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 Betreff des Beitrags: Buch über IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT
BeitragVerfasst: 19.02.2014 22:54 
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1967 – das James-Bond-Fieber grassiert in den Kinos der westlichen Welt. Die 007-Filme gehören zu den einträglichsten Exporten der britischen Insel, die Figur Bond ist als Popkultur-Phänomen nur mit den Beatles vergleichbar; doch dann scheint der Traum (der Produzenten und Kinobesitzer) aus: Sean Connery, so populär, dass ihn Fotografen bis auf die Toilette verfolgen, hängt das Schulterhalfter mit der Walther PPK entnervt an den Nagel.
Nun beginnt das wohl außergewöhnlichste Kapitel der ohnehin bunten Bond-Kinohistorie: Die Produzenten verpflichten ein männliches Model ohne Schauspielerfahrung als Bond, als Regisseur einen Mann, der noch nie einen Film inszeniert hat. Das Ergebnis ist „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (1969), der wagemutigste aller Bonds (innerhalb der Grenzen der Reihe), damals umstritten, heute als der womöglich beste 007-Filme anerkannt – er treibt Bond die zuvor inflationären technischen Spielereien aus, macht ihn als Figur menschlicher, lässt ihn gar heiraten – auch wenn Bond am Ende Witwer ist.
Der Film hat innerhalb hartgesottener Bondfans besonders hartgesottene Fürsprecher – einer von ihnen ist der Sammler und Autor Charles Helfenstein. Sein nur in Englisch erschienenes Buch „The Making of ‚On her majesty’s secret service’“ rekonstruiert die Entstehungsgeschichte und die Rezeption des Films auf 289 Seiten: Er vergleicht die nicht wenigen Drehbuchentwürfe miteinander – in einem soll Bond sich aus einem Affenkäfig befreien – und die ersten Besetzungideen: So spielte man mit dem Gedanken, erneut Gert „Goldfinger“ Fröbe als Bösewicht zu verpflichten, auch Ingmar-Bergman-Schauspieler Max von Sydow war in der engeren Wahl. (Er tauchte dann kurioserweise später im Konkurrenz-Bondfilm „Sag niemals nie“ auf). Für die Rolle von Bonds späterer Frau dachte man an Catherine Deneuve, bevor man sich dann entschied, Diana Rigg aus „Mit Schirm, Charme und Melone“ zu engagieren.
Die tiefsten Sorgenfalten aber bereitete den Produzenten die Wahl des neuen 007. Nachdem man die halbe Welt getestet hatte, bekam ausgerechnet ein Model und Ex-Autoverkäufer aus Australien den Zuschlag – George Lazenby, damals in England bekannt aus dem Werbefernsehen, wo er Schokoladenriegel anpries. Regiedebütant Peter Hunt, ein herausragende Film-Cutter, setzte Lazenby durch, ließ dem Australier einen englischen Akzent antrainieren (ihn allerdings später teilweise auch synchronisieren) und machte sich auf zu einem neuen Schweizer Drehrestaurant in luftiger Höhe, dem Hauptschauplatz des Films.

Minutiös berichtet Helfenstein von den langen Dreharbeiten und von der Phase der Postproduktion: Als John Barry seine vielleicht beste Bond-Musik komponierte und 007-Darsteller Lazenby schon vor Filmstart verkündete, keinen weiteren Bond mehr zu drehen – angesichts von „Easy Rider“ hielt er die Bond-Reihe für eine Sache von gestern und erschien passenderweise mit Vollbart und langen Haaren zur Premiere. Ausgiebig widmet sich das Buch der Rezeption des Films, galt „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ doch lange als finanzieller Misserfolg, der von der Kritik seinerzeit verrissen wurde. Helfenstein trägt Zahlen, die den soliden kommerziellen Erfolg belegen, und auch lobende Kritiken zusammen. Auch wird klar, dass die Bond-Produzenten nach dem Film an der Legende strickten, man habe Lazenby wegen Unfähigkeit herausgeworfen – tatsächlich hatte man ihm einen mehrjährigen Vertrag angeboten, den Lazenby, ein Mann mit Selbstbewusstsein bis an die Grenze der Arroganz, nicht unterzeichnen wollte. Wie Lazenby dann in schlechten Filmen und im Suff strandete, um später bei Bond-Fantreffen wieder aufzutauchen, auch das zeichnet Helfenstein nach.

Das Herzstück des Buchs ist seine opulente Bebilderung: 600 Fotos zeigen die Arbeit am Film, Testaufnahmen – bei einer Kampfprobe bricht Lazenby einem russischen Ringer das Nasenbein – , Warten auf Schnee in der Schweiz, Werbemotive, Aushangbilder, Plakate aus aller Welt, Kuriositäten: darunter die Hülle einer Single von Katja Ebstein, die ein Lied aus dem Film in seiner deutschen Version singt. Für Anhänger des Films ist das Buch ein Glücksfall; für alle anderen die interessante Rekonstruktion, wie ein Film entsteht und vermarktet wird.

Charles Helfenstein: „The making of ‚On her majesty’s secret service“. 289 Seiten.

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