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 Betreff des Beitrags: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 01.12.2011 23:14 
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Dr. Mabuse Box von Universum Film


Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (Deutschland, Italien, Frankreich 1960, Originaltitel: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse)

Es muss nicht immer Edgar Wallace sein...

Kommissar Kras (Gert Fröbe) bekommt es mit einem äussert rätselhaften Mordfall zu tun. Ein Journalist wurde mit einer hochmodernen Waffe getötet, die kleine Stahlnadeln mit verheerender Präzision verschiessen kann. Derweil hat der schwerreiche Henry B. Travers (Peter van Eyck) grosse Mühe ein anderes Leben zu retten. Er kann die lebensmüde Marion Menil (Dawn Addams) vor dem finalen Sprung in die Tiefe bewahren, die junge Frau wollte sich aus einer der oberen Etagen des Hotel Luxor in den Tod stürzen. Interessanterweise scheint das Hotel in Zusammenhang mit einigen Straftaten zu stehen, die Ermittler fühlen sich an den legendären Superverbrecher Dr. Mabuse erinnert, der allerdings seit etlichen Jahren unter der Erde liegt. Kras nimmt das Luxor genauer unter die Lupe, er trifft dort auf den aufdringlichen Versicherungsfritzen Hieronymus B. Mistelzweig (Werner Peters), den hilfsbereiten Hotelangestellten Berg (Andrea Checchi) und weitere -teils fragwürdige- Gestalten. Die Ermittlungen erweisen sich als verdammt harte Nuss, welches Geheimnis verbirgt sich in dem von den Nazis erbauten Gebäude...???

Fritz Lang inszenierte bereits die Mabuse-Klassiker aus den zwanziger und dreissiger Jahren, ergo lag es nahe ihm auch für den Neustart die Regie zu übertragen. Einer der Produzenten war der clevere Geschäftsmann Artur Brauner (CCC-Film), der mit Dr. Mabuse auf der Krimiwelle der damaligen Zeit ritt, welche 1959 durch die Rialto-Produktion "Der Frosch mit der Maske" ausgelöst wurde. Der Rest ist Geschichte, bekanntlich war "Der Frosch mit der Maske" die erste deutsche "Nachkriegs-Wallace-Verfilmung". Mehr dreissig als Streifen folgten unter dem Banner Edgar Wallace, auch dessen Sohn musste herhalten (Bryan Edgar Wallace), Dr. Mabuse brachte es in den sechziger Jahren auf immerhin sechs Filme. Auffällig ist die Abgrenzung zu den Wallace-Filmen, während man dort gern auch auf Humor (manchmal Klamauk) baute, gibt sich Dr. Mabuse ernsthafter -obschon nicht humorlos- fraglos deutlich subtiler in der Disziplin Vertiefung der Lachfältchen. Fritz Lang verzichtete nicht nur weitgehend auf Albernheiten, er reduzierte auch die üblichen Schauwerte auf ein Minimum, Nebelschwaden und finstere Gewölbe sind hier Mangelware. Weniger gut kommt die Presse davon, Reporter kreisen wie gierige Aasgeier über dem Szenario, schaulustige Passanten offenbaren widerwärtige Charaktereigenschaften. Die Kamera wurde von Karl Löb bedient, einem erfahrenen Könner, der zum Gelingen etlicher Wallace- und Karl May-Streifen beitrug, sogar den unvergessenen Heinz Erhardt für die Nachwelt auf Film bannte.

Lang konnte auf ein grandioses Ensemble bauen, beim ersten Blick auf die Besetzungsliste bleiben die Augen freilich am Namen Gert Fröbe kleben. Fröbe spielt erwartungsgemäß stark, wirkt auf mich aber stets ein wenig gebremst, ich vermisse lautes Gepolter und bissige Kernigkeit. Aber! Hier ist die Rede von Gert Fröbe, er ist auch mit 90% Einsatz ein Ereignis, selbst wenn er nur stumm in der Ecke sitzen würde, hätten viele vermeintlich "grosse" Schauspieler seiner beeindruckenden Präsenz kaum etwas entgegenzusetzen. Peter van Eyck gibt den zielstrebigen und bemüht charmanten Mann von Welt, mir gefällt er als ruchloser Fiesling besser, als Beispiel sei "Der Schnorchel" (The Snorkel, 1958) genannt. Werner Peters sorgt dann doch für eine kleine Prise Humor, er darf ordentlich aufdrehen, ist für mich der heimliche Star des Streifens. Andrea Checchi ringt ständig mit der Contenance, der von mir sehr geschätzte Ekelschädel Howard Vernon ist in einer kleinen Nebenrolle als kaltblütiger Killer zu sehen. Dawn Addams ist nicht mehr als eine nette "Damenbeigabe", so manchens Fräuleinwunder aus Deutschland hätte Frau Addams locker ausgestochen, die mir eine Spur zu bieder und glatt anmutet. Gestandene Schauspieler wie z. B. Wolfgang Preiss und Albert Bessler sind zu bestaunen, wegen Spoilergefahr möchte ich nicht näher auf weitere Mitwirkende eingehen. Der Film bietet eine starke Truppe auf, die jedoch zum Teil ihre Möglichkeiten nicht vollständig ausspielt.

