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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: L'Amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 05.03.2016 15:20 
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Wow, ich lese deine Sachen echt gerne. Und bin ein bißchen neidisch! Im Gegensatz zu dir beschränke ich mich auf Sprüche wie "He, Edwige Fenech hat echt heiße Titten!" :hutheben:

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 Betreff des Beitrags: Re: L'Amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 05.03.2016 15:42 
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Alaric_de_Marnac hat geschrieben:
Wow, ich lese deine Sachen echt gerne. Und bin ein bißchen neidisch! :hutheben:


:jc_postcount:


Alaric_de_Marnac hat geschrieben:
Im Gegensatz zu dir beschränke ich mich auf Sprüche wie "He, Edwige Fenech hat echt heiße Titten!"


Aber die war doch gar nicht in der Wallace-Reihe. :?


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 Betreff des Beitrags: Re: L'Amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 06.03.2016 03:30 
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Ok, da hast du recht. Karin Dor hat heiße Titten! :P

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 Betreff des Beitrags: Re: L'Amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 06.03.2016 07:46 
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Oder: Renate Ewert hat heiße Titten! :hutheben: Aber bevor das hier zu einem Titten-Thread verkommt - Schluß damit! :kez_15:

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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 06.03.2016 12:06 
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"Titten toujours bei Edgar Wallace"? Naja, hat ja auch mit L'amour zu tun. :lol:

Bleibt man aber mal tatsächlich bei dem Gedanken, so ließe sich aus diesem Thema nur wenig herauspressen, allerdings spielt die Reihe schon relativ früh, nämlich ab etwa Mitte der Sechziger mit Schauwerten, die wahlweise durch Striptease-Szenen in gerne gezeigten Bars oder Clubs zugetragen werden. In diesem Zusammenhang konnten dann schon nur wenige Sekunden kurze Szenen zum Streitthema und Problem für die Altersfreigabe werden, sodass es zwangsläufig zur Zensur kommen musste. Obwohl zuvor schon sporadisch angedeutet, handelt es sich eigentlich um eine typische '68er-Erscheinung, denn ab der "Gorilla von Soho" bekam man sukzessiv barbusige Einlagen präsentiert. Hierfür stellten sich unter Anderem dann Expertinnen wie Ingrid Steeger, Christiane Krüger oder Heidrun Hankammer zur Verfügung.


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 08.03.2016 21:26 
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Die große Beliebtheit der noch jungen Edgar-Wallace-Reihe lässt sich aus vielen Gründen herleiten, doch in der Anfangsphase waren es sicherlich der große Abwechslungsreichtum, der dabei enorme Schützenhilfe leisten konnten. In Verbindung mit bewährten Zutaten und bekannten Gesichtern entstand so die Mischung, die der treue Kinogänger schätzte. Nicht nur, dass erstmalig Alfred Vohrer auf dem Regiestuhl Platz genommen hatte, auch in der weiblichen Hauptrolle gibt die hübsche Karin Baal ihr Wallace-Debüt. Joachim Fuchsberger kam in "Die toten Augen von London" bereits zu seinem dritten Einsatz. Kurz nachdem Larry Holts Chef ihm einen Fachmann zur Hilfestellung angekündigt hat, ist er genau wie der Zuschauer umso erstaunter, als er plötzlich eine attraktive Dame in seinem Büro vorfindet. Aus seinem Erstaunen wird selbstverständlich nach wenigen Augenblicken Begeisterung, und es handelt sich in jeder Beziehung um eine angenehme Überraschung, Nora Ward mit an Bord zu haben. Erneut verkürzt die Liebe auf den ersten Blick die Zeit, wobei sich innerhalb eines beruflichen, sehr sachlichen Gesprächs noch keine hochgradig amourösen Tendenzen herausfiltern lassen, zumal Nora auch direkt zur Sache bittet, nachdem sie sich kurz selbst vorgestellt hat. Spätestens in dieser Produktion wird es daher auch dem letzten klar werden, dass man einen resoluten, und in den richtigen Situationen auch feinfühligen Joachim Fuchsberger jede patente Interpretin zur Seite stellen konnte. In dieser Beziehung bleibt er das alleinige Allround-Talent der langjährigen Reihe. Wieder einmal kommt es auf die Nuancierung an, auf bestimmte Facetten, so dass man glaubhafte Konturen wahrnehmen darf.

Die ehrlichen Absichten eines Larry Holt werden schnell offensichtlich, und er lässt auch erst überhaupt keinen Zweifel daran entstehen, dass sein Interesse am liebsten nicht nur beruflicher Natur sein werde, auch wenn die Arbeit beide erst zusammengeführt hat. Nora hingegen lässt es nicht gerade so schnell angehen, wobei man dennoch betonen kann, dass sie eigentlich keinen Widerstand leistet und genau das gleiche für die männliche Hauptrolle empfindet. Für den Zuschauer offenbart sich eine überaus angenehme, und vor allem frisch wirkende Konstellation, so dass man dem Zusammensein gerne als Dritter partizipiert. In dieser Geschichte kommt wieder das Prinzip der armen, bedrohten Schönheit zum Tragen, deren Mittellosigkeit durch ein Millionenerbe weg dividiert wird. Dieser Umstand unterstreicht erneut, dass es sich um ganz ehrliche Zuneigung handeln muss, denn wie es eben oftmals war, hat Geld doch vieles in dieser Hinsicht verderben können und die reichen Damen der Serie, die durch ihre Solvenz erst Interessenten bekamen, hatten definitiv andere Namen. Das Paar wird meistens von Eddi Arent begleitet, der für die Geschichte nicht nur eine Art liebenswürdigen Clown zu spielen hatte, nein, er bekam vom Drehbuch auch eine Art Aufpasser-Funktion zugeteilt. Er wird achtgeben, dass die rücksichtslosen Verbrecher das junge Paar nicht in allzu große Gefahr bringen, was natürlich nicht immer gelingen wird, aber gleichzeitig richtet er auch ein Auge darauf, dass die beiden im romantischen Sinne noch nicht zu weit gehen. Für die Zuschauer entstehen hierbei auflockernde Situationen innerhalb der doch teilweise sehr hart und steril wirkenden Geschichte um Mord und Verbrechen.

Um für Brisanz zu sorgen, werden sogar noch die gierigen Krallen des Chefs der "toten Augen von London" nach Nora greifen, der seine ganz speziellen Absichten mit der zierlichen Dame hat. Nora gerät in eine Zange, aus der sie sich nicht mehr selbst befreien kann. Es verlangt also eine enorme Portion Achtsamkeit und Timing, um die junge Frau vor dem Schlimmsten zu bewahren. Es hat den Anschein, dass Nora es stets gewöhnt war, schwierige oder gar gefährliche Situationen selbst in die Hand zu nehmen, um sie mit klarem Verstand zu lösen. Allerdings war sie offensichtlich noch nie mit derartiger Rücksichtslosigkeit konfrontiert, so dass sie unbedingt Hilfe braucht. Der Chef, dem sie die tiefe, abneigende Haltung noch hinlänglich demonstrieren wird, will sie heiraten, sie besitzen, um an ihr Erbe zu gelangen. So sieht zumindest die angenehmste Lösung aus, schließt sie doch den Tod aus, doch es wird deutlich dargelegt, dass er auch vor außerordentlichen Mitteln nicht zurückschrecken wird. In Verbindung mit dem hohen Altersunterschied kommt in diesem Zusammenhang eine Facette zum Vorschein, die das genaue Pendant zu der unschuldig, sich klassisch aufbauenden Liaison zwischen Larry und Nora darstellt, denn ganz offensichtlich hat der Chef einiges an Fantasie, was sich mit einer noch so unschuldig wirkenden, und unerfahrenen hübschen Frau alles anstellen ließe. Obwohl das Thema Liebe auch hier absolut vorgefertigt gewesen ist, appelliert dieser widerwärtige Nebenbuhler an den guten Geschmack des Zuschauers und unterstreicht das geheime Verlangen nach einem Happy-End ganz deutlich. Karin Baal und Joachim Fuchsberger funktionieren als Paar wirklich sehr gut, ihr leichtfüßiges, präzises aber vor allem auch gegenseitig aufmerksames Schauspiel stellt genau die richtige Mischung für eine derartige Geschichte dar, die doch sehr stark mit beunruhigenden Elementen durchzogen ist.


DIE TOTEN AUGEN VON LONDON


Zuletzt geändert von Prisma am 15.03.2016 22:47, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 08.03.2016 22:13 
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Prisma hat geschrieben:
"Titten toujours bei Edgar Wallace"? Naja, hat ja auch mit L'amour zu tun. :lol:

Hierfür stellten sich unter Anderem dann Expertinnen wie Ingrid Steeger, Christiane Krüger oder Heidrun Hankammer zur Verfügung.


