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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 08.03.2015 20:56 
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RUN AND KILL

(Ot: RUN AND KILL)
Hongkong 1993


Kent Cheng, Simon Yam, Esther Kwan,
Danny Lee, Melvin Wong, Wang Lung Wei u.a.

Regie: Billy Tang (Tang Hin Sing)

Laufzeit der Uncut DVD von Cine Club ca. 88 min

FSK ab 18 Jahren


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Der gutmütige Dicke FAT CHEUNG (Kent Cheng) ist ein liebervoller Familienvater und betreibt ein kleines Geschäft mit Gas. Er hat eine kleine Tochter um die er sich sehr kümmert. Als er eines Tages früher nach Hause kommt, ertappt er seine Frau mit einem Liebhaber. Er versteht es nicht und verschwindet wieder. Er fragt sich, was er falsch gemacht haben könnte. Er treibt sich den ganzen Tag herum und stopft sich frustiert mit Essen voll. Abends begibt er sich in eine zwielichtige Bar und betrinkt sich. Dort macht er die Bekanntschaft mit FANNY (Esther Kwan) und klagt ihr seinen Unmut über seine untreue Frau. Die rät ihm, es seiner Frau heimzuzahlen und verspricht zu helfen. Als Vermittlungsgebühr kassiert sie von Cheng 5.000 HK Dollar und überläßt ihm einen Unbekannten. Cheng will, das seine Frau tot sein soll und der Unbekannte verspricht, das es erledigt wird, verlangt aber dafür mehr Geld. Am nächsten Morgen wacht Cheng auf und kann sich kaum noch an etwas erinnern. Als Cheng wieder nach Hause kommt, sind seine Frau und der Liebhaber immer noch da. Als der Freund gehen will, stürmt eine Bande die Wohnung und in einer äußerst brutalen Aktion wird der Liebhaber und seine Frau getötet. Die Polizei verdächtigt Cheng mit drin zustecken, aber er gibt an das er von nichts wisse. Als er später nach Hause kommt, erwartet ihn die Bande. Wie sich später herausstellt, handelt es sich um Vietnamesen und deren Boß (Wang Lung Wei) verlangt nun 800.000 HK Dollar oder sein Geschäft wird in Flammen aufgehen. Cheng hat das Geld aber nicht und in seiner Verzweiflung wendet er sich an WAH, einem Nachbarn. Der ist widerum Mitglied einer anderen Bande von ehemaligen Söldnern, die im Krieg in Vietnam kämpften und irgendeine große Sache vorhaben. Der Söldnerführer ist TONG MAN HO (Melvin Wong) und Wah hat einen Bruder mit Namen FUNG (Simon Yam). Die Söldner können den Dicken aber nicht brauchen und so beschließt Wah ihm auf eigene Faust zu helfen. In einem Kino kommt es zur brutalen Auseinandersetzung zwischen Wah, einigen seiner Leute und der Vietnambande. Cheng, Wah und auch Fanny werden von den Vietnamesen gefangengenommen, wobei Wah gefoltert wird. In einer äußert derben Gewaltaktion, befreit Fung seinen Bruder, der aber wegen seinen Verletzungen stirbt. Fung dreht nun völlig durch und macht den Dicken für alles verantwortlich. Er schwört ihn und den Rest seiner Familie auszurotten und für Cheng beginnt der Alptraum erst.....!

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Mit Sicherheit dürfte dies nach wievor einer der gewalttätigsten Thriller sein, die je aus Hongkong kamen. Was hier an Gewalt-Action abgefeuert wurde läßt sich kaum in Worte fassen. Dabei beginnt der Film im Grunde recht harmlos und zeigt den Familienalltag eines treusorgenden Vaters. Dann wird es immer finsterer und die krude Geschichte entwickelt sich immer agressiver. Wenn man bedenkt wie es anfing und Cheng im betrunkenen Zustand etwas sagte, das er gewiss nicht so meinte, dann haben wir eine Geschichte, die so einfach wie sie im Grunde auch genial ist. Unbeabsichtigt verstrickte sich Cheng mit seinem sturzbesoffenen Gerede in eine Sache, aus der er so ohne weiteres nicht mehr herauskommt. Er sagte etwas, was er nicht ernst meinte, aber denen der er es sagte meinten es verdammt ernst. Somit wird Cheng in einen Strudel der Gewalt hineingezogen und ist am Ende auf sich allein gestellt.

