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 Betreff des Beitrags: DER HEXENTÖTER VON BLACKMOORE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 03.08.2011 11:51 
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Originaltitel: Il Trono di fuoco

Produktionsland: Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien
Produktion: Harry Alan Towers
Erscheinungsjahr: 1970
Regie: Jesus Franco
Drehbuch: Michael Haller, Harry Alan Towers, Anthony Scott Veitch
Kamera: Manuel Merino
Schnitt: Derek Parsons, Gertrud Petermann
Spezialeffekte: -
Budget: ca. 18.713.190 Peseta
Musik: Bruno Nicolai
Länge: ca. 103 Minuten
Freigabe: ungeprüft
Darsteller: Christopher Lee, Maria Schell, Leo Genn, Hans Hass Jr., Maria Rohm, Margaret Lee, Pietro Martellanza, Howard Vernon, Milo Quesada, Serena Vergano, Werner Abrolat, José María Blanco, Giuli Carr, Diana Lorys, José María Prada



Der Hexentöter von Blackmoor ist ein Jahr nach Der Hexenjäger von Michael Reeves entstanden. Trotzdem kann man diesem Film nicht absprechen, dass dieser für einen Film wie Hexen bis aufs Blut gequält genau so inspirierend war, wie Reeves Klassiker.

Der Hexentöter von Blackmoor ist ein eher Jess Franco untypischer Film. Der Film ist sehr opulent gestaltet, und macht in keiner Weise den Eindruck eines Low Budget Projekts. Der Film ist eher im damaligen Mainstream angesiedelt, handwerklich gut in Szene gesetzt und mit überzeugenden Schauspielern gespickt.

Franco zeigt zwar die ein oder andere Folterszene, konzentriert sich aber eher auf den Plot des Films, welcher sich mit Verrat, Loyalität, Irrglaube und Regierung auseinandersetzt. Das Ganze geschieht auf eine sehr unterhaltsame Weise, denn Francos Film hat so gut wie keinen Leerlauf zu bieten. Der Zuschauer wird bestens unterhalten und bekommt Einiges geboten. Was jedoch fehlt: Franco geht zu oberflächlich mit dem Thema der Hexenverfolgung um und benutzt dieses eigentlich nur um die ein oder andere Folterung oder Hinrichtung zu zeigen. Das Thema Kirche wird hier eher tabuisiert und die Macht die durch die Kirche ausgeübt wird nicht angesprochen.

Der Hexentöter von Blackmoor treibt den Zuschauer gezielt auf eine Hassebene. Er verabscheut Jeffreys und seine Häscher und genießt es wie diese zum Ende ihre Macht verlieren. Die Szene im Kerker als die gefangenen Frauen über einen der Folterknechte herfallen und diesen zu Tode peinigen, wird zwar nicht übertrieben ausgiebig dargestellt, trägt allerdings zur Genugtuung des Zuschauers bei.

Fazit:
Ein untypischer, aber sehr guter Franco-Film der auf unterhaltsame Art zu gefallen weiß.



8/10

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 Betreff des Beitrags: Re: DER HEXENTÖTER VON BLACKMOORE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 03.08.2011 19:12 
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Jawohl dieser Franco Film ist mal echt unterhaltsamm! ;) Eigentlich ist ja Franco nicht so mein ding, aber hier merkt man gar nicht das er die Regie inne hatte...

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 Betreff des Beitrags: Re: DER HEXENTÖTER VON BLACKMOORE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 03.08.2011 19:46 
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Es gibt schon so einige von diesen konventionelleren Franco-Filmen, die seinen späteren (mit der Zeit deutlich minimalistischer und improvisierter wirkenden) Werken formal nicht besonders ähneln. Dazu gehören auch beispielsweise "Justine" (1969), "Les démons" (1972), später weisen aber auch noch "Jack the Ripper" (1976) und "Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne" (1977) in diese Richtung. Aber von den Franco-Liebhabern werden diese eher den Regeln des traditionellen Erzählfilms entsprechenden Werke oft gerade weniger geschätzt als z. B. "Eugenie de Sade", "Sie tötete in Ekstase" oder "Vampyros Lesbos".