Die schönsten Titten hatte Ingrid Steeger! :give_rose: Aber ich möchte nicht schon wieder davon anfangen! :smileymania_at_18923:

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 Betreff des Beitrags: Re: L'AMOUR TOUJOURS BEI EDGAR WALLACE
BeitragVerfasst: 09.03.2016 00:07 
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Prisma hat geschrieben:
[align=justify]»Wenn ich mal etwas angefangen habe, dann bringe ich es auch zu Ende, besonders wenn es sich dabei um jemanden handelt, den ich... Den ich sehr gerne mag!« Richard Gordon stockt zwar, bringt aber seine Zuneigung für Ella Bennett ziemlich genau auf den Punkt. Bereits beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, wird der Zuschauer ein nicht unerhebliches Knistern in der Luft feststellen können, und durch kleine ironische Anspielungen und mehr oder weniger deutliche Signale in der Körpersprache ahnt man sofort, dass sich eine Romanze anbahnen wird.


Ich habe Gordons Verhalten hier immer als klassischen Fall von Stalking empfunden. Ist ja ganz toll, wenn man zusätzlich zum Familienstress von einem Typen verfolgt wird, der dann auch noch mit "dann bringe ich es auch zu Ende" eigentlich nicht gerade beruhigend wirken sollte.

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Higurashi no Naku Koro ni


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 Betreff des Beitrags: Re: L'AMOUR TOUJOURS BEI EDGAR WALLACE
BeitragVerfasst: 09.03.2016 01:14 
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Adalmar hat geschrieben:
Ich habe Gordons Verhalten hier immer als klassischen Fall von Stalking empfunden. Ist ja ganz toll, wenn man zusätzlich zum Familienstress von einem Typen verfolgt wird, der dann auch noch mit "dann bringe ich es auch zu Ende" eigentlich nicht gerade beruhigend wirken sollte.

In der Tat eine sehr verzwickte Situation für Ella Bennett, wenn ein beunruhigender Stalker sie vor einer gemeinsamen Zukunft mit dem "Frosch mit der Maske" zu bewahren versucht. ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 15.03.2016 22:48 
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In der Blumensprache sagt die gelbe Narzisse: »Mein größter Traum, meine größte Sehnsucht hat sich mit dir erfüllt!« Zwar vertritt der Narzissenmörder fernab dieser Einschätzung ganz offensichtlich eine entgegengesetzte Auffassung, jedoch lässt sie sich im Sinne des Themas sehr gut auf die Protagonisten übertragen, und das in gegenseitigem Einvernehmen. Bemerkenswert ist zunächst der Aspekt, dass die Narzisse ihren ambivalenten Charakter in diesem siebten Beitrag der Edgar-Wallace-Reihe voll entfalten darf, sich sogar auf die beteiligten Charaktere überträgt. So steht diese erhaben und stolz wirkende Blume vollkommen konträr zu ihrer bildschönen Erscheinung, denn ganz im Ursprung ihrer Symbolik kündigt sie den Tod an. Es scheint, als schwebe sie wie ein unabwendbarer, gelber Schatten über dem Szenario und über sie werden mehrere negative Eigenschaften herausgearbeitet, wie beispielsweise den regelrechten Einsatz als Grabschmuck, als Markenzeichen für eine Mordserie, oder dass sie als geheimer Drogenkurier dienstbar gemacht wird. Bleibt man also beim mehrfachen Symbolcharakter der Narzisse, liefert sie keine eindeutigen Rückschlüsse im Sinne der amourösen Prognose für Sabina Sesselmann und Joachim Fuchsberger. Oder tut sie es doch eindeutig, kündigt sie als Liebesbote der Legende nach doch an, dass aus der jeweiligen Verbindung nichts werden könne? Die Einschätzung über den floristischen Weg gibt schließlich ein eher uneindeutiges Bild her, sodass man über das tatsächlich Wahrgenommene zu handfesteren Rückschlüssen kommen wird. Die positiven, oder eher gesagt reizvollen Eigenschaften der titelgebenden Blume, entfalten sich über Sabina Sesselmann, die ebenso schön, stolz, aber auch faszinierend eitel wirkt.

Schon häufiger konnte man in der Serie gewisse Veränderungen in den Bereichen Stil, Aufbau und Marschrichtung erkennen, doch in Ákos von Ráthonyis Beitrag fand sozusagen eine kleinere Revolution statt. Die Geschichte wirkt prosaisch und ist mit tödlichem Ernst angereichert worden, so dass dieser Film die Gemüter der Fan-Gemeinde ebenso spaltet, wie es die widersprüchliche Narzisse selbst tut. Zu Beginn spürt man als Zuschauer keine eindeutigen Signale der beiden Hauptpersonen auf, es gibt keine sogenannte Liebe auf den ersten Blick, es scheint überdies, dass niemand auf der ernsthaften Suche nach einem Partner ist. Das erste Zusammentreffen zwischen Anne Rider und Jack Tarling wirkt somit eher kühl und starr, in keinster Weise irgendwie aufgeladen oder in eine bestimmte Richtung drängend. Unter schwierigeren Voraussetzungen als üblich, bekommt der Zuschauer hierbei mehrere Facetten der Findung geboten und der Weg, der mit Komplikationen gespickten Eroberung, wird noch deutlicher als zuvor demonstriert. In "Das Geheimnis der gelben Narzissen" wirkt die zu keinem Zeitpunkt konstruiert wirkende Liebesgeschichte erfrischend und neu, ja es scheint, dass sie der Realität mehr entspreche, als es bei anderen Konstellationen innerhalb der Serie der Fall war. Anne fällt vom Prinzip her in die Rolle des unschuldigen Opfers, welches mit diversen Komplikationen konfrontiert wird, jedoch geht von ihr keine klassische Hilflosigkeit aus. Sie hat ihren festen, geregelten Platz im bürgerlichen Leben und besitzt offensichtlich kein größeres Vermögen, selbst mit möglichen Ambitionen geht sie äußerst diskret um. Ihr wertvollstes Gut ist augenscheinlich ihre Attraktivität, die der Narzisse gleichkommt. Anziehend und zurückweisend zugleich, was insbesondere Jack Tarling und auch Albert Lieven zu spüren bekommen.

Ihr Blick vermittelt in diesen Situationen eine gewisse Leere, dennoch beobachtet sie genau. Ihre Körpersprache ist von Unempfindlichkeit betont. Dabei bleibt unterm Strich jedoch nicht der Eindruck haften, dass sie keine Bereitschaft zur Zweisamkeit signalisiert, es kommt bei Anne auf die seltenen günstigen Gelegenheiten im Verlauf an. Da sie nicht sucht, findet sie auch nicht, eher wird sie gefunden, allerdings im Sinne des begehrenswerten Objekts Frau. Vielmehr scheint es so, dass die Realität sie ernüchtert hat, offensichtlich hat sie bereits einiges erlebt, sodass sie keinen weiteren Wert auf falsche Schmeicheleien legt. Ihr Gegenüber erfährt in der Regel keine direkte Zurückweisung, eher vernimmt man ein höfliches Jein, daher bleiben alle Möglichkeiten im Sinne eines möglichen Verlaufs offen. Der Umgang mit Joachim Fuchsberger gestaltet sich spröde und beinahe sachlich, keiner der beiden legt Wert auf falsche Sentimentalitäten oder unangebrachte Phrasen. Dem Empfinden nach entsteht gerade durch diese Strategie eine der unaufdringlichsten, ehrlichsten und nachhaltigsten Romanzen der kompletten Reihe, selbst die Möglichkeit einer vielleicht nur intensiven Affäre ist weitgehend in Betracht zu ziehen, wenn die Distanz durch ein Auftauen der Emotionen gesprengt wird. Da der Narzissenmörder in dieser Geschichte mit der Protagonistin keine persönlichen Absichten im amourösen Sinne hegt, greift erneut die Integration eines selbstherrlichen Nebenbuhlers, hier in Form eines, sich seiner großartigen darstellerischen Fähigkeiten bewussten Albert Lieven. Sabina Sesselmann zeigt ohne jeden Zweifel eine der interessantesten und ausgefeiltesten Interpretationen innerhalb der Zwischenmenschlichkeit und Joachim Fuchsberger beweist hier erneut, dass er geradezu jede Anforderung blendend lösen, und jede Dame mit einer gehörigen Portion Empathie erobern konnte.


DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 26.03.2016 18:38 
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Im Sinne des Themas hat es in der Serie bereits leichtere bis deutlichere Abwandlungen im turbulenten Zusammenfinden der Protagonisten gegeben, und in "Der Fälscher von London" bekommt diese variantenreiche Komponente einen völlig neuen Anstrich. Zunächst lässt sich sagen, dass der erfahrene Zuschauer hierbei nicht nur eine angenehme Abwechslung geboten bekommt, sondern vor allem einen gut konstruierten Baustein, der diese Kriminal-Geschichte vor allem interessant macht. Das Feld wird sozusagen von hinten aufgerollt, sieht man doch gleich zu Beginn eine Zweckhochzeit, die den verwöhnten Zuschauer nahezu irritieren wird. Hauptdarstellerin und Wallace-Stammpersonal Karin Dor, die bislang stets im Sturm erobert werden konnte, muss sich einer vorgefertigten Situation beugen. Als Pendant zu allen bisher geläufigen Herren der Schöpfung, die ihre Herzensdamen mit Vehemenz und Charme überzeugen konnten, sieht man Neuling Hellmut Lange, der Zweifel fabriziert, zunächst alles andere als sympathisch im klassischen Sinne wirkt und letztlich eine vollkommen andere Strategie bedient. Die Serie hat immer von neuen Impulsen gelebt und profitiert, sodass man bei fortlaufender Spieldauer des Films anerkennen wird, dass es sich um eine willkommene, und vor allem auch notwendige Abwechslung handelt. Schon häufiger konnte man hier und anderswo beobachten, dass der Geldadel die mittellose Schönheit heiraten wird, doch dem Empfinden nach fehlt nun eine altbekannte Zutat, nämlich die des gegenseitigen Einverständnisses. Da man Karin Dor in diesem Zusammenhang niemals Kalkül oder niedere Absichten unterstellen würde, die ausschließlich einer finanziellen Absicherung und der Sorgenfreiheit dienen sollten, entsteht eine frühe Ratlosigkeit.

Die Erläuterungen, wieso diese Allianz überhaupt zustande gekommen ist, wirken nicht besonders einleuchtend, schon gar nicht erbaulich, allerdings kommt es zu einer recht zuschauerfreundlichen Entschädigung in Form einer konventionellen Krimi-Romanze, zumindest wenn der Gerissene zur Strecke gebracht ist. Der Weg dort hin ist allerdings steinig und mit vielen Komplikationen versehen, raffinierte Winkelzüge des Drehbuches sorgen dafür, dass Verdachtsmomente und allgemeines Misstrauen lange nicht ausgeräumt werden können. Das Zusammenspiel zwischen Peter und Jane Clifton ist zunächst geprägt von Abneigung und Distanz, sogar einseitiger Verachtung und Kälte, doch ganz im Stil der Wallace-Romanzen zeigen sich auch hier deutliche Kapazitäten, bis es schließlich zu ersten Erfolgen kommt. Hellmut Lange beweist trotz gewollt zweifelhafter Züge ein gutes Gespür im taktvollen Umgang mit seiner Frau und begibt sich auf eine gut durchdachte Gratwanderung, die der Zuschauer hautnah miterlebt. Viele der beteiligten Personen schüren Zweifel, sorgen aber auch immer wieder für Ansätze von Vertrauen, wofür besonders der sich langsam erschließende Sinneswandel von Jane verantwortlich ist. Zunächst wendet sich das Blatt durch ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, Komponenten wie Loyalität und Vertrauen tun ihr Übriges dazu. Peters Reputation wird durch Nebenbuhler verbessert. Robert Grafs Interesse an der schönen Jane Clifton wirkt aufdringlich und unangenehm, Victor de Kowa arbeitet ebenfalls auf Hochtouren daran mit, die junge Ehe in geregelte Bahnen zu lenken, allerdings nur indirekt, oder besser gesagt ungewollt, da heimtückische Pläne nicht in Erfüllung gehen.

"Der Fälscher von London" besitzt aufgrund der alternativen Struktur sicherlich das Potential zu polarisieren, jedoch sind die Psychogramme für Wallace-Verhältnisse ganz gelungen, außerdem sollte man den Mut dieser Marschrichtung anerkennen. Bei amourösen Belangen ist der Ermittler in dieser Geschichte nicht beteiligt, wenn auch nicht vollkommen irrelevant, da er dem jungen Paar quasi beschützend zur Seite steht. Auch Karin Dors Rolle unterscheidet sich von ihren bisherigen Darbietungen und ohne ihre Leistung zu bewerten lässt sich schon einmal pauschal sagen, dass sie im Sinne der Wandlungsfähigkeit ein wichtiges Allround-Talent darstellt. Der Umgang der Cliftons untereinander ändert sich wie erwähnt mit der Zeit, und es ist als erfrischende Abwechslung zu werten, dass man sich als Zuschauer erstmalig fragen muss, ob man in zwischenmenschlicher Hinsicht auf seine Kosten kommen wird. Verlauf, Handlungsweisen und Prognose sind in diesem achten Beitrag ein Stück weit unberechenbar, sodass man quasi sagen kann, dass Harald Reinl das erste russische Roulette der Gefühle in einem Wallace inszenierte. Wie es ausgeht, bleibt glücklicherweise relativ offen, denn sonst wäre diese Konstruktion unterm Strich unbefriedigend ausgefallen. Funktionierende Verstärker sind schließlich die Schauspieler, die ihre Emotionen weitgehend auf den Punkt bringen können. Die umgekehrten Voraussetzungen dieser Geschichte überraschen also im Sinne einer Alternativ-Variante, die mehr Spannung in die Geschichte bringt, als der eigentliche Kriminalfall, wobei man fairerweise sagen muss, dass eine sehr gute Verstrickung aller Inhalte miteinander stattgefunden hat, und das eine ohne das andere nicht glaubhaft hätte existieren können.


DER FÄLSCHER VON LONDON


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 26.04.2016 19:21 
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Josef von Bákys "Die seltsame Gräfin" legt bei einem gezielten Blick auf Teile der Besetzungsliste die allgemein bekannte These nahe, dass alte Liebe wirklich nicht zu rosten scheint. Der Film präsentiert neben bekanntem Wallace-Stammpersonal einige Relikte aus der goldenen UFA-Zeit, die mit der damals sensationellen Ankündigung von Lil Dagover in der Titelrolle ihren Aufhänger fand. Der erfahrene, beziehungsweise treue Zuschauer der ersten Stunde schaut mit der Beteiligung von Joachim Fuchsberger auf eine absolut sichere Bank, denn die Erfahrung verspricht, dass er auch diese Rolle generell und schließlich im Sinne des hier behandelten Themas in gewohnter Manier lösen wird. Eine junge Frau wird aus zunächst unerfindlichen Gründen von einem offensichtlich Wahnsinnigen bedroht, dessen Gesicht niemand anders als Klaus Kinski beängstigend sicher formen wird. Joachim Fuchsberger als Privatdetektiv Mike Dorn scheint offenbar nur mit einem Mindestmaß an Hintergrundinformationen versorgt zu sein, was seine Aufgabe, die attraktive Protagonistin zu schützen, nicht gerade einfach gestaltet. In den meisten Produktionen lag die zwischenmenschliche Findung der Hauptpersonen vorgefertigt auf der Hand, auch in diesem Beitrag sieht es nicht anders aus. Dennoch ist es das über weite Strecken mysteriöse Element der Bedrohung, das für Spannung und Unsicherheit innerhalb dieser sich anbahnenden Konstellation sorgt. Doch wer agiert im Hintergrund? Die Geschichte wird in diesem Zusammenhang einige Spitzenkandidaten zutage bringen, die aus unterschiedlichen Beweggründen agieren. Die teils antiquiert wirkende und an vergangene Tage gleichende Bearbeitung der Regie baut eine elegante Brücke in die Vergangenheit, in der aller Wahrscheinlichkeit nach des Rätsels Lösung zu finden ist.

