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 Betreff des Beitrags: ONG BAK - THE NEW GENERATION - Panna Rittikrai
BeitragVerfasst: 16.12.2011 17:39 
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ONG BAK - THE NEW GENERATION
[KOHT SOO KOHT SOH][Thailand][2010]

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Regie: Panna Rittikrai
Darsteller: Sorapong Chatree, Patrick Tang, Supaksorn Chaimongkol, Sena Hoi, Kiattisak Udomnak

2003 versetzte ONG BAK die Kampfsport-Freunde in Entzücken. Das raubeinige Prügel-Spektakel mit dem charismatischen Kämpfer Tony Jaa in der Hauptrolle stahl mit seiner erfrischenden Rückkehr zu bodenständigen, harten Kampfszenen und seiner völlig neuen dynamischen Kampfsportart sogar den bisherigen Referenzprodukten aus Hongkong die Show und wurde in den Kinos zu einem Achtungserfolg.
Als Folge brach eine wahre Flut ähnlicher Thai-Klopper über das Publikum herein und die Fans wähnten sich, nachdem das Genre schon fast totgesagt war, im Zweiten Frühling.

Doch ziemlich schnell folgte Ernüchterung: Trotz nach wie vor beachtlicher Kampfszenen, kamen die meisten Epigonen nicht mal in die Nähe des großen Vorbilds.
Auch die beiden ONG-BAK-Fortsetzungen sorgten, trotz beachtlicher Schauwerte, bei Vielen meist eher für Verwirrung, da sie bis auf den Hauptdarsteller mit dem Original quasi gar nichts verband, warf man dessen inhaltliches Konzept doch komplett über den Haufen, um eine völlig andere Geschichte in einer völlig anderen Zeit zu erzählen.
Lediglich REVENGE OF THE WARRIOR (ebenfalls mit Tony Jaa), der eigentlich eher eine Neuverfilmung von ONG BAK ist und diesem damit sogar näher kommt als die tatsächlichen Fortsetzungen, konnte noch Beifall ernten.

Nach vielen eher unterdurchschnittlichen Filmen stellt BANGKOK KNOCKOUT, so der internationale Titel, wieder einen besseren Vertreter der Gattung dar, wenn auch die Königsliga freilich nicht mehr erreicht wird.
Zur besseren Vermarktung wurde der Film bei uns gleich in ONG BAK – THE NEW GENERATION umgetauft, um eine Art Ableger zu suggerieren, was natürlich nicht der Fall ist, auch wenn Regisseur Panna Rittikrai in die beiden tatsächlichen ONG-BAK-Fortsetzungen involviert war.

Verschiedene Kampfsportgruppen treten im Auftrag des zwielichtigen Filmproduzenten Mr. Sneed gegeneinander an – die Gewinner sichern sich angeblich die Mitwirkung in einem großen Hollywood-Film.
Doch die siegreichen Kämpfer wachen am nächsten Morgen statt in der Traumfabrik in einer stinknormalen Fabrik auf, genauer gesagt in einer stillgelegten ebensolchen.
Noch während sie sich wundern, wie sie dorthin gekommen sind, werden sie plötzlich aus dem Nichts von Kämpfern attackiert, die sie offensichtlich töten wollen.
Von nun an müssen sie vor mehreren versteckten Kameras um ihr Leben kämpfen, während eine Gruppe reicher Geschäftsmänner Wetten auf ihr Leben abschließt. Wer vom Gelände fliehen will, wird schon von einer schießwütigen Killermeute erwartet.
Bald liegen die Nerven blank, zumal ein paar Mitglieder auch noch falsch spielen...


BANGKOK KNOCKOUT hält sich nicht großartig mit kompliziert ertüftelter Storyline auf. Grundehrlich das inhaltliche Basisgerüst lediglich als
notdürftige Legitimation zur Präsentation rabiater Kampfeskunst nutzend, geht es nach kurzer Exposition sofort in die Vollen. Und hier zeigen die Thailänder, dass sie ihrer Konkurrenz immer noch um einiges Voraus sind: Roh, grob und ungeschliffen, so gerbt man sich hier das Fell, ohne unnötige anbiedernde Ästhetisierung.
Zupackend und nicht selten schon beim Hinsehen schmerzend, erinnert die kernige Knochenbrecherei an goldene Zeiten des Hongkong-Kinos, als Bruce Lee samt Mischpoke sich noch ohne Netz und doppelten Boden durch Scharen ihrer Gegner pflügten.

Stupides Gekloppe allein kann freilich schnell ermüden. In diesem Wissen bemühten sich die Macher, den Helden ein paar originelle Gegner gegenüberzustellen. Und in der Tat sorgen eine tuckige Transe mit harter Handkante, ein die Wände entlang huschender Spider-Man-Imitator und ein Jason-Vorhees-Verschnitt mit stählener Maske und Hackebeil im Anschlag, der zudem durch Wände geht, ohne vorher anzuklopfen, für amüsante Abwechslung im Prügeleinerlei.

Schmerzhaft für den Zuschauer wird es allerdings auch, sollte die Action mal ruhen. Dann nämlich fangen die Darsteller, die halt in erster Linie Kampf- und keine Schauspielkünstler sind, zu reden an - wenn man Pech hat, dauert das länger als eine Minute.
Besonders Kiattisak Udomnak als wohl unvermeidliche komische Witzfigur geriet dabei dermaßen nervtötend, dass man ihm schon nach den ersten zwei Sätzen den Schädel spalten möchte.
Auch scheute man sich nicht, mitten im Kampfgetümmel knappe Einzeiler über die Bedeutung wahrer Liebe unterzubringen. Raue Schale, weicher Kern...

Bedauerlich, dass man bei der Ausarbeitung der Ausgangssituation so nachlässig war. Sicherlich dient das Storygerüst nur als loser Faden, um die Kampfszenen miteinander verbinden zu können, und gewiss ist die Begründung für die zahlreichen Raufereien kaum der Glaubwürdigkeit verpflichtet.
Doch die interessant aus Vorlagen wie SAW, BATTLE ROYALE oder THE TOURNAMENT zusammengeklaubte Prämisse hätte – wäre sie etwas ausgereifter beschrieben - im Subtext zweifellos für zusätzlichen klaustrophobischen Nervenkitzel sorgen können.
Tatsächlich hat es jedoch niemals den Anschein, die Protagonisten wären wirklich hoffnungslos verloren und fern jeder Hilfe, auch der Schauplatz erscheint ungewöhnlich groß. Die Flucht, abseits der Logik erst gegen Ende unternommen, gestaltet sich dann auch auffallend einfach, was angesichts der angeblichen Unmöglichkeit derselben recht lächerlich wirkt.
Als Entschädigung bekommt der Zuschauer im Finale noch mal schier Unglaubliches zu sehen: Der Kampf unter (!) einem fahrenden LKW lässt einen an der Zurechnungsfähigkeit der Macher zweifeln.

ONG BAK - THE NEW GENERATION ist sicher kein Überflieger, wie einst ONG BAK es war - das hat aber inzwischen auch kaum noch jemand ernsthaft erwartet. Fans zünftiger Kloppe kommen, trotz deutlicher Defizite in allem, was nicht Kloppe ist, dennoch auf ihre Kosten.

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