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 Betreff des Beitrags: DIE NACHT DER UHREN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 16.03.2010 22:56 
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Requiem pour Jean Rollin


Eine junge Frau (Ovidie) hat das Haus des Filmregisseurs und Autoren Michel Jean (!) (das X-Rated-Backcover nennt ihn Jean Michel, argh!) geerbt. Aber ist er wirklich tot? Ihr erscheinen jedenfalls Figuren aus einer Zwischenwelt und Bilder aus seinen Filmen, wobei Standuhren (was sonst?) als Eingang in die Welt des Verstorbenen zu fungieren scheinen.

Aber lassen wir den Versuch, eine Inhaltsangabe zu basteln. Eine klassisch narrative Story war bei JR ja eh nie wichtig. Rollin unternimmt hier einen Streifzug durch seine eigene Filmgeschichte, so baut er hier kurze Szenen seiner früheren Werke (von "Viol" bis "Fiancee") ein und auch die Musik aus "Fascination" kommt hier wieder zu Gehör. Weiterhin tauchen hier noch einmal Schauspieler aus Rollins Vergangenheit auf: Francoise "Lady Dracula" Blanchard, Dominique aus "Le Frisson des Vampires" als sie selbst (!), Maurice Lemaitre aus "La vampire nue", Jean-Loup Philippe aus "Lèvres de sang" und Nathalie Perrey, die in diversen Filmen dabei war und u.a. die Mutter in "Lèvres de sang" spielte. (Brigitte Lahaie und die Castel-Twins kommen leider nur kurz in den Reinschnipseln vor...). Und neben den titelgebenden Standuhren tauchen neben den Tiermasken-Männern aus "La vampire nue" natürlich auch verlassene Eisenbahngleise und der Strand von Dieppe auf...

Und natürlich wird bald klar, wer mit dem verstorbenen Michel Jean gemeint war... Rollins gesundheitlicher Zustand soll ja nicht der allerbeste gewesen sein, ich könnte mir in der Tat glatt vorstellen, dass er den Film fertiggestellt hat, in der Annahme, wir würden ihn erst nach seinem Tod zu sehen bekommen.

Auch wenn seine späten Werke nicht mit den Klassikern aus den 70ern mithalten können, so ist "Horloges" doch wieder typisch Rollin, der unbeirrt sein ganz eigenes Ding durchzieht und uns wieder in seine ganz eigene Welt führt. Gut, den Abstecher zu den "Gehäuteten" (das wirkt, als hätte JR sich zu oft betrunken mit Gunther von Hagens ausgetauscht...) hätte man sich sparen können, aber ansonsten zieht mich Michel Jean wieder einmal in seinen Bann.

Die DVD von X-Rated bietet keinerlei filmbezogene Extras, aber das kann man verschmerzen. Den Film gibt es nur untertitelt, aber Rollin sollte man eh im Original schauen. Die Untertitelung ist in Ordnung und auch sauber gesetzt.

Adieu Jean. Und danke für alles.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DER UHREN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 18.03.2010 20:32 
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hat mir sehr gut gefallen, ich mag halt alle seine werke :)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DER UHREN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 10.04.2010 14:29 
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Den hab ich noch nicht, muss ich mir aber nach euren positiven Eischätzungen auch noch holen. Ausserdem muss meine Rollin-Sammlung ja auch noch erweitert werden ;)

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
ein Inspektor der öffentlichen Moral; die öffentliche Moral moderner Nationen verträgt jedoch keinerlei Inspektion.
(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DER UHREN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 24.05.2010 08:13 
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dr. feti hat geschrieben:
hat mir sehr gut gefallen, ich mag halt alle seine werke :)


so geht es mir auch.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NACHT DER UHREN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 28.07.2011 00:05 
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Es sind die Toten, die von den Lebenden träumen, nicht umgekehrt. Dieses ist ein häufig erwähntes Zitat innerhalb des Films. Was soll und dieses sagen? Ist all das, was uns in Rollins vorherigen Werken gezeigt wurde und für Rätsel sorgte, wirklich nur Einbildung? Eine Aussage innerhalb „Die Nacht der Uhren“ teilt dieses zumindest mit. Bedeutet also Alles vorher in der Zweitwelt Lebende: ist scheinbar nicht existent. Sei es nicht so, so würde nicht auf das Träumen der Toten hingewiesen, sondern auf den für uns Lebende existierenden Traum von den Rätseln einer Scheinwelt.

Der Film befasst sich mit der Suche nach dem Regisseur und Literaten, Michael Jean. Es ist nicht schwierig, zu kombinieren, dass hinter dem Pseudonym Jean Rollin selbst verborgen ist. Auf der Suche begleitet den Zuschauer, die Hauptdarstellerin Ovidie. Sie wird zum Auge des Zuschauers, stellt seine Fragen und sucht nach deren Lösungen. Auf einer Zeitreise durch Rollins Filme, begegnen uns u.a. Francoise Blanchard (La Morte Vivante) und Maurice Lemaitre (Lèvres de sang). Es werden Ausschnitte aus Rollins Filmen gezeigt und versucht deren Bedeutung darzulegen. Alles scheint hinter der Tür der Schrankuhr zu warten, doch irgendwie wartet dort doch nur die Illusion. Ovidie erkennt die Situation, die sich hinter den Spiegeln birgt und entflieht dieser. Ovidie ist nicht bereit mit der Illusion eins zu werden und verwehrt im Folgeverlauf des Films ein weiteres Eintreten in die Schrankuhr. Ihr ist bewusst geworden, dass sie in ihre eigene Welt gehört, doch gehört sie nun wirklich dorthin? Ovidie hat die Grenzen in die andere nicht existierende Welt überschritten und sie ist ein Teil der Illusion geworden. Ihr späteres Verbrennen der Wanduhr, sorgt auch dafür, dass ihre Erinnerungen erloschen sind. Sie ist zwar in ihrer eigenen Welt, allerdings wird sie zur eigenen Illusion, die zum Ende des Films erinnerungslos über einen Friedhof schreitet und ihre Suche fortsetzt. Eine Suche, dessen Ziel ihr mittlerweile unbekannt ist.

Mit dem Verbrennen der Wanduhr werden unsere Illusionen gänzlich zerstört und Ovidie ist ein Teil von ihr… oder ist jegliche verbrannte Illusion nun einzig in Ovidie zu finden? Denn lt. Filmzitat heißt es: Zeit ist relativ, aber unsterblich. Sie verschlingt uns und wir verschlingen sie.

Rollins letzter Film ist nur Kennern seiner Werke zu empfehlen. Nur diese werden das, was „Die Nacht der Uhren“ zeigt und vermittelt verstehen können. Nur diese werden in der Lage sein, den Film vor ihren Augen ablaufen zu lassen und mit, auf die Reise durch Rollins Schein/Welten zu gehen. Niemand anderes wird sonst dazu in der Lage sein.

„Die Nacht der Uhren“ ist das Vermächtnis eines großartigen Regisseurs, welches sein Schaffen resümiert. Ein Resümee das traurig macht, da es leider Rollins "letzter" Film ist.


Ruhe in Frieden und Danke für Alles!

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