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 Betreff des Beitrags: ENCOUNTERS OF THE SPOOKY KIND - Sammo Hung Kam-Bo
BeitragVerfasst: 03.12.2017 12:17 
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Encounter of the Spooky Kind
(Spooky Encounters / Encounters of the Spooky Kind / Close Encounter of the Spooky Kind / Gui da gui / Gwai Ckui Gwai)
Hongkong 1980 - Directed by Sammo Hung Kam-Bo
Starring: Sammo Hung Kam-Bo, Peter Chan Lung, Chung Fat, Leung Suet-Mei, Lam Ching-Ying, Huang Ha, Wu Ma...


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Es läuft nicht so wirklich rund im Leben von Cheung (Sammo Hung Kam-Bo), einem ehrlichen, hart arbeitenden und etwas rundlichen jungen Mann, der in der Stadt als "Courageous Cheung, the bravest man in town" bekannt ist. Des Nachts quälen ihn gräßliche Alpträume, in denen er von bösartigen Geistern verfolgt wird, die ihn auffressen wollen, und seine Frau (Leung Suet-Mei) ist eine nörgelnde Schreckschraube, die ihn mit dem angesehenen Magistratsbeamten Tam (Huang Ha) betrügt. Als er die beiden eines Tages beinahe in flagranti erwischt, gerät er jedoch erst richtig in die Bredouille. Tam fürchtet, daß er ihm auf die Schliche kommen könnte, was seinen guten Ruf natürlich zerstören würde, und so beauftragt er den mächtigen Schwarzmagier Chin Hoi (Peter Chan Lung), das Problem, also den armen Cheung, zu beseitigen. Chin Hoi heckt sofort einen heimtückischen Plan aus und lockt sein Opfer in einen alten Tempel, indem er ihm ein unwiderstehliches Angebot unterbreitet. Hält es Cheung eine Nacht in dem unheimlichen Gemäuer aus, dann soll er reich belohnt werden. Doch bevor der böse Hexer dem ahnungslosen Tölpel den Garaus machen kann, mischt sich sein Bruder Tsui (Chung Fat) ins Geschehen ein. Der nutzt seine Magie für gute Zwecke und stellt sich entschlossen auf Cheungs Seite.

Mit Filmen wie The Iron-Fisted Monk (1977), Enter the Fat Dragon (Der kleine Dicke mit dem Superschlag, 1978), Warriors Two (1978) und Knockabout (1979) hat sich der am 7. Januar 1952 geborene Sammo Hung Kam-Bo bereits als Regisseur, Schauspieler und Action-Choreograph einen Namen gemacht, als er Anfang der 1980er-Jahre etwas Neues wagte und damit zusammen mit Tsui Hark (We're Going to Eat You aka Wir kommen und werden euch fressen) zum Trendsetter avancierte. Er verknüpfte Kung-Fu-Action mit Komödien- und Geisterhorror-Elementen und wurde - zur Überraschung (fast) aller - mit einem veritablen Kassenerfolg belohnt. Encounter of the Spooky Kind (aka Spooky Encounters) ist die innovative Vorlage, an deren Schema sich unzählige ähnlich gelagerte Produktionen (wie z. B. die populäre Mr. Vampire-Reihe) orientierten. Während Tsui Hark das damals international erfolgreiche Kannibalen-Motiv aufgriff und mit Slapstick und Kung-Fu-Gekloppe vermischte, schöpfte Sammo Hung seine Ideen aus dem reichhaltigen Fundus der asiatischen Mythologie. Der internationale Markt schien Hung und Ko-Autor Wong Ying völlig egal zu sein, ist Encounter of the Spooky Kind doch durch und durch ein Hongkong-Film, angefangen vom befremdlichen Humor bis hin zu den schrägen Kreaturen.

Man werfe nur mal einen Blick auf die skurrilen Jiang Shi (auch: Jiangshi, Jiang-shi, Gangshi oder Kyonshī), die nichtasiatischen Zuschauern bestimmt das eine oder andere ungläubige Grinsen entlocken. Denn diese Abart der Zombies bewegt sich vornehmlich hüpfend fort. Wir haben da also einen steifen, zu untotem Leben erweckten Leichnam, mit kreuz und quer aus seinem Mund ragenden Zähnen und einer ungesund bleichen Hautfarbe, der sich im Sarg langsam aufrichtet, die "Witterung" eines Menschen aufnimmt, um dann mit weit nach vorn gestreckten Armen elegant durch den Raum zu hopsen, auf der Suche nach seinem potentiellen Opfer. Cheung setzt sich allerdings energisch zur Wehr, um dem hüpfenden Grauen zu entkommen, was zu einem genial choreographierten Fight führt, hört der Jiang Shi (Yuen Biao) doch auch im Kampfmodus nicht auf zu hopsen. Außerdem kann er die Schwerkraft überwinden, wenn er sich längelang steif nach vorne lehnt, bis seine Nase fast den Boden berührt, nur um sich danach ebenso spielerisch wieder aufzurichten. Es gibt zwar ein paar wirkungsvolle Abwehrmaßnahmen gegen einen Jiang Shi (z. B. rohe Hühnereier), jedoch bergen diese das nicht unerhebliche Risiko, daß sie sich als wirkungslos entpuppen, falls man einem schäbigen Betrüger auf den Leim gegangen ist.

