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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Shuji Terayama
BeitragVerfasst: 04.09.2013 21:25 
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Den-en ni shisu
Pastoral: To Die in the Country
- Shuji Terayama -Japan 1974

Der Film steht auch in meiner 50 Lieblingsfilme Liste, habe ihn nun auch schon einige Male gesehen, also:

Whatever you do, don't touch the horse!
Der Film handelt vom 15 jährigen Terayama, er lebt allein mit seiner Mutter und verliebt sich in die Nachbarin. Sie wollen zusammen nach Tokyo flüchten. Die Mutter aber ist herrschsüchtig, sie will ihn nicht er-wachsen sehen (Sie:Lies Comics! Er:Aber die halten mich ab davon groß zu werden!). Er stürmt aus dem Haus und geht zum Scary Mountain, den toten Vater aufsuchen.
Das Unbekannte, wir müssten uns im Japan der Nachkriegszeit befinden, kommt in die Gegend: Der Zirkus. Ein wunderbarer Zirkus, Bodybuilderzwerge mit Irokesen, Gruppensex, Frauen in aufblasbaren Fettanzügen und die Farben sind reich, die Zirkusaufnahmen sind so bunt, in so warmen Farben, wie möglich.

Ich sollte mir die Augenlider abschneiden, um besser zu sehen!

Er flüchtet nun. Und das zweimal. Einmal mit seiner geliebten Nachbarin. Das andere Mal wiederholt sich die Szene und sie wartet nicht am vereinbarten Treffpunkt. Er schreitet allein den Weg aus dem Dorf des Aberglaubens (Das Kind ist ein Bastard, tötet es!) auf den Bahnschienen gen Techno-Tokyo.
Die Kamera zoomt raus. Wir sehen Terayama, einen Schauspieler, der Terayama spielt, im Kinosaal, er hadert mit dem Film und spricht darüber mit einem Kritiker. Wir sind nun also in einem Film im Film. Der alte Terayama reist in die Vergangenheit um sein 15 jähriges ich zu treffen. Der alte kommt mit siner Vergangenheit nicht zurecht, sie verfolgt ihn, er will sie ändern, redigieren. Mit dem Kritiker kam er auf das Paradoxon der Zeitreise zu sprechen: Wenn ich in der Zeit zurück reise und meine Großmutter töte, wo bleibe dann ich?

Der junge und der alte unterhalten sich, spielen Schach dabei, im Hintergrund eine riesige Streichholzschachtel die sich öffnet und aus der Frauen schreiten.. Die Kulisse und die Erinnerung ändert sich während des Spiels beständig. Der alte weiß was er tun muss, er muss seine eigene Mutter von vor 20 Jahren töten.
Der junge Terayama wird von einer älteren Kindsmörderin vergewaltigt.

Ein Wahnsinn von einem Film. Die Kulissen sind grotesk, im freien hängen Glühbirnen vom Himmel, die Seen sind aus Blut, auch der Himmel färbt sich blutrot, es liegen riesige Hammer herum, dazu überall tickende Uhren.
Und mit das beste am Film ist die Musik von J.A. Ceasar. Einer meiner Lieblingsmusiker aller Zeiten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Shuji Terayama
BeitragVerfasst: 04.09.2013 21:31 
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Farewell to the Ark- Japan 1984 - Shuji Terayama

Literarische Vorlage: Gabriel Maria Marquez': 100 Jahre Einsamkeit. Extra gelesen für den Film und es war stellenweise ein hervorragendes Buch, also einige sehr phantasievolle Stellen. Insgesamt aber war es eher so, wie ich mir Nobelpreisliteratur vorgestellt habe: Dröge, verquarzt, geil und irgendwie kacke. Also: Statt Film erstmal das Buch: Ehepaar, Cousin/Cousine. Werden ausgelacht. Mann tötet anderen Mann und flüchtet mit Frau. Die hat Angst vor Kindern mit Schweineschwanz (KA ob hinten oder vorne). Gründen ein Dorf, andere machen mit. Ehepaar bekommt Kinder. Der eine Sohn hat einen Penis wie ein Elefantenrüssel. Dann wieder Kinder der Kinder. Das problematische: Die meisten heißen einfach gleich. Seinen Höhepunkt findet das irgendwo auf der 200. Seite, da kommt heraus, das der eine beim kriegspielen 18 Kinder zeugte. Die bekommen nun alle seinen Namen. Dann auch viel Geschnacksel. Auch innerhalb der Familie natürlich. 12-13 jährige Buben, denen frisch der Flaum sprießt werden in aller Regelmäßigkeit von Tanten verführt. Die eine hat sich grade wieder so einen Bengel gegrapscht und, und an dem Punkt fand ich Marquez so scheiße wie den Grass:

Sie streichelte die Algen seines Sehnens!