Das Drehbuch kommt ohne Hänger daher, der Zuschauer wird an die Handlung gefesselt, die Auflösung ist gelungen. Hin und wieder wird auf die Nazivergangenheit des Schauplatzes hingewiesen, für das Deutschland der späten fünfziger-/frühen sechziger Jahre durchaus mutig, wollte man doch am liebsten nichts mehr von den Umtrieben des wahnsinnigen Österreichers und seiner willigen Vasallen wissen. "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" ist ein stilsicherer und sehr unterhaltsamer Kriminalfilm, eine sehenswerte Ergänzung/Erweiterung des Horizonts, der von den Platzhirschen aus dem "Edgar Wallace Kosmos" dominiert wird. Wer die Wallace-Filme mag, der sollte sich auf jeden Fall auch mit den Dr. Mabuse-Sausen beschäftigen, wem die Wallace-Filme eine Spur zu humorig erscheinen, der sollte es ebenfalls mit Dr. Mabuse probieren. Mir liegt das "Dr. Mabuses Meisterwerk" getaufte Box-Set von Universum vor, welches alle sechs Mabuse-Streifen aus den sechziger Jahren enthält:

• Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960)
• Im Stahlnetz des Dr. Mabuse (1961)
• Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (1962)
• Das Testament des Dr. Mabuse (1962)
• Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (1963)
• Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (1964)


Die DVDs kommen in einem schicken Digipak ins Haus, das von einem nicht minder hübschen Schuber umhüllt wird. Ferner liegt ein Booklet bei, in dem Auszüge aus einem Buch des leider kürzlich verstorbenen Wallace-Experten #1 Joachim Kramp zu lesen sind. Der von Kriminalfilmfreunden (und nicht nur denen) sehr geschätzte Joachim Kramp, hinterlässt eine nicht zu schliessende Lücke im "Wissensgebiet Wallace und Co.". An der Qualität der DVD gibt es nichts zu meckern, Universum präsentiert den Auftakt der Mabuse-Reihe in schöner Verfassung. Für Fans (und solche die es werden wollen) stellt diese Box einen unverzichtbaren Pflichtkauf dar!

Fazit: Guter Start einer packenden Reihe, auch wenn das unbestimmte Gefühl zurückbleibt, dass die Beteiligten vor und hinter der Kamera zu (noch) mehr fähig gewesen wären.

7/10 - dickes, fettes und knuffiges GUT!

Lieblingszitat:

"Schreibt ihr schon so gesalzene Rechungen, dass eure Gäste aus dem Fenster springen?"

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Blap V 3.0 regaining paradise

***
Vom Ursprung her verdorben


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 18:12 
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vor ein paar Tagen meine schon etwas betagtere Aufnahme auf Arte gesehen. Bin immer noch Begeistert. Mich lächelt die Box gerade ungeheuer an.

Könnte mir vorstellen, dass diese Reihe mir besser zu gemühte führt als Edgar Wallace. Denn bin im Normalfall nicht soo der Freund von humorigen Streifen.

Box kommt auf die Einkaufsliste. Leider momentan nicht so flüssig das ich direkt drauf los kaufen kann.

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Letterboxd


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 18:23 
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Bei der Box kann man nicht viel verkehrt machen und mit den sechs Teilen hat man trotz gleichen Strickmusters eine recht bunte Mischung.
"Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" gilt ja als DER Mabuse-Film der Reihe und ist wirklich sehr unterhaltsam und spannend.
Mir persönlich gefällt der Nachfolger "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" wesentlich besser, da stimmt für mich einfach alles.
Naja, und "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse", der ja nicht ein so großes Ansehen genießt, ist mein persönlicher Geheimtipp.
Doch da warte ich ja meistens vergeblich auf Zustimmung. :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 18:38 
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Da gebe ich Dir recht, Stahlnetz ist für mich auch der beste, und Todesstrahlen
gefàllt mir auch sehr gut, du bist allso nicht alleine mit deiner Meinung :)

Könnte mir die Box die tage nochmal ansehen :)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 19:51 
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Easternfan hat geschrieben:
Todesstrahlen gefàllt mir auch sehr gut, du bist allso nicht alleine mit deiner Meinung :)

Oh cool! 8-) Aber du gibst mir doch bestimmt recht, dass man das nicht alle Tage zu hören bekommt.
Wie sieht denn die komplette Rangliste bei dir aus? Vielleicht gibts ja noch Übereinstimmungen? :)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:13 
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Prisma hat geschrieben:
Easternfan hat geschrieben:
Todesstrahlen gefàllt mir auch sehr gut, du bist allso nicht alleine mit deiner Meinung :)

Oh cool! 8-) Aber du gibst mir doch bestimmt recht, dass man das nicht alle Tage zu hören bekommt.
Wie sieht denn die komplette Rangliste bei dir aus? Vielleicht gibts ja noch Übereinstimmungen? :)



Nein da gebe ich Dir recht, aber ich fand die idee auf der insel usw. Mal was anderes.

