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 Betreff des Beitrags: DAS DING AUS DER MUR - David Hehn
BeitragVerfasst: 27.02.2016 13:31 
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Das Ding aus der Mur
Österreich 2012 - Directed by David Hehn
Starring: Daniel Josef Rossmann, Heinz Olbrich, Silke Wiorek, Imre Withalm, Aurel Hu, Rose Mild...


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Aufregung in Graz! Aus den Fluten der Mur steigt ein gräßliches Monster, welches mit brutalster Gewalt zuschlägt. Niemand ist vor dem grünen Ungetüm sicher, es tötet so wahllos wie grausam. Ein alkoholisierter Partybesucher, der an einer Mauer seine Blase erleichtert, ist nur das erste Opfer der blutrünstigen Bestie. Es folgen Spaziergänger und Strandhasen; sogar Babys sind vor der abscheulichen Kreatur nicht sicher. Postenkommandant Alois Ratzinger (Daniel Josef Rossmann) soll das Ding aus der Mur unschädlich machen. Doch der ist mit seinen vielen Nebenjobs (u. a. Koch und Taxler) heillos überfordert. Außerdem säuft er wie ein Loch, und die ganze ungute Angelegenheit ist ihm ehrlich gesagt auch völlig wurscht. Unterstützung erhält er von dem Wiener Inspektor Klaus Maler (Heinz Olbrich) und dessen Assistentin (Silke Wiorek), doch auch die beiden legen eine Gemächlichkeit an den Tag, als ob sie alle Zeit der Welt hätten. Derweil macht das Monster - eine Mutation hervorgegangen aus der Umweltverschmutzung durch die lokalen Atom- und Wasserkraftwerke (jawohl, in diesem Film darf auch Österreich endlich einmal mit den nuklearen Teilchen spielen!) - weiter die Gegend um die Mur unsicher.

Was in Deutschland seit vielen Jahren gang und gäbe ist, tritt in Österreich (meines Wissens) nur äußerst sporadisch auf. Die Rede ist von Amateurproduktionen im Horrorfilmbereich. David Hehns im Juli/August 2011 gedrehter Das Ding aus der Mur ist jedoch ein Paradebeispiel für dieses gar nicht so unpopuläre Subgenre. Ich ziehe den Hut vor Hehn (Regie/Produktion/Spezialeffekte), Aurel Hu (Co-Regie/Kamera/Produktion) und Arnold Spoiler (Produktion), daß sie ein derartiges Projekt auf die Beine gestellt haben, obwohl ich nicht umhinkomme festzustellen, daß ich mit dem Ergebnis so meine Probleme habe. Das Ding aus der Mur, angeblich der erste Grazer Horror/Splatter-Film, ist von der ersten bis zur fünfundsiebzigsten (und letzten) Minute an Dilettantismus kaum zu überbieten. Das beginnt bei dem schauderhaften "Spiel" der Laiendarsteller, reicht über die stümperhaft vorgetragenen Dialoge und die nervös wackelige Kamera und endet schließlich bei der furchtbaren Nachsynchronisation bzw. Nachvertonung. Die Macher suhlen sich hier förmlich - und, wie ich vermute, auch völlig bewußt - in amateurhaften Untiefen, zelebrieren das Nicht-Können regelrecht, anstatt es verschämt zu überspielen.

Der sich keine Sekunde lang ernst nehmende Streifen erinnert deshalb auch ein klein wenig an gewisse Machwerke der US-Trash-Schmiede Troma, nur daß das Budget hier noch wesentlich geringer gewesen sein dürfte. Eine richtige Geschichte wird nicht erzählt; das Publikum bekommt lediglich eine sehr beliebige Aneinanderreihung von Szenen geboten, die am Ende leider kein großes Ganzes ergeben wollen. All die bereits angesprochenen Defizite möchte ich dem Ding aus der Mur auch gar nicht groß zum Vorwurf machen. Wer sich dafür entscheidet, einen Amateurfilm anzusehen, muß auch damit rechnen, daß das Ergebnis amateurhaft ist. Was ich dem Film jedoch ankreide ist, daß vieles auf mich einen sehr lustlosen Eindruck macht. Die zugegeben recht cool gestaltete Kreatur stapft gelangweilt durch das seichte Wasser und die Darsteller agieren, als ob sie überhaupt keinen Bock hätten und lieber ganz woanders wären. Mit enthusiastisch zelebrierter Spielfreude bzw. etwas mehr Einsatz hätte man diesbezüglich rasch Abhilfe schaffen können. So allerdings läßt der Unterhaltungswert sehr zu wünschen übrig, und es will keine rechte Laune aufkommen, zumal die Kamera bei diversen extrem uninteressanten (Füll-)Szenen viel zu lange draufbleibt.

Am Spaßigsten ist Das Ding aus der Mur dann, wenn das Monster für Action sorgt. Denn wo das Ding hinhaut, wächst kein Gras mehr. Ergo hinterläßt es gerne verstümmelte Körper, abgetrennte Gliedmaßen und dergleichen mehr. Die handgemachten Effekte sind für No-Budget-Verhältnisse recht gut umgesetzt, obwohl man den abgerissenen Armen und dem zerfetzten Baby die Puppenherkunft deutlich ansieht. Neben dem angenehmen Lokalkolorit (es gibt einige schöne Kameraschwenks über Graz) kann manchmal (aber leider nur manchmal) auch der Humor überzeugen. Bei den peinlichen Polizeiaktivitäten orientierte man sich offensichtlich an der TV-Serie Kottan ermittelt (der Text der Tonbandschleife atmet z. B. exakt deren Geist), nur leider hat keiner der teils nervenden Figuren auch nur annähernd den charmanten Schmäh der Kult-Kieberer Kottan, Schremser und Schrammel. Ob die "Rettet das Monster"-Demo einiger Hippies etwas fruchtet oder ob die Kreatur am Ende den Weg alles Irdischen geht, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Verraten darf ich jedoch, daß 2015 mit Das Ding aus der Mur Zero ein Prequel entstanden ist. Bleibt zu hoffen, daß die Vorgeschichte unterhaltsamer und kurzweiliger geraten ist als das bedauerlicherweise nur leidlich amüsante Original.

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