Margaret Reedle beginnt eine neue Stellung im Schloss der Gräfin Moron, sodass sich die vorsichtige Hoffnung aufbäumen kann, dass sie dort Ruhe und Sicherheit finden kann. Allerdings findet die Gefahr kein Ende und der Zuschauer beschäftigt sich mit zahlreichen Verdächtigungen, die auch insbesondere vor der Titelrolle nicht halt machen werden. Als die Star-Ankündigung des Films erstmals die Bühne betritt, vernimmt man nicht nur eine dramaturgische, sondern eine vollkommen ihrem Wesen entsprechende und offensichtlich natürliche Dominanz der Person Lil Dagover. In ihrem Schloss scheint die Zeit still gestanden zu haben, ihre Gestik und Mimik stammt aus einer anderen Dekade. In eine geheimnisvolle Aura gehüllt, bekommt der aufmerksame Zuschauer die erste schwarze Witwe der Reihe präsentiert und bei dieser Gattung wird jeder Mann mit amourösen Absichten in diesem Fall bestenfalls unterdrückt, im schlimmsten jedoch vernichtet. Dunkle Geheimnisse schwingen mit der Gräfin einher, einerseits nimmt man ihr die ehrliche Zuneigung für Margaret ab, andererseits bezweifelt man jedoch ihre Integrität. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass Gräfin Moron keine starken Frauen neben sich duldet, geschweige denn starke Männer. Unter dieser Voraussetzung, dass sie es gewöhnt ist, über den Dingen, respektive den Personen um sich herum zu stehen, machen sich kalte Vorahnungen breit, die man aufgrund der Unberechenbarkeit von Dagover jedoch immer wieder anzweifelt. Eines ist sicher, diese Frau hat im Sinne des Themas zahlreiche Verbindungen auf dem Gewissen, sie avanciert somit indirekt zu einer der gefährlichsten Unterdrückerinnen der kompletten Reihe. Doch hat man es tatsächlich mit einer derartig ernstzunehmenden Gegnerin zu tun, wenn es doch von anderen dubiosen Gestalten nur so wimmelt? Das Hemmen amouröser Absichten geht hier definitiv auf mehrere Konten.

Zum Einen gibt es Personen, die die Liebe insofern zu unterdrücken versuchen, dass eben ein fraglicher Partner liquidiert wird, wahlweise sogar beide. Eine Person zieht die Heirat mit der bedrohten Schönheit ihrem Tode vor und seine spät-frühlingshaften Sentimentalitäten werden zum Verhängnis. Joachim Fuchsberger und Brigitte Grothum, die bislang nur stiefmütterlich betrachtet wurden, bilden schließlich die klassische Konstellation und dem Empfinden nach war die Gefahr für das bedrohte weibliche Opfer nie größer, was mehrere Mordanschläge belegen, die keineswegs mehr bloßen Warnungen gleichen. Erneut hat Wallace-Routinier und Spezialist für Mehrfachanforderungen Joachim Fuchsberger alle Hände voll zu tun, um den Nebel, der sich um die Geschichte hüllt, zu vertreiben. Erst im Finale schließt sich der Kreis und behandelt diverse Altlasten die ebenfalls offenbaren, dass es eigentlich bislang nie eine akutere Bedrohung für die Findung der Protagonisten an sich, und die Liebe im Allgemeinen gegeben hat. Dem Empfinden nach ist "Die seltsame Gräfin" sogar eines der ergiebigsten Themen in diesem Rahmen, da anscheinend eine Person im Szenario existiert, bei der Naturell und Erfahrung keine anderen Schlüsse zulassen, als dass sie die schönste Sache der Welt im Keim zu ersticken versucht, und das nicht erst seit Mike Dorn und Margaret Reedle, sondern prinzipiell. Bei so vielen Spannungen für die strapazierten Wallace-Fans, die sich nach Balsam für die Seele sehnen und sich auf bestehende Gesetze der Serie verlassen, bringt die Geschichte eine versöhnliche Prognose in quasi doppelter Ausführung zustande, die sich eben nur entfalten kann, wenn der sorgsam herausgearbeitete Tyrann zur Strecke gebracht wird. So wird auch hier sozusagen ein Triumph der Zwischenmenschlichkeit präsentiert, in dem Joachim Fuchsberger wieder einmal als Held strahlen darf.


DIE SELTSAME GRÄFIN


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 15.05.2016 10:30 
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Wie kein anderer Film steht "Das Rätsel der roten Orchidee" in der bisherigen Reihenfolge der Edgar-Wallace-Beiträge für Neuerungen und offensichtliche Kehrtwendungen, es bleibt herauszufinden, ob es auch im Sinne des behandelten Themas zutrifft. Das Zuschauer-Interesse hielt sich seinerzeit erstmalig und vergleichsweise in Grenzen, die Gründe dafür lassen sich möglicherweise letztlich mit der neuen Strategie erklären. Das Liebesthema erfährt auch unter Helmuth Ashley eine für die Serie gängige Abhandlung, die Protagonisten haben sich zu finden, der Ermittler muss die attraktive Heldin vor dubiosen Elementen beschützen, die (hier nicht gerade) unsichtbare Hand aus dem Hintergrund greift nach der weiblichen Hauptrolle und verfolgt mit ihr ganz eigene Zwecke. Die neue Doppelspitze aus Österreich präsentiert sich mit Adrian Hoven und Neuentdeckung Marisa Mell zunächst sehr verlockend, zumindest auf dem Papier. Hovens aus vielen Filmen manifestiertes Image erscheint im Grunde genommen wie geschaffen für diesen Part zu sein, auch Marisa Mell bringt alle Grundvoraussetzungen und vielleicht noch ein bisschen mehr mit, um den Zuschauer zu erfreuen. Allerdings wurde das Gesetz der Serie hier in so gut wie allen Bereichen zu empfindlich gebrochen und die anvisierten Innovationen greifen nicht, da vor allem Adrian Hoven in fast allen Belangen versagt und er nicht nur einen mäßigen Ermittler abgibt, sondern vor allem einen unglaubwürdigen Liebhaber in spe. Die sich anbahnende Liebelei wird mit viel verspielter Ironie und Neckereien ausstaffiert, doch kommt man dem Empfinden nach niemals über die Absicht eines Flirts hinaus. Vom Prinzip her würde diese Strategie nach zehn Beiträgen eine willkommene Abwechslung darstellen, wenn nicht der permanente Versuch durchschimmern würde, dass alles nicht ernst gemeint ist. Somit hält sich das Interesse von Adrian Hoven, alias Inspektor Weston, eigentlich in Grenzen und er profitiert ausschließlich von der Wachheit seines Gegenübers, Lilian Ranger.

Ihr Auftreten gleicht dem eines Magneten, der die Männer auf ganz natürliche und faszinierende Weise anzieht, doch ihre Wirkung scheitert am Widerstand der Herren der Schöpfung, sodass es für den bislang verwöhnten Zuschauer beinahe ein Jammer ist, keine richtigen Antennen im Geschehen ausfindig machen zu können. Zur großen Verliererin dieses Spektakels wird schließlich Marisa Mell, deren eigentlich flexibles und leichtfüßiges Schauspiel zum scheinbaren Kraftakt ausufert, da sie gegen die Wand dramaturgischer Unzulänglichkeit und gegen die offensichtliche Schwäche gewisser Partner anzuspielen hat. Adrian Hovens Sachlichkeit und Starre lassen kaum Spielraum für amouröse Tendenzen zu, und es müssen schließlich andere Anwärter aufs Tableau, um sein unglaubwürdiges Interesse zu steigern. Schaut man sich die weibliche Hauptrolle an, bleibt es selbstverständlich logisch, dass man sich für dieses zauberhafte Geschöpf interessiert, allerdings geht diese Voraussetzung nicht von Adrian Hoven aus, der anscheinend gar nicht auf der Suche nach Verbindlichkeiten ist. So übernimmt Orchideenjäger Pinkas Braun das, was der Zuschauer insgeheim verlangt, und macht Lilian den Hof, die neben allen Avancen sogar noch einen Heiratsantrag bekommen wird, wenn auch nur von seinem Filmonkel Fritz Rasp, der bereits in anderen Sphären des Alters spielte. Auch hier entsteht rückwirkend leider der Eindruck, dass alles, was im Bereich der Findung geschieht, ausschließlich der holprigen Dramaturgie wegen passiert, dieser schließlich zum Opfer fällt und die Leichtigkeit sowie Glaubwürdigkeit anderer Beiträge vermissen lässt. Das Konstrukt lebt also nur durch die, man möchte fast sagen, zumindest halb umgekehrte Rollenverteilung, ergo, der aufmerksamen Anlegung kompensatorischer Rollen. Die Findung der beiden Hauptpersonen wird wie üblich durch die latente Bedrohung und einige Hintermänner unterwandert, wenn man auch hier nur eigentlich sagen möchte, denn Ernsthaftigkeit sucht man unter Ashleys Regie wie die Nadel im Heuhaufen.

