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 Betreff des Beitrags: AMOK - Pete Walker
BeitragVerfasst: 28.07.2012 12:03 
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Schizo
(Amok)
Großbritannien 1976 - Directed by Pete Walker
Starring: Lynne Frederick, John Leyton, Stephanie Beacham , John Fraser, Jack Watson, Queenie Watts...


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Nachdem Pete Walker Anfang der 1970er-Jahre von Sexploitation (School for Sex, The Big Switch) auf Exploitation umgesattelt ist, hatte er gleich mal einen Lauf. Die Screaming, Marianne (1971), The Flesh and Blood Show (1972), House of Whipcord (1974), Frightmare (1974) und House of Mortal Sin (1976) sind allesamt tolle Genrefilme, die unverkennbar die (pessimistische) Handschrift eines talentierten Regisseurs tragen. Mit Schizo endete dieser Lauf, denn dieser Thriller ließ leider vieles von dem vermissen, was die Vorgänger so verdammt stark, interessant und memorabel machte.

Schizo erzählt die Geschichte der jungen "Eiskönigin" Samantha (die damals 22jährige Lynne Frederick aus Phase IV und I Quattro dell'Apocalisse, die im folgenden Jahr den genialen Komiker Peter Sellers heiratete und 1994 den Kampf gegen den Alkoholismus verlor), deren anstehende Hochzeit mit Alan Falconer (John Leyton) einen griesgrämigen Arbeiter (Jack Watson) auf den Plan ruft, der sich in den Zug nach London setzt und die junge Frau fortan zu stalken beginnt. Mehr noch... Freunde und Bekannte der Eiskunstläuferin werden brutal ermordet und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch sie selbst dem scheinbar Irren zum Opfer fällt.

Schizo ist ein "One Trick Pony", dessen Trick jedoch niemanden vom Hocker reißt. Fast schon verzweifelt versuchen Walker und sein Drehbuchautor David McGillivray, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken, doch dieser hat das Kaninchen längst erspäht, lange bevor es am Ende aus dem Hut gezaubert wird. Mitschuld daran hat sicherlich der etwas unglücklich gewählte Titel mit seiner reißerischen Tagline (Schizophrenia... When the left hand doesn't know who the right hand is killing!!), aber auch die Handlung selbst ist viel zu dünn und vorhersehbar für den fast 110 Minuten langen Film. Dazu kommt noch, daß McGillivray in der von Murray Smith erdachten Geschichte kaum Potential sah und selbst nicht daran glaubte, daß die grundsätzlich nette Idee funktionierte (die Zuschauer würden das Spiel sofort durchschauen, meinte er). Schizo wandelt offensichtlich auf den Spuren von Alfred Hitchcock (die Parallelen zu Psycho und Marnie sind nicht zu übersehen), ohne jemals dessen Klasse zu erreichen, obwohl Walker immerhin einige schöne Suspense-Momente gelingen.

So solide der achtzigtausend Pfund teure Streifen auch gemacht ist, Walker schafft es einfach nicht, den Zuschauer mitzureißen und ihm die Figuren nahe zu bringen, obwohl die Heldin und ihre beste Freundin Beth (Stephanie Beacham, die Jessica Van Helsing aus Dracula A.D. 1972) recht sympathisch rüberkommen. Die gialloeske Handlung plätschert relativ unspannend dahin, aufgelockert durch das eine (z. B. Samantha beim Duschen) oder andere (eine Seance, die eine unerwartete Wendung nimmt) Set-Piece. Die Morde sind sehr brutal und blutig und geben einen Vorgeschmack auf das, was wenige Jahre später die Kinokassen zum Klingeln brachte. Besonders die Stricknadel-durch-den-Kopf-Szene und der heftige Hammermord bleiben ein wenig im Gedächtnis haften. Im krassen Gegensatz zu Walkers früheren Filmen, vor allem dem schmerzhaft zynischen House of Mortal Sin, läßt das Geschehen in Schizo den Zuschauer ziemlich kalt; selbst das Schicksal der Heldin berührt nicht wirklich. Auch Regisseur Walker ist mit dem Film alles andere als zufrieden und stellt im Buch Making Mischief: The Cult Films of Pete Walker (Steve Chibnall, FAB Press, 1998) auf Seite 174 nüchtern fest: "The picture didn't work. Somehow I think it could have been done, but I struggled for ideas on it." Trotz aller Defizite mag ich den Film, auch wenn er im Vergleich zu den vorangegangenen Genrefilmen von Pete Walker stark abfällt und in allen Belangen durchschnittlich ist. Walkers nächster Film, The Comeback (1978), ist zwar etwas besser, an frühere Erfolge konnte aber auch er nicht anschließen. Die Karriere des besten britischen Exploitationfilmers der 1970er-Jahre neigte sich damit dem viel zu frühen Ende.