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Run and Kill besticht hier durch seine völlig humorlose Handlung, seine atmosphärische Dichte und steuert geradewegs gnadenlos auf eine extreme kompromislose Eskalation der Gewalt zu. Die macht hier nun überhaupt keine Gefangenen mehr. Dabei war die Tötung von Chengs Frau und deren Liebhaber noch das "harmloseste". Als Fung z.b. seinen Bruder befreit benutzt er sein großes scharfes Bowie-Messer und macht die Wachtposten nieder. Im Gebäude beginnt er extrem wild, aber mit genauer Treffsicherheit auf die Bande einzuschießen, was das Zeug hält und schreit dabei seine ganze Wut und Hass heraus, als wollte es kein Ende nehmen. Spätestens bei der Szene mit dem kleinen Mädchen (Chengs Tochter) dürfte für so manchen Zuschauer eine gewisse Grenze erreicht sein. Dabei fragt man sich vorher noch, ob Fung dies tatsächlich tun will,....aber er tut es. Das Hongkong-Kino kannte anscheinend damals keine Grenzen und scheute sich nicht Gewalt an Kindern zu präsentieren. Der zuvor entstandene Film THE UNTOLD STORY (HK 1992) machte auch schon keinen Halt vor Kindern. Dabei ist die Gewalt in Run and Kill keinesfalls übertrieben dargestellt, sie wirkt hier nur besonders krass. Als Fung später die Mutter von Cheng und seine Tochter als Geiseln nimmt, fordert er von der Polizei den Dicken und ein Auto. Als diese es ihm verweigern, stößt er brutal die Mutter klirrend aus dem Fenster, die etliche Meter nach unten fliegt und krachend auf dem Dach eines Autos landet. Hier herrscht echt kompromislose Gewalt!

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Das Run and Kill so intensiv ist verdankt er aber auch seinen Protagonisten. Kent Cheng liefert hier eine brillante Leistung ab. Fast scheint es so, als wäre ihm die Rolle des "Dicken" auf den Leib geschrieben. Das muß anscheinend auch Regisseur Billy Tang erkannt haben. Als FATTY, wie er auch im Film genannt wird ist er derjenige, der versucht seiner Familie das beste zu geben. Er ist so gutmütig, das er über die Untreue seiner Frau hinweg sehen will. Er ist eher unbedarft und tut keiner Fliege was zuleide. Unbeholfen gerät er nun in eine Sache hinein, der er nicht gewachsen ist. Kent Cheng kann man nur loben in diesem Part. Ihm ebenbürtig und genauso genial ist Simon Yam, als psychopathischer Killer Fung. Fast gewinnt man den Eindruck, das er den Killer nicht nur spielt, sondern ihn regelrecht auslebt. Anfangs sieht man es ihm noch gar nicht mal so an, aber als sein Bruder stirbt brennen bei ihm sämtliche Sicherungen durch. Durch extreme Nahaufnahmen seines Gesichts, das man im Wechsel zum gewattätigen Geschehen zu sehen bekommt, wirkt er noch brutaler und rücksichtsloser, als es ohnhin schon zugeht. Ich finde auch S. Yam in dem Part brillant. Danny Lee ist hier eher in einer Nebenrolle, als ermittelner Polizeiinspector zu sehen.

Hier haben wir einen sogenannten CAT III-Filmkracher, der es verdammt insich hat und besser ist, als so manch anderer Vertreter der Marke Cat III. Er ist aber eher den hartgesottenen Filmfans zu empfehlen. Sensible Filmfans sollten doch eher die Finger davon lassen! Das mag etwas seltsam und leicht übertrieben klingen, aber nach meinen Erfahrungen ist der Film nicht jedermanns Sache!