Gut, also der Film. Terayama hatte das Buch ja gefallen. Es gibt einige Motivüberschneidungen. Cousin/Cousine leben wieder beieinander. Die Lady hat aber einen nicht zu öffnenden Jungferngürtel vom Vati bekommen. Der Vati ist tot, das Ding geht nie, nie ab. Im Dorf wird der Mann schon verlacht, als Schwuchtel, als Impotentling. Das wird dem einen zum Verhängnis. Es gab einen Hahnenkampf (+Marquez), der Impotente (hrhr) gewann, der Verlierer lachte ihn aus und wird prompt getötet. Die Kamera zoomt in die Sonne: weiß.
Der Mann flüchtet Heim, packt eilig die Sachen mit seiner Frau, reißt die Zimmerwand ein: schwarz; und sie verlassen bei Nacht und Nebel das Heim und flüchten. Das dann auch in S/W und sie rennen ins Dunkel. 3 Tage rennen sie, dann kommen irgendwo an. Sie sind froh.
Dann sind sie nicht mehr froh. Es ist ihr Haus, sie rannten wohl im Kreise.
Dem Dorf ist das egal, sie interessieren sich nicht mehr sonderlich für den Mord.

Das Dorf ist von der Zeit mehr oder minder abgeschnitten. Zu Beginn des Filmes wurden alle tickenden Uhren am Strand verbuddelt. Es gibt nur noch eine Uhr, der Besitzer ist nun Herrscher der Zeit (Laloux). Mehr Uhren sollten auch nicht mehr im Ort sein, es ist dann etwas traditionelles. Von wegen, wenn im Dorf 2 Uhren sind, die nicht gleich sind, gibt es ja dann auch zwei Zeiten und folglich zwei Sonnenuntergänge. Die Uhr hat eh eine unglaubliche Macht. Jemand dreht die Uhrzeiger, es wird auf die Sonne geblendet, die bringt den Tag nun so schnell zu Ende, wie an der Uhr gedreht wird.

Es ist nun ja auch Terayama, also gibt es ja nicht nur, wie von mir die ganze Zeit plump beschriebene Profanereien sondern auch überwirkliches: Etwa ein Loch im Dorf (Terayama führte das gleiche Stück auch im Theater auf, auf 5 Bühnen, der Zuschauer musste sich entscheiden, was er sehen mag - dort war das Loch ein Turm). Das Loch wird vermessen, stilecht von einem anzugtragenden Liliputaner. Es ist ein tiefes Loch und eine Verbindung zum Totenreich. Der Postbote wird hinabgelassen, mit Briefen an die Toten. Das Loch weitet sich im Verlaufe des Films. Irgendwann spaziert eine Mutter mit ihrem jungen Sohn ins Dorf. Der Junge fällt in das Loch und kehrt prompt zurück als kräftiger Jüngling der den Namen des getöteten trägt und dessen Funktion im Film die des Vergewaltigers wird (Ich bin wirklich nicht in der Stimmung dafür, nein ---- Das ist unwichtig!).

Andere Momente: Wenn der Film grün eingefärbt wird sind wir an einem See mit einer Waldnymphe. Eine wunderschöne Frau, bei der die Männer sterben, wenn sie sie nackt sehen (+ Marquez). Einer stirbt. Der Zirkus ist auch in der Stadt (+Pastoral - to die in the country).

Eine Schlüsselszene dann wieder beim Mörder: Die Frau hat ihren Gürtel noch aber es interessiert ihn nicht so sehr, denn er vergisst die Namen des Seins (oho!). Notiert sich alles: Kuh, Milch usw. + Die Funktionen. Um sich selbst hängt er auch ein Schild: Ich. Das ist dann, nach Steve Clark, ein metaphysischer Fingerzeig: Gibt es ein Selbst, wenn das Ich sich nicht durch Sprache erkennen lässt? Wenn alle festgelegten Axiome der eigenen Identität, das Geschlecht, Familienstand, Nationalität ausgelöscht werden und man von Neuem beginnen muss und man sein Ich von Grund auf neu generieren muss.

Ja, zum Ende hin, noch viel mehr Zeit und Uhren, das Totenreich, eine Libellenanklage, Selbstmorde usw. Die Toten antworten auf die Briefe:
Ich habe mich gut gemacht, nach meinem Tode.

