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 Betreff des Beitrags: DUFFER - Joseph Despins, William Dumaresq
BeitragVerfasst: 19.04.2015 20:19 
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Duffer
England 1971
Regie: Joseph Despins, William Dumaresq
Writer: William Dumaresq
Stars: Kit Gleave, Erna May, William Dumaresq

Bild
You may dig a hole in me and lay your body into me, and I shall cover you over and you can die.
Duffer ist um die 18, ein schmächtiger Knabe mit einem gehäkelten Topflappen als Mütze und zerrissenen Schuhen, dafür jedoch ohne Eltern. Die Mutter starb irgendwann. Den Vater hat er nie kennengelernt. Aber das macht nichts. Die Sonne scheint und er kennt eine ältere Prostituierte mit Busen wie Götterspeise, die ihn an die Mama erinnert und mit der er dann folgerichtig auch Sex hat. Sex hat er auch mit einem psychopathisch-schizophrenen Gewalttäterkünstler, der ihn erst verdrischt und dann fickt. Duffer hat also zwar keine biologischen Eltern mehr aber zwei Personen als Elternersatz mit denen er techtelmechteln kann. Vater und Mutter und Glied.
Ein Duffer ist laut Wörterbuch informell/Slang für "a dull or incompetent person" oder "something worthless".
Dieser Duffer ist arbeitslos und sicher ohne viel Schulbildung, dafür liest er Stefan Zweig und kann seine Situation recht gut reflektieren. Aber was für eine Situation ist das? Einerseits ist da die Prostituierte: Your Gracie (Ausgesprochen wie Crazy), betritt er ihre Wohnung ist alles weiß, sie hat einen weißen Kater, isst schwarze Schokolade. Nichts verändert sich bei ihr. Es ist als würde er in den Mutterleib zurückkehren, wenn es denn darin Katzen und leichte Pop-Musik gäbe. Der Mann Louis-Jack ist das Gegenteil. Er ist ein radikaler Psychopath. Die Wohnung immer in Bewegung, und er dem Prügeln nicht abgeneigt. Er ist das fleischgewordene Throbbing Gristle. Er sieht sich als Künstler und er liebt es, den zarten Duffer zu prügeln und zu würgen. Dann lässt er Regenwürmer aus seinem Mundstumpf krauchen und rotzt sie auf den nackten Jünglingsleib und filmt das auch noch. Daraus macht er einen Film und erniedrigt Duffer noch dazu, dass Resultat anzuschauen. Der mag den Film nicht, mag nicht mal Regenwürmer. Aber er will auch kein Fass aufmachen also nickt er zustimmend zu dieser grotesken "Wurm trifft Willi" Geschichte. So ein Wurm hat auch schon mehr symbolische Aussagekraft als eine Kuh etwa. Er ist nahezu blind, kleine Mädchen finden ihn eklig und wenn du stirbst kommen er oder seine Artgenossen in deinen Körper und helfen zersetzen. Es sind wehrlose Tiere, harmlos auch, wenig Ansprüche an den Lebensraum. Das passt auch auf Duffer.

She had breasts like jelly. She reminded me on my mother who is dead now and although I never had sex with my mother.

Duffers Leben wird grausam. Louis-Jack fickt ihn. Er ist überzeugt davon, ihn geschwängert zu haben, füttert ihn mit Aprikosen, da er weiß, dass das gut sei für Kinder. Duffer spielt mit, ist vielleicht wirklich schwanger. Er stiehlt ein Kind auf der Straße und kann nicht sagen ob es ein lebendes ist oder eine Puppe. Es ist unerklärlich. Doch die Puppe oder das Lebewesen verendet unter den rauen Armen des wenig liebenden Louis. Louis der immerzu: Manimal, Womanimal grunzt und schreit und seine misogynen Psychosen immer schwerer in den Griff bekommt. Als alles scheitert rennt Louis zu der lieblichen Prostituierten, mit seinen ungewaschenen Frodofüßen, die meinem Freund einen Schrei des Entsetzens und Ekels ausstoßen ließen.

