblich dort stationierten Sowjet-Raketen auf sich hat, von denen ein hoher russischer Überläufer erzählte. Allerdings finden die Vorgesetzten Devereaux’ diese Reise nicht so aufregend, und beordern ihn zurück nach Paris. Was sie nicht wissen ist, dass er noch etwas im Gepäck hat: Informationen über einen russischen Spionagering in der NATO, an dem hohe französische Beamte beteiligt sind …

Eigentlich interessant, wie Alfred Hitchock den James Bond-Mythos auseinandernimmt. Beim ersten Auftritt Frederick Staffords als Devereaux hatte ich noch das Gefühl, auf eine 1A-Bond-Kopie zu schauen. Erscheinung, Haltung, Bewegung, Stil – ganz der britische Top-Spion, und den Hutwurf auf den Kleiderständer habe ich tatsächlich ernsthaft vermisst. Devereaux stellt seinen nur bedingt kompetent erscheinenden Chefs genau die richtigen Fragen, schaut smart aus der edlen Wäsche, und wirkt so, ob er in jeder Lebenslage immer alles im Griff hat.

Und dann wird dieser Supermann Stück für Stück demontiert. Schon der Umstand, dass sein Eheleben(!) eine Katastrophe ist, unterscheidet ihn deutlich vom britischen Vorbild, aber auch die Qualität seiner beruflichen Aktionen ist ein ganz anderes Kaliber. Sein erstes “Opfer“ wird fast ein Informant aus Harlem, den er in eine unübersichtliche und gefährliche Situation jagt, der sich aber gewitzt selbst retten kann. Doch danach zeigt unser Mann vom Deuxieme Bureau seine ganze Unfähigkeit: Die Helfer auf Kuba, die für ihn spionieren sollen, werden gefasst und gefoltert. Die Geliebte, die eine Untergrundorganisation aufbaut, lässt er im Stich. Den Schwiegersohn schickt er zu einem Treffen mit einem Spion, das für ihn (den Schwiegersohn) fast übel ausgeht. Mit einem Lächeln im Gesicht schickt Devereaux seine Leute in den Tod, und praktisch jeder der ihm hilft hat anschließend ein Problem mit dem Am-Leben-sein. Nur er selber kommt immer vollkommen sauber und unbeleckt aus der Sache heraus. Ist der Saubermann, der andere opfert um selber gute Ergebnisse zu erzielen. Ist das jetzt Hitchcocks Abrechnung mit der Welt der Geheimdienste? Ich meine, durch Hitchs Oeuvre zieht sich die Agententätigkeit wie ein roter Faden. Von DIE 39 STUFEN über SABOTEURE bis zu DER UNSICHTBARE DRITTE und DER ZERRISSENE VORHANG sind immer wieder Privatpersonen in die Mühlen der Geheimdienste gezerrt worden, selten waren, wie etwa in WEISSES GIFT, Profis am Werk. Hier haben wir jetzt genau so einen hauptberuflichen Agenten, der sich nicht scheut andere zu benutzen um selber gut dazustehen. Trotz der äußerst wirren Geschichte somit also eigentlich eine recht interessante (und wahrscheinlich realistische) Sache, und eine nicht alltägliche Grundidee. Aber da ist noch das Problem mit besagter wirren Geschichte ...

