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 Betreff des Beitrags: DIE NICHTEN DER FRAU OBERST - Erwin C. Dietrich
BeitragVerfasst: 28.03.2017 20:16 
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Heidrun Hankammer   Kai Fischer   Tamara Baroni   in

DIE NICHTEN DER FRAU OBERST

● IM GARTEN DER LUST / DIE NICHTEN DER FRAU OBERST / LE NIPOTI DELLA COLONNELLA (CH|D|I|1968)
mit Britt Lindberg, Claus Tinney, Michael Maien, Heiner Hitz, Giuseppe Cardillo, Peter Capra und Elfriede Volker
eine Produktion der Urania | Cinematografica Associati | im Avis Filmverleih
ein Film von Erwin C. Dietrich


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»Nach Ansicht meiner Tante werden wir Mann und Frau!«

Die verwitwete Frau Oberst (Kai Fischer) genießt das Landleben, aber nicht etwa, weil ihr Interesse der Ruhe und Abgeschiedenheit gilt, sondern sie sich ungeniert allen Sinnesfreuden und amourösen Kapriolen hingeben kann. Ihre Liebhaber sind zahlreich und jung, doch eines Tages fasst sie den Entschluss, ihre Nichten Julia (Heidrun Hankammer) und Florentine (Tamara Baroni) unter die Haube zu bringen, da sie ihrer Ansicht nach noch zu sehr mit sich selbst beschäftigen und nicht wissen, was sie mit ihrer außergewöhnlichen Attraktivität eigentlich anfangen könnten. Schließlich kommt der einfallsreichen Tante Clarissa die Idee, den Nichten kurzerhand ihre beiden eigenen Liebhaber abzutreten, doch sie hat die Rechnung ohne die beiden, wählerischen jungen Damen gemacht...

Mit dem Erotik-Klassiker "Die Nichten der Frau Oberst" blickt man auf das wohl erfolgreichste Werk von Erwin C. Dietrich, das seinerzeit offiziell an die 5 Millionen Zuschauer in die Kinos locken konnte und als einer der erfolgreichsten Filme in die Saison 1968 einging, wohlgemerkt mit einer FSK-Freigabe von 18 Jahren. Betrachtet man das Ergebnis heute, darf man sich zurecht fragen, wo eigentlich der Stein des Anstoßes bei dieser Produktion liegen soll, denn immerhin wurde der Film, nach seinem vorläufigen Totalverbot, erst nach der Erfüllung von beinahe 40 Schnittauflagen freigegeben. Nimmt man die Freizügigkeit im Szenario unter die Lupe, so bekommt man nichts geboten, was man over the top nennen müsste und vielleicht liegt hier tatsächlich der Schlüssel. Noch zu offenherzig für damalige Begriffe, aber nicht grenzüberschreitend genug, was den Zuschauern suggeriert haben könnte, dass man sich getrost von moralischen Korsetts verabschieden darf? In diesem Zusammenhang ist es tatsächlich schwer, eine gedankliche Zeitreise zu veranstalten, da stets das aktuelle Maß mitgeführt wird. Aus Gründen des Anstandes verzichtete Erwin C. Dietrich damals darauf, die "Goldene Leinwand" zu beantragen, die dem Film bei diesem breiten Zulauf eigentlich zugestanden hätte. Zurück bleibt also ein Phänomen der florierenden 1968er, das ein solches bleibt, da vieles nicht mehr zu begreifen ist. Beim Blick auf das Gesamtergebnis werden eher züchtige Eindrücke vermittelt, die allerdings für damalige Verhältnisse bestimmt scharenweise zu pikante Untertöne transportiert haben. Mit dem Auge der Gegenwart lässt sich jedoch nur noch resümieren, dass es sich um einen sehr schön fotografierten Film handelt, der es sich zur Aufgabe macht, Ästhetik und Charme mit einer gut bekömmlichen Geschichte zu verbinden, die auf unterschwelligen Humor setzt.