Der Film wurde an Wochenenden gedreht, hat knapp 2500 Pfund gekostet. Ton nahmen die Regisseure nicht auf. Louis-Jack hat nachträglich den Ton eingesprochen. Ein wilder Bewusstseinsstrom in dem er polyphon die Stimmen der Drei Protagonisten von sich gibt. Und es ist bizarr. Duffer wird nett gesprochen, ein netter junger Erwachsener. Gut, Obdachlos, aber lieb. Die Frau: Ein Engel: Doch er, der Mann, das Manimal,es grunzt und quäkt Nerven zerreißend: Wie Scott Walker. Wie Suicides Frankie Teardrop. Die Klänge erinnern an eine Frühe Form von Throbbing Gristle. Es ist unangenehm und lebensfeindlich. Sieht man den Film, wird die Industrial Band Throbbing Gristle kein Singuläres Ereignis mehr. Es scheint dort auf der Insel einen Ursud gegeben zu haben, in dem Horrorwerk entstand, dass furchteinflößender ist als David Lynchs später entstandener Eraserhead. In seinem Wahnsinn vielleicht nahe an dem ebenfalls 1970 entstandenem Sozialistischen Patientenkollektiv aus Heidelberg. Alle im Film sind arbeitslos, gut, Crazy arbeitet als göttergleiche Prostituierte doch ob dass die klassische Mittelschichtsbürgerarbeit ist?

Duffer wird viel an einer Brücke rumhängen, wenn er Abstand braucht von diesem Gespann, dass sich nicht kennt. Die Brücke und der Fluß sind ein gutes Sinnbild für seine Unentscheidbarkeit: Ist er Mann oder Frau? Schwul oder Hetero? Ist das überhaupt wichtig? Dass er nicht schwanger werden kann, ist ihm egal. Nachdem er penetriert wurde, geht er zur Frau um seine Manhood wiederzuerlangen. Er wartet auf sie, passiv und lieblich, trägt eines ihrer Kleider und ist gebettet wie in einem Kokon.

I didn`t like him beating me, but he liked it so much, so how could I deny it?

Das Erzählen ist ein Nacherzählen, er, der Sprecher, weiß, was passiert sein wird. Das finale Ereignis ist ein schlimmes. Das steht schnell fest. Duffer passt eigentlich nicht in diese Welt. Er ist ein Schlacks, hat kaum gelernt mit seinen riesigen Beinen ordentlich zu laufen. Er weiß was er zu verlieren hat: Nichts, nur dieses eine, unbedeutende Leben.Auch Louis erklärt ihm dass: Bellt ihm immer wieder ins Gesicht und spuckt ihn dabei vermutlich auch an: NICHTS! NICHTS! NICHTS! NICHTS! NICHTS!. Er kennt keine Mäßigung und wiederholt auch dann noch als er längst hätte aufgehört haben sollen.

Since Louis Jack wanted me to be a dog, the least I could do was obey his every whim

Als Pluspunkt auch die Musik: Inklusive Hammond.Orgeln. Dazu vieles das unerklärlich ist: Wieso prügeln sich auf den Straßen immer wieder Passanten? Wer ist der geheimnisvolle Mann, der aussieht wie Stefan Zweig und mit nur einem Handschuh an Bücher liest?
There was that monkey on a stick with that had and when I piled into her, she`d start it. The idea was that the monkey should get to the bottom before I was finished.


Ein fantastischer Film und ich bin BFI sehr dankbar, den Film ausgegraben und veröffentlicht zu haben.Er ist beunruhigend und bizarr. Um ehrlich zu sein, habe ich in diesem Film einen neuen Lieblingsfilm gesehen und er ist nun auf einer Stufe mit Plagio.
Auch wenn ich sonst keine Noten und Wertungen verteilen möchte:
10/10

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"I can cope with alienation technique as long as the girls get their tits out."


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