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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN - Ákos von Ráthonyi
PostPosted: 06.02.2013 17:02 
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Alternativer Titel: Das Geheimnis der gelben Narzissen
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien
Produktion: Horst Wendlandt, Steven Pallas, Donald Taylor
Erscheinungsjahr: 1961
Regie: Ákos von Ráthonyi
Drehbuch: Basil Dawson, Trygve Larsen, Donald Taylor, Horst Wendlandt, Gerhard F. Hummel
Kamera: Desmond Dickinson
Schnitt: Peter Taylor
Musik: Keith Papworth
Länge: ca. 90 Minuten
Freigabe: FSK 12
Darsteller:
Joachim Fuchsberger: Jack Tarling
Sabina Sesselmann: Anne Rider
Christopher Lee: Ling Chu
Klaus Kinski: Peter Keene
Albert Lieven: Raymond Lyne
Ingrid van Bergen: Gloria
Jan Hendriks: Charles
Marius Goring: Oliver Milbourgh
Peter Illing: Jan Putek
Walter Gotell: Oberinspektor Whiteside



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Zum dritten Mal wurde eine Frau umgebracht und der Mörder hinterlässt zum dritten Mal einen Strauß gelber Narzissen am Tatort. Oberinspektor Whiteside übernimmt den Fall und ist auf der Suche nach einem wahnsinnigen Serienmörder. Der Agent einer internationalen Fluggesellschaft, Jack Tarling und der Chinese Ling Chu sind allerdings der Ansicht, dass es sich hier nicht um die Tat eines Einzelnen handelt.

Das beliebte und geliebte schwarz/ weiß Bild findet auch bei den „Gelben Narzissen“ seine Verwendung, allerdings werden die Credits in einem blutigen Rot präsentiert. Erfreulicherweise geht die siebte deutschsprachige Edgar-Wallace-Verfilmung der Nachkriegszeit ernsthaft zu Werke und verzichtet auf einen Komiker wie Arent.

Als exotisches Bonbon bietet der ungarische Regisseur Ákos von Ráthonyi, Christopher Lee in Rolle des Chinesen Ling Chu. Christopher Lee beschränkt sich nicht auf das Motto zum Scherzkeks zu werden, sondern entpuppt sich als ein Zyniker, der auch gern die Folter anwendet wenn es nicht so läuft wie er es sich wünscht. Ihm zur Seite steht Joachim Fuchsberger in der Rolle von Jack Tarling. Eine gute Darbietung die auch auf unnötige Späße verzichtet.


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Walter Gotell ist als Oberinspektor Whiteside sehr unauffällig und muss sich der starken Konkurrenz unterordnen, denn Ákos von Ráthonyi hat noch etwas ganz Besonderes parat: Klaus Kinski in der Rolle des Vorbestraften Peter Keene. Klaus bekommt bereits während seines ersten Auftritts einen Anfall und will sich umgehend auf Jack Tarling stürzen. Dieses kann jedoch von einem wie immer routiniert agierenden Albert Lieven in der Rolle von Raymond Lyne vereitelt werden.

In der weiblichen Darstellerriege kann man sich auf eine sympathische Sabina Sesselmann (Anne Rider) freuen. Dawn Beret macht als Katya ebenfalls einen guten Eindruck, dass gleiche gilt für Ingrid van Bergen als Gloria die u.a. den Song „Bei mir ist alles nur Natur“ zum Besten gibt.

„Das Geheimnis der gelben Narzissen“ verzichtet auf Schlösser und ähnliche Kulissen, kann jedoch trotzdem Atmosphäre und Spannung vermitteln. Die Kameraarbeit von Desmond Dickinson und die Beleuchtung tragen dazu einen großen Teil bei. Die Informationen die zur Lösung des Rätsels führen werden nach und nach vermittelt und der Zuschauer kann so gemeinsam mit Jack Tarling, Ling Chu und Oberinspektor Whiteside den Fall lösen.

Fazit: Eine gute und aus meiner Sicht etwas unterschätze Edgar-Wallace-Verfilmung, die ernsthaft und erfolgreich zur Sache geht.