Die ungeschnittene DVD vom Label Cine Club bietet ein tolles anamorphes 1:85 Bild. Es empfiehlt sich den Film im OmDU anzuschauen. Kenne die deutsche Synchro bis heute nicht, da ich Filme aus Fernost in der Regel eh nur im Original mit Untertiteln schaue :)


9/10 Gewalt-Thrillern made in Hongkong :jc_doubleup:
Graf von Karnstein :laie_69:

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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 08.03.2015 23:26 
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Du musst wirklich ein beinharter Fan des Hong Kong Kinos sein. :lol:
Meine Sichtung legt zwar schon etliche Jahre zurück, aber bis auf paar radikale Actionszenen, die noch nicht mal wirklch gut insziniert waren, fand ich den Film schon fast unterrdisch mies.
An was ich mich noch erinnern kann, ist, dass der dicke Hauptdarsteller am Anfang besoffen in irgendwelchen Spelunken rumhängt (was ich überhaupt nicht überzeugend gespielt fand) und dann seine Frau- die ihn schlecht behandelt- beim Ehebruch erwischt und glaube (?) nicht wirklich was dagegen unternimmt.
Immer wieder interessant wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können. Für mich damals ein waschechter Rohkrepierer.
Obwohl der zweite Film auf der dt. DVD sogar noch schlechter war. :mrgreen:


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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 10.03.2015 15:01 
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Richtig harter CATIII-Thriller aus 1993. Hab den das erste mal auf VCD (Im Internet ca. 1998 bestellt) gesehen mit unleserlichen fest eingebrannten Untertiteln in Chinesisch/Englisch und kaum ein Wort verstanden. Die Atmosphäre ist hoch und die gezeigte Gewalt kompromisslos. Sowas konnte zu seiner Zeit echt nur aus HK oder Japan kommen. Die viel später erschienene DVD mit deutscher Synchro ist ganz ok wenn auch nicht 100% professionell. Das Bild ist sehr gut, es wurde wohl ein franz. Master verwendet. Am besten kommt der Film aber im noch im O-Ton rüber.
Würde dem Film auch heute noch eine 8/10 geben.


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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 10.03.2015 20:56 
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eldondo hat geschrieben:
Du musst wirklich ein beinharter Fan des Hong Kong Kinos sein. :lol:
Meine Sichtung legt zwar schon etliche Jahre zurück, aber bis auf paar radikale Actionszenen, die noch nicht mal wirklch gut insziniert waren, fand ich den Film schon fast unterrdisch mies.

Immer wieder interessant wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können. Für mich damals ein waschechter Rohkrepierer.
Obwohl der zweite Film auf der dt. DVD sogar noch schlechter war. :mrgreen:


Aber nur BEINAHE (beinharter) Fan/Anhänger :lol:
Hm :boys_0137: möglicherweise bist Du damals mit etwas anderen Erwartungen an den Film heran gegangen. Da es anscheinend lange her ist, seit Du diesen Film gesehen hast, wäre vielleicht eine Auffrischung nicht schlecht, sofern Du ihn (noch) haben solltest :)






sCUMBAG hat geschrieben:
Richtig harter CATIII-Thriller aus 1993. Hab den das erste mal auf VCD (Im Internet ca. 1998 bestellt) gesehen mit unleserlichen fest eingebrannten Untertiteln in Chinesisch/Englisch und kaum ein Wort verstanden. Die Atmosphäre ist hoch und die gezeigte Gewalt kompromisslos. Sowas konnte zu seiner Zeit echt nur aus HK oder Japan kommen. Die viel später erschienene DVD mit deutscher Synchro ist ganz ok wenn auch nicht 100% professionell. Das Bild ist sehr gut, es wurde wohl ein franz. Master verwendet. Am besten kommt der Film aber im noch im O-Ton rüber.
Würde dem Film auch heute noch eine 8/10 geben.


Ich habe den damals das erste mal widerum auf einer VHS aus Hongkong gesehen. Und ja,...sowas konnte damals echt nur aus Hongkong kommen. Wußte bisher nicht, das das Master aus Frankreich kam. Aber wäre zumindest keine schlechte Option für diverse andere Hongkong-Filme, wenn Labels vorhaben sollten Filme raus zubringen. Wie ja schon zu lesen war, werden in Hongkong wohl nur noch ältere Filme fürs TV gemastert und aus Desinteresse eh nicht auf DVD vermarktet.

