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 Betreff des Beitrags: IM BANNE DES DR. MONSERRAT - Michael Reeves
BeitragVerfasst: 14.12.2010 20:54 
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Im Banne des Dr. Monserrat (Großbritannien 1967, Originaltitel: The Sorcerers)

Omi auf Abwegen

Seine Forschungen haben Professor Marcus Monserrat (Boris Karloff) wenig Respekt eingebracht, auch finanziell zahlten sich die Arbeiten nicht aus. Der alte Wissenschaftler hat die Hoffnung jedoch noch nicht vollständig verloren, will seine Fähigkeiten noch einmal unter Beweis stellen. Eine von Monserrat entwickelte Apparatur, soll eine Testperson in Hypnose versetzen. Im Unterschied zur gewöhnlichen Hypnose, soll der Proband per Gedankenkraft des Professors "gesteuert" werden, selbst über grössere Entfernung. Mike (Ian Ogilvy) zieht Nacht für Nacht mit seiner Freudin Nicole (Elizabeth Ercy) und seinem Kumpel Alan (Victor Henry), durch im Pulsschlag dröhnenden Clubs von London. Obwohl ständig auf Achse, ist der junge Mann zunehmend gelangweilt. Er lässt sich von Monserrat aufgabeln, der ihm einen interessanten Trip in Aussicht stellt. Tatsächlich funktioniert das Experiment, Monserrat und seine Frau Estelle (Catherine Lacey) können Mike per Kraft ihres Geistes kontrollieren, während Mike sich nicht mehr an das Treffen mit dem alten Paar erinnern kann. Der Erfolg übersteigt alle Erwartungen, denn die "Testperson" lässt sich nicht nur lenken, die Erlebnisse des Kontrollierten werden für die älteren Herrschaften sogar fühlbar. Während Professor Monserrat seine Erfindung für gute Zwecke einsetzen möchte, bricht aus Estelle die Gier hervor, sie verlangt nach Genugtuung für die Entbehrungen der vergangenen Jahrzehnte. Widerwillig lässt Marcus sie gewähren, als Estelle den ahnungslosen Mike einen Pelz stehlen lässt. Mike wird während der Tat fast von einem Polizisten erwischt, der Kick der mitgefühlten Anspannung steigert Estelles Verlangen noch weiter. Monserrat lernt die bösartige Seite seiner Gattin kennen, die zu allem Überfluß eine weitaus stärkere Macht über Mike ausüben kann, als es dem Professor selbst möglich ist. Estelle gerät ausser Kontrolle, grauenvolle Ereignisse zeichnen sich am Horizont ab. Wird Monserrat seine Frau rechtzeitig stoppen können? Kann sich Mike aus eigenem Willen aus der Gewaltherrschaft befreien, die seinen Verstand in Besitz genommen hat...???

Der leider viel zu früh verstorbene Michael Reeves, inszenierte mit "The Sorcerers" einen recht eigenständigen und sehr konsequenten Horrorthriller. 1968 folgte der bekanntere "Witchfinder General" (Der Hexenjäger), bevor Reeves sich 1969 aus dem Leben verabschiedete. Das hoffnungvolle Nachwuchstalent wurde lediglich 25 Jahre jung. "Im Banne des Dr. Monserrat" fällt zunächst durch seine harschen Kontraste auf. Auf der einen Seite sehen wir drei junge Leute, die sich im London der Swinging Sixties tummeln. Dem gegenüber steht die Wohnung des Ehepaares Monserrat, karg und bieder eingerichtet, doch hinter einer Tür lauert ein abenteuerliches "Hypnosezentrum". Reeves gelint es mit recht einfachen Mitteln, die jeweils gewünscht Atmosphäre zu erzeugen. Im Club spielt eine Band flott auf, die Sängerin trällert uns allerliebst in die Ohren, wird später zum Bestandteil der tragischen Handlung. In der Bude des alten Ehepaares herrscht Tristesse, die nicht minder intensiv auf den Betrachter einwirkt. Doch hat diese Tristesse nicht längst auch die Glitzerwelt erobert, in der sich die jungen Leute die Nächte um die Ohren schlagen? Wie ist es um das Gefühlsleben von Mike bestellt, der sich innerlich leer und angeödet präsentiert? Ein guter Einsteig, um auf die Mitwirkenden und die von ihnen dargestellen Charaktere einzugehen. Mehr dazu im folgenden Absatz.

