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 Betreff des Beitrags: DER DÄMON DER INSEL - Francis Leroi
BeitragVerfasst: 03.09.2016 11:17 
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Le démon dans l'île
(Der Dämon der Insel / The Demon Is on the Island / Demon of the Island)
Frankreich 1983 - Directed by Francis Leroi
Starring: Anny Duperey, Jean-Claude Brialy, Pierre Santini, Gabriel Cattand, Cerise, Catherine Alcover, Bruno Bruneau...


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Dr. Gabrielle Martin (Anny Duperey aus Claude Mulots La rose écorchée aka Die geschändete Rose), eine engagierte, selbstbewußte Frau Mitte Dreißig, zieht sich nach einem schmerzhaften Ereignis in ihrem Leben auf eine kleine, beschauliche Insel vor Frankreich zurück und nimmt dort die offene, ihr angebotene Stelle als Ärztin an. Zu ihrer Überraschung erfährt sie, daß Dr. Paul Henry Marshall (Jean-Claude Brialy aus Luis Buñuels Le fantôme de la liberté aka Das Gespenst der Freiheit), der Arzt, den sie eigentlich ablösen soll, nicht daran denkt, sich zurückzuziehen, doch Bürgermeister Richard (Pierre Santini aus Claude Chabrols Les innocents aux mains sales aka Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen) versichert ihr, daß alles seine Ordnung hat, da die Inselbewohner dem so charismatischen wie arroganten Arzt angeblich nicht mehr vertrauen und mit ihm nichts mehr zu tun haben wollen.

Also beginnt sie zu praktizieren, obwohl ihr die prekäre Situation etwas unangenehm ist, umso mehr, da sich ihr erster "Patient" als ebenjener Dr. Marshall erweist. Doch es kommt noch schlimmer. In den nächsten Tagen ereignen sich auf dem idyllischen Eiland seltsame "Unfälle" mit Haushaltsgeräten und Spielzeug, welche selbst mit viel Phantasie unerklärlich bleiben. Der plötzlich austretende Dampf aus einer Kaffeemaschine verbrüht das Gesicht einer Frau, ein funkelnagelneues elektrisches Messer trennt einem Mann - obwohl es nicht eingesteckt ist - zwei Finger ab, ein trommelnder Teddybär sticht einem Mädchen mit dem Trommelstab ins Auge, und die Hand einer Frau verkohlt langsam im Herd, nachdem die Tür von selbst zuklappt und sich verklemmt. Gabrielle geht den dubiosen Vorfällen auf den Grund, und je näher sie der Lösung des Rätsels kommt, desto mehr gerät sie selbst in Gefahr, einem "Unfall" zum Opfer zu fallen.

Mit positiven Kindheits- bzw. Jugenderinnerungen ist das ja so eine Sache. Das Wiedersehen viele, viele Jahre später kann ausgesprochen erfreulich ausfallen, es kann aber auch ganz ordentlich in die Hose gehen (wie es mir zum Beispiel bei Damnation Alley (Straße der Verdammnis, 1977) passiert ist). Bei Le démon dans l'île trifft glücklicherweise ersteres zu, weil der Film ein zwar kleines aber sehr feines Juwel ist, welches wie guter Wein im Laufe der Jahrzehnte noch zusätzlich gereift ist. Produziert wurde der phantastische Horrorstreifen, der beim Fantasporto Festival sowie beim Avoriaz Fantastic Film Festival insgesamt drei Preise abräumte, von Patrick Delauneux und Claude Zidi (L'aile ou la cuisse aka Brust oder Keule), und die Regie übernahm der 1942 geborene und 2002 verstorbene Franzose Francis Leroi (Emmanuelle IV). Und Leroi macht so gut wie alles richtig.

Sein zusammen mit Owen T. Rozmann geschriebenes Drehbuch ist gut strukturiert und hält die Spannung bis zum Finale geschickt am Köcheln, wobei die Auflösung weder überaus originell noch wirklich überraschend ist (es gab in den Jahren davor einfach zu viele Filme mit einer ähnlichen Thematik). Die Figuren sind ansprechend charakterisiert, und die Akteure erledigen ihre Sachen bravourös, sodaß man mit der Heldin mitfiebert, während man den sardonischen Schurken zunehmend verabscheut. Der ungewöhnliche Schauplatz sorgt für angenehmes Lokalkolorit (durch die alten Gemäuer entsteht sogar ein leichtes Gothic Horror-Feeling), und die spärlich aber effektiv eingesetzte Spannungsmusik von Christian Gaubert verleiht dem beunruhigenden Geschehen noch mehr Druck. Und über allem schwebt eine dichte, ominöse Stimmung der latenten Bedrohung, sodaß ein Gefühl entsteht, als könnte jederzeit etwas Schreckliches geschehen.

Dies trifft vor allem auf die famos in Szene gesetzten "Unfälle" zu, die vor Suspense regelrecht knistern und beim Zuschauer für unruhiges Kribbeln sorgen, zumal man selbst tagtäglich mit ähnlichen Geräten herumhantiert. Diese fiesen Set-Pieces wecken Erinnerungen an die Final Destination-Reihe (2000 - 2011), obwohl sie weder so spektakulär aufwändig noch so lustvoll blutig gestaltet sind. Eindruck hinterlassen sie trotzdem, denn harmlos sind sie nun wirklich nicht, wobei der für die Spezialeffekte zuständige Marc Marmier auch vor einigen garstigen Gewaltspitzen nicht zurückschreckt. Sowohl das Fingerabsäbeln als auch der Stich ins Auge sind kurz aber immens effektiv, während - als krasser Gegensatz dazu - das Verkohlen der Hand extrem lange und detailliert gezeigt wird. Überhaupt wird dieses Set-Piece genüßlich zerdehnt, da im selben Haushalt parallel auch an anderen Geräten gewerkelt wird, was der Spannung sehr zuträglich ist.

Was genau auf der Insel vor sich geht, wieso die Geräte ein gespenstisches Eigenleben entwickeln und somit zur Gefahr für Leib und Leben der Benutzer werden, wird erst gegen Ende enthüllt. Der Zuschauer weiß immer nur so viel wie Gabrielle, die lange Zeit (nicht nur sprichwörtlich) im Dunkeln tappt und nur langsam hinter das dunkle Geheimnis kommt, welches die Insel umrankt. Zum großen Showdown zieht Francis Leroi, der sich mit seinen weiteren Regiearbeiten nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, noch mal alle Register. Das Finale ist packend, recht spektakulär, und auf eine gewisse Weise sogar bewegend. Le démon dans l'île ist ein äußerst gelungener Mystery-Horrorschocker, der dem Genrefreund sehr spannende, mit zahlreichen denkwürdigen Set-Pieces gespickte Unterhaltung bietet. Außerdem beweist der Film, daß es sie da draußen noch immer gibt. Die in der Versenkung verschwundenen, fast vergessenen Perlen.

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 Betreff des Beitrags: Re: DER DÄMON DER INSEL - Francis Leroi
BeitragVerfasst: 03.09.2016 15:00 
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..... wird mal Zeit für ne anständige VÖ :geek:

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