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 Betreff des Beitrags: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
BeitragVerfasst: 01.11.2016 17:17 
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IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS
(Ot: Blood on Satans Claw aka Satans Skin)
Grossbritannien 1970

Patrick Wymark - LORD/RICHTER
Linda Hayden - ANGEL
Barry Andrews - RALPH

Regie : PIERS HAGGARD

Laufzeit ca. 92 min, in Farbe

FSK ab 16 Jahren


deutscher Alternativtitel: IN DEN KRALLEN DES SATANS

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England, in der Grafschaft Essex im 18 Jahrhundert
Ralph, ein Bauer findet beim umpflügen des Ackers eine Art Gesicht in der Erde. Er glaubt das es das Gesicht des Teufels sei, da es weder nach Mensch noch nach Tier aussieht und er berichtet es sogleich der Lordschaft, einem Richter davon. Der befindet sich gerade zu Gast in der Grafschaft. Der Richter will dies nicht glauben, aber auf das Drängen von Ralph geht dieser nun doch mit zur Fundstelle. Das Gesicht ist nicht mehr da. Der Richter tut es als Aberglaube ab, weil seiner Meinung nach Hexen, Teufelsglaube und die Zeiten der Hexenverfolgungen eh endgültig vorbei sind und es sowas eben nicht gibt!

Aber es geschehen seltsame Dinge in der Grafschaft. Ein Mädchen wird in ihrer Schlafkammer von einem Etwas heimgesucht, so das sie wahnsinnig wird und ihrem Freund ergeht es ähnlich, als er in der Schlafkammer übernachtet und von einer Kralle angegriffen wird. Er sticht auf die Kralle ein und schneidet sie ab. Allerdings stellt der hinzu geeilte Richter fest, das sich der junge Mann seine eigene Hand abgeschnitten hat. Irgendetwas scheint diese Grafschaft heimzusuchen und man will diesem Übel auf den Grund gehen, um es ein für alle mal auszurotten, wie der Richter meint. Nachdem er die Grafschaft verlassen hat hören derlei Geschehnisse nicht auf. Kinder und Jugendliche scheinen immer mehr von etwas besessen zu sein und fühlen sich zu einem Satanskult hingezogen, deren Anführerin Angel ist. Die Kinder werden zu Kindern des Teufels und weisen als Kennung plötzlich eine Kralle als Hand oder ein Stück Pelz irgendwo am Körper auf. Als von den Teufelskindern ein junges Mädchen bei einem sexuellen Ritual vergewaltigt und getötet wird, eskaliert die Situation und die Dorfbewohner beginnen eine regelrechte Hexenjagd. Aber auch der Richter kommt zurück und bringt Helfer mit.

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Regisseur Piers Haggard inszenierte einen eher ruhigen Film, der es aber hervorragend verstand ein Bild dieser Zeit zu entwerfen. Historisch und sehr stimmungsvoll bekommt man hier eine starke Geschichte seviert, die vom Widerstand gegen einen Satanskult erzählt und dabei macht man sich die eher beschauliche Landschaft zu nutze, die in der Tat wie aus dem 18 Jahrhundert erscheint. Hinzu kommen die exakten Kostüme jener Zeiten, inkl. des ländlichen Lebens, wie es in etwa damals war. Diverse Grausamkeiten, Sex und sonstige Krassheiten werden zwar nicht explizit gezeigt, sind aber in ihrer Deutlichkeit alles andere als harmlos. Auch das pelzige Etwas an den Körpern der Kinder und Jungendlichen sieht schon erschreckend aus und verfehlt seine Wirkung nicht und sowas kann mehr schockieren als wenn man hier mit drastischen Folter- und Splattereinlagen vorgegangen wäre. Trotz allem wirkt der Film eher hart, ist aber überhaupt nicht spekulativ und auch keine Exploitation. Der Unterschied zu den anderen vorigen Hexenjägerfilmen, wie beispielsweise DER HEXENJÄGER & HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT ist, das hier Satan als haarige Gestalt tatsächlich vorhanden ist und somit nicht als Sinnbild von irgendwelchen religiösen Fanatikern existiert. Damit rückt der Film ins Phantastische Filmgenre, verbindet dies aber mit der Hexenjäger-Thematik. Die Atmosphäre hier wirkt unheimlich und bedrohlich, gerade weil sich das Grauen schleichend und langsam ausbreitet.