Der Film: Ich habe ihn in der falschen Stimmung gesehen, bin grad voll im Arbeits- und Alltagstrott, es war schwer für mich, habe auch nicht weiter darüber nachgedacht - also er hat mich jetzt nicht überwältigt der Film, werde ihn aber noch mal schauen, irgendwann.

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 Betreff des Beitrags: Re: Shuji Terayama
BeitragVerfasst: 04.09.2013 22:08 
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Literarische Vorlage: Gabriel Maria Marquez': 100 Jahre Einsamkeit. Extra gelesen für den Film und es war stellenweise ein hervorragendes Buch, also einige sehr phantasievolle Stellen.


Das Buch war einer der größten Haufen überbewerteter gequirlter Literaten-Kacke, durch den ich mich je durchwühlen musste. Sprachlich stellenweise durchaus beeindruckend, aber unfassbar zäh und öde.

Der Film klingt interessant, zumal Shuji Terayama selbst für einen Japanophilen wie mich noch weitgehend ein blinder Fleck ist.
Ich frage mich, wie ständig beim Lesen deiner äußerst vergnüglichen Beiträge: Wie zum Teufel kommst du bloß an diesen Stoff ran...?? :?

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 Betreff des Beitrags: Re: Shuji Terayama
BeitragVerfasst: 04.09.2013 22:41 
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Diabolik! hat geschrieben:
ultrastruktur hat geschrieben:
Literarische Vorlage: Gabriel Maria Marquez': 100 Jahre Einsamkeit. Extra gelesen für den Film und es war stellenweise ein hervorragendes Buch, also einige sehr phantasievolle Stellen.


Das Buch war einer der größten Haufen überbewerteter gequirlter Literaten-Kacke, durch den ich mich je durchwühlen musste. Sprachlich stellenweise durchaus beeindruckend, aber unfassbar zäh und öde.

Ja! Hab's auch nur bis zur 400. Seite gelesen. Und das auch nur, weil ich auf Arbeit nix andres dabei hatte. Glaube ja auch, das Nobelpreisliteratur allgemein daran krankt oft einfach scheiße zu sein. Also, hatte selten Spaß dabei. Schöner sind da eher die Bücher, die diesen Upper-class Mist in der Luft zerreißen wie Klaus Bittermanns Kompendium: Literatur als Qual und Gequalle. Über den Kulturbetriebsintriganten Günter Grass. Oder Vicinczeys: Die Zehn Gebote eines Schriftstellers (Mit Busencover!) in dem er in einem Essay Goethe in den Staub tritt und auf ihn pinkelt, mit Argumenten natürlich. :lol:

Ich weiß auch nicht, was Terayama zu Marquez geführt hat. Er hat ja selbst auch ein paar Bücher geschrieben, die teilweise vor einigen Jahrzehnten in D. veröffentlicht wurden. Mag da eine Aufsatzsammlung von ihm: Theater Contra Ideologie. Da gibt es viel (hat nur 100 Seiten) Bezüge zu aktuellem Zeitgeschehen in Japan und was ihn beeinflusste. Auf der anderen Seite kämpft er wie ein wütender Stier gegen Bertold Brecht was auch recht genugtuend ist.

Die Filme: Hatte mir ja tatsächlich mal diese eine rote japanische Box bestellt. Es waren 2 DVDs mit seinen Kurzfilmen und Emperor Tomato Ketchup usw. Die hab ich aber leider in einem alkoholgetränkten, homosexuellen Hormonrausch verschenkt. Die Kurzfilme gibt es zumindest bei ubuweb.com. Auch die von Matsumoto.
Die Filme selbst wurden ja, soweit ich weiß (Kenn mich mit Japan überhaupt nicht aus, mein hauptsächliches Gebiet liegt eher in Mittel-Osteuropa) nicht offiziell veröffentlicht. Hab mir da Bootlegs zukommen lassen, die haben meist auch ne ganz gute Qualität.
Ne ganz gute Adresse ist da: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. *** Der ist auch bei ebay.

Terayama war damals einer der ersten Kontakte für mich, mit japanischem Kino. Dem Mitternachtskino.de zum Dank. 8-)

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 Betreff des Beitrags: Re: Shuji Terayama
BeitragVerfasst: 04.09.2013 23:48 
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ultrastruktur hat geschrieben:


Okay, den kenne ich natürlich. Der ist schon seit Jahren mein Stammdealer, was seltenen/seltsamen Japan-Krams angeht.
Die Filme von Matsumoto hat er natürlich auch. Hätte ich mir eigentlich denken können... :oops:

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