Bezeichnend genug ist es daher, dass eine andere Person gegen Ende des Films wie aus dem Nichts für das behandelte Thema in die Bresche springen muss, und dies auch noch unter vollkommen negativen Voraussetzungen, da das Motiv Rache die Liebe gierig verschlingt. Bleibt man bei den Protagonisten in einer klassisch männlich-weiblichen Konstellation, etabliert sich der seltsame Eindruck, dass erstmals das eigentlich schutzbedürftige Opfer den Ermittler erobern müsste, um ans Ziel zu gelangen, und nicht umgekehrt. Lilian Ranger fällt jedoch auch weitgehend aus obligatorischen Strukturen heraus, da sie als Wallace-Heldin selten autonom und selbstbewusst wirkt, somit beinahe keinen Schutz, geschweige denn einen Partner braucht. Das alles war wohl insgesamt zu viel für die Wallace-Gewohnheitstiere, sodass dieser neunte Serien-Beitrag der Rialto Film aus vielen Gründen nur verhaltenen Zuspruch bekam. Vielleicht lässt sich anhand des Beispiels "Das Rätsel der roten Orchidee" die Erkenntnis gewinnen, dass die Zuschauer gerade beim Thema Findung, Liebe oder Happy-End noch wenig Kompromissbereitschaft innerhalb bestehender Vorstellungen, beziehungsweise Abhandlungen mitbrachten und die daher eher lieblos aneinandergereihten Sequenzen gelangweilt zu betrachten sind. Untersucht man die sinnbildliche Komponente der titelgebenden Blume, sollte sie von ihrer Bedeutung her das behandelte Thema eigentlich tatkräftig unterstützen. Unter Anderem steht die Orchidee als Symbol für Sinnlichkeit, Geheimnisse oder Hingabe, ganz zu schweigen von körperlicher Lust und sexueller Leidenschaft. Als bunte Vertreterin ist sie sogar Sinnbild für die ambitionierte Liebe. Letzteres charakterisiert diesen Beitrag von 1962 vielleicht mitunter am besten, dass er nämlich in vielerlei Hinsicht lediglich ambitioniert bleibt, allerdings kaum beim Thema Liebe. Ansonsten präsentiert das in die Geschichte integrierte Ensemble bestenfalls gute Ansätze, aber hauptsächlich kalte Duschen. Auch wenn es das Thema suggeriert, kann "L'amour toujors" also selbst bei Wallace nicht immer zünden.


DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 19.06.2016 13:24 
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Nach zehn vorgestellten Filmen kristallisiert sich überraschenderweise eindeutig heraus, dass sich das Liebeskarussell mitunter in hohen Umdrehungen bewegt hat, und es ist Zeit für eine kleine Zwischenmeldung. Doch wie sollte diese aussehen? Ein vorläufiges Fazit ziehen, eine bisherige Rangliste erstellen, Vergleiche anstellen oder das Für und Wider abwägen? Vielleicht ist es zunächst nicht zu viel gesagt, dass sich dieser kleine Exkurs, bei dem es im Vorfeld völlig unklar gewesen ist, ob sich überhaupt etwas Sinnvolles herausholen lässt, doch im Endeffekt wesentlich ergiebiger erscheint, als angenommen. Für den langjährigen Wallace-Anhänger ergeben sich zahlreiche neue Facetten und Blickwinkel hinsichtlich eines Themas, welches sicherlich nicht gerade als Hauptattraktion zu beschreiben ist, aber dennoch in seinem vollen Umfang vorhanden ist. Wieso kam es also in bislang jedem Film zur Nebenhandlung Liebe und Zwischenmenschlichkeit, wenn auch in unterschiedlichem Rahmen? Sicherlich kann man dieses sich Zeit nehmen für die schönen Dinge des Lebens als Gegengewicht ansehen, vor allem in Zeiten und Szenen die von Mord und Verbrechen dominiert werden. Dem Zuschauer wird unter dieser Voraussetzung einfach zugebilligt, sich Atempausen zu verschaffen und nicht ausschließlich mit Wallace-Prosa konfrontiert zu werden. Sicherlich muss man diese Tatsache auch relativ sehen, denn bislang musste man in den wenigsten Beiträgen Nerven aus Drahtseilen haben, allerdings hat sich dieser nützliche Verstärker vollends etabliert, sodass auch die Findung und Zuneigung selbst im sterilen Krimi als salonfähig bewährt hat. Zehn Filme bedienen sich der gleichen Voraussetzung, aber man sieht eigentlich meistens sehr unterschiedliche Ansätze bei der Herangehensweise und vor allem im Rahmen des Umfangs sowie der Raffinesse der jeweiligen amourösen Nebenhandlung.

So legt das Debüt "Der Frosch mit der Maske" einen gelungenen Grundstein für das Funktionieren der Serie an sich, aber auch für die Zielrichtung des besprochenen Themas und man darf von einer recht hohen Messlatte sprechen, sowohl thematisch gesehen, als auch besetzungstechnisch. Insbesondere bei den Hauptrollen sah man somit zahlreiche, immer wiederkehrende Darsteller, die für Wiedererkennungswerte sorgen konnten, jedoch war das Rollenprofil nicht immer identisch, sodass erst gar keine Eintönigkeit aufkommen sollte. Als Mann der ersten Stunde ist Joachim Fuchsberger bereits nach zehn Filmen quasi alleiniges Aushängeschild der Reihe geworden und ungeachtet aller persönlichen Präferenzen muss betont werden, dass es die Konkurrenz nicht leicht hatte, sich durchzusetzen. Im Rahmen der Beschützer- und Ermittler-Rollen lassen sich deutliche Tops und leichtere Flops ausfindig machen, allerdings zeigt sich diese Tendenz weniger bei den weiblichen Hauptrollen. Im Wallace-Orbit nimmt man insgesamt Mischungen zwischen klassischen Rollenverteilungen und konventionellen Themen wahr, aber auch Kehrtwendungen und willkommene Neuerungen. Den größten positiven Ausreißer im originellen Sinne stellt somit "Das Geheimnis der gelben Narzissen" dar, in dem nicht nur die männlich-weibliche Konstellation vollkommen konträr zu bisherigen Inszenierungen dargestellt ist, sondern auch die Besetzung durch Sabina Sesselmann stellt sich rückblickend und vorausschauend als waschechter Überraschungs-Coup heraus. Derartige Versuche sollte es ja immer wieder geben, und im weniger gelungenen Ausmaß können hier sicherlich Adrian Hoven und Marisa Mell, aber auch Heinz Drache und Ina Duscha genannt werden, deren Darbietungen aus verschiedenen Gründen leider nur schleppend funktionieren wollten, beziehungsweise konnten.

Zu den ganz großen Ausfällen kam es glücklicherweise bislang noch nicht, zu groß war die Orientierung an der jeweiligen Masse, und das Phänomen der kompletten Umkehr, oder besser gesagt Abkehr von gewohnten Elementen, sollte erst später Einkehr finden. Bei der intensiven Betrachtung stellt sich unterm Strich nun tatsächlich die Frage, ob man "L'amour" im Allgemeinen denn eigentlich wirklich toujours als festen Bestandteil in Krimis benötigt, oder ob sogar Vorteile auftauchten, falls man diese Komponente komplett streichen würde? Sicherlich käme ein härterer, steriler, oder gar ein wesentlich realistischer Charakter dabei heraus, aber schließlich griff man gerne auf diverse Ausgleichsmöglichkeiten zurück. Hier ist beispielsweise der immer wieder auftauchende, und teilweise sehr dick aufgetragene Humor zu erwähnen, der im Vergleich zur schönsten Sache der Welt sicherlich häufiger eine Läuterung verdient gehabt hätte. Im Endeffekt entsteht der Charme aber aus der Vielseitigkeit, der Bandbreite der Beiträge, sodass jede Spielerei irgendwie genug Rechtfertigung in sich selbst darstellt. Spannend bei der Edgar-Wallace-Reihe wird angesichts einer Zeit im Wandel definitiv der weitere Verlauf bei Liebe, Findung, Leidenschaft und Enttäuschung werden, auch neue Besen hinter und vor der Kamera werden dem Sprichwort nach ganz bestimmt gut kehren, aber ebenso auf Bewährungs- und Zerreißproben gestellt, die dem kritischen Auge des Zuschauers standhalten werden müssen. Als Zwischenfazit soll unterm Strich vielleicht einfach nur betont sein, dass sich das behandelte Thema in den Filmen besser macht, als ihm manchmal zugebilligt wird und funktionell wesentlich wichtiger ist, als zunächst angenommen. Im Endeffekt kommt es aber auf die Bearbeitung und die richtigen Leute an, um das Thema mit interessanten Impulsen auszustatten und dass es eben nicht nur akzeptiert, sondern vielmehr eingefordert wird.


