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 Betreff des Beitrags: LESSON OF THE EVIL - Takashi Miike
BeitragVerfasst: 18.10.2014 13:59 
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LESSON OF THE EVIL
(Japan 2012)


mit Hideaki Ito, Erina Mizuno, Hira Takehiro, Fujii Takemi,
Takayuki Yamada u. v. a.

Regie: TAKASHI MIIKE

Laufzeit ca. 120 min


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Der japanische Regisseur Takashi Miike ist ja bekannt dafür eigenwillige Filme zu machen und dabei kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Bei Miike hat sich inzwischen scheinbar heraus gestellt, das er entweder richtig gute Filme macht oder eben reinen Schund abliefert. Gut, ist jetzt meine persönliche Wahrnehmung und Meinung, aber mir gefielen längst nicht alle seiner Filme, da mir vieles auch zu schrill gewesen ist. Der Film LESSON OF THE EVIL ist einer seiner letzten Werke, das hierzulande auf DVD erschien. Den Film sah ich letztens und dazu nun folgendes:

Hasumi ist Englischlehrer an der Shinko Academy, einer privaten Hochschule in Japan. Er wird von seinen Kollegen geschätzt und auch seine Schüler mögen ihn. Aber was niemand ahnt ist, das Hasumi ein extremer Soziopath und Serienkiller ist. Vorher war Hasumi auf einer anderen Schule, auf der sich ein sehr rätselhafter Massensuizid seiner Schüler ereignet hatte. Hier an der neuen Schule ist Hasumi sowas wie ein Star und hat einen guten Ruf. Auf einer Lehrerkonferenz will Hasumi durchsetzen das die Handys der Schüler bei Prüfungsarbeiten eingezogen werden, damit sie nicht mehr schummeln können. Sie kommunizieren heimlich mit ihren Handys über Prüfungsfragen und deren Lösungen. Das will Hasumi unterbinden, aber die Mehrheit der Lehrer spricht sich
dagegen aus.

Miike beläßt es nicht bei dieser einen Sache, sondern thematisiert auch weitere Probleme und Vorkommnisse, wie sie in einer Schule passieren können. Der Kendo-Lehrer Shibahara Tetsuro missbraucht sexuell die junge Schülerin Yashura Miya, weil dieser sie in einem Geschäft beim Diebstahl beobachtet hat. Er erpresst sie damit und nötigt sie zum Sex. Miya wendet sich vertrauensvoll an Hasumi, der dagegen etwas unternehmen soll. Miya ist aber ihrerseits in Hasumi verliebt und auch er läßt sich auf eine sexuelle Beziehung mit dem Mädchen ein. Homosexualität kommt hier ebenfalls vor. So hat der Kunstlehrer Kume Takeki eine Affäre mit dem Schüler Maejima Masahiko. Auch Mobbing ist ein Thema. Der Vater der jungen Schülerin Kiyota Rina taucht regelmäßig in der Schule auf und beschwert sich lautstark darüber, weil er überzeugt davon ist, das seine Tochter das Opfer ist. Der eher unscheinbar wirkende ältere Lehrer Tsuri beobachtet das ganze Treiben in der Schule genauer, als andere und beginnt u.a. in der Vergangenheit von Hasumi nach zuforschen. Als die vielen Vorkommnisse und Probleme überhand nehmen, kann und will Hasumi nicht mehr tatenlos zusehen und es beginnt ein Amoklauf, der es fürwahr insich hat.