Außerdem macht Cheung die Bekanntschaft eines vermoderten Zombies, der aufgrund einer unvorsichtigen Berührung jede seiner Bewegungen imitiert (eine köstliche Sequenz!), sowie einer verunstalteten Geisterfrau, die ihre Arme meterweit strecken kann, um ihr Opfer zu fassen zu kriegen und durch einen Spiegel in ihre Welt zu entführen. Bei diesen herrlich schrägen Set-Pieces findet Hung eine tolle Balance zwischen Grusel und Humor, sodaß sich beide Elemente in etwa die Waage halten. Encounter of the Spooky Kind sprüht vor Witz, Energie, Charme und Ideenreichtum, wobei jedoch anzumerken ist, daß man in Bezug auf politische Korrektheit und Geschmackssicherheit bisweilen Abstriche in Kauf nehmen muß. Da kann es schon mal vorkommen, daß ein Geist nach dem Gesäß eines Typen grapscht, daß ein armes Huhn on screen enthauptet wird, oder daß ein billiger Gag auf Kosten eines Behinderten (in diesem Fall ein frisches Schlaganfallopfer) geht. Überhaupt ist der Hongkong-Humor sehr speziell; phasenweise sogar so speziell, daß es mich nicht wundern würde, wenn viele westliche Zuschauer nur mißbilligend den Kopf schütteln und sich fragen, was daran eigentlich lustig sein soll. Andererseits sind manche Einfälle so wunderbar bekloppt, daß man über das Gezeigte nicht wirklich böse sein kann.

Richtig rund geht es dann noch einmal im großen, ausgedehnten Showdown, wenn sich die feindlichen Parteien ein letztes Mal gegenüberstehen. Die beiden Magier hexen chinesische Gottheiten in die Körper ihrer Schützlinge, was dazu führt, daß der vom Affengott besessene Cheung wie ein Primat kämpft und dabei spricht, als wäre er mit Ecstasy vollgepumpt, würde Helium atmen und würde alles dransetzen, den aktuellen Schnellsprechweltrekord zu brechen. Originell choreographierte Kung-Fu-Action, halsbrecherische Stunts sowie ein atemberaubender Feuerstunt in schwindelerregender Höhe runden das furiose Finale perfekt ab. Und dem Ganzen setzt Sammo Hung dann noch die Krone auf, indem er den Zuschauern eine dermaßen politisch unkorrekte Schlußpointe (mit genialem Freeze-Frame-Ende) vor den Latz knallt, daß man völlig baff ist und einfach nur ungläubig staunen kann. In den Bereichen Schauspiel, Figurencharakterisierung, Kamera, Schnitt, Setdesign, Musik und Spezialeffekte ist Encounter of the Spooky Kind ziemlich durchwachsen, wobei die Bandbreite von exzellent bis schwach reicht. Aber das spielt keine große Rolle, da das Gesamtpaket einfach paßt. Der Film mag viele Ecken und Kanten und eine holprige, etwas episodenhafte Dramaturgie haben, aber bei all der Kreativität, der Energie und den kauzigen Ideen sieht man darüber gerne hinweg.

Falls dieser Text nun am Genre Hongkong-Horror-Komödie Interesse geweckt haben sollte, ist Encounter of the Spooky Kind wohl der perfekte Film für einen unverbindlichen Erstkontakt, allerdings sollte man auf eine möglicherweise kostspielige Nebenwirkung gefaßt sein: Der Streifen könnte nämlich das starke Bedürfnis nach "mehr" wecken. Gibt man diesem Bedürfnis nach, dann wird man bald feststellen, daß es da draußen, wie schon erwähnt, auch mehr von dieser Art Film gibt. Viel mehr sogar. Es gibt Besseres (Mr. Vampire, 1985) und Schlechteres (The Haunted Cop Shop, 1987), Skurrileres (The Ghost Snatchers, 1986) und Irrwitzigeres (Last Ghost Standing, 1999). Und es gibt auch wesentlich Aktuelleres in Bezug auf Jiang Shis (Rigor Mortis - Leichenstarre, 2013). Denn wie heißt es so schön: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hüpfen sie noch heute...

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