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 Betreff des Beitrags: FRÖHLICHE WEIHNACHT - Edmund Purdom
BeitragVerfasst: 29.12.2012 13:28 
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Don't Open Till Christmas
(Fröhliche Weihnacht)
Großbritannien 1984 - Directed by Edmund Purdom
Starring: Edmund Purdom, Alan Lake, Belinda Mayne, Mark Jones, Gerry Sundquist, Kelly Baker...
sowie in Cameos: Caroline Munro, Paula Meadows und Dick Randall


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Wie viele Santa Cläuse kann man in einem einzigen Film um die Ecke bringen? Nun, im Falle von Don't Open Till Christmas sind es acht, und damit dürfte er diesbezüglich wohl Rekordhalter sein. Von wegen "Süßer die Glocken nie klingen"... "Schmieriger die Weihnachten nie waren" paßt da schon bedeutend besser.

London zur Weihnachtszeit. Ein psychopathischer Killer hat die Jagdsaison auf Weihnachtsmänner eröffnet. Mit Messer, Pistole, Speer, zerbrochener Flasche und Machete metzelt er die Rauschebärte nieder, wobei er hin und wieder, wohl zur Abwechslung, auch Nicht-Santas über den Jordan schickt. Zwischendurch trällert dann Caroline Munro (Starcrash) einen Disco-Song in einem engen roten Kleid, während Inspektor Ian Harris (Edmund Purdom) und Detective Sergeant Powell (Mark Jones) versuchen, den brutalen Täter zu finden, bevor noch mehr Weihnachtsmänner vorzeitig den Löffel abgeben. Schuld am fiesen Treiben des unheimlichen Killers mit den lachenden Augen ("His eyes, they smiled!" meint eine Zeugin) ist natürlich ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit, und der Titel des Filmes bezieht sich auf ein kleines Päckchen, welches Harris zugesandt bekommt, worauf vermerkt ist: "Don't Open Till Christmas". Na, wenn da mal keine lustige Überraschung für den Herrn Inspektor drin ist...

Don't Open Till Christmas ist einerseits ein Murksfilm von katastrophalen Ausmaßen, andererseits aber auch hübsch einfältiges Exploitation-Kino von der Insel. Wieso der Streifen nicht gut ist, läßt sich relativ leicht nachvollziehen. Produzent Dick Randall wollte, daß Edmund Purdom (Pieces, 2019 - Dopo la Caduta di New York, u. v. m.) die Hauptrolle spielt, doch der war dazu nur bereit, wenn er gleichzeitig Regie führen durfte. Wie sich bald herausstellte, hatte Purdom - der zuvor noch nie einen Film inszeniert hatte... er wird es auch kein zweites Mal tun! - keine Ahnung, wie man so was macht. Ergo war das Ergebnis ein Desaster. Drehbuchautor Derek Ford sollte aushelfen, doch da selbiger gerne einen über den Durst trank, wollte sich partout keine Verbesserung einstellen. Schlußendlich engagierte Randall Ray Selfe und Alan Killer's Moon Birkinshaw, welche den Weihnachtsslasher doch noch irgendwie in einen veröffentlichungsfähigen Zustand bringen sollten.

Das schwierige Vorhaben gelang jedoch nur bedingt, so nach dem Motto: Operation gelungen, aber Patient tot. Insofern verwundert es nicht, daß sich der Patient Don't Open Till Christmas anfühlt wie ein Zombie, der emotionslos, unbeholfen und stark schwankend durch die Szenerie stakst. Der Streifen ist von Anfang bis Ende Stückwerk, stolpert unmotiviert von einem Mord zum nächsten, nur um sich die Zeit dazwischen mit äußerst uninteressanten Figuren (wie z. B. Belinda Mayne (Alien 2 - Sulla Terra) als "Heldin" Kate Briosky) zu vertreiben. Tatsächlich erinnert der Film an einen öden Porno, nur daß anstelle der obligaten Pop-Shots einige heftige Tötungsszenen den Zuschauer bei Laune halten. In der wohl geschmacklosesten Szene des mit Geschmacklosigkeiten nicht gerade geizenden Filmes wird einem Santa beim Pinkeln sein bestes Stück amputiert; anstelle von Urin spritzt dann fröhlich Blut in das Urinal.