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Hasumi mit seinen Schülern

Was Miike hier wieder losläßt und abfeuert, habe ich in der Art und weise auch noch nicht gesehen. Hasumi nimmt sich ein Jagdgewehr großen Kalibers und beginnt nun in der Schule alles und jeden nacheinander zu erschiessen. Miike fröhnt hier einer Gewaltexzesse, die auch mal wieder ihresgleichen sucht. Dieser gewalttätige Amoklauf dürfte meines erachtens so ziemlich alles in den Schatten stellen. Also Uwe Boll kann hier definitiv mit seinem Film RAMPAGE zu 100% einpacken und nach Hause gehen ;) :mrgreen: Es ist schon ziemlich extrem zu sehen, wie die Schüler mit sogenannten blutigen Shootouts ins Jenseits befördert werden. Gnadenlos richtet Hasumi in der Schule ein Massaker sondergleichen an. Was hier in den letzten ca. 40 min los ist, sollte/muß man echt selbst gesehen haben, um es zu glauben :o Ich dachte ich seh nicht richtig, weil ich damit echt nicht gerechnet hatte. Ich begann mich nach ca. 1. Std Laufzeit zu fragen, warum der Film eigentlich ab 18 Jahren freigegeben wurde. Die Antwort bekam ich dann später. Nachdem der Film zuende war, fragte ich mich widerum, warum der Film nur ab 18 Jahren ist? Für mich wäre das Ganze eher ein Fall für Spio/Jk gewesen. Wer die Filme von T. Miike ein wenig kennt weiß auch, das der Regisseur in seinen Werken es z.T. extrem auf die Spitze treibt. So auch hier oder sollte ich sagen;...besonders hier. Die ziemlich graphisch und expliziten Gewaltszenerien sind wirklich sehr intensiv und verfehlen ihre brutale Wirkung in keinster Weise. Die Schüler können einem aber auch Leid tun. Da werden z.B. einige Schüler am oberen Treppenende in die Ecke gedrängt, weil die Tür zum Dach verschlossen ist und allesamt werden nun von Hasumi regelrecht zusammen geschossen. Siehe Bild

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Die erste Hälfte des Films schildert die ganzen Situationen und Begebenheiten in der Schule und das ist alles andere als langweilig anzusehen. Durch die tollen Darsteller und den guten Dialogen inkl. so einiger heisser Wortgefechte vergeht die Zeit wie im Fluge. Miike ging es hierbei nicht nur um den Amoklauf, sondern auch um die Alltäglichkeiten in einer Schule. Auch zeigt Miike in einer kurzen Rückblende die Eltern von Hasumi. Sie wollen sich und die Umwelt vor ihren 14jährigen Sohn schützen, indem sie ihn zur Therapie einweisen wollen. Das schon früher etwas mit Hasumi nicht stimmte, macht Miike in dieser Rückblende mehr als deutlich. Der 14jährige tötet seine Eltern mit einem Messer, was aber eh nur angedeutet wird, aber es reicht vollkommen aus. Die Tatsache das Miike hier auch auf die Charakterzeichnung der Figuren eingeht, vor allem die des Hasumi,...beweist, das der Regisseur hier mehr im Sinn hatte, als einfach nur ein Film über einen Amoklauf. Diesmal ist es kein Schüler der in einer Schule ausrastet und herumballert, sondern ein Lehrer. Ein Lehrer, der schon von frühster Jugend an kein gutes Verhältnis zu seiner Umwelt gehabt hatte und es dann immer zu diversen gewalttätigen Kurzschlußhandlungen seinerseits kam, wenn es eskalierte. Hier ist Hasumi ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Schule überfordert und wählt mal wieder den Weg der Gewalt. Die Schule wird zum Schlachtfeld.

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Hasumi, bei seinem blutigen Treiben

Die Kameraführung ist gut, denn man kann alles genau mitverfolgen. Anscheinend haben es die japanischen Filmemacher eher nicht so mit Wackelkamera usw., was ich zumindest sehr begrüße. Musikalisch wird das Ganze untermalt mit u.a. Der Dreigroschenoper, was z.T. die Gewaltexzesse irgendwie schon absurd erscheinen läßt. Aber Miike liebt es anscheinend nunmal alles mit dem ihm eigenen Humor hoch zutreiben, einem Humor allerdings, dem so manchen Zuschauer im Hals stecken bleiben könnte. Wie dem auch sei,...Miike mag hier einiges überspitzt darstellen, aber er bleibt zumindest ehrlich und macht auf seine Art deutlich, was Sache ist.

Wer mal einen Film über einen wirklichen Amoklauf sehen will, der ist hier goldrichtig. Uwe Boll war gestern, zumal sein Rampage für mich eh nur die reinste Mogelpackung ist. Hier zeigt Takashi Miike kompromisslos, wie so ein Amoklauf zumindest filmisch auszusehen hat inkl. diverser Vorereignisse.

