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 Betreff des Beitrags: FASCINATION - DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 26.08.2011 17:14 
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Produktionsland: Frankreich
Produktion: Joe de Lara
Erscheinungsjahr: 1979
Regie: Jean Rollin
Drehbuch: Jean Rollin
Kamera: Georgie Fromentin
Schnitt: Dominique Saint Cyr
Musik: Philippe d' Aram
Länge: ca. 79 Minuten
Freigabe: ungeprüft
Darsteller: Franca Mai, Brigitte Lahaie, Jean-Marie Lemaire, Fanny Magier, Muriel Montossé, Sophie Noël, Evelyne Thomas, Agnès Bert, Cyril Val, Myriam Watteau, Joe De Lara, Jacques Sansoul, Jacques Marbeuf u.a.

Jean Rollins 1979 gedrehter Film konzentriert sich, wie man es von Rollin kennt, auf das Spiel zwischen Gut und Böse mit der Kernfrage: Was ist denn nun wirklich das Gute und was das Böse? Der Freiraum zur Interpretation ist reichhaltig vorhanden und Rollin lässt dem Zuschauer dabei frei Hand. Die Geschichte arbeitet gezielt auf seine Lösung hin, Rollin baut bewusst einen Spannungsbogen auf, der sich erst mit den Abspanncredits löst. Bis es allerdings soweit ist, nimmt das Spiel Gut gegen Böse seinen unabsehbaren Lauf.

Hierbei werden Kamera und Beleuchtung in Perfektion eingesetzt, dazu kommt ein künstlich erzeugter Wind, der die Gewänder der Hauptdarstellerinnen in einer graziösen Art wehen lässt. Das Ganze ist ein einziger, optischer Genuss. Dazu gelingt es Rollin mit einfachen Mitteln, wie das Heulen des Windes und abgedunkelten Räumen eine herrliche Atmosphäre zu schaffen. Die Bilder wirken märchenhaft schön und werden durch die großartige Auswahl der Locations perfekt dargestellt. Trotz aller von Genialität gezeichneten Szenen, fällt eine besonders auf. Brigitte Lahaie schreitet mit einem schwarzen Gewand gekleidet und einer Sense in der Hand über die Brücke zum Schloss und tötet eine Diebin. Ausschlaggebend ist, dass diese Szene eine der wenigen Gewaltmomente in Fascination enthält, denn trotz ihres blutigen Gehalts, zeugt diese dennoch von einer einzigartigen Schönheit.

Brigitte Lahaie verkörpert mit der Rolle der Eva, Anfangs einen eher harmlosen Charakter, der sich durch Gehievtheit und Taktieren auszeichnet. Nachdem Alles in der von ihr beabsichtigten Weise abläuft, wechselt ihr Charakter in den einer Todesbotin. Sehr interessant ist ein Szene in der Eva von einem der Diebe dazu genötigt wird ihr weißes Kleid auszuziehen, sie kommt dem nach und tötet den Dieb. Das Messer entnahm sie einem schwarzen Umhang, welchen sie folgend überstreifte um somit als Engel des Todes ihren Weg zu gehen. In einigen afrikanischen Ländern ist die Bedeutung von Schwarz und Weiß entgegengesetzt zur Bedeutung in Europa. Sehen wir die europäische Definition, wird uns einiges klar. Weiß zeigt den Anfang, ein unbeschriebenes Blatt, hingegen wird mit Schwarz alles davor Erlebte und Praktizierte dargestellt. Es ist sozusagen ein komplettes Resümee des Lebens. Folglich ist der Zuschauer der Ansicht, dass Eva der Mittelpunkt des Bösen ist, was allerdings zum Ende des Film durch die Sinneswandlung von Elisabeth wieder in Frage gestellt wird.

Fazit:
Rollins Film mag unterschiedlicher Ansicht nach, nun Kunst oder Selbstverliebtheit sein, im Prinzip ist dieses vollkommen egal. Fakt ist: Fascination ist eine perfekte Studie über Liebe, Gut und Böse, über die reale Welt und eine parallele Zweitwelt. Alles was dabei Filmtechnisch geboten wird, ist einfach gesagt: Perfekt.