Das Bild, das von den Onkel Santas gezeichnet wird, ist kein schönes: sie sind meist besoffen, grölen, schimpfen, frönen der Wollust und besuchen auch schon mal eine Peep-Show. Aber auch sonst finden sich - mit Ausnahme des von Kelly Baker gespielten Peep-Show-Azubis - keine sympathischen Figuren in dem Film. Darüber hinaus pulsiert in Don't Open Till Christmas eine unangenehm zynische Ader, die ihn in die Nähe des New York Rippers rückt, obwohl die exzessiv ausgewalzten Gewaltdarstellungen in Fulcis Giallo von einem ganz anderen Kaliber sind. Im Gegensatz zum Gros der Genrefilme, in denen ja meist junge Frauen mit allerlei Phallussymbolen penetriert werden, sind hier die Opfer überwiegend Männer, was für nicht sonderlich subtil verpackte homoerotische Untertöne sorgt. Da das nicht immer logische Geschehen extrem spannungs- und lustlos dahinplätschert, adäquat begleitet von Des Dolans Synthesizer-Score, kommen wohl nur beinharte Freunde von billigem Schund auf ihre Kosten.

Positiv hervorheben möchte ich noch, daß für den Streifen ausgiebig on location gedreht wurde, wie z. B. im London Dungeon, einem gruseligen Wachsfigurenkabinett, und im eher schäbigen Stadtteil Soho. Was natürlich nichts daran ändert, daß Don't Open Till Christmas einerseits ein miserables Schlockwerk, andererseits aber irgendwie auch leider geil ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: FRÖHLICHE WEIHNACHT - Edmund Purdom
BeitragVerfasst: 29.12.2012 16:27 
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Mir gefällt dieser schmierige Weihnachtsfilm.
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"Berlin (EZ) | 10. Mai 2012 | Deutsche Fernsehzuschauer und Kinofans können aufatmen: Hamburger Studenten haben eine Software entwickelt, die Til Schweiger aus Filmen entfernt und damit eine erhebliche Qualitätssteigerung garantiert."


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 Betreff des Beitrags: Re: FRÖHLICHE WEIHNACHT - Edmund Purdom
BeitragVerfasst: 31.12.2012 03:31 
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Sehr schöne Rezi, die ich komplett unterschreiben kann. Im Grunde finde ich den Film höchtens durchschnittlich, aber unvernünftigerweise mag ich ihn trotzdem. :) Warum kann ich nicht mal erklären. Irgendwas hat der Film. Vielleicht ist es aber auch nur eine gesunde Portion Nostalgie, da ich ihn schon in der Jugend sah. Ist inzwischen aber auch wieder ein paar Jährchen her, als ich ihn das letzte Mal sah.


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 Betreff des Beitrags: Re: FRÖHLICHE WEIHNACHT - Edmund Purdom
BeitragVerfasst: 29.12.2013 18:21 
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"Fröhliche Weihnachten -am Arsch!"

FRÖHLICHE WEIHNACHT ("Don't Open Til Christmas" GB 1984, Regie: Edmund Purdom)

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(Anmerkung: Der Aufkleber mit dem Aufdruck "Frohes Fest" stammt von einer Mon Chéri-Verpackung und gehört NICHT zum Cover! ^^)

Kurz vor Heiligabend: In London macht ein Killer die Straßen unsicher. Seine Opfer: Weihnachtsmänner! D. h., wer zu später Stunde noch im Weihnachtsmannkostüm durch die City läuft, lebt gefährlich -sehr gefährlich!
Ein Fall für Inspektor Harris (Edmund Purdom) und Sergeant Powell (Mark Jones). Doch der Killer macht es den Ermittlern nicht gerade leicht. Da taucht der Reporter Giles (Alan Lake), mit dubiosen Hinweisen auf.
Steckt hinter den Taten vielleicht ein Polizist?