8/10

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN - Ákos von Ráthonyi
PostPosted: 28.03.2016 09:37 
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● DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN / THE DEVIL'S DAFFODIL (D|GB|1961)
mit Joachim Fuchsberger, Sabina Sesselmann, Klaus Kinski, Ingrid van Bergen, Albert Lieven,
Walter Gotell, Jan Hendriks, Marius Goring, Peter Illing, Bettine Le Beau und Christopher Lee
eine Produktion der Rialto Film Preben Philipsen | Omnia Pictures Ltd. | im Prisma Filmverleih
ein Film von Ákos von Ráthonyi


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»Ich könnte eine Geschichte über Narzissen erzählen«

In London treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der innerhalb kürzester Zeit drei Frauen umgebracht hat. Die Bevölkerung ist beunruhigt, da es sich offensichtlich um einen Wahnsinnigen handelt, der stets ein bizarres Szenario veranstaltet. Bei jeder der Toten wurde bislang ein Strauß gelber Narzissen deponiert, was den ermittelnden Beamten, Oberinspektor Whiteside (Walter Gotell), vor ein Rätsel stellt. Da die Spur ins Drogenmilieu führt, wird ihm Jack Tarling (Joachim Fuchsberger) zur Seite gestellt, der Sicherheitsbeamter der Fluggesellschaft Global Airways ist, da eine Ladung geschmuggeltes Heroin am Flughafen sichergestellt wurde, das in künstlichen Narzissen versteckt war, aber durch einen Bombenanschlag vernichtet wurde. Tarling befragt den Londoner Geschäftsmann Raymond Lyne (Albert Lieven), dessen Firma für den Handel mit den künstlichen Blumen verantwortlich war, doch er stößt nicht gerade auf Kooperationsbereitschaft. In der Zwischenzeit schlägt der Narzissenmörder erneut aus dem Nichts zu...

Diese bereits siebte Edgar-Wallace-Verfilmung der Nachkriegszeit besitzt in vielerlei Hinsicht einen besonderen Stellenwert, rangiert er doch etwa bei den erfolgreichsten Produktionen in Deutschland mit 3,5 Millionen Kinobesuchern auf Platz 2, hinter Alfred Vohrers "Das Gasthaus an der Themse", der seinerzeit gut 100 000 Zuschauer mehr in die Kinos locken konnte. "Das Geheimnis der gelben Narzissen" besitzt in Fankreisen einen zwiespältigen Status, was oftmals in Zusammenhang mit der Arbeit von Gast-Regisseur Ákos von Ráthonyi gebracht wird, der bei seinem Film eine, fast möchte man sagen, konträre Strategie verfolgte und diesem Beitrag ein weitgehend beispielloses Profil mit auf den Weg geben konnte. Vielleicht ist mit der Wendung beispiellos etwas zu viel versprochen, hält sich doch auch dieser Film grundlegend an bestehende Gesetze der Serie, vor allem aber an die des Kriminalfilms an sich, allerdings bekommt man auch zahlreiche Unterschiede bei diesem gelben Ausreißer angeboten, die die Meinungen teilweise weit auseinander gehen lassen. Kritikpunkte einerseits, sind auf der anderen Seite naturgemäß die großen Stärken, und hier sind vor allem der überaus prosaische Charakter und die vollkommen ernste Atmosphäre zu nennen, die bei anderen Produktionen als Charakteristika eher in der zweiten Reihe zu finden waren, wenn überhaupt. Ákos von Ráthonyi erspart den Kinogängern den mittlerweile typisch etablierten Humor der Vorgänger, es handelt sich interessanterweise um den einzigen Rialto-Film in Schwarzweiß, der ohne Eddi Arent auszukommen hatte. Dieser Verlauf nimmt es dankend an, steht doch ein doppelzüngiger Christopher Lee zur Verfügung, der zwar nicht für obligatorischen Humor steht, allerdings für geistreiche Kommentare und eine Art Sarkasmus, der für Wallace-Verhältnisse beinahe schon überqualifiziert wirkt.