10/10

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 23.12.2011 00:30 
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Fascination - Das Blutschloss der Frauen (Frankreich 1979, Originaltitel: Fascination)

Biggi und die Sense

Der kleine Gauner Marc (Jean-Marie Lemaire) ist auf der Flucht vor seinen Komplizen. Das Schlitzohr beabsichtigte die ehemaligen Mitstreiter zu übertölpeln, nun rennt er um sein Leben. In einem alten Schloss findet Marc ein geeignetes Versteck, seltsamerweise trifft er dort nur auf die beiden Schönheiten Elisabeth (Franca Mai) und Eva (Brigitte Lahaie). Die jungen Damen wecken die Neugier des Eindringlings, beantworten Fragen nur ausweichend, immer wieder ist von einer Zusammenkunft um Mitternacht die Rede. Mehr und mehr stürzt Marc in einen Taumel aus Verlangen und Lust, überspielt die eigene Unsicherheit mit einer aufgesetzten Mixtur aus Arroganz und Kühlheit. Als seine Verfolger plötzlich auftauchen, lernen die Schurken Eva auf eine besonders eindringliche und endgültige Art kennen. Marc wähnt sich derweil noch immer in einem harmlosen Spielchen überdrehter Weibsbilder. Er glaubt die Lage unter Kontrolle zu haben, daran ändert auch das Auftauchen der gestrengen Hélène (Fanny Magier) und weiterer Damen nichts...

Es war wieder an der Zeit sich einem von Jean Rollin inszenierten Filmerlebnis hinzugeben. Wer mehr über das Schaffen des leider 2010 verstorbenen Franzosen erfahren möchte, soll sich bitte im Netz nach entsprechenden Beiträgen umschauen. Ich verzichte an dieser Stelle auf das verdiente Loblied, da ich ansonsten vor lauter Begeisterung völlig die Contenance verlieren würde. "Fascination" lässt die Geschlechter aufeinanderprallen, das vermeintlich starke Geschlecht unterliegt dem ach so schwachen Geschlecht in jeder Hinsicht. Das Werk ist eine Liebeserklärung an die Frau, gleichzeitig verstrickt in ein Geflecht aus Begierden, Lust und Angst.

Zunächst zeichnet Rollin den männlichen Protagonisten als cleveren und abgebrühten Typ, der seine Komplizen weder achtet noch ernst nimmt. Überlegen im Wortschatz, besser gekleidet, hat Marc nur Gelächter für die groben Bauerntölpel übrig. Im Schloss angekommen weicht die Belustigung, den ihm gegenüberstehenden Schönheiten fühlt er sich dennoch überlegen. Mit Jean-Marie Lemaire hat Rollin diesen Part treffsicher besetzt, der Bursche verfügt über eine leicht schmierige und überhebliche Ausstrahlung, hat etwas "schäbig-schönes" an sich. Franca Mai und Brigitte Lahaie begegenen ihrem neuen "Gast" mit unverschämter Koketterie, deren Tragweite der Ankömmling nicht zu fassen imstande ist. Während sich Marc lustvoll zwischen Evas Schenkeln aufreibt, hat er sich bereits in einem gnadenlosen Netz verfangen, seine einbildete Dominanz verschleiert den Blick auf die kommenden Ereignisse. Längst hat der aufmerksame Zuschauer erkannt, wer in diesem Spiel die Geschicke lenkt, Marc bleibt diese Erkenntniss verwehrt, er verwehrt sie sich selbst. Später betritt Hélène die Bühne, an diesem Punkt glaubt der Herr der Schöpfung noch immer fest im Sattel zu sitzen. Mit der sich ankündigenden Mitternacht bricht schliesslich seine Unsicherheit hervor, die aufkeimende Angst lugt unübersehbar unter der harschen Tarnkappe hervor.