Meine Rangliste :
1) stahlnetz des dr.mabuse, fröbe und barker in top form, schöner gruselkrimmi ohne humor.
2) weckselt je nach dem mit platz drei aber ich nehm ihn mal auf 2, Die 1000 Augen,
Braucht man nicht mehr viel zu sagen zu dem teil :)
3) unsichtbaren krallen, auch barker und dor in spiellaune lowitz auch nicht schlecht und wer möchte nicht msl gerne unsichtbar sein :D.
4) todesstrahlen mit van eycke zwar etwas humor drinnen aber mal was anderes,ich weiss viele
hassen den!
5) testament, hatte mich auf fröbe gefreut,aber juhnke und schmid, nerven mich nur, auch mit dem humor fand ich un passend.
6) scotland yard, hatte ich mehr von damalz erwartet, van eyck,kinski,peters,borsche ist für mich der schlechteste teil. Aber imnernoch gutes mittelmass zu anderen krimis!


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:27 
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Easternfan hat geschrieben:
Nein da gebe ich Dir recht, aber ich fand die idee auf der insel usw. Mal was anderes.

Vor allem auch, was die Figur des Dr. Mabuse angeht. Hat mir immer schon sehr gut gefallen.

Meine Liste ist der von dir recht ähnlich, zumindest vergleichsweise: :D

01 "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse"
02 "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse"
03 "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse"
04 "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse"
05 "Scotland-Yard jagt Dr. Mabuse"
06 "Das Testament des Dr. Mabuse"


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:35 
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Prisma hat geschrieben:
Easternfan hat geschrieben:
Nein da gebe ich Dir recht, aber ich fand die idee auf der insel usw. Mal was anderes.

Vor allem auch, was die Figur des Dr. Mabuse angeht. Hat mir immer schon sehr gut gefallen.

Meine Liste ist der von dir recht ähnlich, zumindest vergleichsweise: :D

01 "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse"
02 "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse"
03 "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse"
04 "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse"
05 "Scotland-Yard jagt Dr. Mabuse"
06 "Das Testament des Dr. Mabuse"



Ja die Dr. Mabuse Figur ist da mal etwas anders.

Dir gefällt Testament auch nicht sonderlich sehe ich, könnte bei mir auch den letzten platz einnehmen,
erinnere mich da auch an so tolle figuren wie augapfel joe und zehn finger harry oder so :roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:40 
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In Stahlnetz des Dr. Mabuse ist und bleibt für mich der beste,
Top gruselkrimi wie sie beworben wurden, mit einer super besetzung!!!

Aber wir haben in etwar den selben geschmack in der Richtung, habe ich
schon paar mal gemerkt :)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:40 
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Easternfan hat geschrieben:
Dir gefällt Testament auch nicht sonderlich sehe ich, könnte bei mir auch den letzten platz einnehmen,
erinnere mich da auch an so tolle figuren wie augapfel joe und zehn finger harry oder so :roll:

Das waren "Augapfel Rolf", "Paragraphen Joe" und "Kurzschluss Henry", etc...
Ach ja, und natürlich noch die "Wackel-Heidi"! :lol:

Aus dem Film hätte man vielleicht was machen können, aber die Sachen, die du bereits angesprochen hast, finde ich auch störend, und da kommen noch mehrere dazu.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:42 
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Easternfan hat geschrieben:
In Stahlnetz des Dr. Mabuse ist und bleibt für mich der beste,
Top gruselkrimi wie sie beworben wurden, mit einer super besetzung!!!

Finde ich auch. Den hatte ich dieses Jahr in Köln sogar im Kino gesehen, das war schon ein kleines Erlebnis!