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Higurashi no Naku Koro ni


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 Betreff des Beitrags: Re: DER HEXENTÖTER VON BLACKMOORE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 04.08.2011 00:33 
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THE BLOODY JUDGE ist in der internationalen englischsprachigen Version weniger Horrorfilm als viel mehr ein hochwertiges Hexen Drama und bekommt von mir 9 von 10 Punkten. Die deutsche Version kann man getrost in den Müll schmeißen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER HEXENTÖTER VON BLACKMOORE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 28.06.2013 02:05 
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Alle die diese Kult-Film mal wieder (oder auch zum ersten Mal) in richtiger Kinoatmosphäre von 35mm genießen wollen:


Wir zeigen "Der Hexentöter von Blackmoor" am 28.6. und 30.6. jeweils um 21:15


(Weitere Info's zum Programm und wie das KommKino zu finden ist, findet ihr in der Programmvorschau - KommKino Nürnberg)


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 Betreff des Beitrags: Re: DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR - Jess Franco
BeitragVerfasst: 14.11.2015 20:56 
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Christopher Lee   Maria Schell   in

DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR

● DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR / IL TRONO DI FUOCO / EL PROCESO DE LAS BRUJAS / THE BLOODY JUDGE (D|E|I|FL|1970)
mit Maria Rohm, Hans Hass, Margaret Lee, Peter Martell, Howard Vernon, Werner Abrolat, Milo Quesada, Diana Lorys und Leo Genn
eine Produktion der Terra Filmkunst | Fénix Film | Prodimex | im Verleih der Constantin
ein Film von Jess Franco


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»Warum gibst du nicht zu dass du eine Hexe bist? Dann wirst du nur verbrannt!«


1685. Die blinde Hellseherin Rosa (Maria Schell) sagt entsetzliche Zeiten und Schmerz voraus, den niemand ertragen kann. In England herrscht Angst und Schrecken, denn der fanatische Lord-Richter Jeffries (Christopher Lee) ist überall auf der Suche nach vermeintlichen Hexen, die er reihenweise aufspüren, foltern, und anschließend hinrichten lässt. Auch die junge Alicia Gray (Margaret Lee) wird trotz eines Gnadengesuches ihrer Schwester Mary (Maria Rohm) auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da sie sich dem obersten Richter nicht hingeben wollte. Sie tut sich mit Harry Sefton (Hans Hass junior), dem Sohn des einflussreichen Earl of Wessex (Leo Genn) zusammen, um Jeffries das Handwerk zu legen, doch Mary wird von den Handlangern des Hexentöters entführt, und Harry für Vogelfrei erklärt. In der Zwischenzeit geht es weiter mit unmenschlichen Foltermethoden und Hinrichtungen, es scheint so, als könne niemand die Willkürherrschaft des Lord-Richters stoppen. Kann der Earl of Wessex seinen Einfluss geltend machen und seinem Sohn und seiner Geliebten Mary das Leben retten..?