Denn diese steht sich ein wenig selber im Weg. Der Aufhänger mit dem russischen Überläufer lässt sich noch als Startschuss erklären der die Story ins Rollen bringt, aber zwischen russischen Raketen auf Kuba, den eigenen Eheproblemen, einer heimlichen Geliebten und betrügerischen Freunden in der heimatlichen Regierung fehlt ein wenig der rote Faden. Ich vermisse die Klammern, die eine Geschichte zusammenhalten, vor allem wenn sie so komplex aufgebaut ist wie diese. Was ich versuchen will zu sagen ist dies: Die Geschichte mit dem Überläufer ist gut und spannend, und hätte im Wesentlichen einen eigenen Spannungsbogen verdient, vor allem in Kombination mit dem Spionagering. Die Geschichte mit den Raketen ist in vielerlei Hinsicht ebenfalls spannend, gerade weil sie in der Realität spielt. Und weil sie die historischen Vorgänge geschickt mit dem Kintopp verbindet und Raum gibt für große Gefühle, Pathos und Spannung. Allerdings sehe ich den Zusammenhang zwischen den Themenkomplexen Überläufer/Spionagering und Raketen auf Kuba nicht. Da eine Verbindung herzustellen empfinde ich als mühsam konstruiert, so als ob Hitchcock dem Drehbuch nicht getraut hätte und eine zusätzliche Story als Absicherung einbauen wollte.

Und so wirkt trotzdem, dass Devereaux sichtlich als Anti-Bond konzipiert wurde (eine Ehefrau, keine herausragenden Eigenschaften, kein besonderes Können ausser einer benannten Respektlosigkeit), das ganze wie ein lauer Wind, der für das Jahr 1969 weder stylisch noch spannend noch innovativ aussieht. Wenn ich dagegen an IPCRESS – STRENG GEHEIM denke, der schon 1965 das Agentengenre mit eben besagtem Anti-Bond bestückte, und dabei verflucht spannend war und modern aussah, dann frage ich mich schon, was Hitchcock uns hier sagen wollte. Hinzu kommt das vollkommen Hitchcock-untypische Fehlen eines doppelten Bodens. Alle Personen sind was sie vorgeben zu sein. Der russische Überläufer ist ein russischer Überläufer, und nicht etwa ein geschickter Schachzug der Sowjets um falsche Informationen zu verbreiten. Juanita ist Juanita, nicht mehr und nicht weniger, und der französische Verräter ist ein französischer Verräter, und nicht etwa ein Doppelspion mit der Lizenz zum Lügen. DER SPION, DER AUS DER KÄLTE KAM anyone? Da kann man sehen wie das doppelt-, dreifach- und zigfach verschachtelte Spionagespiel aussehen kann. Der ist ein Agententhriller par Excellence …

Bemerkenswerterweise empfinde ich den gesamten Schlussteil, also alles was narrativ in Frankreich angesiedelt ist, als relativ spannend und dicht. Hier kommt das oft gesehene und geliebte Vexierspiel zwischen Agenten zumindest halbwegs zum Tragen. Weder der Zuschauer noch die Darsteller wissen was passiert, wer gerade wie lügt oder wer warum die Wahrheit sagt. Vertrauen ist tödlich, und das einzige was zählt ist eine Kugel oder ein Messer sowie eine gesunde Distanz zu allem und jedem. So hätte von mir aus gerne der ganze Film sein können, wie eine Art ROPE im Agentenmilieu. Und dann auch noch mit Größen wie Michel Piccoli und Philippe Noiret? Ein Traum …
Aber es bleibt beim Traum, denn so gut umgesetzt etwa die Handlung auf Kuba ist, und so stark John Vernon und Karin Dor aufspielen, so schwach bleibt insgesamt gesehen das Ergebnis: Der Film fesselt einfach nicht. Die einzelnen Handlungsabschnitte sind dabei sehr wohl gelungen (Kopenhagen, Kuba, Paris), aber zwischen diesen Abschnitten sehe ich keinen sinnvollen Klebstoff, der den Zusammenhang und den Sinn überzeugend zusammenbringt. Und der gute Teil in Paris ist viel zu kurz um Spannung und Komplexität aufs Tapet zu bringen.