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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 10.03.2015 22:43 
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Ne, die Dvd ist schon lange wieder verkauft. Aber wer weiß vieleicht folgt eines Tages eine weitere Sichtung. Wobei die Wahrscheinlichkeit eher gering ist. :)


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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 12.03.2015 08:01 
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Meiner Meinung nach einer der härtesten CAT-III-Schocker unter der Sonne. Habe ihn jetzt schon lange nicht mehr gesehen, aber ich erinnere mich gut an die eine Szene (die ich jetzt nicht spoilern will), wo ich mit offenem Mund und ungläubigen Augen vor der Glotze saß und mir in einem fort Sätze wie "Das können die doch nicht tun!" oder "Das geht nicht!" durchs Hirn zuckten. Da war ich kurz davor, den Film abzubrechen, einfach weil es too much war, was eigentlich ganz selten vorkommt.

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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 23.03.2015 14:53 
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Originaltitel: 烏鼠機密檔案 (Wushi jimi dang'an; Der geheime Fall der schwarzen Ratte)
Englischer Originaltitel: Run and kill
Deutsche Alternativtitel: -
Englische Alternativtitel: -

Hongkong 1993
Kinostart (HK): 27.02.1993; Einspielergebnis: HK$ 6.002.054
Originalsprache/-Synchronisation: Kantonesisch
Altersfreigaben: III (HK), Spio/JK (DE, indiziert, geschnitten), ungeprüft (DE, indiziert, ungesschnitten)

Regie: Billy Tang Hin-shing
Darsteller: Kent Cheng Jak-si, Simon Yam Tat-wah, Danny Lee Sau-yin, Melvin Wong Gam-san, Esther Kwan Wing-hoh, Lily Lee Lee-lee, Johnny Wang Lung-wei
Produktion: Kimmy Suen Ging-on
Drehbuch: Bryan Chang Wai-hung
Actionchoreographie: Wong Pau-gei, Chan Shiu-wa

Die Frau (Lily Lee) des gutmütigen Gasladenbesitzers Cheung (Kent Cheng) ist ein richtiges Miststück: nicht nur dass sie den ganzen Tag auf der faulen Haut liegt, nein, sie treibt es auch mit einem Bekannten Cheungs. Als Cheung die beiden auch noch am gemeinsamen Hochzeitstag akrobatisch kopulierend im Flur erwischt tickt er aus: nach einer ausgiebigen Fressorgie betrinkt er sich in einer zwilichtigen Kneipe. Dort trifft er die überdrehte Fanny (Esther Kwan), der er im Suff den Auftrag gibt seine Ehefrau zu meucheln. Die Bestellung wird prompt erfüllt und Cheung sieht sich nun nicht nur mit einer brutalen Gangsterbande, sondern auch mit dem Bruder (Simon Yam) des Mittelsmannes, ein ausgemachter Psychopath, konfrontiert.