Den wahren Sinn bekommt diese Geschichte nicht etwa durch die angebliche Verwendung von Motiven aus Guy de Maupassants Roman, sondern durch das spektakuläre Dreier-Gespann in Form Aufsehen erregender Hauptdarstellerinnen. Unter dem Pseudonym Heidrun von Hoven sieht man Heidrun Hankammer, eine der Vorreiterinnen der Nacktwelle in der ausklingenden Edgar-Wallace-Reihe und eines der zweifellos schönsten Gesichter des damaligen Kinos. Bei "Die Nichten der Frau Oberst" handelt es sich nicht nur um ihre erste Filmrolle, sondern die Deutsche interpretiert auch eine ihrer seltenen Hauptrollen. Es erscheint ein bisschen rätselhaft, warum Hankammer trotz dieses Durchbruchs nie den tatsächlichen schaffen konnte, immerhin wurde sie einem Millionen-Publikum näher gebracht, aber der Grund der verbleibenden Belanglosigkeit liegt ganz offensichtlich im Verschachern an die einschlägig bekannte Sexwelle, sodass sich ihre Spur nach nur etwa sieben Jahren im Film-Business, 22 Auftritten in Kino und TV, mit hauptsächlich unbedeutenden Nebenrollen, komplett verliert, was sehr schade ist, denn Heidrun Hankammer bietet für die Rolle der Julia nicht nur ein schönes Gesicht und eine blendende Konstitution, sondern fällt ebenso durch präzises und punktgenaues Schauspiel auf, wie in vielen ihrer anderen Filme übrigens auch. Ihre zweite Hauptrolle legte sie ein Jahr später für den zweiten Teil "Die Nichten der Frau Oberst. 2. Teil - Mein Bett ist meine Burg" nach, bevor sich fast ausschließlich Auftritte in populären Formaten wie Erotik- und Sexfilmen, sowie Serien oder Komödien anschlossen. Als Julia sieht man die unbändigere der zwei Nichten, die sich nicht so einfach in die Tasche stecken lässt, wie es sich so mancher Sexprotz, oder Frau Oberst selbst vorstellt. Heidrun Hankammer überrascht als Debütantin mit einer geschliffenen Darbietung, die in dieser Produktion die Messlatte sehr hoch anlegt und des Weiteren ein Highlight in ihrer Karriere darstellt.

Die Italienerin Tamara Baroni, als offensiver mit ihrem Sex-Appeal spielende Florentine, hat eine ähnlich kurze Karriere vorzuweisen, die noch weniger Auftritte als bei Schauspielkollegin Hankammer umfasst. Darstellerisch kann sie sich nicht merklich hervortun, was nicht nur im Gegensatz zu den anderen Hauptrollen steht, sondern auch zu den restlichen Darstellern. Baroni versucht deshalb vornehmlich über ihre Freizügigkeit zu punkten, was ihr auch spielend gelingt. In einem Film mit erotischem Grundgehalt hat es jede Darstellerin schwer, nicht im feuerroten Licht einer Kai Fischer zu verblassen. Seit den 50er-Jahren bekannt als Darstellerin für skandalumwitterte Rollen, ist sie hier wie üblich gut agierend in der Titelrolle der gut situierten Frau Oberst zu sehen, die ihre Zeit mit breit angelegtem Plaisir und Sex-Kapriolen vertreibt. Ihren eigenen, wesentlich jüngeren Liebhaber weist sie an, sich doch eine ihrer Nichten auszusuchen, die für ihre eigenen Begriffe, und gemessen an ihrem attraktiven Aussehen, zu langsam in die Gänge kommen. In diesem Zusammenhang entwickelt sich eine gut bebilderte Bäumchen-wechsle-dich-Geschichte, die wie gesagt hauptsächlich im Rahmen der Optik Akzente versetzen zu mag. Außerdem bekommt Fischer durch die Synchronstimme von keiner Geringeren als Ingrid van Bergen noch mehr Feuer und Verführungskraft verliehen. Inhalt und Verlauf weisen leider eklatante Längen und Leerlauf auf, die trotz des schönen Ambientes und der überdurchschnittlich guten Ausstattung auffallen, aber glücklicherweise wird es nicht langweilig, da die vielen erotischen Etappen gut bei der Stange halten. Insgesamt gesehen ist "Die Nichten der Frau Oberst" aufgrund des angenehmen End-60er-Flairs recht interessant ausgefallen und überzeugt letztlich durch knisternde, wenn auch verhalten angelegte Erotik. Als Klassiker der stillen Sorte hat der Film wegen seines immensen Erfolges diesen Status sicherlich verdient; nach persönlichem Ermessen verläuft es dann aber doch ein bisschen zu geräuschlos.


— ITALO-CINEMA —


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