Nicht alle Hitchcock-Filme sind immer gut. TOPAS wirkt auf mich wie das Alterswerk eines Regisseurs, der sich in der modernen Welt nicht mehr zurechtfindet, und selbst bei einer Dialogszene auf einem Flugfeld eine Rückpro einsetzt. Und ohne den ausgesprochen beeindruckenden John Vernon hätte ich wahrscheinlich noch einen Punkt abgezogen …

5/10

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 18.03.2019 21:03 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
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Herbst 1962: Der französische Geheimagent André Devereaux reist im Auftrag der Amerikaner nach Kuba. Er soll herausbekommen, was es mit den angeblich dort stationierten Sowjet-Raketen auf sich hat, von denen ein hoher russischer Überläufer erzählte. Allerdings finden die Vorgesetzten Devereaux’ diese Reise nicht so aufregend, und beordern ihn zurück nach Paris. Was sie nicht wissen ist, dass er noch etwas im Gepäck hat: Informationen über einen russischen Spionagering in der NATO, an dem hohe französische Beamte beteiligt sind …

Eigentlich interessant, wie Alfred Hitchock den James Bond-Mythos auseinandernimmt. Beim ersten Auftritt Frederick Staffords als Devereaux hatte ich noch das Gefühl, auf eine 1A-Bond-Kopie zu schauen. Erscheinung, Haltung, Bewegung, Stil – ganz der britische Top-Spion, und den Hutwurf auf den Kleiderständer habe ich tatsächlich ernsthaft vermisst. Devereaux stellt seinen nur bedingt kompetent erscheinenden Chefs genau die richtigen Fragen, schaut smart aus der edlen Wäsche, und wirkt so, ob er in jeder Lebenslage immer alles im Griff hat.

Und dann wird dieser Supermann Stück für Stück demontiert. Schon der Umstand, dass sein Eheleben(!) eine Katastrophe ist, unterscheidet ihn deutlich vom britischen Vorbild, aber auch die Qualität seiner beruflichen Aktionen ist ein ganz anderes Kaliber. Sein erstes “Opfer“ wird fast ein Informant aus Harlem, den er in eine unübersichtliche und gefährliche Situation jagt, der sich aber gewitzt selbst retten kann. Doch danach zeigt unser Mann vom Deuxieme Bureau seine ganze Unfähigkeit: Die Helfer auf Kuba, die für ihn spionieren sollen, werden gefasst und gefoltert. Die Geliebte, die eine Untergrundorganisation aufbaut, lässt er im Stich. Den Schwiegersohn schickt er zu einem Treffen mit einem Spion, das für ihn (den Schwiegersohn) fast übel ausgeht. Mit einem Lächeln im Gesicht schickt Devereaux seine Leute in den Tod, und praktisch jeder der ihm hilft hat anschließend ein Problem mit dem Am-Leben-sein. Nur er selber kommt immer vollkommen sauber und unbeleckt aus der Sache heraus. Ist der Saubermann, der andere opfert um selber gute Ergebnisse zu erzielen. Ist das jetzt Hitchcocks Abrechnung mit der Welt der Geheimdienste? Ich meine, durch Hitchs Oeuvre zieht sich die Agententätigkeit wie ein roter Faden. Von DIE 39 STUFEN über SABOTEURE bis zu DER UNSICHTBARE DRITTE und DER ZERRISSENE VORHANG sind immer wieder Privatpersonen in die Mühlen der Geheimdienste gezerrt worden, selten waren, wie etwa in WEISSES GIFT, Profis am Werk. Hier haben wir jetzt genau so einen hauptberuflichen Agenten, der sich nicht scheut andere zu benutzen um selber gut dazustehen. Trotz der äußerst wirren Geschichte somit also eigentlich eine recht interessante (und wahrscheinlich realistische) Sache, und eine nicht alltägliche Grundidee. Aber da ist noch das Problem mit besagter wirren Geschichte ...