Kurz möchte ich auf die Qualitäten der Damen eingehen, zumindest die drei zentralen Charaktere Elisabeth, Eva und Hélène würdigen. Franca Mai ist in der Rolle der Elisabeth die menschlichste, schwächste (tatsächlich?) im Bunde, eine hübsche Frau die mit ihren Gefühlen zu kämpfen hat (Spiel? Maskerade?). Brigitte Lahaie habe ich früher gern kritisiert, ihr Körper faszinierte mich schon immer, ihr Gesicht weniger. Spätestens seit der Sichtung des grandiosen "La nuit des traquées" (1980), verliere ich kein schlechtes Wort mehr über die Lahaie, dazu nötigte mir ihre Darbietung viel zu viel Respekt ab. "Fascination" drückt den Stachel weiter in mein altes Herz, zu bezaubernd wirkt Brigitte Lahaie, ich kann und will mich ihren Reizen nicht mehr entziehen (wer hat jemals behauptet, die Frau habe kein hübsches Gesicht? Unfassbar!). Rollin weiss um die optischen Qualitäten seiner Königin der Erotik, er entlockt ihr aber weitaus mehr als den sowieso omipräsenten Sexappeal. Als Eva pendelt Brigitte gekonnt zwischen aufgesetzter Naivität, wilder Lust und zieht als (h)eisskalte Erntemaschine alle Register. Der Zaunpfahl des Herrn Rollin ist eine Sense, hier erscheint euch nicht der alte Gevatter Tod, der klapprige Sensenmann, hier tilgt euch pure Schönheit mit todsicherer Präzision aus dem irdischen Dasein! Fanny Magier rundet die weibliche Dominanz ab, verleiht dem Triumph des starken Geschlechts den letzten Schliff. Damit genug zu den Mitwirkenden vor der Kamera, entdeckt diesen Film auf eigene Faust, das ist viel aufschlussreicher als mein verzweifelt um die passenden Worte kämpfendes Gesülze.

Wie man es von Rollin kennt und erwartet, verwöhnt uns selbstverständlich auch "Fascination" mit herrlichen Bildern und Farben, durch die die schaurige Schönheit der Damen und die herrliche Gruselgeschichte (?) in einen geschmackvollen Rahmen gebettet werden. Die Frau, Krönung der Evolution, überschäumender Fleischeslustpalast, Rausch der Sinne und Emotionen, rote Liebe, rote Verführung, rot rinnt das Leben aus dem Leib der Opfer und/oder Erlösten (?) (Übrigens sollte der Zuschauer jegliche Erwartungen in Richtung Mettgut vergessen, Rollin baut auf eine dem Theater ähnliche Darstellung/Ausführung entsprechender Szenen. Übliches Gepansche wäre IMHO sowieso unangemessen, störend. Siehe die Beschädigungen, die dem ansonsten durchaus reizvollen "Les raisins de la mort" (1977) dadurch zugefügt wurden). Rollin stellt viele Fragen, die Beantwortung bleibt dem Zuschauer überlassen, den zahllosen Hinweisen (?) kann jeder Betrachter in der eigenen Phantasie nachhängen. Die Frau als Essenz des Lebens, zerbrechlich und zugleich hart und kalt wie eine stählerne Klinge, verführerisch und sündig, klug, naiv, dem Spieltrieb folgend... Was bleibt da noch für uns Männer? Der ausgepresste Mann, ein trauriges Extrat ohne Nährwert? Immer wieder schreibe ich, dass man sich auf manche Filme mit Haut und Haaren einlassen muss, für Werke von Jean Rollin gilt dies in ganz besonderem Maße! Wer auf übliche Spannungsbögen, Abläufe und Logik konditioniert ist, sich nicht von diesen Hemmschuhen befreien kann/mag, der wird vermutlich wenig mit den Schöpfungen dieses grossen Filmachers anfangen können. Genug des Geschwafels, schaut euch den Film an!

Mir liegt "Fascination" auf einer DVD aus dem Hause X-Rated vor. Die gebotene Qualität geht in Ordnung, die angefertigte Synchronisation ist überraschend gut gelungen, leistet sich nur kleine und verzeihbare Schnitzer. Angenehmerweise bietet die Scheibe auch den französischen Originalton an, der sich auf Wunsch durch deutsche Untertitel ergänzen lässt. Zugegeben, im O-Ton wirkt die Lahaie noch verführerischer. Vorsicht: Die "Kaufhausversion" von VZM ist stark gekürzt, Finger weg! Mit der X-Rated DVD kann ich gut leben, der angekündigten US-BD sehe ich trotzdem erwartungsvoll entgegen, die wundervollen Bilder verdienen die bestmögliche Aufbereitung (hoffentlich bauen die Herrschaften keinen Mist).

