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 Betreff des Beitrags: Kurosawa. Die Ästhetik des langen Abschieds - Marcus Stiglegger
BeitragVerfasst: 24.01.2015 20:12 
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Stiglegger, Marcus: Kurosawa. Ästhetik des langen Abschieds. München: edition text + kritik, 2014.

Das neue Buch von marcus Stiglegger ist keine reine Kurosawa-Biografie, sondern eine gekonnte Mischung aus Lebensbeschreibung und Analyse.

Natürlich nimmt die Beschreibung von Kurosawas Lebens- und Schwaffensweg einen breiten Raum, etwa ein Drittel des Buches an. Von zentraler Bedeutung für seine Filme ist das Verständnis des Regisseurs vom bushido. Die Lebensphilosophie der Samurai ist in den historischen Stoffen Kurosawas zwar offensichtlich, beinnflusste aber auch die Charakterisierung der Protagonisten seiner zeitgenössischen Stoffe, etwa in Engel der Verlorenen (1948) und Ikiru (1952). Da die historischen Filme des Regisseurs im Westen oft simplifizierend als „Samuraifilme“ bezeichnet werden, veranlasste Stiglegger eine kurze Erklärung zum japanischen Chambara (Schwertkampf-) Kino abzugeben. Er verdeutlicht, dass die wenigsten von Kurosawas Figuren echte Samurai im japanischen Sinne sind, sondern im besten Fall Ronin, im schlimmsten Fall clowneske Figuren und Hochstapler.
Im dritten Abschnitt analysiert Stiglegger die Techniken Kurosawas. Diese betrachtet er im Spiegel der Frage, ob der Filmemacher im Sinne des Cahirs de cinema als Auteur betrachtet werden kann, was er klar mit Ja beantwortet. Kurosawa benutzte in seinen Werken eine Reihe wiederkehrender Techniken. So versuchte er stets den Raum zu reduzieren und Bildern ihre Tiefe zu nehmen. Kurosawa nutzte sein Set, um Rahmengebilde um seine Figuren zu ziehen, die entweder trennen, oder stärker akzentuieren konnten. Der Tod ist bildet ebenfalls ein fast omnipräsentes Thema in seinen Werken und Kurosawa betont ihn auf seine eigene Art und Weise.
Im vierten Kapitel analysiert der Autor die Darstellung des Heroischen in den Protagonisten Kurosawas. Stiglegger bemüht vor allem die Theorien westlicher Autoren und Autoritäten, wie Friedrich Schiller, um das Wesen des Heros, der Tragödie und des Pathos zu erklären. Seine Erklärung scheint auf die Filme Kurosawas bezogen zwar schlüssig, dennoch kommt eine Definition dieser Begriffe aus dem japanischen Kulturraum heraus zu kurz, um vollends zufrieden zu sein.
Abschließend unterstreicht der Autor die breite Bedeutung Kurosawas auf das Weltkino.

Marcus Stigglegger hat mit dem vorliegenden Band eine ausgewogene Mischung aus Biografie und Filmanalyse vorgelegt. Sein Stil ist flüssig lesbar, seine Sprache über weite Teile verständlich und einfach, ohne es an wissenschaftlicher Genauigkeit mangeln zu lassen. Eine Biografie über einen Regisseur scheint immer dann gelungen, wenn der Leser durch sie Lust bekommt, die beschriebenen Filme noch einmal anzusehen. Stiglegger ist dies sehr gut gelungen. Das Buch kann daher auch als Blaupause für weitere Arbeiten dieser Art dienen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kurosawa. Die Ästhetik des langen Abschieds - Marcus Stiglegger
BeitragVerfasst: 08.01.2016 19:21 
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Ich habe heute ein paar Seiten gelesen. Die Einleitung hat mir gefallen, da der Autor auch Persönliches preis gibt. Die ersten Seiten zum (eigentlichen) Thema Kurosawa haben mir ebenfalls zugesagt. Der Schreibstil ist leicht zugänglich und keine Aneinanderkettung von Fremdwörtern. Man kann auf angenehme Weise dazulernen, und darauf kommt es mir in erster Linie an.

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