Denn diese steht sich ein wenig selber im Weg. Der Aufhänger mit dem russischen Überläufer lässt sich noch als Startschuss erklären der die Story ins Rollen bringt, aber zwischen russischen Raketen auf Kuba, den eigenen Eheproblemen, einer heimlichen Geliebten und betrügerischen Freunden in der heimatlichen Regierung fehlt ein wenig der rote Faden. Ich vermisse die Klammern, die eine Geschichte zusammenhalten, vor allem wenn sie so komplex aufgebaut ist wie diese. Was ich versuchen will zu sagen ist dies: Die Geschichte mit dem Überläufer ist gut und spannend, und hätte im Wesentlichen einen eigenen Spannungsbogen verdient, vor allem in Kombination mit dem Spionagering. Die Geschichte mit den Raketen ist in vielerlei Hinsicht ebenfalls spannend, gerade weil sie in der Realität spielt. Und weil sie die historischen Vorgänge geschickt mit dem Kintopp verbindet und Raum gibt für große Gefühle, Pathos und Spannung. Allerdings sehe ich den Zusammenhang zwischen den Themenkomplexen Überläufer/Spionagering und Raketen auf Kuba nicht. Da eine Verbindung herzustellen empfinde ich als mühsam konstruiert, so als ob Hitchcock dem Drehbuch nicht getraut hätte und eine zusätzliche Story als Absicherung einbauen wollte.

Und so wirkt trotzdem, dass Devereaux sichtlich als Anti-Bond konzipiert wurde (eine Ehefrau, keine herausragenden Eigenschaften, kein besonderes Können ausser einer benannten Respektlosigkeit), das ganze wie ein lauer Wind, der für das Jahr 1969 weder stylisch noch spannend noch innovativ aussieht. Wenn ich dagegen an IPCRESS – STRENG GEHEIM denke, der schon 1965 das Agentengenre mit eben besagtem Anti-Bond bestückte, und dabei verflucht spannend war und modern aussah, dann frage ich mich schon, was Hitchcock uns hier sagen wollte. Hinzu kommt das vollkommen Hitchcock-untypische Fehlen eines doppelten Bodens. Alle Personen sind was sie vorgeben zu sein. Der russische Überläufer ist ein russischer Überläufer, und nicht etwa ein geschickter Schachzug der Sowjets um falsche Informationen zu verbreiten. Juanita ist Juanita, nicht mehr und nicht weniger, und der französische Verräter ist ein französischer Verräter, und nicht etwa ein Doppelspion mit der Lizenz zum Lügen. DER SPION, DER AUS DER KÄLTE KAM anyone? Da kann man sehen wie das doppelt-, dreifach- und zigfach verschachtelte Spionagespiel aussehen kann. Der ist ein Agententhriller par Excellence …

Bemerkenswerterweise empfinde ich den gesamten Schlussteil, also alles was narrativ in Frankreich angesiedelt ist, als relativ spannend und dicht. Hier kommt das oft gesehene und geliebte Vexierspiel zwischen Agenten zumindest halbwegs zum Tragen. Weder der Zuschauer noch die Darsteller wissen was passiert, wer gerade wie lügt oder wer warum die Wahrheit sagt. Vertrauen ist tödlich, und das einzige was zählt ist eine Kugel oder ein Messer sowie eine gesunde Distanz zu allem und jedem. So hätte von mir aus gerne der ganze Film sein können, wie eine Art ROPE im Agentenmilieu. Und dann auch noch mit Größen wie Michel Piccoli und Philippe Noiret? Ein Traum …
Aber es bleibt beim Traum, denn so gut umgesetzt etwa die Handlung auf Kuba ist, und so stark John Vernon und Karin Dor aufspielen, so schwach bleibt insgesamt gesehen das Ergebnis: Der Film fesselt einfach nicht. Die einzelnen Handlungsabschnitte sind dabei sehr wohl gelungen (Kopenhagen, Kuba, Paris), aber zwischen diesen Abschnitten sehe ich keinen sinnvollen Klebstoff, der den Zusammenhang und den Sinn überzeugend zusammenbringt. Und der gute Teil in Paris ist viel zu kurz um Spannung und Komplexität aufs Tapet zu bringen.