Alleine die Produktionsnotizen bescheinigen dem Film formell gesehen eine klassische Seele, erstmalig wurde mit Großbritannien, sprich der dort ansässigen Omnia Pictures coproduziert, was den erstmaligen Effekt hatte, dass man in den Genus von Außenaufnahmen an Originalschauplätzen kam und nicht auf Archivmaterial oder wenige speziell gedrehte Szenen vor Ort zurückgreifen musste. Des Weiteren wurde bei "Das Geheimnis der gelben Narzissen", der der letzte deutsche Film des Prisma Verleihs war, bevor er als Tochterfirma in die Constantin-Film integriert wurde, sozusagen zweigleisig gedreht, denn für jeden der beiden Produktionsmärkte kam es zu einer landesspezifischen Orientierung im Rahmen der Besetzung. Joachim Fuchsberger, Sabina Sesselmann und Klaus Kinski wurden durch William Lucas, Penelope Horner und Colin Jeavons ersetzt, der Rest der Crew blieb dabei identisch. Bei einem guten Dutzend Beiträge war es unter Ákos von Ráthonyi also an der Zeit für grundlegende und weitreichende Veränderungen, die sich auch wie ein roter Faden durch den Stab ziehen, wenn es natürlich auch mit den britischen Partnern zu tun gehabt haben dürfte. Bleibt man bei den strukturellen Veränderungen, darf man im Wallace-Orbit von einer Art Pionierarbeit sprechen, die in folgenden Beiträgen weniger kopiert, geschweige denn aufgegriffen wurden. Als unmittelbarer Nachfolger von "Die toten Augen von London" lassen sich vielleicht einige Ansätze und Parallelen der härteren Marschroute herausfiltern, allerdings schwimmt erstmalig ein empfunden realer Transfer in der Geschichte mit, die mit Mord und Drogenhandel eher von dieser Welt zu sein scheint, auf den ersten und vielleicht sogar auch zweiten Blick eher als herkömmlich und weniger ausgefallen abqualifiziert werden könnte, käme es nicht zu zahlreichen Finessen innerhalb des Plots.

»Eine wenig geschmackvolle Edgar-Wallace-Verfilmung«, lautet die lapidare Einschätzung des "Lexikon des internationalen Films", was letztlich die Frage aufwirft, wie geschmackvoll in diesem Zusammenhang überhaupt gemeint sein könnte. Handelt es sich um die doch sehr sterile Mechanik der Mordserie, bei der die Toten mit einem Markenzeichen, das Grabschmuck gleicht, versehen werden, oder begründet sich die vorgeworfene Geschmacklosigkeit darin, dass dieser ernst gehaltene Film vollkommen auf Tendenzen des Haudrauf-Humors verzichtet hat, was die Geschichte nicht nach bekanntem Schema entschärfen konnte? Der Geschmack, ob gut oder schlecht, liegt wie eigentlich immer, im Auge des Betrachters und rechtfertigt sich darin, was man im Endeffekt sehen möchte. Kritisiert man eine Änderung der Marschroute und fühlt sich irritiert wegen Neuerungen und Kehrtwendungen, die ja insbesondere in späten Wallace-Jahren zum Streitthema avancierten, oder erkennt man den Mut innerhalb noch junger Strukturen an und weiß den neuen Charakter dieser Geschichte zu schätzen? Es bleibt eine interessante Frage, die sich so einfach gar nicht klären lässt, wenn überhaupt. Die Passion der Edgar Wallace in der langen Phase der Schwarzweiß-Filme basiert für nicht wenige Anhänger auf typischen Charakteristika, bei der nicht nur die Tatsache ausschlaggebend ist, dass es sich eben um keine Farbfilme handelt. Schlagwörter wie Flair oder die typische Wallace-Atmosphäre verurteilen einige Filme zum Dasein in niedrigeren Sphären der Zuschauergunst, meistens spielen dabei aber nur klassische Lockvögel eine prominente Rolle, wie beispielsweise ein altes Gemäuer oder Nebel, eine Märchengestalt und das genaue darauf hinweisen auf eben diesen Märchen-Charakter der Geschichten. Wallace kann aber so viel mehr sein wie die Historie eindeutig belegt, und dieser dritte von fünf angelaufenen Beiträgen im Jahr 1961 ist schließlich als eine der wenigen Alternativen zur Masse anzusehen.