Die Darsteller sind vorzüglich und tragen zum gelingen dieses ganzen Films bei. Patrick Wymark als Richter ist glaubhaft. Er ist ein klar denkender Mann seines Amtes, der nicht übereilt handelt. Er will das Übel erst verstehen, bevor er handelt und es bekämpft. Ein Richter in einer Zeit der Aufklärung, wo es keine willkürlichen Hexenprozesse mehr gab. Linda Hayden ist Angel. Sie und die übrigen Kinder nehmen hier eine Art Schlüsselrolle ein, denn diese Teufelskinder sind und werden zur Bedrohung der ganzen Grafschaft Essex. Kinder können grausam und gnadenlos sein, wie im Falle eines Jungen, den sie einfach so erschlagen oder Angel selbst, die erst den Priester mit ihrer Nackheit zu verführen sucht und als dieser standhaft bleibt, beschuldigt sie ihn später, das er sie vergewaltigt hätte und ihm darauf hin der Prozess droht. Barry Andrews ist Ralph, der im Laufe der Ereignisse den Tag verflucht, an dem er den Acker umgegraben hatte und er dieses unheimliche Gesicht zu sehen bekam, weil er somit den Teufel unwissend frei ließ. Aber er ist auch fortschrittlich im Handeln, wie im Falle eines Mädchens, das die anderen Dörfler bei ihrer Hexenjagd einfangen und diese ins Wasser schmeissen, nur um zu sehen, ob sie eine Hexe ist. Wenn sie oben schwimmt ist sie eine, wenn sie untergeht war sie eben keine. Eine der sogenannten damaligen "Hexenproben".

RALPH: "Wenn sie untergeht, dann habt ihr sie umgebracht!"

Die Dörfler schauen sich daraufhin gegenseitig an und irgendwie dämmert es ihnen, das Ralph ja doch irgendwie recht haben könnte. Ralph holt das Mädchen aus dem Wasser und rettet sie damit. Solche szenarischen Kleinigkeiten sind mir bei solchen Filmen extrem wichtig und ich finde das einfach nur genial, wenn sowas in der Tat vorkommt. Es zeigt aber auch, wie die Menschen damals gedacht und gehandelt
haben.

Die Filmmusik von MARC WILKINSON ist eine schöne und eher ruhige Musik und passt wunderbar zum filmischen Geschehen. Allein schon der schöne Main Title stimmt den Zuschauer auf ein besonderes Filmerlebnis ein. Erst im Jahre 2007 erschien diese Filmmusik beim Label Trunk Records auf CD. Hier das CD-Frontcover.

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Hier haben wir mal wieder einen kleinen feinen Film, der in seiner ganzen Inszenierungsart bis heute nichts von seiner Atmosphäre und Wirkung eingebüßt hat und das trotz der Tatsache, das hier weniger Gewalt gegen Frauen vonstatten ging und er sich somit von anderen Filmen dieser Art erheblich unterscheidet.

Der Film erschien damals auf Video beim Label VPS und wies den deutschen Kinotitel auf, aber er war damals aufgrund der gekürzten Kinofassung ebenfalls dort zensiert. Er erschien aber auch beim Label VMP und nannte sich dort IN DEN KRALLEN DES SATANS und hatte wohl eine andere Synchro und soll vollständig gewesen sein, was ich jetzt aber nicht mehr so genau sagen kann.

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Koch Media brachte ihn vor Jahren als DVD heraus. Er ist vollständig und hat die alte gute Kinosynchro. Vollständig war auch letztens die Ausstrahlung im TV Sender Arte, die ihn in ihrer Trashreihe zeigten. Dort war er allerdings nur im OmDU zu sehen. Da ich den Film gut kenne, schaute ich dort nur ein wenig rein. Film hatte ein gutes tolles Bild und wurde in HD präsentiert. Irgendwo las ich doch erst kürzlich, das der demnächst möglicherweise als Bluray erscheinen soll. In die Kategorie Trash würde ich den Film aber eher nicht einordnen wollen, denn dazu besitzt er trotz seiner Thematik einen gewissen Anspruch!

Graf von Karnstein Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
BeitragVerfasst: 27.12.2016 01:21 
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Laut ofdb ist die VMP-Fassung auch gekürzt, nur an anderen Stellen als das VPS-Tape.

Am 27.2.17 veröffentlicht NSM die ungekürzte Fassung als Mediabook.


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 Betreff des Beitrags: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
BeitragVerfasst: 31.12.2016 10:35 
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Ich habe diesen Film vor langer Zeit mal angeschaut gehabt und war damals nicht so wirklich überzeugt, wie ihr meiner nachfolgenden, damals geschriebenen Kritiik entnehmen könnt. Aber ich will ihn unbedingt nochmals sichten, und deshalb freue ich mich auf das Mediabook von NSM.