Nicht alle Hitchcock-Filme sind immer gut. TOPAS wirkt auf mich wie das Alterswerk eines Regisseurs, der sich in der modernen Welt nicht mehr zurechtfindet, und selbst bei einer Dialogszene auf einem Flugfeld eine Rückpro einsetzt. Und ohne den ausgesprochen beeindruckenden John Vernon hätte ich wahrscheinlich noch einen Punkt abgezogen …

5/10



Ich halte Topas für unterschätzt, weil er sich nicht auf gewohnten Hitchcock Terrain bewegt.
Wenn Hitchcock am Flughafen bei einer Dialogszene Rückpro verwendet, kannst Du sicher sein, dass das seinen triftigen Grund hatte, genauso wie bei Sean Connery und Gert Fröbe bei der Hotel Dialogszene in Goldfinger.

John Vernon ist top aber in diesem Fall sollte man nicht vergessen, dass die Szenen mit Karin Dor, zu den besten und erinnerungswürdigsten des ganzen Films gehören.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 18.03.2019 22:28 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
aber zwischen diesen Abschnitten sehe ich keinen sinnvollen Klebstoff, der den Zusammenhang und den Sinn überzeugend zusammenbringt.

Ich sehe es zwar nicht so, aber ich habe es als Beobachtung zum Film schon oft gehört, also dürfte schon etwas dran sein. Für mich persönlich ist genau diese negativ ausgelegte Komponente der springende Punkt des gesamten Films, folglich eine der großen Stärken. Auch ich würde sagen, dass sich eine Kapazität wie Alfred Hitchcock immer etwas bei dem gedacht haben wird, was er tat. Bei "Topas" war das vermutlich nicht anders. Für mich stellen die dem Empfinden nach fehlenden Klammern oder die losen Übergänge die Quintessenz des Verlaufs dar. Hitchcock zieht einen dicken roten Strich unter die Aussage des Films, dass der betriebene Aufwand im Sinne der Intentionen am Ende nicht nur ergebnislos geblieben ist, sondern vollkommen sinnlos war. Sisyphos als oberster Chef aller Geheimdienste. Es handelt sich sozusagen um ein stilles Plädoyer gegen derartige Mammutprojekte, die nur von wenigen als oberste Prioritäten angesehen werden und für die meisten völlig irrelevant sind, obwohl sie als lebenswichtig aufgetischt werden. Nicht zu vergessen ist hier das völlig unsentimentale Element, das den Film unterschwellig und in manchen Szenen sogar ganz unverblümt dominiert. Der Film verliert meines Erachtens vor allem im Vergleich, sprich: unter dem hauseigenen Hitchcock-Banner, sodass der Produktion ihre eigene Messlatte zum Verhängnis wird. Für mich hat die Regie hier eine inszenatorische Grauzone ausfindig gemacht und clever ausgereizt, die in den vielen ähnlichen Produktionen kaum Beachtung gefunden hat.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 18.03.2019 23:58 
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Ryan wrote:

Ich halte Topas für unterschätzt, weil er sich nicht auf gewohnten Hitchcock Terrain bewegt.
Wenn Hitchcock am Flughafen bei einer Dialogszene Rückpro verwendet, kannst Du sicher sein, dass das seinen triftigen Grund hatte, genauso wie bei Sean Connery und Gert Fröbe bei der Hotel Dialogszene in Goldfinger.



Und der wäre bei Goldfinger?


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 19.03.2019 02:14 
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Stanton wrote:
Ryan wrote:

Ich halte Topas für unterschätzt, weil er sich nicht auf gewohnten Hitchcock Terrain bewegt.
Wenn Hitchcock am Flughafen bei einer Dialogszene Rückpro verwendet, kannst Du sicher sein, dass das seinen triftigen Grund hatte, genauso wie bei Sean Connery und Gert Fröbe bei der Hotel Dialogszene in Goldfinger.