Interessant für die Geschichte ist die titelgebende gelbe Narzisse, die in der Blumensprache sagt: »Mein größter Traum, meine größte Sehnsucht hat sich mit dir erfüllt!« In vielerlei Hinsicht kann dieser Satz hier für bare Münze genommen werden, allerdings schleicht sich dabei ein doch sehr zynischer Unterton ein. Große Träume, große Sehnsucht - die Narzisse, zweckentfremdet und missbraucht als Drogenkurier, übernimmt in diesem Fall genau diese Funktion, allerdings im negativen Sinn. Die unscheinbare und nahezu fragile Wirkung die von dieser bildschönen Blume ausgeht, schlägt bereits nach kurzer Spieldauer in den Eindruck um, da die todbringend ist und für Gefahr steht. Der Narzissenmörder hat sie sich somit nicht nur als Markenzeichen auserkoren, sondern sie findet eine makabre Funktion, die quasi Grabschmuck gleicht. Im Rahmen der Symbolik der gelben Narzisse kündigt sie den Tod eigentlich nicht nur an, sondern der Mörder demonstriert mit ihrem Einsatz einen unausweichlichen Abschluss, obwohl sie für das ewige Leben steht. Doch diese Toten erstehen nicht wieder auf. Im Film ist die Titelrolle allgegenwärtig, erzielt ihre Wirkung trotz exponierter Erscheinung allerdings nur aus der zweiten Reihe, da sie vordergründig als Dekor eingesetzt wird und eigentlich vielmehr rückwirkend als eine Art Omen angesehen werden darf. Ein beliebtes Thema zwischen Mord und Verbrechen bleibt also die regelrechte Zerstörung von Schönheit und Anmut, insgesamt setzt die Regie jedoch keinesfalls auf symbolträchtige Offensiven, obwohl die Todesbotin in sehr vielen Szenen beiwohnt. Unterm Strich hat die Narzisse diese kleinere Betrachtung aber durchaus verdient, ist sie doch quasi wie ein Bindeglied für viele Sequenzen und letztlich mitverantwortlich für das Entstehen einer bedeutenden, wenn auch einer alternativ angelegten Wallace-Atmosphäre.

Im Bereich der jeweiligen Besetzungen wurde bislang stets auf große Aufgebote geachtet, was in "Das Geheimnis der gelben Narzissen" nicht anders ist. Joachim Fuchsberger kann in seinem bereits vierten Wallace-Auftritt schon zur prägenden Stammbesetzung gezählt werden. Als Sicherheitsbeamter einer Fluggesellschaft übernimmt er zwar nicht den klassischen Part wie in anderen Filmen, allerdings wird es vor allem seine Ermittler-Funktion sein, die Licht ins Dunkel bringt. Dem Empfinden nach befindet sich sein Jack Tarling in Gefahren, die vergleichsweise wesentlich akuter auf den gespannten Zuschauer wirken. Ein früher Mordanschlag, der eigentlich eher als diffuser Rundumschlag gedacht war, bahnt die prekäre Situation an, die einem klassischen Würgegriff für die meisten Beteiligten gleichen wird. Tarling überrascht mit erhöhter Sachlichkeit und es scheint, als nehme man erstmalig weniger Temperament wahr, was nicht gleichzeitig heißen soll, dass diese Figur sich irgend eine Blöße gibt. Bei ihm weiß das jeweilige Gegenüber nicht nur in Windeseile mit wem man es zu tun bekommt, sondern vor allem was der Ermittler von seinen Kontrahenten hält. Unbequeme Fragen und eine fordernde Attitüde hüllen die Stilrichtung in eine trockene Fa­çon, selbst der Umgang mit den Damen gestaltet sich teilweise als wenig taktvoll, was ihn umso resoluter erscheinen lässt. Insbesondere Partnerin in spe Sabina Sesselmann bekommt die Hartnäckigkeit zu spüren, von der zunächst eine beinahe eisige Aura auszugehen scheint. Die Münchnerin überzeugt auf alternativ angelegter Basis mit einem Präzisionsauftritt der wenig tief blicken lässt und den Zuschauer nicht mit der üblichen Transparenz oder vielleicht sogar Sympathie verwöhnen will. Einzeln und als Gespann erzielen beide Arbeitssiege, die schauspielerische Qualität wird dem Eindruck nach noch exemplarischer dargelegt, als man es gewohnheitsmäßig kennt.