Jess Francos "Der Hexentöter von Blackmoor" stellt einen nicht uninteressanten Hexen-Reißer dar, der mit vagen geschichtlichen Zusammenhängen und zusätzlichen erotischen Einlagen angereichert wurde. Der Film ist für die Verhältnisse des Spaniers vergleichsweise nahezu konventionell ausgefallen, präsentiert sich aber auf die damalige Zeit bezogen im Fahrwasser angesagter Formate. Der Reiz entsteht hier nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen Bausteine des Films, die für eine gelungene Abwechslung innerhalb dieses weitgehend turbulenten Verlaufs sorgen, außerdem bedeuten Weltstarbesetzung und Franco-Würze naturgemäß eine überaus ansprechende Mischung. Schaut man sich die Exposition an, so hinterlässt sie einen zwiespältigen Eindruck. Wie gesagt wirken viele Bilder und Szenen für die Verhältnisse des Regisseurs verhalten, allerdings gefällt er sich auch im Schildern von einigen Folterszenen die versuchen, ein bisschen weiterzugehen als es vielleicht üblich war. So wird der weitgehend spekulative Charakter dieses Hexen-Beitrags zum unfreiwilligen Aushängeschild dieser Produktion. Starke Szenen entstehen im Rahmen der Haupt-Thematik, vor allem wenn man Howard Vernon in seinem Folterkeller begleiten darf. Seine beunruhigende Erscheinung macht hier einen Großteil der Atmosphäre aus und unter ihm wird es nicht lange dauern, bis die Schüreisen zischen, die Ketten rasseln und die gequälten Frauen vor Angst und Pein schreien. Gespickt ist das Ganze mit kleineren Brutalitäten nach Art des Hauses, sodass das Kunstblut fließen, und die anatomischen Attrappen purzeln können. Der Verlauf überzeugt durch seinen klaren Aufbau, es ist jederzeit zu sehen, wo der Film hinlaufen wird. Selbstverständlich schleichen sich auch einige Phasen des empfundenen Leerlaufs ein, allerdings wimmelt es in diesen geradezu von einer außergewöhnlichen Dichte an beliebten Darstellern, die diesen Eindruck glattbügeln werden und die es in späteren Jahren bei Jess Franco leider nicht mehr in dieser hohen Konzentration gegeben hat.



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Christopher Lee stattet die Titelrolle vor allem mit der erforderlichen Präsenz aus. Als unerbittlicher Lord-Richter Jeffries verbreitet er mit seinen willkürlichen Urteilsverkündungen wie etwa »Du kommst mit dem übrigen Pack an den Galgen!« Angst und Schrecken im Land, und hinter vorgehaltener Hand hört man sehr deutliche Aussagen über ihn. »Überall schnüffelt er nach Hexen rum«, und diejenigen, die unter dem Deckmantel des Gesetzes aus dem Weg geschafft werden müssen, macht er kurzerhand zu solchen. Seine rechte Hand Howard Vernon funktioniert dabei wie ein Uhrwerk und führt empfindliche Tests durch, die schließlich immer das gleiche Ergebnis hervorbringen werden. Als Gegenspieler und Sympathieträger werden beispielsweise Leo Genn und sein Filmsohn Hans Hass aufgebaut, die ihre Rollen routiniert bis überzeugend präsentieren. Dabei dient Hans Hass nebenbei, oder vielleicht sogar hauptsächlich dazu, um die eilig zusammengebastelte Liaison mit Franco- und Erotik-Expertin Maria Rohm aufgehen zu lassen. Die Österreicherin macht wie gewohnt eine ansprechende Figur im Rahmen universeller Anforderungen, genau wie ihre Filmschwester Margaret Lee, die hier zur Projektionsfläche für diverse praktische Veranschaulichungen auf der bestialischen Folter dient. Dann wäre da noch Maria Schell zu erwähnen, deren Rolle hier auf den ersten Blick vielleicht nicht allzu viel hergeben mag, allerdings wertet alleine ihr Star-Bonus jede Produktion pauschal auf. Als blinde Hellseherin fungiert sie quasi als Orakel, welches düstere Zeiten voraussagen, allerdings gleichzeitig einen Hoffnungsschimmer in Aussicht stellen wird. Insgesamt ist in "Der Hexentöter von Blackmoor", dessen Titel verdächtig nahe an bekannte Kriminalfilme der vorangegangenen Jahre angelehnt zu sein scheint, ein interessanter Streifen mit vielen bunten Inhalten geworden, der trotz seiner deutlichen Vorhersehbarkeit eine Art Unterhaltungstechnikum geworden ist. Einen Jess Franco außer Rand und Band wird man hier jedoch vergeblich suchen, aber gerade diese soliden Arbeiten des Spaniers haben durchaus ihren Reiz.


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