Billy Tang, Regisseur von Jet Lis USA-Ausflug The Defector oder dem fünften Teil der Raped by an Angel-Reihe (hierzulande stark gekürzt als Naked Killer - The Final Judgement erschienen), lieferte nach dem harten Schocker Dr. Lamb mit Run and Kill einen weiteren Thriller der härtesten Gangart ab, der erneut die Grenzen des dem Zuschauer Zumutbaren auslotet (diese wird Tang ein Jahr später mit dem widerlichen Vergewaltigungsthriller Red to kill überschreiten). War es bei Dr. Lamb die Nekrophilie, die für ein flaues Gefühl in der Magengegend sorgte, sind es bei Run and kill rohe, ungeschönte Gewaltexzesse, die unvermittelt und mit aller gebotenen Härte auf den Zuschauer einprasseln und ihn ein ums andere Mal fassungslos des gerade Gesehenen zurücklassen. Dabei ist es vor allem in den ersten beiden Akten weniger die visualisierte Gewalt, die schockiert, sondern die Beiläufigkeit selbiger, die Selbstverständlichkeit mit der Menschenleben ausgelöscht werden. Das Finale ist dann wirklich schwer zu verkraften, bricht Tang hier noch mehr als zuvor Tabus und kostet diese Momente dann auch fast schon plakativ aus. Besonders hart ist dann auch der (unfreiwillige?) Humor, der unterschwellig einer sehr grausamen Szene innewohnt. Dies ist zum einen auch Kent Cheng geschuldet, der in dieser Szene ein wenig überfordert daherkommt und seiner ansonsten sehr solide Leistung einen kleinen Makel hinzufügt. Seine Figur ist auch denkbar undankbar angelegt und gerade im ersten Akt zu sehr auf Fetten Trottel getrimmt. Er brabbelt, schwitzt und frisst sich durch die Handlung, tappt von einem tragischen Fettnäpfchen ins nächste und ist nicht einmal im Finale Herr seines Schicksals. Mir persönlich gefällt Kent Cheng weitaus besser auf der anderen Seite der Moral. Simon Yam dagegen schöpft einmal mehr aus dem Vollen und darf erneut den Oberspycho geben. Eine Rolle, die ihm - mal mit stoischer Miene, mal infernalisch grinsend - auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Ruhepol ist Danny Lee, der souverän den Polizisten gibt, ohne jemals sonderlich gefordert zu sein.
Die Geschichte, in der sich unsere Figuren bewegen, ist sehr einfach und zweckmäßig angelegt, strotzt aber auch vor unglaublichen Zufällen und brutalen Ungeheuerlichkeiten. Dabei zieht das Spannungslevel zusehends an, wobei die Handlung durchaus wendungsreich mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Die Spannung generiert sich dabei weniger aus der Story selbst, als durch ihre Unberechenbarkeit, die jeder Zeit in einem unglaublichen Gewaltausbruch münden kann.
Inszenatorisch ist Tangs Werk erstaunlich souverän, aber auch ein wenig uneinheitlich geraten, irgendwo zwischen billigem Schmuddellook, solidem Actionkino und brachialem Spannungskino. Gestaltet sich der Beginn augenscheinlich recht preiswert und wenig kreativ inszeniert, zeigt Tang in einigen folgenden, erstaunlich aufwendig gestalteten Actionszenen durchaus Talent für starke Bilder. Ein blutiger Schlagabtausch im Pornokino und eine durch reichlich Statisten recht aufwendig inszenierte Geiselnahme sind die klar die inszenatorischen Höhepunkte des Filmes, ehe es im Showdown Mann gegen Mann eher brachial-rustikal zu Werke geht. Auf allzuviel ablenkenden Schnickschnack, wie exzessive Zeitlupen oder allzu ausgefallene Kameraarbeit wird dabei verzichtet, was die gezeigte Gewalt noch krasser erscheinen lässt.
Insgesamt dürfte Run and kill sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein, schlägt der Film doch voll in die Magengrube und dürfte selbst für viele hartgesottene Freunde des Hongkongkinos hart an der Grenze des Erträglichen liegen. Billy Tang legt hier seinen handwerklich besten Film vor. Zum ganz großen Hongkong-Schmuddelklassiker reicht es aber dennoch nicht, die Handlung ist zu beliebig, die Charaktere zu kalkuliert angelegt.
5/10

Die deutsche DVD aus dem Hause Cine Club bietet den Film in ordentlicher Bild- und Tonqualität, sowie mit einer relativ hochwertigen deutschen Synchronisation. Das Master scheint das selbe der französischen DVD zu sein. Die optionalen deutschen Untertitel sind leider nur Dubtitles. Als Extra gibt es neben dem Trailer zum Film den Bonusfilm The Intruder, der mir einen Ticken besser gefallen hat.
Die geschnittene DVD von Sunrise kann man getrost liegen lassen, die DVD aus Hongkong hat ein deutlich schwächeres Bild und fest eingebrannte englische und chinesische Untertitel, dafür aber auch die Mandarin-Synchro an Bord. Einige Szenen, die in der deutschen Fassung vorhanden sind, fehlen hier. Da es sich weitesgehend um harmlose Szenen handelt, kann man Zensur wohl ausschließen und wohl eher von einer alternativen Schnittfassung ausgehen.

