
Meines Erachtens nicht ganz so groß wie WENN ES NACHT WIRD AUF DER REEPERBAHN und DER ARZT VON ST. PAULI – aber deutschtümeliger als alle anderen St. Pauli-Filme, die Über-Sleazegranate UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI miteingeschlossen.
In diesem Film kommt echtes Stammtisch-Flair auf! Uns Curd spielt diesmal Käpt'n Hannes Thevesen, der nach 8 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, wo er für den Trunkenheits-Mord an seiner Geliebten gesessen hat. Aber natürlich ist er unschuldig und sinnt darauf, den wahren Täter, seinen ehemaligen Reederei-Teilhaber und Mann der Ermordeten, bloßzustellen. Der wird bombig gespielt von Fritz Tillmann, der sich sehr dekorativ in die Gallerie schmieriger alter Herren in den Olsen-Filmen einreiht und in einer der üblichen, ekligen Party-Szenen zu Hochtouren aufläuft. Zunächst wandelt Hannes aber erstmal genießerisch über die Reeperbahn und schüttelt gütig lächelnd den Kopf über die ganzen Pornohefte an den Straßenständen. Ja ja, vor 8 Jahren gab's das aber noch nicht! Wie die Zeit vergeht...


Hannes kommt zunächst bei seinem alten Kumpel Pitter (Heinz Reincke, natürlich!) und dessen Schwester Marta (Heide Kabel! Brrr...) unter. Nachdem man sich zunächst am Hinterküchen-Frühstückstisch germanischer Familienseligkeit und Freiheitslust erfreut (Das bombige Frühstück kommentiert Hannes: “Ich kann ja gar nicht mehr schnaufen!”

) verfolgt der alte Seebär recht schnell wieder sein ursprüngliches Ziel. In die Quere kommt ihm dabei Pitters zuckersüßes, 21jähriges und blutunschuldiges Töchterlein Antje, die sich total in den strammen Ersatz-Papa verguckt - natürlich ohne zu wissen, dass er ihr leiblicher Vater ist!




Schweinepriester Olsen inszeniert das alles so verworfen wie nur möglich, was in einem vergnüglichen Sonntagsausflug auf Helgoland kulminiert, wo Hannes für Antje “Kleine Möwe flieg' nach Helgoland” singt und sie dabei lüstern mustert. Unfassbar.
Besagte Schnulze ist übrigens nur einer von gleich drei Schlagern, die unser knorriger Curd Jürgens hier zum Besten gibt. Die anderen beiden werden von ihm zusammen mit Reincke und viel bierseligem Schmackes und schunkelnd während einer nächtlichen Sauftour unter Freunden performt. Selten wurden die Freuden deutscher Männerfreundschaft und Kumpelei so auf den Punkt inszeniert!



Beim Vorübergehen an einem Strip-Lokal meint Hannes mit wehmütigem Blick aufs eigene Spiegelbild in der Scheibe:
“Na, ganz schön alt sind wir geworden!”
Darauf Pitter: “Ach, macht nichts – Hauptsache die Mädchen sind jung!”
Mindestens so jung wie das Töchterlein - denn das geteilte Glück wird freilich bald getrübt von Reinckes Gewahrsamwerden der Anziehung zwischen Onkel Curd und klein Antje sowie natürlich von den bösartigen Machenschaften Tillmanns und seiner Saubande, bestehend aus bewährten Hackfressen wie Fritz Schütter, Karl-Otto Alberty, Horst Naumann, Erik Schumann und einer Truppe verdorbener jugendlicher Rocker-Bombenleger, die wieder einmal zeigen, dass unser Rolf die Jugend von heute so richtig verstanden hat.



Selbstverständlich verführen diese üblen Subjekte den unschuldigen, aufrichtig eine Bäckerei betreibenden Klaus, Freund von Antje (den sie natürlich um ein Haar für Ersatz-Papa Jürgens fallen läßt!) zum Verbrechen, denn dieser möchte die Pferde aus ihres verschuldeten Vaters Stall hinter der Kneipe zurückkaufen, um ihr eine Freude zu machen! Diese Aufgabe nimmt ihm allerdings der gute Onkel Curd ab, aber da er eine Seele von Mensch ist, der dauernd die Spendierhosen an hat (“Bei mir ist immer Sonntag!”

) und hilft, kauft er nicht nur die Pferde zurück sondern versteckt den armen Jungen auch noch im Heu – was der sich anbahnenden Katastrophe rund um den Beinahe-Inzest natürlich nur hilft.




Irgendwann schlenkert der Streifen dann auch wieder zurück zu dem ursprünglichen Ausgang der Handlung und Hannes' Vergeltung dient zum Anlass für ein typisches, dramatisch-rabiates Olsen-Finale inklusive einiger sehr unschöner Grobheiten. Zu diesem Zeitpunkt ist man allerdings ohnehin schon völlig gerädert von der nicht zu bewältigenden Flut urdeutscher Heimattümelei, Rechtschaffenheit, Gutmenschentum, demoralisierender Jugendverderberei, spießigem Kneipen-Sleaze, anzüglicher Kumpelei und schäbigem Schmierenmelodram, dass einem nur noch ein entkräftetes Zucken bleibt.
Ein Höllenritt in urdeutsche Abgründe, schmierig bis zum Gehtnichtmehr und so heimelig-rustikal, dass es einem kalt den Rücken runterläuft.

Ich bin froh, ihn aufgetrieben zu haben. Wenn diese Juwelen des deutschen "Hintertreppenfilms" (Filmdienst) nur ENDLICH einmal auf DVD erscheinen würden!