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 14.09.2016 20:32 
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In Alfred Vohrers zweitem Wallace sieht man nach dem Ausreißmanöver des Vorgängerfilms wieder wesentlich typischeres Fahrwasser, wenn auch nicht unbedingt beim hier unter die Lupe genommenen Thema. Als Protagonisten der Inszenierung agieren Heinz Drache und Sabina Sesselmann, jeweils in ihrem zweiten Film nach Motiven des britischen Autors und es bleibt abzuwarten, inwiefern das Zwischenmenschliche reproduziert, oder bestenfalls neu erfunden werden kann. Schaut man auf den männlichen Part dieser Konstellation, so erscheint die klassische Findung so gut wie ausgeschlossen, da Drache nicht unbedingt berüchtigt für seinen Charme oder Fingerspitzengefühl beim schwachen Geschlecht gewesen ist. Gut, es kommt natürlich sehr stark auf das Diktat des Drehbuches und den zweiten Teil dieser neuen Kombination an, der mit Sabina Sesselmann vielleicht eher in spröder Erinnerung aus "Das Geheimnis der gelben Narzissen" geblieben ist, wenngleich sie an einer der interessantesten Variationen mitgearbeitet hat. Um es auf den Punkt zu bringen, Heinz Drache und Sabina Sesselmann kommen nicht ansatzweise in den Radius der Glaubwürdigkeit und man schaut auf recht gezwungene Strukturen, die den Zuschauer insgesamt eher kalt lassen. Hierfür ist in erster Linie Inspektor Martin verantwortlich, der es nicht schafft, wenigstens eine Ahnung von ehrlichem Interesse für die attraktive und darüber hinaus potentielle Frau an seiner zu fabrizieren. Zu verbunden mit seinem Beruf und zu sehr interessiert an sich selbst, läuft Sybil Lansdown ihm zwar über den Weg und er richtet seinen Fokus auf die Millionenerbin in spe, aber letztlich laufen beide nur nebeneinander her, ohne dass das große Prickeln entstehen will. Der Verlauf sieht wenige gemeinsame Szenen vor, wenn sie aber stattfinden wirken diese recht prägnant und angesichts des Liebesthemas sogar bezeichnend. Schnell wird ersichtlich, dass Inspektor Martin diese Frau nicht auf Händen tragen wird und umgekehrt erweckt Sybil auch nicht den Eindruck, dass sie einen aussichtslosen Kraftakt veranstalten möchte.

Man könnte denken dass es ernüchternde Voraussetzungen im Rahmen des Titel-Themas sind, aber rückblickend gesehen kommt es der Inszenierung zugute, dass dieser obligatorische Inhalt eher stiefmütterlich abgehandelt wurde. Heinz Draches spröde Umgangsformen wirken zurückweisend, vielleicht sogar gut kalkuliert, da man unter diesen Umständen wenigstens behaupten könnte, selbst über das Schicksal entschieden zu haben. Eine Frau wie Sybil zieht naturgemäß interessierte Blicke der Männerwelt auf sich und es kann beruhigt davon ausgegangen werden, dass ihr die bessere Partie noch bevorsteht. Die sterile Atmosphäre zieht sich im Rahmen der Zwischenmenschlichkeit wie ein roter Faden durch den Verlauf und wie üblich wird das mutmaßliche Glück der Hauptpersonen durch Verbrecherhand bedroht. Geht man strikt nach seinem eigenen Gefühl, könnte hierbei gar nicht so viel zerstört werden, aber dennoch fiebert der Zuschauer natürlich mit den hier angebotenen Schablonen mit. Um es nicht falsch zu verstehen, Drache und Sesselmann machen ihre Sache isoliert gesehen recht ordentlich, versagen als mögliches Liebespaar aber auf ganzer Linie, was einfach an der empfundenen und gegenseitigen Interessenlosigkeit liegt. Zunächst sieht man ein erstes Treffen, aufgeladen mit ironischen Spitzen und kleineren Überraschungsmomenten für die jeweilige Gegenseite, doch Inspektor Martin überlässt ein nächstes Treffen niemand anderem als dem Zufall. Wie dieser es schließlich will, bekommt das potentielle Paar erneut die Möglichkeit, sich anzunähern, doch man sieht zu viel unmotiviertes Handeln seinerseits, und einen beinahe natürlichen Sicherheitsabstand ihrerseits. Die zum Klassiker des Films hochstilisierte Paternoster-Szene der beiden dokumentiert nichts anderes als den vorgefertigten Willen des Drehbuches, an Marschrichtungen der Vorgänger anzuknüpfen, aber man hat die Rechnung ganz offensichtlich ohne Inspektor Martin gemacht.

Was sich wie Kritik anhört, kann auch als logischer Bruch in einer Serie interpretiert werden, die beim Thema Zuneigung der Protagonisten bislang kaum variiert wurde. Unter den Gegebenheiten in "Die Tür mit den sieben Schlössern" ist es allerdings der neu aufkommende Vergleich, der belegt, dass die Liebes-Thematik gar kein so unwichtiges Element für die Verläufe ist, man sie folglich bei Misslingen oder Aussparen sogar vermissen könnte. Unbequeme Gegner machen den Hauptpersonen auch hier das Leben schwer und in diesem Zusammenhang ist ein besonderes Paar zu nennen, für welches Liebe oder Zuneigung offensichtlich unbekannte Vokabeln darstellen. Gisela Uhlen und Werner Peters präsentieren sich als Ehepaar Cody in überragender Schauspiellaune und es scheint, als wollten sie jeglichen Anflug von Glück der anderen im Keim ersticken. Hinzu kommt die Rolle von Jan Hendriks, dem man es eher abnehmen möchte, dass er sich zu Sybil Lansdown hingezogen fühlt, weil er sich situationsbedingt einfach mehr ins Zeug legt und dementsprechend den größeren Gefahren ausgesetzt ist. Fairerweise muss man betonen, dass es sich hier auch nur um ein imaginäres Szenario handelt, welches man als Zuschauer aber eher, beziehungsweise lieber in Betracht zieht, als eine gemeinsame Zukunft mit einem emotionsstarren Heinz Drache. Insgesamt gesehen gibt es daher wenige Lichtblicke in amourösen Belangen, was nach zehn Filmen aber als gelungene Abwechslung angesehen werden darf. Als Fazit kann beim gezielten Blick auf Heinz Drache wohl erwähnt werden, dass er im cineastischen Sinne nicht wie ein Experte in Liebesdingen wirkt und es ihm offenbar lieber war, angebetet zu werden, als andere anzubeten. Bei Sabina Sesselmann neigt man sogar scherzhaft dazu, die im Film gesuchten sieben Schlüssel kurzerhand zu verdoppeln, da man genau die gleiche Menge für ihren imaginären Keuschheitsgürtel hätte finden müssen.


DIE TÜR MIT DEN 7 SCHLÖSSERN


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BeitragVerfasst: 28.12.2016 22:02 
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Betrachtet man die bundesdeutschen Besucherzahlen aller Edgar-Wallace-Filme, so lieferte Alfred Vohrer mit "Das Gasthaus an der Themse" den zahlenmäßig erfolgreichsten Film mit etwa 3.600.000 Zuschauern ab. Falls diese Geschichte im Sinne des hier behandelten Themas also geglückt ist, stellen Brigitte Grothum und Joachim Fuchsberger schon einmal eines der bekanntesten Wallace-Paare der Reihe dar, allerdings muss hierbei auch betont werden, dass sich insbesondere eine andere Konstellation in vielen Köpfen etablieren konnte. Nach mehr oder weniger komplett selbstständigen Frauenfiguren, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen und durch Launen des Schicksals unfreiwillig in Bedrohung, Verbrechen und Mord verwickelt wurden, bekommt man hier erneut eine Variation angeboten, die zusätzliche Ansatzpunkte zeigt. Variiert wurde nicht in dem Sinne, dass die Findung unter anderen Voraussetzungen stattfindet, oder dass die Beteiligten wie in den meisten Fällen direkt von Amor höchstpersönlich getroffen wurden, sondern den merklichen Unterschied liefert hier Brigitte Grothum, die in Unterdrückung durch ihre dominante Tante und unbezahlter Arbeit in einem zweifelhaften Gasthaus steht. Leila wird trotz der Tatsache, dass sie im "Mekka" mit allerlei lichtscheuem Gesindel, sowie mit Hehlern und Kriminellen konfrontiert ist, als vollkommen unschuldig wirkendes Geschöpf in die Handlung integriert, was naturgemäß den Beschützer-Instinkt eines jeden Ermittlers wecken würde. Joachim Fuchsberger als Inspektor Wade kommt genau in diese Lage und die Rahmenbedingungen lassen seinen anfänglichen Impuls, dass sich unbedingt etwas ändern müsste, Gestalt annehmen. Dem Empfinden nach handelt es sich dieses Mal vielleicht nicht um die berüchtigte Liebe auf den ersten Blick, denn es ist deutlich zu erkennen, dass sich diese Konstellation und die damit verbundenen Emotionen erst formen müssen.