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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 23.03.2015 19:57 
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TheMaster hat geschrieben:
Insgesamt dürfte Run and kill sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein, schlägt der Film doch voll in die Magengrube und dürfte selbst für viele hartgesottene Freunde des Hongkongkinos hart an der Grenze des Erträglichen liegen. Billy Tang legt hier seinen handwerklich besten Film vor. Zum ganz großen Hongkong-Schmuddelklassiker reicht es aber dennoch nicht, die Handlung ist zu beliebig, die Charaktere zu kalkuliert angelegt.
5/10

Die deutsche DVD aus dem Hause Cine Club bietet den Film in ordentlicher Bild- und Tonqualität, sowie mit einer relativ hochwertigen deutschen Synchronisation. Das Master scheint das selbe der französischen DVD zu sein. Die optionalen deutschen Untertitel sind leider nur Dubtitles.


Den Film beurteilst Du auch recht gut :) Aber warum nur 5/10 :?
Wenn ich das so lese, dann hätte ich eher mit 7/10 gerechnet oder war es ein Zahlenvertippser :mrgreen:

Was sind denn Dubtitles :?: Mir ist, als hätte ich diesen Begriff schon mal vernommen :boys_0137:







Randolph Carter hat geschrieben:
Meiner Meinung nach einer der härtesten CAT-III-Schocker unter der Sonne. Habe ihn jetzt schon lange nicht mehr gesehen, aber ich erinnere mich gut an die eine Szene (die ich jetzt nicht spoilern will), wo ich mit offenem Mund und ungläubigen Augen vor der Glotze saß und mir in einem fort Sätze wie "Das können die doch nicht tun!" oder "Das geht nicht!" durchs Hirn zuckten. Da war ich kurz davor, den Film abzubrechen, einfach weil es too much war, was eigentlich ganz selten vorkommt.


Ich kann mir schon vorstellen, welche Szenerie Du meinst. Die ist schon echt starker Tobak. Hatte damit bei Erstsichtung damals auf Video auch nicht gerechnet.
Gegen diesen Film geht so mancher Splatterfilm ziemlich schnell nach Hause und verkriecht sich :mrgreen:
Obwohl RUN AND KILL diesbezüglich eh kein Splatter in dem Sinne bietet.

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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 23.03.2015 22:01 
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Dubtitles ist ein Kofferwort für Untertitel (Subtitles), die auf dem Wortlaut der Synchronisation (Dub) basieren.

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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 24.03.2015 14:16 
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Graf von Karnstein hat geschrieben:
[b]Den Film beurteilst Du auch recht gut :) Aber warum nur 5/10 :?
Wenn ich das so lese, dann hätte ich eher mit 7/10 gerechnet oder war es ein Zahlenvertippser :mrgreen:


Nein, war kein Vertippser. Objektiv hätte ich sicherlich ein, zwei Punkte mehr gegeben, habe auch überlegt auf 6 aufzurunden, aber irgendwie hat sich nun - nachdem ich den Film einige Jahre lang nicht gesehen habe - wieder das bestätigt, was ich bei der ersten Sichtung bereits ferstgestellt habe: den Film kann ich mir immer hin und wieder anschauen, aber irgendwie ist der Film nicht mein Fall. Deswegen die, vergleichsweise schlechte, Wertung. Fünf Punkte sind ja nicht wirklich schlecht, pures Mittelfeld.

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 Betreff des Beitrags: Re: RUN AND KILL - Billy Tang
BeitragVerfasst: 25.03.2015 16:23 
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Danke für Antwort :)


DJANGOdzilla hat geschrieben:
Dubtitles ist ein Kofferwort für Untertitel (Subtitles), die auf dem Wortlaut der Synchronisation (Dub) basieren.


Achso,...das wäre somit der englische verdeutschste Fachbegriff dafür. Das Untertitel mit Synchros so einige oder etliche male identisch sind, habe ich auch schon feststellen müßen.

Danke für Antwort :)

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