Easternfan hat geschrieben:
Aber wir haben in etwar den selben geschmack in der Richtung, habe ich
schon paar mal gemerkt :)

Ist mir auch nicht entgangen! :D


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:45 
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Prisma hat geschrieben:
Easternfan hat geschrieben:
Dir gefällt Testament auch nicht sonderlich sehe ich, könnte bei mir auch den letzten platz einnehmen,
erinnere mich da auch an so tolle figuren wie augapfel joe und zehn finger harry oder so :roll:

Das waren "Augapfel Rolf", "Paragraphen Joe" und "Kurzschluss Henry", etc...
Ach ja, und natürlich noch die "Wackel-Heidi"! :lol:

Aus dem Film hätte man vielleicht was machen können, aber die Sachen, die du bereits angesprochen hast, finde ich auch störend, und da kommen noch mehrere dazu.


Genau das waren die, kam nicht mehr auf alle länger nicht mehr gesehen, ja da war viel mehr drin!

Das glaube ich, wo lief der denn im kino in köln?


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 20:50 
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Easternfan hat geschrieben:
Das glaube ich, wo lief der denn im kino in köln?

Der lief beim "Besonders Wertlos"-Festival, als krönender Abschluss im Filmhauskino in Köln.
Hatte solche Krimi-Kost nämlich noch nie zuvor auf großer Leinwand gesehen.

Edit: Da wäre ich aber auch für jeden anderen Teil der Reihe hingepilgert. :D


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 04.08.2016 21:04 
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Schade, den hàtte ich auch gerne im kino gesehen.
Muss mal mehr drauf achten wenn sowas ist, köln ist von mir ca 50km.
Am 26.8 läuft da auch eine doppelvorstellung mit Der Mann mit der Todeskralle und Godzilla Kampf gegen die Teufelsmonster.
Aber so wie es aussieht muss ich da arbeiten :|


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 14.05.2018 14:46 
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Dawn Addams   Peter van Eyck   in

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● DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE / IL DIABOLICO DOTTOR MABUSE / LE DIABOLIQUE DOCTEUR MABUSE (D|I|F|1960)
mit Gert Fröbe, Werner Peters, Andrea Checci, Marielouise Nagel, David Cameron, Reinhard Kolldehoff, Howard Vernon,
Linda Sini, Nico Pepe, Renate Küster, Jean-Jacques Delbo, Lotti Alberti, Rolf Weih, Albert Bessler und Wolfgang Preiss
eine Gemeinschaftsproduktion der cCc Filmkunst | C.E.I. Incom | Critérion Film | im Prisma Filmverleih
ein Film von Fritz Lang


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»Miese Zeiten und miese Geschäfte!«

Der Fernsehreporter Peter Barter wird tot in seinem Wagen aufgefunden, nachdem er seinem Sender angekündigt hatte, einen Skandal von großer Tragweite aufzudecken. Da man bei der Obduktion der Leiche eine Stahlnadel im Gehirn fand, schalten sich BKA und Interpol ein. Hier erinnert man sich an den wahnsinnigen Superverbrecher Doktor Mabuse, der allerdings vor über 25 Jahren in einem Sanatorium starb. Es ereignen sich allerdings weitere Verbrechen, die immer wieder zu diesem Namen führen. Lebt Dorktor Mabuse etwa noch, oder hat jemand sein teuflisches Erbe angetreten? Kommissar Kras (Gert Fröbe) geht dieser Spur nach und schon bald folgt ein Mordanschlag auf ihn. Viele Spuren führen in das Hotel Luxor, wo sich die Amerikanerin Marion Menil (Dawn Addams) kürzlich aus einem der oberen Stockwerke stürzen wollte und tatsächlich scheint sie eine Schlüsselfigur in diesem Fall zu sein. Kras jagt ab sofort einem Phantom hinterher, das immer wieder zuschlägt...

Regisseur Fritz Lang inszenierte in den Jahren 1922 ("Dr. Mabuse, der Spieler") und 1933 ("Das Testament des Dr. Mabuse") bereits zwei Verfilmungen, die sich mit dem größenwahnsinnigen Verbrecher befassten, und nahm 1960 wieder auf dem Regiestuhl platz, um "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" zu realisieren. Bereits sieben Jahre zuvor erwarb Produzent Artur Brauner die Nutzungsrechte von Norbert Jacques, dem Verfasser der Romanvorlagen, und die Produktion wurde über lange Hand geplant. Da der Großverleih Constantin-Film Ende der 50er Jahre erfolgreich mit der Edgar-Wallace-Reihe in den Kinos durchstartete, war auch die Zeit für diesen ersten von sechs "Mabuse"-Teilen gekommen, der mit großer Starbesetzung aufwarten kann, zumindest im oberen Segment. Im Bereich der zeitgenössischen Kriminalfilme genießt Fritz Langs Beitrag einen Klassiker-Status, was zum einen sicherlich mit seiner Regie-Arbeit zusammenhängt, zum anderen aber auch mit dem Vergleich zu diversen Artgenossen. Am Tag der Uraufführung wurde der Film schließlich mit dem »Prädikat wertvoll« ausgezeichnet. Der Verlauf setzt auf Verwirrung und Härte, wobei es hier noch nicht so sehr ausgereizt wurde, wie beispielsweise im Harald Reinls ebenfalls sehenswertem Beitrag "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse". Interessant ist die Strategie, den sagenumwobenen Superverbrecher einfach wieder auferstehen zu lassen, sodass er für Angst und Schrecken sorgen kann. Selbstverständlich schwingt stets das Thema Weltherrschaft mit und mit "Doktor Mabuse" sieht nimmt man einen perfiden Strategen wahr, der durch Überwachung, Manipulation und Mord letztlich das totale Chaos anvisiert, um bestehende Weltbilder aus den Angeln zu heben, was seinen Wahnsinn nur unterstreichen will. Bereits die Eröffnungssequenz kann für Aufsehen sorgen, da der leise Mord, oder besser gesagt, der unsichtbare Tod zuschlägt, um die potentiellen Kontrahenten in machtlose Positionen zu zwingen.