Gebe 9/10 Amokläufen :good:

Graf von Karnstein :laie_69:

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 Betreff des Beitrags: Re: LESSON OF THE EVIL - Takashi Miike
BeitragVerfasst: 23.02.2015 14:36 
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Alternativer Titel: Aku no KyMten
Produktionsland: Japan
Produktion: Kôji Azuma, Toru Mori und Misako Saka
Erscheinungsjahr: 2012
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Yusuke Kishi
Kamera: Nobuyasu Kita
Schnitt: Kenji Yamashita
Musik: Kenji Yamashita
Länge: ca. 128 Minuten
Freigabe: FSK Keine Jugendfreigabe
Darsteller: Takayuki Yamada, Howard Harris, Hideaki Ito, Saki Takaoka, Ruth Sundell, Daniel Genalo, Fumi Nikaido, Yukito Nishii, Shota Sometani, Mitsuru Fukikoshi, Rio Kanno, Kento Hayashi, Kaoru Fujiwara, Kasumi Yamaya, Fujiko Kojima, Ken'ichi Takito


Der Englischlehrer Hasumi Seiji ist bei Schülern wie Lehrpersonal gleichermaßen beliebt. Einzig sein Kollege Tsurii Masanobu hegt Misstrauen. Also stellt er Nachforschungen an. Dabei stößt Masanobu auf einige Ungereimtheiten und zahlreiche – nicht aufgeklärte – Selbstmorde. Doch Seiji kommt dem Schnüffler schnell auf die Schliche und…

Wieder einmal guter Stoff von Takashi Miike. Diesmal beschäftig sich der Regisseur damit, was hinter der scheinheiligen Fassade eines Menschen zu finden ist. Dieses macht er an der Person Seiji Hasumi fest. Hasumi ist ein Lehrer, den wirklich alle mögen. Er hat für Jeden ein offenes Ohr und weiß stets schwierige Lagen zu entkräften. Auch seine lockeren Lehrmethoden stoßen auf Begeisterung. Wer hegt da schon den Verdacht, dass es sich bei Seiji Hasumi, um einen gestörten Massenmörder handelt?

LESSON OG EVIL startet (für ca. 2 Minuten) im Slasher-Gewand um anschließend erst einmal auf den Schulalltag einzugehen. Themen wie Mobbing und sexuelle Nötigung stehen auf der Tagesordnung. Diesen schwierigen Fällen begegnet der Pädagoge Seiji Hasumi mit Lockerheit und Geschick. Die eigentlichen Ambitionen, wie Gedanken des Lehrers werden dem Rezipienten, nach und nach vermittelt. Somit stützt sich LESSON OF EVIL auf einen langsamen und gezielten Aufbau. Dabei gelingt es Miike den Betrachter einzubinden und für den Film zu gewinnen.

Hideaki Ito (SUKIYAKI DJANGO WESTERN) kann die Rolle des Lehrers und Massenmörder überzeugend verkörpern. Das unscheinbare Monster, wie es z.B. auch der Charakter Asami Yamazaki in AUDITION darstellt. Ich mag diese Art von Charakteren, die einen falschen Anschein erwecken. Charaktere die von einem bereits äußerlich erkennbaren Monster, weit entfernt sind. Alejandro Amenabar fährt bei TESIS eine ähnliche - und vor allem erfolgreiche Schiene. Neben Hideaki Ito bekommt man in einer kleinen Rolle, übrigens Takayuki Yamada (CROWS 1 & 2) geboten.

Im Vergleich bzw. Gegensatz zum Amokläufer, setzt Seiji Hasumi nicht auf das Ziel Selbstmord. Hasumi will die Welt nach seinen Regeln säubern und hat keine Ambitionen in Richtung Suizid, wie es beim Amokläufer meist der Fall ist.

Als Hymne zum Massenmord, wie den Morden und Leichenbeseitigungen in der Vergangenheit, lässt Miike die Musik von Brecht / Weill aus der „Dreigroschenoper“ erklingen. Das Gesamtbild wird auf diese Weise auch akustisch, mit den Spitzen des „schwarzen Humors“ gezeichnet.

Fazit: Gute und - vereinzelnd überzogene - Mischung aus Psychothriller und Horrorfilm. Miike-Fans dürften zufrieden sein.

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