Wenn ich "nur" extrem dicke 8/10 (sehr gut) ziehe, liegt es lediglich daran, dass andere Filme des Meisters die höheren Werte bereits für sich beansprucht haben. Die Punkteskala verkommt zur armseligen Krücke, dieses Schätzchen entzieht sich jedem Zahlenraster!

Lieblingszitat:

"Jetzt bist du in der Welt von Elisabeth und Eva. In der Welt von Wahnsinn und Mord."

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 09.02.2012 15:45 
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würde ich noten geben, müsste ich hier die 10 zücken. ich liebe den film.

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 09.02.2012 22:20 
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Weiß jemand sicher, ob die Blu-ray von Redemption region free ist??

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 10.02.2012 20:15 
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Diabolik! hat geschrieben:
Weiß jemand sicher, ob die Blu-ray von Redemption region free ist??


... soll so sein. Wurde im cinefacts bestätigt

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 10.02.2012 23:06 
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Kann das auch bestätigen. NUDE VAMPIRE und SHIVER OF THE VAMPIRE habe ich sogar schon sichten können: Tolles Bild und regionfree, klare Empfehlung!

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 23.01.2014 23:09 
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Alte Worte von mir aus dem Jahr 2005

Zitat:
Frühes 20. Jahrhundert, eine Zeit, in der das Trinken von Ochsenblut als bestes Mittel gegen Blutarmut galt: Der Dieb Marc gerät auf seiner Flucht vor seinen Komplizen, denen er deren Anteile an einer Tasche voller Gold unterschlagen hat, auf ein Wasserschloss. Mit Ausnahme von 2 schönen jungen Frauen scheint das Schloss unbewohnt zu sein, denn die Schlossherren werden erst in einigen Tagen zurück erwartet.Während draußen Marcs Verfolger das Schloss belagern, versuchen Eva und Elisabeth ihren Gast zu überzeugen, bis zum Abend zu bleiben, für den nämlich noch weitere Gäste zu einer mysteriösen Veranstaltung erwartet werden.

So kümmert sich Eva erst um Marcs sexuelle Bedürfnisse (was bei Elisabeth, die offenbar ein lesbisches Verhältnis mit Eva hat, zu Eifersucht führt), bevor sie den Komplizen das Gold aushändigt. Der Anführer möchte sie vergewaltigen, doch endet er mit einem Messer im Bauch, bevor der Rest der Bande mit einer großen Sense gemeuchelt wird. Elisabeth warnt Marc, er solle doch nicht bis zum Abend bleiben, doch davon will er nichts wissen.

Am späten Abend erscheint zunächst Hélène, die offenbar die Chefin einer Gruppe von 7 Frauen ist, die sich regelmäßig auf dem Schloss treffen, bevor noch die restlichen 4 Mädels ankommen. Marc gefällt sich natürlich als Hahn im Korb, man feiert, doch noch hat Marc nicht realisiert, weshalb sich die Ladys auf dem Schloss treffen…

Die Frauen wollen sich nämlich nicht mehr mit Ochsenblut begnügen…

„Jetzt bist du in der Welt von Elisabeth und Eva, in der Welt von Wahnsinn und Mord!“

Bevor ich diesen Film zum ersten Mal sah, war mir der Name Jean Rollin nicht wirklich ein Begriff. Ich wusste, dass es Menschen gab, die in höchsten Tönen von seinen Filmen schwärmen, doch war in Deutschland praktisch nichts erhältlich, abgesehen von 2 Filmen, die Staatsanwälten und Richtern missfielen. Die Label X-Rated bzw. X-NK haben dies zum Glück geändert und eine „Jean Rollin Collection“ aufgelegt, in der „Fascination“ als # 5 erschienen ist.