Lange Strecken des Verlauf gleichen somit einem Mosaik, das sich nur mühsam zusammensetzen lässt, damit der Eindruck entstehen kann, dass der Doktor immer einen Schritt voraus ist. Der Film vereint internationale und bekannte deutsche Stars miteinander und ein paar von ihnen sollten noch richtige "Mabuse"-Veteranen werden, wie etwa Peter van Eyck, Gert Fröbe, Werner Peters, Albert Bessler und natürlich Wolfgang Preiss. Dawn Addams kann sowohl in darstellerischer als auch vermarktungstechnischer Hinsicht als großer Coup der Produktion angesehen werden. Längst bekannt als internationaler Star, war sie vor Fritz Langs Beitrag schon in einigen deutschen Spielfilmen zu sehen, sodass es der Kinogänger durchaus mit einem bekannten Gesicht zu tun bekam. Addams zeichnet die Frau von Welt perfekt, allerdings lässt sie auch genügend Spielraum für innere Abgründe. Marion Menil wirkt geheimnisvoll und getrieben, ihre Melancholie wirkt in manchen ihrer Szenen nahezu vereinnahmend. Allerdings skizziert die Britin nicht das klassische schutzbedürftige Opfer, sondern bietet viele individuelle Nuancen an, von denen der Verlauf stark profitiert. Besondere Stärken entstehen mit ihrem ebenso starken Partner Peter van Eyck, dessen weltmännisches Profil ganz offensichtlich eine seiner kleinsten Fingerübungen gewesen sein muss. Als bekannter Geschäftsmann charakterisiert er Macht und Profit, was "Doktor Mabuse" anzieht, wie das Licht die Motte. Die bevorstehende Liaison wird in perfider Weise ausgenutzt, um den Industriellen gefügig zu machen, da er es sich schließlich erlauben kann im Zweifelsfall sagen zu können, dass Geld eben nicht alles sein darf. Zwischen Dawn Addams und Peter van Eyck entsteht eine selten kultivierte Form des Zusammenspiels, welches jedoch die Möglichkeit für kurze Momente der Intimität und der Zusammengehörigkeit nicht auslässt, daher sehr faszinierend wirken kann, zumal keine der handelsüblichen Schablonen aufgetischt wird.

Als Kommissar Kras ist ein wie immer authentisch wirkender Gert Fröbe am Werk, der sich teilweise ziemlich ungehobelt durch den schwierigen Fall arbeitet. In diesem Zusammenhang liefert er mit seiner aufbrausenden und kurz angebundenen Art regelrechte Expertisen darin, seinem jeweiligen Gegenüber unmissverständlich zu demonstrieren, was er von ihm hält. Fröbes Profil prägt nicht nur den Verlauf, er bietet auch eine willkommene Variation im Dunstkreis der Ermittler an. Angesichts des unsichtbaren Gegners ist es sogar nicht immer ganz klar, ob er diesen Fall lösen kann. Im Szenario wimmelt es geradezu von zwielichtigen Gestalten und hier sind es insbesondere hervorragend aufspielende Interpreten wie Andrea Checci, Werner Peters, Reinhard Kolldehoff, Howard Vernon oder Wolfgang Preiss, die für Momente des Misstrauens oder Grauens sorgen. "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" vereint klassische Elemente des Kriminalfilms und Thrillers in sehr ausgewogener Weise miteinander, sodass sich Spannung und Tempo optimal entfalten können. Betrachtet man die gut verständliche und flüssig erzählte Geschichte, hat man es im Endeffekt vielleicht mit demjenigen Film der Reihe zu tun, der am meisten Logik transportiert, was in den folgenden Teilen manchmal nicht mehr Hauptaugenmerk gewesen ist. Verbrechen, Gewalt und Mord lauern schließlich in jeder einzelnen Minute und die Reihen werden nicht gerade zimperlich gelichtet, was jedoch die unerbittliche Attitüde des "Doktor Mabuse" nur unterstreichen wird. Nach vielen Turbulenzen und einigen sehr stimmungsvoll inszenierten Aha-Effekten bekommt der geneigte Zuschauer ein standesgemäßes Finale offeriert, das nicht nur Überraschungen mit sich bringt, sondern auch den Weg frei gemacht hat für weitere Verfilmungen. Alles in allem handelt es sich bei Fritz Langs Adaption um einen handwerklich gut gemachten Krimi und den perfekten Einstieg in die skrupellose "Mabuse"-Welt. Durch und durch sehenswert!


