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 Betreff des Beitrags: DER TODESSCHREI DER HEXEN - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.01.2012 23:28 
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DVD von Optimum (Großbritannien)


Cry of the Banshee (Großbritannien 1970, Originaltitel: Cry of the Banshee)

Terror im ausklingenden Mittelalter

Lord Edward Whitman (Vincent Price) regiert den ihm untergebenen Landstrich mit kalter Härte, vor allem hat sich der "Edelmann" die Verfolgung und Vernichtung angeblicher Hexen auf sein Banner geschrieben. Eines Tages überfallen Whitman und seine Schergen die Hexe Oona (Elisabeth Bergner) und deren Anhänger, im Namen Gottes wird ein fürchterliches Blutbad angerichtet. Um Oona in besonderem Maße und mit sadistischer Freude zu demütigen, tötet Whitman die alte Frau nicht, er lässt sie mit dem Rest ihrer Gefolgschaft am Ort des Gemetzels zurück, schüttet Hohn und Spott über ihr aus. Oona verflucht den grausamen Lord, angetrieben von Hass und Rachsucht ruft sie Satan höchstpersönlich an. Tatsächlich erhört der Leibhaftige seine Dienerin, eine reissende Bestie dezimiert die Sippe Whitman ohne Gande. Lord Edward wird zunehmend von Angst und Paranoia ergriffen, die tödliche Schlinge zieht sich weiter und weiter zu...

Gordon Hessler inszenierte in der Zeit um 1969-70 mehrere Filme mit Vincent Price in der Hauptrolle. Darunter auch das hier kurz vorgestellte Werk, welches in Deutschland unter dem klangvollen Titel "Der Todesschrei der Hexen" vermarktet wurde. Wer sich für die Hammer-Steifen aus dieser Epoche interessiert, findet in dieser Produktion von AIP (American International Pictures) eine reizvolle Ergänzung. Hessler geht sicher eine Stufe ruppiger vor, als man es von Hammer, Amicus und Tigon kennt, doch die "grobe Kelle" steht der Thematik durchaus gut zu Gesicht. Die Handlung wurde im England des 16. Jahrhunderts angesiedelt, offenbar regieren noch die rohen Sitten des sich langsam verabschiedenen Mittelalters. Bereits die Titelsequenz von Terry Gilliam sorgt mit ihrer schaurig-schönen und humorigen Optik für beste Laune, stilvolle Kulissen und gute Kameraarbeit untermauern den sehr positiven Ersteindruck nachhaltig. Hessler lässt gewissermaßen alle Höllenhunde von der Leine, haut für damalige Verhältnisse mit Ausdauer und Kraft auf die Pauke. Es wird gefoltert und gemeuchelt, hier und da blitzen blanke Brüste auf, diverse Figuren schwanken zwischen vorzüglich gespieltem Wahnsinn und grotesk anmutenden Schwurbeleien. Nein, Schöngeister werden nicht bedient, greifen lieber zum wundervollen "Twins of Evil" (Draculas Hexenjagd, 1971) aus dem Hause Hammer.

"Cry of the Banshee" birgt jede Menge "Spalterpotential" in seinen fauligen Eingeweiden, bei Genrefans ist der Streifen keinesfalls unumstritten, erntet recht häufig Prügel. Hesslers barsche Gangart überträgt sich durch die Bank auf die Darsteller, sogar die Darbietung des ansonsten fast nie Frage gestellten Vincent Price sorgt in der Gemeinde für Uneinigkeit. Verdammt nochmal, was ist mit euch los? Price ist großartig! Er haut uns sein übliches (göttliches) Overacting mitten in die Fresse, erweckt den von Boshaftigkeit und Paranoia zerfressenen Landadeligen in Perfektion zum Leben! Ja, Lord Edward Whitman ist purer Abschaum, ein widerlicher und verachtungswürdiger Haufen Dreck, ich möchte Vincent Price für diese Leistung knutschen! So mancher Bösewicht erobert die Herzen der Zuschauer, von solchen Anflügen ist der hiesige Fiesling weiter entfernt als Graf Dracula vom freiwilligen Verzicht auf roten Lebenssaft. Seiner Gegenspielerin verleiht Elisabeth Bergner ein Gesicht, die ähnlich überzeichnet und irre agiert, Oonas Fratzen und Gegeifer sind ein echter Knüller! Essy Persson sehen wir als Eheweib des Lords, auch sie driftet in den Wahnsinn ab, droht gleichzeitig unter der Knute des Gatten zu zerbrechen. Carl Rigg und Stephan Chase sind als Söhne des Herrn Whitman am Start, Rigg zeigt sich eher milde, während Chase der Ekelhaftigkeit seines Erzeugers nacheifert. Hilary Heath mimt das Töchterlein des Lords, Patrick Mower den Stallburschen, Marshall Jones sehen wir als unsympathischen Geistlichen. Besondere Beachtung verdient Hugh Griffith, der ständig auf (und unter) dem Friedhof herumlungert und durchgedreht aus der Wäsche glotzt.