Und das ist auch gut so! „Fascination“ erscheint mir ideal, um in die Filme von Jean Rollin einzusteigen. Wer Blutsuppe und Gedärmeweitwurf sucht, ist hier an einer Adresse, wie sie falscher nicht sein könnte. Rollin machte vielmehr einen ruhigen, ja geradezu poetischen Film von erlesener Schönheit zum Thema der lesbischen Vampire, verbunden mit wundervoller Musik.

Rollin gelingt es Szenen zu erschaffen, die man immer wieder sehen möchte. Dazu gehört gleich zu Beginn im Schlachthof eine Szene, in der sich eine Frau ihre Lippen mit Blut benetzt. Die Szene, in der Elisabeth und Eva mit Dolchen vor Marcs Gesicht herumfuchteln. Hélènes blutrot geschminkte Lippen. Die transparenten Gewänder der Mädels. Auch die Sexszenen sind Rollin erotisch gelungen.

Einfach wundervoll gemacht ist das Duell zwischen Eva und der Frau aus der Bande. Erst verfolgt Eva, nackt unter ihrem wallenden schwarzen Umhang, die Frau, dabei die riesige Sense schwingend. Dann stehen sich beide Frauen gegenüber, Eva mit der Sense, ihre Rivalin mit einem Vergleich dazu lächerlichen Messer. Rollin zeigt beide im Gegenschnitt, dabei wundervolle Close-ups ihrer Gesichter erzeugend. Die andere im blütenweißen Kleid wendet sich zur Flucht, kommt aber nicht weit, eine Sense erlaubt schließlich einen großen Aktionsradius…(hiervon hatte ich vor Jahren mal ein Foto gesehen, seitdem wollte ich diesen Film sehen).

Rollin spielt im Film selbst mit, er ist der einfältig wirkende, vierschrötige Schlachter in der Schlachthofszene am Anfang. Wer ihn dort sieht, würde nie im Leben glauben, dass dieser Mann in der Lage wäre, einen so unglaublich schönen Film zu fabrizieren.

Die Schauspieler waren mir allesamt unbekannt, mit Ausnahme der großartigen Brigitte Lahaie natürlich. Sie startete ihre Karriere als Pornostarlet, bevor sie Ende der 70er auch in Spielfilmen auftauchte. Noch später trat sie gar im Theater auf. Hier verkörpert sie die Eva und ihre erotische Ausstrahlung kommt auch auf dem Bildschirm großartig rüber, da würde ich auch ich mir gerne das Blut aussaugen lassen… In Frankreich hat sie auch eine Autobiographie veröffentlicht, die es aber meines Wissens nie zu einer deutschen Übersetzung geschafft hat. Schade! Nächsten Monat (also im Oktober 2005) feiert die Lahaie, die quasi zu Rollins Stammbesetzung gehört, ihren 50. Geburtstag. Happy Birthday!

Dank der deutschen Veröffentlichung kann man nun problemlos an den Film herangekommen und die Chance sollte man nicht an sich vorüberziehen lassen. Hier wartet Kino voller Herzblut auf Entdeckung. Viele werden damit nichts anfangen können, das ist okay. Die anderen, die bereit sind, sich von Rollin verzaubern zu lassen, werden umso begeisterter sein. Ich selbst habe den Film in den letzten 8 Wochen mittlerweile 5mal gesehen, und es wird sicherlich noch nicht das letzte Mal gewesen sein. Der Genuss eines guten Rotweins ist während des Filmvergnügens natürlich Pflicht.

Fascination? Ja, Fascination!


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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 25.03.2017 23:39 
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Nach der Enttäuschung bei der EISERNEN ROSE habe ich meine Erwartungen an FASCINATION vorsichtshalber lieber gewaltig runtergeschraubt.
Damit bin ich (leider) auch richtig gelegen.
Jean Rollin scheint mir eine Art französischer Jess Franco zu sein.
Ähnliche Thematiken und genau das gleiche Trashige, manchmal amateurhaft wirkende, das ich nicht genau erklären kann, was den Film merklich hinunterzieht.
Ein paar hübsche Frauen allein machen noch keinen guten Film.
Und der Rest ist ziemlich weit weg davon, gut, schön, ästhetisch oder gelungen zu sein oder Spaß zu machen.
Ob es nun die Atmosphäre ist oder die Musik oder das bisschen Erotik oder sonst was: Nichts ist hier für mich 100% stimmig.
Das Paradoxon daran: Obwohl mir auf Anhieb mehr negatives als positives zu dem Film einfällt, kann ich nicht behaupten, dass ich mich während der Sichtung furchtbar gelangweilt hätte oder dass mich irgendetwas wirklich genervt hätte.
Trotzdem, glaube ich, habe ich vorerst wieder genug von Rollin.
7/10