— ITALO-CINEMA —


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 14.05.2018 20:30 
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Prisma hat geschrieben:
Bereits die Eröffnungssequenz kann für Aufsehen sorgen, da der leise Mord, oder besser gesagt, der unsichtbare Tod zuschlägt, um die potentiellen Kontrahenten in machtlose Positionen zu zwingen.


Mit dieser eindrucksvollen Szene - Du meinst doch die Auto-Sequenz, oder? - ruft Lang gleich einmal eine Schlüsselszene aus seinem Ur-"Mabuse" von 1921 ins Gedächtnis zurück... es ist wirklich sehr begeisternd, wie Lang hier durch vollständiges Nicht-Zeigen die größte Spannung erzeugt, da der Zuschauer den ganzen Mord erst in seiner Fantasie erschaffen muss...

ansonsten scheint Lang so einige Elemente aus seiner (nicht immer kommerziell erfolgreich gewesenen) USA-Zeit eingebracht zu haben; der Grad der Gewalttätigkeiten und mancher Sadismus (zum Beispiel das Hinlegen der Pistole, damit sich das eingeschlossene Paar erschießen kann und nicht an Hunger sterben muss) könnte so auch in "Heißes Eisen" vorgekommen sein, den ich in seiner Rücksichtslosigkeit - vor allem wegen der Figur, die Lee Marvin spielt - extrem mag... auch die Autoverfolgungsfahrt am Schluss, wo die Scheiben ausgeschlagen werden etc., habe ich so nur selten in einem deutschen Krimi der damaligen Zeit gesehen...

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wie Du an anderer Stelle ja schon geschrieben hast, so waren die nachfolgenden Mabuse-Teile wieder etwas zurückgenommener, was jetzt den internationalen Charakter betrifft...


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 16.05.2018 13:34 
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Howard Vernon hat geschrieben:
Mit dieser eindrucksvollen Szene - Du meinst doch die Auto-Sequenz, oder?

Genau, als Howard Vernon den Nachrichtensprecher liquidiert. Diese Szene wirkt ziemlich eindringlich, da sie quasi lautlos geschieht und man außer einem unschuldigen "Klack" des Gewehrs nichts weiter hört. Alarmierend für den Verlauf ist vor allem, dass der Mord in aller Öffentlichkeit geschehen konnte und niemand etwas mitbekommen hat. Außerdem wirkt die Waffe - die eine Stahlnadel ins Gehirn schießt - sehr perfide, könnte also jeden treffen. "Dr. Mabuse" lässt nicht nur töten, er schaltet seinem Opfer also buchstäblich das Gehirn - das Denken - ab, damit die belastenden Informationen verlorengehen. Ein sehr guter Einfall, wie ich finde und ein guter Opener für das Bevorstehende. Leider sieht man auch einen Schnitzer, denn in einem kurzen Moment kann man anhand einer Felge sehen, dass sich Barters Auto nicht bewegt. Auch im Inneren des Autos; das ist alles zu sehr Studio-like. Aber nichtsdestotrotz handelt es sich um eine der Szenen, die am meisten in Erinnerung bleiben werden.

Ansonsten stimme ich da vollkommen zu, dass viele Szenen ungewöhnlich für einen deutschen Kriminalfilm dieser Zeit waren. Lang spielt viel mit der Imagination, auch mit Grundängsten der Zuschauer, indem er die Veranschaulichung vorenthält und häufig nur Details oder Dialogstrecken bietet, die vom Zuseher weitergeführt werden. Reinhard Kolldehoff als "Klumpfuß" ist da ein gutes Beispiel. Man sieht nur sein Handicap, das in Verbindung mit seiner kriminellen Energie und den weiteren Informationen über ihn ein absolut abstoßendes Bild zeichnet. Sehr gut war beispielsweise auch der Einfall, bei der Verfolgungsjagd gegen Ende, dass ein verwundeter Komplize einfach wie unbrauchbarer Ballast aus dem fahrenden Wagen gestoßen wird. Solche Szenen haben in einigen Filmen der Reihe gefehlt, auch wenn es nur Details am Rande sind. Wichtig sind sie aber schon, da sie die Skrupellosigkeit des "Dr. Mabuse" unterstreichen, die oftmals viel zu schwach herausgearbeitet wurde.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 02.07.2018 20:54 
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Ich weiß leider nicht wirklich was ich davon halten soll. Auf der anderen Seite wird der Film so vielleicht einem Publikum näher gebracht die den nicht kennen und auch nie kennenlernen würden.
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 02.07.2018 21:53 
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Minos hat geschrieben:
Ich weiß leider nicht wirklich was ich davon halten soll. Auf der anderen Seite wird der Film so vielleicht einem Publikum näher gebracht die den nicht kennen und auch nie kennenlernen würden.
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Ich bin ja normalerweise völlig aufgeschlossen aber ich glaube ich halte da gar nichts davon. Wer will sich das ansehen?