Manche Filme sind so schundig, dass sie schon wieder richtig klasse sind. "Fröhliche Weihnacht" ist einer davon.
Edmund Purdoms Karriere lief nicht nicht gerade besonders gut. Nachdem er in den 50ern in einigen US-Filmen auftrat, verschwand er ziemlich schnell wieder von der Bildfläche und kehrte Hollywoods Glitzerwelt den Rücken zu.
Danach sah man ihn vorwiegend in italienischen Billigproduktionen. Purdom drehte mit u. A. mit Sergio Corbucci, Fernando Di Leo, Ruggero Deodato, Alfonso Brescia, Joe D'Amato und wie sie alle heißen.
Das hat bei seinem Regiedebüt (-bin mir nicht sicher, aber es war wohl auch seine einzige Regiearbeit-) deutliche Spuren hinterlassen, wie man sieht.
"Fröhliche Weihnacht" legt ein enormes Erzähltempo vor. Der Film holpert von einer Szene zur nächsten, mit langen Überleitungen hält sich Purdom erst gar nicht auf.
Da ist man eben noch gemütlich beim Essen, in einem Restaurant und schwubs -plötzlich wieder ganz woanders und schon in der Gewalt des Killers, der ohne Umschweife zur Sache kommt.
Das geht so fix, dass man die -reichlich vorhandenen- Ungereimtheiten gar nicht mehr mitbekommt. Edmund Purdoms Inszenierung wirkt z. T. etwas roh und ungelenk, aber genau das macht diesen Film so sympathisch.
Manche Szenen sind geradezu skurril in ihrer ungeschliffenen Inszenierungsweise. Die Morde sind zwar ganz schön mies getrickst, verfehlen aber nicht ihre dreckig-brutale Wirkung.
Ich bin mir sicher, Purdom wußte ganz genau, dass er hier nicht gerade eine filmische Glanzleistung vollbringt und hat das Ganze dann auch stets mit einem Augenzwinkern inszeniert.
Der absolute Brüller ist dann noch die Szene, in der ein Opfer des Killers fliehen will und diesen noch nach dem Schlüssel fragt -War das vielleicht als ironische Anspielung auf Slasherfilm-Klischees gemeint? -herrlich!

Selbstironisch ist auch der kurze Auftritt von Caroline Munro, als sie selbst. Während der Killer mal wieder auf Weihnachtsmann-Jagd geht, trällert sie auf der Bühne: "I'm coming to get you!"

Die Identität des Killers...

...wird schon recht früh preisgegeben. Eine sleazige Rückblende, die das Motiv des Mörders beleuchtet, darf natürlich nicht fehlen. Dem Unterhaltungswert tut dies keinen Abbruch -im Gegenteil!

Am Ende hält der Film dann doch noch eine pööse Überraschung bereit!

Alles in Allem ist Edmund Purdom hier ein recht spannender Slasher gelungen, der -im Vergleich mit ähnlich gelagerten Filmen- auch eine interessante Geschichte zu erzählen hat.
Auch schauspielerisch kann der Streifen durchaus überzeugen.

Die dt. Synchro wertet diesen Streifen sogar noch etwas auf, nur manche Soundeffekte gehen etwas unter. Das Verbot ist mal wieder ein echter Schenkelklopfer, zumal die alte dt. Fassung vorher kräftig gerupft wurde.
Die dt. DVD (XT?) bietet eine (zum Film passende) akzeptable Schmuddelqualität und ein kurzes (aber nettes) Making Of (-auch auf der DVD von "Pieces" zu finden!).
Die Menüführung ist allerdings etwas -nun ja- sonderbar.

Schundige 9/10 Punkte -Ist er zu mies, bist du im falschen Film!

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PHOBOS (Trailer - deutsch)


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