Vielleicht basiert dieser Eindruck auch auf Joachim Fuchsbergers Alter, denn Leila wirkt so viel jünger als er, was in den Dialogen auch noch häufig Erwähnung findet. Zwar relativiert sich dies wieder durch den an ihr interessierten Nebenbuhler Mr. Brown, alias Heinz Engelmann, der etwa 25 Jahre mehr Erfahrungswerte zu bieten hat, als sein - in dieser Beziehung - naiv wirkendes Objekt der Begierde, aber vollends will die angebotene Allianz hier nicht zünden, obwohl Zusammenspiel und Chemie stimmen. Vielleicht kommt hier das unbestimmte Gefühl auf, dass es die ungleichen Voraussetzungen sind, die diese potentielle Beziehung nicht uneingeschränkt in Glanz und Gloria strahlen lassen würden, wie es der Zuschauer in der Serie schon so oft gewöhnt war. Eher neigt man dazu, gedanklich einen Schritt weiter zu gehen, wenn der "Hai" zur Strecke gebracht und die Findung abgeschlossen ist. Die Erfahrung des Mannes lässt im Gegensatz zur Unerfahrenheit der Frau ein sich unterschwellig zeigendes Ungleichgewicht aufkommen. Verstärkt wird das alles durch die temperamentvolle und vehemente Art Joachim Fuchsbergers, der unter dem Nimbus, dass er es ja schließlich nur gut mit seiner Angebeteten meine, häufig über das Ziel hinaus schießt und wenig Feingefühl anbietet. Die beruflichen Ambitionen stehen wie im Vorgängerfilm eher im Vordergrund, wobei Vohrer wieder mehr auf eine klassische Abhandlung des amourösen Nebenthemas setzte. Wie so häufig wird die Liebe durch andere Personen des Szenarios bedroht, es tauchen dabei die unterschiedlichsten Gründe für das Unterwandern dieser Konstellation auf. Leilas halbseidene Tante Nelly Oaks sieht beispielsweise ihre Geschäfte in Gefahr, wenn permanent ein Polizist um sie herumschleicht, was sich darüber hinaus auch gegen ihre Ganovenehre richtet. Viele Dialoge lassen den Eindruck entstehen, dass auch Mrs. Oaks eine Vergangenheit im romantischen Sinne vorzuweisen hat.

Dies ist in Gesprächen zwischen ihr und Captain Brown herauszufiltern, die offenkundig »von einst im Mai« sind. Nun ist der Mann in den besten Jahren eher an dem jüngeren, attraktiven Modell interessiert. Leila vergöttert ihn bedingungslos wie einen Vater, der mit ihr wiederum andere Gedanken hegt. Im Sinne des Themas wird die Gefahr, dass die beiden Protagonisten sich nicht finden werden, um ein Vielfaches gesteigert, da der Zuschauer die arme, unschuldige Leila nicht in den Händen eines einschlägig bekannten Hehlers sehen will. Inspektor Wade selbstverständlich auch nicht. Wenn sich der Verlauf zuspitzt, wird es naturgemäß auch der Haupttäter der Story sein, der die junge Frau nötigt, denn schließlich hatten die meisten dieser Spezies ihre eigenen Pläne mit den weiblichen Protagonisten, ob aus finanziellen, oder alternativen Gründen. Joachim Fuchsberger und Brigitte Grothum bilden letztlich ein Paar, welches zunächst in optischer Hinsicht und Fragen der Interaktion überzeugen kann und dies auch tut, schließlich sollte man auf diese Konstellation noch ein weiteres Mal zurückgreifen. Dass sich hier ein paar kleinere Ungereimtheiten offenbaren, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der interessierte Zuschauer mit den beiden mitfiebert und die weniger subtil angelegten Signale dennoch als passend, wenn nicht sogar angenehm erfrischend empfindet. Dies liegt nicht nur an der eingängigen Kopplung zwischen Routine und Variation, die von Joachim Fuchsberger ausgeht, sondern auch an der sympathisch und vor allem glaubhaft wirkenden Darbietung von Brigitte Grothum, die in "Das Gasthaus an der Themse" eine gelungene Wallace-Fortsetzung feiern konnte. Letztlich bekommt der Zuschauer in Alfred Vohrers drittem Beitrag zur Reihe wesentlich mehr Angenehmes auf der Habenseite geboten, sodass gewisse Kleinigkeiten, die in einigen Vorgängern runder gelöst wurden, im Endeffekt nicht schwer ins Gewicht fallen.


DAS GASTHAUS AN DER THEMSE


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 16.04.2018 09:25 
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Mit "Der Fluch der gelben Schlange" wurde als zweiter Konkurrenz-Wallace der 60er Jahre in die Kinos geschickt. Anders als bei "Der Rächer" sind die typischen Konturen der Reihe wieder deutlicher wahrzunehmen und auch bei der Findung der Protagonisten werden übliche Schablonen deutlicher angelegt. Dieser Eindruck entsteht nicht zuletzt aufgrund der Verpflichtung bekannter Rialto-Vertragsschauspieler, die durch Joachim Fuchsberger und Brigitte Grothum den Wiedererkennungswert enorm begünstigen. Als Paar überzeugten sie bereits im Vorgängerfilm "Das Gasthaus an der Themse", sowie in der wenige Jahre zuvor entstandenen Produktion "Die seltsame Gräfin", und man bekommt es mit dem üblichen Charme, beziehungsweise Aufhänger zu tun, der als wichtiger Bestandteil vermittelt werden kann. Jede der Konstellationen formierte sich unter anderen Voraussetzungen und in der Regel widrigen Rahmenbedingungen. So auch hier, denn schließlich muss sich die Liebe unter erschwerten Bedingungen erst finden. Ein Mord im fernen China legt den unromantischen Grundstein für eine Zweckhochzeit in London, für die gleich zwei Damen in Frage kommen, um eine lukrative Allianz mit dem Kapital einzugehen. Sowohl Tränen, als auch Renitenz und Trotz bestimmen die Töne im Vorfeld, die alles andere als Hochzeitsglocken andeuten. Aber bei Wallace sind erfahrungsgemäß schon ganz andere Konstellationen zustande gekommen und der Verlauf bedient sich einer denkbar einfachen, aber gleichzeitig günstigen Voraussetzung; nämlich des natürlichen, unverbrauchten Charmes einer Brigitte Grothum, die in Sachen Sympathie wie immer sehr hohe Maßstäbe setzt. Vielleicht stellt sie tatsächlich ein noch gängiges Frauenbild der frühen 60er Jahre dar, in das man sich pauschal verlieben konnte. Im Serien-Kontext gibt es allerdings emanzipatorisch gesehen ein paar Rückschritte, da die Rolle der Joan sehr konservativ angelegt ist.

Es ist angenehm und überaus interessant zugleich, dass sich bei Joachim Fuchsberger und Brigitte Grothum keine Abnutzungserscheinungen offenbaren, weder darstellerisch noch als Paar. Nach mittlerweile 13 herausgebrachten Wallace-Filmen lässt sich mit zunehmender Sicherheit sagen, dass sich auch die amouröse Komponente als wichtiger Bestandteil etablieren konnte. Joachim Fuchsberger als Clifford Lynn stellt sich gegen die von außen geschmiedeten Hochzeitspläne, die mit Mord und Tod eingeläutet wurden. Dies tut er wesentlich bestimmender, anfangs sogar süffisanter als seine designierte Frau, die wie im Märchen das Dasein von Aschenputtel zu fristen hat, wenn auch im goldenen Käfig. Eine Ehe soll dessen Gittern auch in Zukunft den vollen Glanz garantieren, außerdem die finanziellen Sorgen von Joans Ziehvater und Onkel entschärfen. Ganz im Prinzip eines immer wiederkehrenden Filmelixiers kommt es zur berüchtigten Liebe auf den ersten Blick, was für jedermann natürlich erscheint, immerhin bringen beide Seiten genügend Tugenden und Identifikationspunkte für den Zuschauer mit. Das soeben entfachte Gefühl wird ganz in Manier der laufenden Serie von Verbrecherhand bedroht und das aus zahlreichen Gründen. Auch hier konspiriert beispielsweise ein gefährlicher Verbrecher im Hintergrund, der nicht nur diese Funktion inne hat, sondern auch die des Nebenbuhlers, der die Aufrichtigkeit der beiden Hauptpersonen aufgrund seiner negativen Attribute nur noch mehr in den Fokus rückt. Wenn man bei der Fraktion der Konkurrenten bleibt, ist auch Joans Cousine Mabel zu nennen, die durch Regisseur Franz Josef Gottliebs damaliger Ehefrau Doris Kirchner vielschichtige Facetten verliehen bekommt. »Ein daher gelaufenes Findelkind zu heiraten wegen einer Erbschaft.«, hört man sie zunächst giftig betonen und dies in der gleichen abwertenden Manier, mit der sie auch Joan konfrontiert.