Und der wäre bei Goldfinger?



Gert Fröbe war nicht in Miami anwesend und deswegen hat man die Szene im Studio gedreht.


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 19.03.2019 07:42 
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Prisma wrote:
Schmutziger_Maulwurf wrote:
aber zwischen diesen Abschnitten sehe ich keinen sinnvollen Klebstoff, der den Zusammenhang und den Sinn überzeugend zusammenbringt.

Ich sehe es zwar nicht so, aber ich habe es als Beobachtung zum Film schon oft gehört, also dürfte schon etwas dran sein. Für mich persönlich ist genau diese negativ ausgelegte Komponente der springende Punkt des gesamten Films, folglich eine der großen Stärken. Auch ich würde sagen, dass sich eine Kapazität wie Alfred Hitchcock immer etwas bei dem gedacht haben wird, was er tat. Bei "Topas" war das vermutlich nicht anders. Für mich stellen die dem Empfinden nach fehlenden Klammern oder die losen Übergänge die Quintessenz des Verlaufs dar. Hitchcock zieht einen dicken roten Strich unter die Aussage des Films, dass der betriebene Aufwand im Sinne der Intentionen am Ende nicht nur ergebnislos geblieben ist, sondern vollkommen sinnlos war. Sisyphos als oberster Chef aller Geheimdienste. Es handelt sich sozusagen um ein stilles Plädoyer gegen derartige Mammutprojekte, die nur von wenigen als oberste Prioritäten angesehen werden und für die meisten völlig irrelevant sind, obwohl sie als lebenswichtig aufgetischt werden. Nicht zu vergessen ist hier das völlig unsentimentale Element, das den Film unterschwellig und in manchen Szenen sogar ganz unverblümt dominiert. Der Film verliert meines Erachtens vor allem im Vergleich, sprich: unter dem hauseigenen Hitchcock-Banner, sodass der Produktion ihre eigene Messlatte zum Verhängnis wird. Für mich hat die Regie hier eine inszenatorische Grauzone ausfindig gemacht und clever ausgereizt, die in den vielen ähnlichen Produktionen kaum Beachtung gefunden hat.

Ein sehr interessanter Aspekt, auf den ich noch nicht gekommen bin. Ich habe eine dunkle Erinnerung an einen Geheimdienstfilm im Sinn, wo nach 2 Stunden alle tot waren, viel Leid und viel Schmerz erlitten war, und sich in Bezug zur Ausgangssituaton rein gar nichts verändert hatte. Nur dass der Sisyphos eine Akte wegsperren konnte. Mehr weiß ich leider nicht mehr, aber ich vermute dass Du so etwas meinst ...?

Reine Spekulation meinerseits, ohne irgendwelche filmhistorische Rückversicherung: Der alte Profi Hitchcock hat sich über die oberflächlichen und mega-erfolgreichen James Bond-Actioner geärgert und wollte den Bond-Mythos dekonstruieren. Zuerst erschafft er eine Agentenstory, die sich im Gerüst an Bond orientiert: Junger, smarter Agent reist durch die Welt und löst aufregende Fälle an exotischen Schauplätzen. Dann kommt die Dekonstruktion: Ehefrau, passives Verhalten im Job, zwar gute Ergebnisse in der Arbeit aber mit einem hohen Blutzoll bei den Good Guys. Doch selbst dann vermisse ich immer noch das Ende der Geschichte, den Zusammenhang zwischen den einzelnen Komponenten, die bei Bond nämlich sehr wohl vorhanden sind.
Oder ist das, wie Prisma schreibt, dem Realismus geschuldet, dass metaphorisch gesprochen das, was ich am Freitag erlebe, nicht zwingend mit dem Montag zusammenhängen muss? Ein spannendes Konzept, aber ob das filmisch wirklich immer funktioniert? Selbst Filme von Klaus Lemke, der viel improvisiert und sich (auch narrativ) oft treiben lässt, haben einen inneren Zusammenhang, sie erzählen eine zusammenhängende Geschichte. Und ebendies fehlt hier einfach. Der Film könnte also auch heissen Sieben Tage im Leben eines Agenten, denn die Organisation Topas hat für höchstens ein Drittel der Laufzeit Bedeutung.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 19.03.2019 07:45 
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Ryan wrote:
Stanton wrote:
Ryan wrote:

Ich halte Topas für unterschätzt, weil er sich nicht auf gewohnten Hitchcock Terrain bewegt.
Wenn Hitchcock am Flughafen bei einer Dialogszene Rückpro verwendet, kannst Du sicher sein, dass das seinen triftigen Grund hatte, genauso wie bei Sean Connery und Gert Fröbe bei der Hotel Dialogszene in Goldfinger.



Und der wäre bei Goldfinger?



Gert Fröbe war nicht in Miami anwesend und deswegen hat man die Szene im Studio gedreht.

Ein gutes Argument, denn das Flugfeld selber war ja keine Rückpro. Also könnte die Szene tatsächlich nachträglich gedreht worden sein. Aber selbst in dem Fall wundere ich mich über die magere technische Umsetzung, die auch bei MARNIE schon so traurig ausgesehen hat. Und ganz ehrlich: Wenn ich die Schauspieler zur Verfügung habe, aber den ursprünglichen Drehort nicht mehr, dann gehe ich mit den beiden in den nächsten Park, warte bis das Licht halbwegs passt, und drehe mit Bäumen im Hintergrund eine natürlich aussehende Szene. Oder mache ich mir das als Amateur da zu einfach?

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: TOPAS - Alfred Hitchcock
PostPosted: 19.03.2019 09:25 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Ryan wrote:
Stanton wrote:
Ryan wrote:

Ich halte Topas für unterschätzt, weil er sich nicht auf gewohnten Hitchcock Terrain bewegt.
Wenn Hitchcock am Flughafen bei einer Dialogszene Rückpro verwendet, kannst Du sicher sein, dass das seinen triftigen Grund hatte, genauso wie bei Sean Connery und Gert Fröbe bei der Hotel Dialogszene in Goldfinger.



Und der wäre bei Goldfinger?



Gert Fröbe war nicht in Miami anwesend und deswegen hat man die Szene im Studio gedreht.

Ein gutes Argument, denn das Flugfeld selber war ja keine Rückpro. Also könnte die Szene tatsächlich nachträglich gedreht worden sein. Aber selbst in dem Fall wundere ich mich über die magere technische Umsetzung, die auch bei MARNIE schon so traurig ausgesehen hat. Und ganz ehrlich: Wenn ich die Schauspieler zur Verfügung habe, aber den ursprünglichen Drehort nicht mehr, dann gehe ich mit den beiden in den nächsten Park, warte bis das Licht halbwegs passt, und drehe mit Bäumen im Hintergrund eine natürlich aussehende Szene. Oder mache ich mir das als Amateur da zu einfach?



Hinzu kommt, ob du die Kinofassung der deutschen Blu-ray oder die Fassung der US Blu-ray gesehen hast. Die hat nämlich ein anderes Ende. Ich habe es jetzt nicht mehr genau im Kopf aber möglicherweise war das in der US Fassung anders und würde sich dann erklären. Wenn ich mich recht erinnere wurde Hitchcock gezwungen das Ende zu verändern. Möglicherweise schafft eine Sichtung der US Fassung, die meines Wissens von Hitchcock gewollt war eine Abhilfe Deiner Kritikpunkte. Ich habe das aber nicht mehr so genau auf dem Schirm, deswegen kann ich nur vermuten, bzw. müsste mir die US nochmal ansehen.


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