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE - Fritz Lang
BeitragVerfasst: 06.08.2018 14:10 
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Geschlecht: weiblich
BEWERTET: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (Deutschland 1960)
mit: Wolfgang Preiss, Gert Fröbe, Peter van Eyck, Dawn Addams, Werner Peters, Andrea Checchi, Albert Bessler, Howard Vernon, Reinhard Kolldehoff, David Cameron, Nico Pepe, Marielouise Nagel, Wolfgang Völz, Manfred Grothe, Linda Sini, Hans W. Hamacher, Renate Küster, Lotti Alberti u.a. | Drehbuch: Fritz Lang und Heinz Oskar Wuttig nach Motiven von Norbert Jacques | Regie: Fritz Lang

Der Fernsehreporter Peter Barter ist unterwegs zu seinem Sender. Er hat den Knüller des Jahres im Gepäck, eine Enthüllung, die offenbar aus seinem jüngsten Besuch im "Hotel Luxor" resultiert. Doch Barter kann die Öffentlichkeit nicht mehr informieren, er wird am Steuer seines Wagens hinterrücks erschossen. Kriminalkommissar Jochen Kras erhält zeitgleich einen Anruf von Peter Cornelius, einem Hellseher, der der Polizei schon öfter wichtige Hinweise geben konnte. Er behauptet, Barter wäre das Opfer eines Mordes geworden, während die Polizei zunächst annimmt, es handele sich um einen Herzschlag. Bald darauf kommt es im "Hotel Luxor" erneut zu einer aufsehenerregenden Begebenheit: Frau Menil, ein Hotelgast, will sich durch einen Sprung in die Tiefe das Leben nehmen....

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"Fritz Langs Versuch, seinen künstlerischen Erfolg mit demselben Stoff aus den Dreißiger Jahren zu wiederholen, geht gründlich schief. Kritiker in Frankreich erkennen darin hohe Kunst." Zweifellos war zu erwarten, dass Fernsehregisseur Michael Strauven in seiner Gert-Fröbe-Biografie "Jedermanns Lieblingsschurke" (Rotbuch Verlag 2012) die komplette Mabuse-Reihe als "uninteressant" abqualifiziert. Zum Glück differenziert der geneigte Filmzuschauer und bildet sich ein eigenes Urteil. Längst ist die sechs Filme umfassende Kriminalserie aus den Sechziger Jahren Kult geworden, wobei sich natürlich Stärken und Schwächen zeigen, wie immer, wenn aus einer Figur, die zum Selbstläufer geworden ist, der letzte Tropfen Gewinn herausgepresst wird. Den Auftakt bildet mit der Rückkehr Fritz Langs auf deutschem Regiestuhl "1000 Augen des Dr. Mabuse", eine moderne und temporeiche Hommage an die Klassiker der Weimarer Republik. Mittlerweile ist der "braune Spuk" vorbei, obwohl in den dunklen Ecken immer noch Überbleibsel wie Spinnweben hängen und der Schauplatz des Verbrechens von seinen Anfängen in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs überschattet bleibt. Bereits der Vorspann suggeriert eine Gefahr, die nicht greifbar ist. Das Gefühl, beobachtet zu werden, steht sinnbildlich für das zeitliche Umfeld, in dem der Film entstanden ist. Der technische Fortschritt, der eine totale Überwachung möglich macht und das Individuum im Atomzeitalter zu einer jederzeit angreifbaren Zielscheibe werden lässt, spielt natürlich auch dem Vorreiter des Verbrechens in die Hände. Dr. Mabuse ist kein Nostalgiker; er bediente sich zu jeder Zeit der neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften und nutzte jede noch so futuristisch scheinende Erfindung für seine finsteren Zwecke.