Ihr stiefmütterliches Dasein hat sie über Jahre selbst konstruiert, schließlich wurde sie dem Vernehmen nach einmal nicht geheiratet und der Zuschauer nimmt nicht nur die negativen Schwingungen wahr, sondern auch eine zutiefst verbitterte und vereinsamte Frau. Dramaturgisch wird jedoch die Möglichkeit für eine bemerkenswerte Kehrtwendung offen gelassen, die aufgrund der darstellerischen Kompetenzen von Doris Kirchner ihre Verwirklichung findet. Die teils zynische Inszenierung tut ihr Übriges. Wie auch hier sind es oft die unerfüllten Wünsche und damit einhergehende Launen des Schicksals, respektive der Verbrecher, die für die tragischen Momente sorgen können, die solche Geschichten mitunter nötig haben. "Der Fluch der gelben Schlange" fällt als Film insgesamt durch seine bemühten Unterschiede zu Artgenossen auf, was sich in amourösen Belangen allerdings nicht vollkommen durchsetzen will. Zu sehr findet eine herkömmliche Auseinandersetzung mit der schönsten Sache der Welt statt, was durch die Performances von Grothum und Fuchsberger wie üblich greifbar ausbuchstabiert wird. Männlich-weibliche Beziehungen wurden seinerzeit noch nicht grundlegend aufgebrochen - geschweige denn umgekehrt - höchstens durch selbstbewusstere Attitüden der Interpretinnen. Die recht bürgerlichen Eindrücke sind dem Gesamtbild entsprechend angepasst worden und bieten eine ideale Abhandlung im Sinne eines Ausgleichs für den Zuschauer. Das unschuldige Opfer wird vom charmanten und wie bislang immer strahlenden Helden vor Schlimmerem bewahrt, was die Dame des Herzens mit ihrer aufrichtigen Zuneigung belohnt. Subversive Elemente und Emotionen falschen Ursprungs werden durch diese einfache Strategie unmittelbar beseitigt und verhelfen nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch dem Glücksgefühl zum Triumph, wenngleich das klassische "L'amor toujours"-Thema hier gerade durch diese frühe Erfüllung etwas an Drive einbüßt.


DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE


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 Betreff des Beitrags: Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace
BeitragVerfasst: 01.07.2018 14:23 
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Innerhalb laufender Reihen ist es nur eine Frage der Zeit, bis erste Abweichungen der Norm oder sogar entscheidende Stilbrüche auftauchen. Bei Alfred Vohrers "Der Zinker" handelt es sich stilistisch gesehen um einen Beitrag der klassischeren Sorte, jedoch lässt sich angesichts des hier behandelten Themas eine signifikante Änderung ausfindig machen. Im Rahmen der männlich-weiblichen Beziehungen kommt es zu einer Art Scharade, bei der die Karten nicht so offen auf dem Tisch liegen, wie es der Wallace-Fan zuvor gewöhnt war. Die ermittelnde Figur erweckt den unausweichlichen Eindruck, dass es neben seiner Berufung keine weiblichen Götter geben kann, denn zu stark ist die Fokussierung auf die tägliche Arbeit und die eigene Person. Die weibliche Hauptperson ist weder auf der Suche nach einem Partner, noch hat sie die Absicht sich zu binden, zumal sie ohnehin anderweitig liiert ist. Unter diesen Voraussetzungen kreuzt sich der Weg von Heinz Drache als Inspektor Elford und Barbara Rütting als Journalistin Beryl Stedman - eine Konstellation, die besetzungstechnisch kein Kind des Zufalls gewesen sein wird, da sie zu sehr im Schimmer eines gewissen Kalküls strahlt. Beide Protagonisten stehen fest auf eigenen Beinen, regeln ihr Leben ohne dabei Hilfe nötig zu haben und demonstrieren eine Art Unabhängigkeit, die sich trotz der gleichen Attitüde grundlegend voneinander unterscheidet, da eine von beiden naturgemäß eher auf Kosten anderer angelegt ist. Figuren wie Beryl Stedman tauchen bei Wallace nicht zum ersten Mal auf, denn Darstellerinnen wie etwa Sabina Sesselmann, Marisa Mell oder Renate Ewert verkörperten ebenfalls modernere Frauentypen, die nicht vom Helden in die Tasche gesteckt werden mussten. Der Verlauf gewinnt in großem Maße an der Strategie, dass Heinz Drache sich nicht mit der schönsten Nebensächlichkeit der Welt befassen musste und hier lässt sich süffisant sagen, dass es nicht nur ihm, sondern auch dem Zuschauer erspart wurde.

Zu sehr sind seine hölzernen Darbietungen in dieser Richtung präsent geblieben, sodass er sich mit einer Rolle, die wie hier hauptsächlich auf ihn zugeschnitten ist, wesentlich besser und freier bewegen kann. Die Liebe kommt in "Der Zinker" erstmalig sehr kurz und nur einen mutmaßlichen, beziehungsweise unaufrichtigen Stellenwert eingeräumt. Zu stark wird sie dominiert von Habgier und perfider Planung, was aber durchaus zu dynamischen Eindrücken und Dramatik führen wird. Eine Dreieckskonstellation aus amourösen Verstrickungen sorgt zwar für eine gewisse Spannung im Szenario, aber gleichzeitig auch für eine bis dato beispiellose Vorhersehbarkeit in Sachen früher Identifikation des Haupttäters. Die männliche Ermittlerfigur, die bislang für Schutz und Avancen gegenüber der weiblichen Hauptfigur stand, bleibt vollkommen außen vor und zeigt keinerlei Interesse an Belangen, die ins Private gehen könnten. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass Heinz Drache und Barbara Rütting eine reserviert freundschaftliche Basis finden könnten, die aus beruflicher Wertschätzung und dem Prinzip bestehen könnte, dass eine Hand die andere wäscht. Es lässt sich vielleicht sagen, dass Rütting und Drache in dieser Richtung eine Art Pionierarbeit leisten, oder zumindest einen frühen Modellcharakter anbieten, der insbesondere in späteren Produktionen wieder aufgegriffen wurde. Die sympathisch aber manchmal ebenso spröde und resolut wirkende Beryl braucht weder Schutz, noch irgendwelche Ratschläge von männlicher Seite; und wenn dann höchstens nur vom Leben selbst. Bei Barbara Rütting schwingt trotz ihres bodenständigen Charakters und des klaren Verstandes eine seltsame Naivität im Rahmen zwischenmenschlicher Belange mit, die bei den meisten ihrer Kolleginnen in dieser Form nicht zu finden war, da deutlichere Konturen und Kontraste zum Vorschein kommen.

Wenn sich Luftschlösser auflösen und Kartenhäuser zusammenbrechen, wird es der Ermittler sein, der ihr zur Seite steht, allerdings ohne sie aufzufangen. Beide wissen nur zu gut, dass sie in Momenten der Enttäuschung oder auch des Erfolges niemand anderen neben sich gebrauchen könnten, da der eigene Lebensplan vorsieht, alles selbst zu regeln und Verantwortung zu übernehmen. Sicherlich bietet Vohrer subtile, beinahe versteckte Andeutungen an, um dem Zuschauer einen Strohhalm im Sinne des Themas anzubieten, doch der nüchterne Blick auf zwei Personen, die eigentlich Einzelgänger sein wollen und sich gegenseitig keinesfalls brauchen, lässt den interessierten Zuschauer eher zu dem unausweichlichen Schluss kommen, dass Inspektor Elford und Beryl Stedman weder etwas mit "l'amour" noch "toujours" zu tun haben. Was das weibliche Opfer angeht, das in diesem Film überhaupt keines ist, da nur eine potentielle, beziehungsweise in weiter Ferne liegende Bedrohung vom "Zinker" ausgeht, steht man schnell vor vollendeten Tatsachen. Eher bedauert man eine verzweifelte Nebenbuhlerin, da man sie in wesentlich größerer Gefahr sieht. Vielleicht kann ja im Endeffekt von einer Variante des Rollentauschs gesprochen werden, dessen umgekehrte Voraussetzungen für frischen Wind sorgen und sich demonstrativ gegen die Eintönigkeit aufbäumen, um eine bereits länger laufende Reihe mit frischen Impulsen zu versorgen. Bezüglich "L'amour toujours" wird der danach dürstende Fan im Großen und Ganzen nichts Aufrichtiges oder Relevantes finden können, höchstens eine verwitwete alte Dame, die ein paar Funken nostalgischer Romantik in die laufende Geschichte bringen kann. Misslungen ist Alfred Vohrers Strategie aber keinesfalls, denn der eigentlich interessante Kriminalfall, der letztlich eine zu wenig ausgefeilte Bearbeitung erfahren hat, kann durch die nicht vorhandene Nebensächlichkeit aufgewertet werden.


DER ZINKER


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