Werfen wir einen Blick auf die Eheleute Monserrat. Marcus Monserrat ist ein körperlich angeschlagener Mann, um seine Psyche scheint es nicht viel besser bestellt, aber ein letztes Fünkchen Hoffnung glimmt noch zaghaft vor sich hin. Der offensichtliche Erfolg seiner jahrelangen Arbeit lässt ihn wieder aufleben, neue Perspektiven entstehen vor seinem geistigen Auge. Die Freude ist lediglich von kurzer Dauer, denn seine Gattin macht ihm bald die Hölle heiss (was man fast wörtlich nehmen kann, wegen Spoilergefahr aber nicht weiter von mir ausgeführt wird). Karloff zeigt uns Marcus Monserrat nicht als bösartigen Menschen. Ganz im Gegenteil, er möchte zwar endlich Anerkennung erfahren, will aber in erster Line anderen alten Menschen helfen. Die gebrechliche Rolle ist Karloff gewissermaßen auf den Leib geschneidert, er war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits gesundheitlich angeschlagen, verstarb 1969. So solide und anrührend Boris Karloff auch aufspielt, er wird von Catherine Lacey fast ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Zunächst scheint die alte Dame lediglich ein knarziger Besen zu sein, doch aus ihrer Verbitterung erwächst eine nahezu uferlose Bösartigkeit, die selbst vor dem Ehemann keinen Halt macht. Eine großartige Vorstellung! Ian Ogilvy kommt als Mike wenig sympathisch daher, man könnte ihn durchaus als Kotzbrocken bezeichnen. Zunächst fragte ich mich, ob diese Zeichnung des Charakters den Zuschauer nicht unnötig auf Distanz hält. Ich kann Entwarnung geben, denn letztlich wird die schonungslose Konsequenz des Films dadurch dick unterstrichen. Reeves, der auch am Drehbuch beteiligt war, entlarvt die schöne Scheinwelt der späten sechziger Jahre. Hinter der Glitzerfassade taumelt die Jugend ohne Orientierung umher, regieren Gefühlskälte und Egoismus. Selbst die überwiegend nicht negativ angelegte Rolle der Nicole (Elizabeth Ercy), mag sich nicht zu echter Liebe bekennen, obschon sie sich zumindest nicht völlig sorglos und gleichgültig gibt. Victor Henry wird von den Ereignissen um seinen "Freund" mitgerissen, spielt seinen Part gewollt und zutreffend unscheinbar. Die Nebendarsteller runden das Ensemble effektiv ab, auch schauspielerisch ist hier also alles im grünen Bereich.

Schaut man aufmerksam zu, liefert "Im Banne des Dr. Monteserrat" ein sehr bitteres, desillusioniertes Bild der Swinging Sixties ins Haus. Regisseur Michael Reeves -selbst ein Teil der damals jungen Generation- inszeniert nicht wie ein Aussenstehender mit dem erhobenen Zeigefinger, wodurch ein unangenehmer, verdächtiger Beigeschmack völlig ausbleibt. Vermutlich ist der Film ein Abbild seines eigenen Seelenlebens, dieser Gedanke drängt sich nach der Sichtung des Streifens geradezu auf. Unterstrichen wird die Annahme durch das tragische Ableben des Nachwuchstalentes, welches durch eine Überdosis Pillen aus dem Leben schied.

"Im Banne des Dr. Monserrat" ist ein -auf besondere Weise- authentischer Trip in die späten sechziger Jahre. Durchaus mit "Gute Laune Momenten" bestückt, in der Hauptsache jedoch entwaffnend ehrlich und von nachhaltiger Wirkung. Dank der schönen DVD von E-M-S, kann man diesen sehr sehenswerten Film der hauseigenen Sammlung zuführen. Freunde steriler Aufbereitungen werden nicht angetan sein, diverse Kratzer, Laufstreifen und etwas zu blasse Farben, geben dieser Personengruppe Anlass zur Kritik. Die Kompression verhält sich erfreulicherweise unauffälig, das Bild verbreitet eine angenehme Kinoatmosphäre, die mir in der vorhandenen Form sehr gut gefällt. Die DVD erschien im Rahmen der Reihe "Der phantastische Film", mit der uns E-M-S einige Perlen auftischte. "Im Banne des Dr. Montserrat" ist der fünfte von insgesamt neun Titeln, leider ist die Reihe zusammen mit E-M-S von uns gegangen. Die Erstauflage kommt in einem schicken Schuber daher, ein Booklet rundet die gelungene Veröffentlichung ab. Wer die Erstauflage noch ergattern kann, sollte umgehend zugreifen! Die günstige Nachpressung ist immerhin besser als Verzicht.

Ein guter, mutiger und gnadenloser Film. In der heutigen Zeit vielleicht aktueller denn jemals zuvor! Dicke 7/10 (mit steigender Tendenz).

Lieblingszitat:

"Es ist ein herrliches Gefühl."

_________________
Blap V 3.0 regaining paradise

***
Vom Ursprung her verdorben


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 Betreff des Beitrags: Re: IM BANNE DES DR. MONSERRAT - Michael Reeves
BeitragVerfasst: 14.12.2010 21:44 
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Amtliche Rezension, Blap!
MONSERRAT hat mich damals bei Sichtung noch auf Beta-Video schon sehr überrascht. Da sah man doch einen eher ungewöhlichen Streifen, so ganz ohne übernatürliche Phänomene, Geister, Spuk oder Schockeffekte. Der Film packt an anderer Baustelle zu.
Besonders die Darstellung der Tristesse im Leben der beiden Hauptdarsteller faszinier(t)en mich, das Lokalkolorit in den Gassen und Straßen wirkt sehr reell. Dazu passen fast schon wieder die etwas zu tristen Farben. Karloff und C. Lacey spielen faszinierend. Ein schönes Stück Kino, auch wenn viele Zeitgenossen den Film als uninteressant abtun.
Kann mich Deiner Beurteilung nur anschließen, eher mit tendenziell noch klein bisschen höherer Wertung.

Gruß, G.


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