Hölle, was soll das verfluchte Gemecker, diese Sause bietet dem Fan eine feiste Prachtsuhle! Mit Wonne aale ich mich in kleinen Geschmacklosigkeiten, überzeichneten Charakteren, deblien Ritualen und tollen Kulissen, obendrauf gibt es ein wirklich mies ausgeführtes Ungeheuer (das aber sowieso kaum gezeigt wird). Ich liebe die kleinen Boshaftigkeiten, die Hessler uns mit Ausdauer auftischt. Beispiel gefällig? Junge Leute werden vor die Tafels des Lords gezerrt, bepöbelt und erniedrigt, schliesslich wie Vieh getötet. Will man dem Film einen Bezug zur damals aktuellen Lage der Gesellschaft zugestehen, lässt sich mühelos ein entsprechender Zusammenhang konstruieren: Friedliche und harmlose Blumenkinder tanzen in der Landschaft herum, die Staatsgewalt knüppelt sie ohne Sinn und Verstand nieder. Folglich mutieren die Hippies zu Radikalen, genauer gesagt zum Modewort der siebziger Jahre: Terroristen! Was auch immer uns der Film mitteilen will (falls überhaupt eine "Message" transportiert werden soll), mir hat "Cry of the Banshee" einen äusserst unterhaltsamen Filmabend beschert, vielen Dank dafür!

Optimum bietet das Werk in schöner Qualität an, leider gibt es lediglich einen Trailer als Zückerchen für den Fan. Wo bleibt eine Auswertung für den deutschen Markt? Der Film lief im Kino, erschien später auf Video, die Indizierung wurde bereits vor über zehn Jahren aufgehoben. Liebe Label, bitte bemüht euch um eine baldige Veröffentlichung, die der "Der Todesschrei der Hexen" redlich verdient hat!

Von meiner Seite begeisterte 8/10 (inkl. Fanbonus)

Lieblingszitat:

"Death will visit our house!"

_________________
Blap V 3.0 regaining paradise

***
Vom Ursprung her verdorben


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 Betreff des Beitrags: Re: DER TODESSCHREI DER HEXEN - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 28.01.2012 20:44 
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Ich hatte mal ein VHS Tape des Films (ich glaube Thorn). Den Film fand ich nicht gerade überzeugend. Aber das ist schon lang her.

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 Betreff des Beitrags: Re: DER TODESSCHREI DER HEXEN - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 29.01.2012 01:23 
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Da gibt's ja zwei recht unterschiedlich Fassungen von dem Film. Die ursprügliche englische Fassung (mit dem Terry Gilliam-Vorspann) - sozusagen der Director's Cut - und die von den US-Produzenten (AIP) stark umgeschnittene, gekürzte US-Fassung.

Die dt. Fassung (Kino, Video & TV) basierte auf der US-Fassung. Auf dem MGM-PayTV-Kanal lief allerdings eine Spezialfassung: Im Prinzip der Director's Cut, aber minus der Szenen, zu denen es keine Synchro gibt. Das Fassungswirrwarr ist vielleicht auch der Grund, warum's noch keine dt. DVD gibt.

Ein Meisterwerk ist der Film sicher nicht (die Ursprungsfassung ist sicher wesentlich homogener), aber ich hab die vier AIP-Hessler-Filme (OBLONG BOX, SCREAM AND SCREAM AGAIN, MURDERS IN THE RUE MORGUE und eben BANSHEE) auch recht gern. Sind irgendwie recht nihilistisch, weil's kaum positive (Identifikations-)Figuren gibt.

Blaps Besprechung trifft's recht gut - wie meist eigentlich. ;)


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