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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 26.03.2017 04:45 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Das Paradoxon daran: Obwohl mir auf Anhieb mehr negatives als positives zu dem Film einfällt, kann ich nicht behaupten, dass ich mich während der Sichtung furchtbar gelangweilt hätte oder dass mich irgendetwas wirklich genervt hätte.

Dann hast du zumindest schon den Pfad zur Erleuchtung betreten... ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 29.03.2017 11:51 
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Fascination gehört zu meinen Lieblings-Rollins, so wie auch der Regisseur selbst zu meinen vier Lieblingen gehört. Der Streifen ist tatsächlich wunderbar als Einstieg in Rollins (Film-) Welt geeignet, da er einer seiner zugänglichsten ist.

Hier wird man über einen langen Zeitraum im Unklaren über die "Things to come" gelassen, hat also einen vorsichtigen Spannungsbogen, während man von teils wirklich beeindruckend traumhaften Bildern "berieselt" wird. Auch in Verbindung mit d'Arams Musik (z. B. beim Vorspann mit dem Buch) gerät man hier ein ums andere Mal in schwere Verzückung. Besonders eingeprägt haben sich mir natürlich die berühmte Sensen-Szene, die Szene mit Brigitte und Cyril Val im Stall sowie die Liebesszene zwischen Brigitte und Franca im Bett, die darüber hinaus noch superhübsch ausgeleuchtet ist.

Den Vergleich mit Jess Franco kann ich aber nicht so stehen lassen, obwohl der gute Jess ein weiterer meiner vier Favoriten ist ;) . Zwischen den beiden gibt es dann aber doch eine ganze Menge Unterschiede.

Trotzdem schön, dass sich eine gewisse unterschwellige "Fascination" eingenistet hat :mrgreen: .

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 30.03.2017 10:59 
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Schnittmenge von Franco und Rollin sind der erotische Grundton. Bei Franco ist er mMn. ein narratives Element einerseits und Selbstzweck andererseits. Rollin setzt die erotische Momente gezielt ganz anders ein. Man betritt mit einem Rollinfilm eine künstlerisch stilisierte Welt surrealistischen Ausmaßes. Narrativ funktionieren die Filme Null.

MMn. solltest du, Herr Eisenmann, die Filme gelöst von irgendwelchen minimalistischen Storie-Inhalten anschauen. Schau dir an, wie der Film in Szene gesetzt wurde. Ton, Bildgestaltung, Erotik, Kamera. Dann erkennst du vllt. ein sich bewegendes Gemälde. Das ist für mich zumindest Rollin. Und Faszien Nation ein perfektes Beispiel.

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 Betreff des Beitrags: Re: FASCINATION- DAS BLUTSCHLOSS DER FRAUEN - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 30.03.2017 17:29 
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requiescat.in.pace hat geschrieben:
MMn. solltest du, Herr Eisenmann, die Filme gelöst von irgendwelchen minimalistischen Storie-Inhalten anschauen. Schau dir an, wie der Film in Szene gesetzt wurde. Ton, Bildgestaltung, Erotik, Kamera. Dann erkennst du vllt. ein sich bewegendes Gemälde. Das ist für mich zumindest Rollin. Und Faszien Nation ein perfektes Beispiel.

Na ja, jetzt weiß ich ja, was mich erwartet, worauf ich mich einstellen muss.
Von daher, denke ich, wird der Film bei der Zweitsichtung schon anders wirken.
Wenn nicht, dann ist wohl Rollin wirklich nicht meins.

Und: Ein sich bewegendes Gemälde erkenne ich eher darin.


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