Ingrid van Bergen und Klaus Kinski konnten bereits Wallace-Erfahrung in der Kurt Ulrich-Produktion "Der Rächer" aus dem Jahr 1960 sammeln. Insbesondere für Kinski sollte eine langjährige Verbindung mit dieser Reihe entstehen, seine Kollaborationsbereitschaft wurde im Rahmen unterschiedlichster Rollen erprobt und endete erst 1969 mit der Hauptrolle "Das Gesicht im Dunkeln". Der meistens so unberechenbare Darsteller scheint auch hier von Zeit zu Zeit den irren Blick an den Tag zu legen, seine Impulsivität schreckt auf, seine Ausraster aus dem Nichts irritieren und in Verbindung mit seinen sarkastischen Kostproben besteht insgesamt ein unbehaglicher Eindruck angesichts der interpretierten Figur, der aber auf darstellerischer Ebene gleichzeitig seine brillanten Züge preisgibt. Ingrid van Bergen als halbseidene Gloria weiß ebenso zu überzeugen, wenngleich sie Überraschungen vermissen lässt und gibt eine der wenigen Gesangsdarbietungen der Reihe zum Besten, und zwar auf der kleinen Bühne des Kosmos-Club, dem Umschlagplatz für Drogen, Erpressung und Mord. Außergewöhnliches in Sachen Rhetorik und Spiellaune bekommt man von Albert Lieven angeboten, der den schmierigen Geschäftsmann Lyne mit Dutzenden Gesichtern der Verachtenswürdigkeit ausstaffiert. Mit Peter Illing, Jan Hendriks und Marius Goring nimmt man weitere Gestalten aus dem Zwielicht wahr, die souverän interagieren und sich immer wieder glaubhaft in den Fokus spielen können. Eine ebenfalls genaue Betrachtung verdient Walter Gotell als Oberinspektor Whiteside, der auf den ersten und sogar auch auf den zweiten Blick recht wenig mit dem bislang präsentierten Rollenschema des Ermittlers zu tun hat. Dennoch hat seine Darbietung etwas Erfrischendes an sich, da er sich weder um Sympathien bemüht, noch an unnötigen Höflichkeiten interessiert zu sein scheint.

Einen ganz bemerkenswerten Coup im Bereich der überdurchschnittlich ausgewogenen Besetzung stellt die Verpflichtung von Christopher Lee dar, hier als zweiter Co-Ermittler Ling Chu. Mit chinesischen Weisheiten und bissiger Doppelzüngigkeit steht er den Verantwortlichen bei, verfolgt aber ganz offensichtlich eigene Ziele, die lange unklar bleiben. Seine Methoden sind unorthodox und bewegen sich häufiger an den Grenzen der Legalität, doch wie es eben so ist, heiligt der Zweck schließlich alle Mittel. Lee veredelt die tückische Geschichte mit seiner ganz speziellen Note und es bleibt zu sagen, dass Regisseur Ákos von Ráthonyi eine insgesamt hervorragende Besetzung zur Verfügung gehabt hat, bei der er eine gute Schauspielführung unter Beweis stellen konnte. Die Geschichte präsentiert innerhalb mehrerer gut verknüpfter Handlungsstränge ein recht hohes Tempo und immer wieder beunruhigende Bilder die in Atem halten, eine ungewöhnliche aber forcierende musikalische Gesamtkomposition sorgt für die richtigen Momentaufnahmen. Sicherlich tauchen ganz im guten Ton derartiger Kriminalfilme Wendungen, Erklärungen und sogar Lösungen auf, die wie aus dem Nichts herbeigezaubert zu sein scheinen, aber so wird letztlich nur das oberste Gebot einer derartigen Produktion bedient, keinen Leerlauf oder vielleicht sogar Stillstand entstehen zu lassen. Diese Geschichte aus dem Drogenmilieu vermittelt eine, für Edgar-Wallace-Verhältnisse, ungewohnte Härte und Sterilität, die möglichen Anflügen eines Märchencharakters und der Stagnation eine deutliche Abfuhr erteilen. Unterm Strich bleibt zu betonen, dass das Funktionieren der Kriminalfälle im Wallace-Orbit sehr häufig Ermessenssache bleibt, das eng und ausgiebig an persönliche Präferenzen gekettet ist, doch der beste Schwarzweiß-Film der Serie heißt womöglich tatsächlich "Das Geheimnis der gelben Narzissen". Ein Spitzenbeitrag!


Last edited by Prisma on 02.02.2020 20:25, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN - Ákos von Ráthonyi
PostPosted: 28.03.2016 13:34 
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Prisma wrote:
Ein Spitzenbeitrag![/align]


... und das nicht nur innerhalb der Wallace-Verfilmungen. DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN ist auch für den Deutschen Genrefilm unverzichtbar.

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN - Ákos von Ráthonyi
PostPosted: 28.03.2016 14:38 
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sid.vicious wrote:
DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN ist auch für den Deutschen Genrefilm unverzichtbar.

Finde ich auch. Mir gefällt es sehr gut, dass er andere Akzente setzt, ohne dabei untypisch zu wirken.
Bei den Wallace-Vertretern in Schwarzweiß greife ich jedenfalls am häufigsten zu den "gelben Narzissen".


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