Inhalt:

Der junge Landarbeiter Ralph Gower (Barry Andrews) findet beim Umpflügen eines Feldes einen mit Fell besetzten Schädel. Er ist überzeugt dass er den Kadaver des Teufels gefunden hat und bittet den Londoner Lord-Richter (Richard Wymark), der zufällig auf Besuch bei Ralphs Arbeitgeberin Lady Isobal Banham (Avice Landone) befindet, um Hilfe. Als sie aber an den Fundort zurückkehren ist das makabre Objekt verschwunden. Dafür häufen sich kurz darauf unerklärliche Vorfälle: Rosalind (Tamara Ustinov), die Freundin von Peter Edmonton, dem Neffen von Lady Isobal, wird wahnsinnig als sie in der Dachkammer des Hauses übernachtet. Isobel verschwindet kurz darauf spurlos, nachdem sie von Rosalind angegriffen worden war und ein hohes Fieber entwickelt hatte. Peter hackt sich seine eigene Hand ab im Wahn, es handle sich um eine Dämonenpfote. Der Richter, ein aufgeklärter Zeitgenosse, glaubt jedoch nicht an den Teufel und reist zurück nach London. Derweil schart Angel Blake (Linda Hayden) die junge Dorfbevölkerung um sich. Sie ist dem Bösen verfallen, hat einen Satanskult gegründet und versucht, durch Menschenopfer dem Teufel wieder Gestalt zu geben. Peter sieht keinen Ausweg mehr und reist nach London, um den Richter um Hilfe zu bitten. Dieser kehrt zurück, bewaffnet mit Schwert und Kreuz, um das Böse endgültig zu vernichten……

Meine Meinung:

Dieser Film wurde von Tigon British Film Productions produziert, der dritten Kraft des britischen Horrorkinos nach Hammer und Amicus zu jener Zeit. Regisseur Piers Haggard präsentiert uns keinen Hexenjägerfilm im herkömmlichen Sinn. Vielmehr ist der Richter ein Realist, welcher längst vergessenes Grauen nicht wieder aufleben lassen und deshalb von Hexen und Teufelsanbetern auch nichts wissen will. Aber im Gegensatz zu den klassischen Hexen-Folterfilmen ist hier die Bedrohung real. Das Böse hat sich in dem Dorf eingenistet und verbreitet sich wie die Pest. Der reisserische deutsche Verleih-Titel schiesst denn auch einmal mehr weit übers Ziel hinaus. Dies ist sicher den exploitativen Hexenfilmen geschuldet, welche damals Hochkonjunktur hatten und von deren Popularität profitiert werden sollte. Vielmehr sehen wir einen ziemlich unausgegorenen Cocktail zwischen wenigen Hexenjäger-Elementen, Okkultismus und Dämonenkult. Dieser wird gewürzt mit einigen spärlichen harten Szenen wie z.B. einer Vergewaltigung. Ansonsten ist in Sachen Gore Fehlanzeige. Dieser hätte den Film vielleicht etwas aufwerten, aber keinesfalls retten können. Denn zu gemächlich plätschert die Handlung vor sich hin und verheddert sich immer wieder in lückenfüllende Nebenplots. Ein gutes Beispiel dafür ist als die besessene Angel versucht, den Dorf-Reverend Fallowfield (Anthony Ainley) zu verführen, indem sie ihren makellosen, nackten Körper zur Schau stellt. Solche Szenen wurden nur ins Skript hineingeschrieben um die zu jener Zeit obligate nackte Haut zeigen zu können. Aber trotzdem gelingt es dem Film, eine latent bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Dafür sorgen neben den stimmigen Sets auch der lyrisch-gruselige Score von Marc Wilkinson, der ein starkes Titelthema liefert und ansonsten die Stimmung niemals aufdringlich, aber stets auf der Höhe des Geschehens, begleitet. Auch die Kameraarbeit von Dick Bush ist Top. Er setzt sogar Zeitlupe ein, als der Richter wie ein wütender Rachegott über den Satanskult kommt und den Teufel höchstpersönlich, auf sein Schwert gepfählt, zur Hölle schickt. Diesen sieht man übrigens im ganzen Film nur andeutungsweise und wenig furchterregend. Und wenn man ihn sieht dann ist es ein zwar klauenbewehrtes, haariges Etwas, welches aber keinerlei Horror erzeugen kann. Schade.

Von der Schauspielerriege gibt’s nicht viel Spektakuläres zu vermelden. Richard Wymark als Richter starb kurz nach Ende der Dreharbeiten und hinterlässt einen ziemlich blassen Eindruck. Viel blasser als seine Vorstellung als Cromwell im legendären „Der Hexenjäger“. Barry Andrews als Ralph dürfte den geneigten Hammerhorror-Fans noch in Erinnerung sein als Paul aus „Draculas Rückkehr“. Er sieht übrigens immer noch aus wie Roger Daltrey von „The Who“ und spielt seinen Part wenig imponierend sondern eher zweckdienlich. Linda Hayden ist zweifellos das Glanzstück. Sie meistert die Verwandlung vom braven Landei zur seelenlosen Teufelsbraut mit Bravour. Auch sie dürfte den Hammer-Fans für ihre Performance als Alice in „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ bekannt sein.

Fazit: Routiniertes Genrekino das zu unterhalten weiss. Aber weit entfernt von den wirklich bedeutenden Genrebeiträgen jener Zeit. 5/10


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