In schneller Abfolge werden Ereignisse abgewickelt, die wie Zahnräder ineinandergreifen, auf den ersten Blick jedoch wenig miteinander zu tun zu haben scheinen. In perfekter Choreografie wird das Publikum in einen Strudel von Eindrücken hineingezogen, der das Interesse bereits in der ersten Filmminute weckt und sich nicht lange mit Porträts der handelnden Personen aufhält. Der unheimlich wirkende Hellseher, der joviale Versicherungsvertreter, die paralysierte Schöne auf dem Fenstersims, der zupackende Kommissar und der kühle Geschäftsmann aus den USA bilden ein Gespann, das sich zu einer authentischen Gemeinschaft fügt, wo jede und jeder seinen Platz einnimmt und unverwechselbar und glaubhaft agiert. Die elegante und weitgehend sterile Atmosphäre des Hotelkomplexes bildet den perfekten Rahmen für die Fäden, welche die Spinne Dr. Mabuse webt und an denen seine Figuren wie Marionetten hängen. Noch ist der Verbrecher in verschiedenen Verkleidungen präsent, noch zeigt er sich in einer seiner vielen Masken dem Publikum. Leider wird dieser Aktionismus mit jedem weiteren Film weniger, bis er nur mehr als Schatten an der Wand präsent ist und sein Geist still und leise entschwindet. Dabei ist es für das Gelingen des Filmes unablässig, dass die Anwesenheit des teuflischen Misanthropen immer wieder betont wird. Ein ebenbürtiger Gegner ist das Mindeste, was einer starken Ermittlerfigur wie Kommissar Kras oder Kommissar Lohmann zusteht. Nicht umsonst dominiert die Polizei in ihrer mannigfaltigen Erscheinung (Kriminalpolizei, Bundeskriminalamt, Interpol) den Film ebenso wie der titelgebende Kapitalverbrecher. Noch stimmt die Balance zwischen Gut und Böse, noch stehen sich ebenbürtige Männer gegenüber, deren Methoden unkonventionell und deren Erscheinungsbild charismatisch ist.

Zu den unbestrittenen Stärken der Produktion gehört in erster Linie die Besetzung. Das Who's who der deutschen Schauspielgarde geht eine Symbiose mit internationalen Darstellern ein, wobei nicht einmal der Fakt, dass einige Personen synchronisiert worden sind, störend ist. Im Gegenteil: Harry Wüstenhagen gibt dem Hoteldetektiv Berg erst seine schmeichelnde Unverbindlichkeit. Die Wahl für die Rolle des dominanten Kriminalkommissars fiel mit Gert Fröbe auf einen Schauspieler, der überzeugend sowohl Sünder als auch Pfarrer und sowohl Mörder als auch Polizeibeamte spielen konnte. Wenn man ihn bei seiner Suche nach dem Phantom hinter der dunklen Wolke beobachtet, hat man nicht das Gefühl, einem Darsteller zuzusehen, der seinen Text auswendig gelernt hat, sondern einen Mann zu begleiten, für den es nichts Wichtigeres gibt als den hinterhältigen Dr. Mabuse dingfest zu machen. Seine wuchtige Erscheinung, die unverstellte Mimik und sein deutlich hörbarer sächsischer Akzent, der ihn neben den kultivierten Preiss und van Eyck noch volkstümlicher wirken lässt, runden das Bild eines Kriminalers ab, dem man zutraut, sich mit dem Teufel höchstpersönlich zu messen. Werner Peters kann seine Stärken ebenfalls deutlich ausspielen und zieht alle Register seiner Kunst. Die Unverfrorenheit seines Auftretens, sein ausgeprägtes Selbstbewusstheit, seine Bauernschläue und die gekonnte Balance zwischen Sympathie und Aufdringlichkeit machen ihn zur wichtigen Schachfigur im Spiel um den König. Dieser begegnet uns in Wolfgang Preiss mit nordischer Distanz, präziser Kalkulation und willensstarker Fokussierung auf sein Ziel: die Ergreifung der Macht durch totale Kontrolle und Unterwerfung seiner Umgebung. Dawn Addams fungiert als elegante, jedoch gefühlsmäßig zutiefst verunsicherte Frau, deren Leben vom Wohlwollen der Männer abhängt, was im Kontrast zu ihrer souveränen, erhabenen Erscheinung steht.

Mabuse, der Großstadtmythos: Wieder einmal zeigt sich, dass ein Erbe sogar noch überzeugender agieren kann als der Erblasser. In Wolfgang Preiss hat Artur Brauner einen Mann gefunden, der Rudolf Klein-Rogge in Entschlossenheit und Überzeugungskraft übertrifft. Ebenso fungieren Gert Fröbe und Werner Peters ab sofort als kraftvolle Gegenspieler der unheimlichen Macht, wobei das Drehbuch präzise Abläufe und ein gelungenes Wechselspiel aus Deduktion und Action bietet. 4,5 von 5 Punkten


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