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 Betreff des Beitrags: Re: AMOK - Pete Walker
BeitragVerfasst: 28.07.2012 12:37 
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Schlecht fand ich den Film nicht, aber im Vergleich zu den anderen genannten Werken von Pete Walker eher schwächer. Einige Morde waren immerhin verhältnismässig brutal für die Zeit, z.B. mit dem Hammer oder der Stricknadel(?). Es fehlt aber wirklich das Packende und so eine Atmosphäre, die ich typisch für Pete Walker halte, vorallem wie bei DAS HAUS DER PEITSCHEN (1974) deutlich spürbar ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: AMOK - Pete Walker
BeitragVerfasst: 24.02.2013 05:42 
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So, auch gerade eben gesichtet und leider musste auch ich feststellen, dass der Film mich irgendwie gelangweilt hat.

Mein Ergebnis ist allerdings, dass es dem Streifen einfach an Style fehlt. Ich meine, der Film ist ein waschechter Giallo, nur eben aus England - und an letzterem scheitert er auch kläglich. Es fehlt völlig an Style, die Substance ist zwar da, aber nichts, rein gar nichts an Style überhebt sich an ihr. Wir bekommen hier biederstes britisches Setting & ein Standard-Streicher-Score - nichts was Augen und Ohren umschmeicheln würde.
Und zu guter Letzt quält uns das Ganze fast 110 min. lang - nee!! Die Italiener hätten ein Festschmaus daraus gemacht, Walker bekommt selbst seine Fisch&Chips nicht schmackhaft hin.

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 Betreff des Beitrags: Re: AMOK - Pete Walker
BeitragVerfasst: 01.03.2013 13:24 
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Ich mag Pete Walkers Werke sehr, leider habe ich "Amok" noch nicht gesehen. Werde bald zur US-BD greifen. Mich hat Herr Walker noch nie gelangweilt, ich schätze seine entschleunigte Art der Inszenierung.

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 Betreff des Beitrags: Re: AMOK - Pete Walker
BeitragVerfasst: 25.07.2013 09:59 
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Nach gut 15 Jahren hab ich mal wieder die alten Walker-Tapes rausgekramt, um zu schauen, wie die Filme heute noch funktionieren. Nun ja...

Amok hat ein großes und entscheidendes Problem. Nach spätestens einer halben Stunde ist die Spannung aus dem Streifen komplett draußen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Zuschauer den Überblick über die Figurenkonstellation; und diese ergibt im Zusammenspiel mit dem kurzen Einleitungs-Off-Kommentar zum Thema Schizophrenie eigentlich nur eine Möglichkeit, wie das alles enden kann. Yepp, und genau diese Möglichkeit soll dann am Ende auch die überraschende Wendung der Geschichte sein. Es erscheint heute ein wenig verwunderlich, dass Drehbuchautor und Regisseur die Vorhersehbarkeit der Geschichte nicht sahen, denn die „roten Heringe“, also die Storyelemente, die den Zuschauer in die Irre und nicht gleich zu des Rätsels Lösung führen sollen, funktionieren schlicht und ergreifend nicht. Das Verhalten des Stiefvaters erscheint wenig logisch, und auch die angedeutete Eifersuchtsgeschichte ist wenig überzeugend verarbeitet. So bleiben hier einige gut getimte Spannungssequenzen übrig, die aber den Film nicht zu retten vermögen. Das offene Ende ist dann auch der Gipfel der Überkonstruktion, die mal ein spannender Horror-Thriller sein sollte.


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 Betreff des Beitrags: Re: AMOK - Pete Walker
BeitragVerfasst: 15.12.2013 13:41 
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Typischer Pete Walker Stoff, entschleunigt erzählt, garniert mit gelegentlichen Gewaltausbrüchen. Klar, die Lösung ist schnell erkennnbar, dennoch halten mich Atmosphäre und Charaktere gefangen.

Typisch Walker, typisch britisch, typisch siebziger Jahre. Macht mich sehr an. Sehr empfehlenswert auch die BD von Redemption (Code A, getestet).

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