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 Betreff des Beitrags: GIRL SLAVES OF MORGANA LE FAY - Bruno Gantillon
BeitragVerfasst: 02.05.2011 22:20 
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Cover der US-DVD von Mondo Macabro


Girl Slaves of Morgana Le Fay (Frankreich 1971, Originaltitel: Morgane et ses nymphes)

Lust und Leid in der Traumwelt

Die Freundinnen Françoise (Mireille Saunin) und Anna (Michèle Perello), fahren mit dem Auto durch das französische Hinterland. Als sie den Gasthof in einer kleinen Ortschaft aufsuchen, rät ihnen der Wirt zur schnellstmöglichen Weiterreise. In der Tat sehen die übrigen Anwesenden nicht sonderlich freundlich aus, so entschliessen sich die jungen Damen zum Aufbruch. Inzwischen legt sich die Nacht wie ein dunkles Tuch über das Land, die Reise wird zur Irrfahrt, schliesslich ist der Tank leer. Kein Grund zur Panik, Françoise und Anna finden eine gemütliche Scheune, erleben dort eine romantische und anregende Nacht. Am nächsten Morgen ist Anna jedoch spurlos verschwunden. Françoise trifft auf einen Zwerg namens Gurth (Alfred Baillou), der ihr den Weg zu ihrer verschollenen Freundin weisen will. Zunächst durchquert das ungleiche Duo einen Wald, am Ufer eines Sees wartet ein kleines Boot auf die Suchende. Wie von Geisterhand gezogen gleitet das Boot über das Gewässer, bringt Françoise zu einem malerisch gelegenen Château. Dort trifft die erstaunte Studentin auf andere junge Schönheiten, die allesamt der ebenso so schönen wie rätselhaften Morgane (Dominique Delpierre) dienen, ihr offenbar jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Selbst Gurth ist Morgane verfallen, verzehrt sich regelrecht nach seiner Herrin. Während es von Anna nach wie vor keine Spur gibt, gerät Françoise in einen unheimlichen und faszinierenden Strudel, die reale Welt verschwindet unter der Regentschaft der mächtigen Morgane...

Wer meinen kleinen Kommentare ab und an liest, wird sicher schon schmunzelnd (oder befremdet, vielleicht genervt) bemerkt haben, dass ich "irgendwie" (fast) alle Filme liebe. Doch hin und wieder werde ich von einem Film ganz besonders stark gepackt, versinke noch tiefer als üblich in meiner Liebe und Leidenschaft (Danke, das Schwein für pathetisches Geschwafel ist damit endgültig bis zum Anschlag gefüllt). "Morgane et ses nymphes" ist eines dieser Werke, zu denen ich meiner Begeisterung am liebsten mit überlangen Ausführungen freien Lauf lassen möchte. Am allerliebsten jedoch einfach in Fettschrift verkünden möchte: Mit Worten ist dieser Film nicht angemessen zu beschreiben! Gebt euch einfach dem Genuss hin! Ok, ich werde es mir nicht ganz so einfach machen, aber ich verspreche mich so kurz wie möglich zu fassen.

Bruno Gantillon lieferte mit diesem Streifen sein Spielfilmdebüt ab, seine erste abendfüllende Regiearbeit. Umso erstaunlicher mutet das Ergebnis an, denn Gantillon hatte bereits damals ein sicheres Gespür für wunderschöne Bilder, Kulissen und Atmosphäre. Leider wurde nichts aus der grossen Karriere als Regisseur von Kinofilmen. Nur noch wenige entsprechende Beiträge finden sich in Gantillons Filmographie, aber der Franzose konnte sich als gefragter Mann für Fernsehproduktionen behaupten. Bei einem nicht allzu bekannten Film wie "Morgane et ses nymphes", der von einem nicht allzu bekannten Regisseur inszeniert wurde, wird der interessierte Filmfreund nach Anhaltspunkten fragen. Geht es um die Genrezuordnung, werden vermutlich Worte wie "Horror" und "Erotik" fallen. Doch hier erwartet uns kein Gänsehaut-Grusel wie der von Hammer oder Amicus, auch kein exploitativ-knuffiger Flick aus der Ecke Paul Naschy. Vielleicht ein psychedlischer Ritt ala "Früh-Siebziger-Jess Franco"? Nicht wirklich, obschon wir der Sache damit einen kleinen Schritt näher kommen. Bereits bei der Sichtung geisterte mir immer wieder der wohlklingende Name Jean Rollin durch den Kopf. Ja, ich denke damit haben wir einen guten Bezugspunkt gefunden. Sicher erreicht Bruno Gantillon nicht die Tiefe Rollins, ferner mutet sein Film zahmer an, dabei aber nicht weniger verträumt, vor allem sehr anschmiegsam.

Bitte erwartet keine Orgie aus Blut, Gedärm und Sex. Erotik gibt es in üppiger Dosierung, diese Momente sind aber stets sehr anmutig gefilmt, wirken nie sleazig. Nein, ich möchte von einem Märchen für "(un)erwachsene Träumer & Spinner" sprechen. Lässt man es zu, dass Morgana Le Fay ihre Reize ausspielt, darf man sich auf eine wunderschöne Traumreise freuen. Eine warme Kuscheldecke in ich mich voller Wonne einrolle, die Welt um mich herum vergesse. Bruno Gantillon zeigt uns eine wunderschöne Seite Frankreichs, die herrliche Landschaft wurde sehr ansprechend einbezogen, das alte Gemäuer ebenso. Inmitten dieser Traumwelt platziert, verwöhnen etliche schöne Frauen die Augen des Zuschauers, zu den Darstellern folgen gleich ein paar Worte. Wer nach Spannung, Special Effects oder gar Logik sucht, der wird diese Elemente nicht im Ansatz vorfinden, denn in diesen Disziplinen ist das Werk nicht am Start. Wozu auch, wer braucht Spannung, Schnickschnack oder gar Logik, wenn er stattdessen einen hinreißenden Traum erleben darf?

Betrachten wir die Damen, die uns mit ihrer Anmut die Nacht versüßen. Mireille Saunin und Dominique Delpierre sind in den beiden zentralen Rollen zu sehen, beide Frauen erweisen sich als erstklassige Wahl. Die wirklich liebreizende Mireille Saunin spielt ihren Part mit verführerischer Unschuld und süsser Sünde, eilt später mit dem Mut der Verzweiflung durch das Szenario. Dominique Delpierre strahlt eine extem packende Mixtur aus Attraktivität, Arroganz und Autorität aus, eine regelrecht mystische Aura scheint diese Frau zu umgeben. Wenn sie ihren Dienerinnen ewiges Leben, ewige Jugend und unvergängliche Schönheit verspricht, nimmt man ihr jedes einzelne Wort ohne Widerspruch ab! Für Mireille Saunin aka Françoise mag dies nicht gelten, aber ich will nicht zu viel verraten. Michèle Perello war später auch in HC-Produktionen zu sehen, sie spielt als selbstbewusste Anna nur zu Beginn die erste Geige. Morgane umgibt sich mit vielen Schönheiten, doch drei Damen bilden gewissermaßen ihre Leibgarde. Besonders Régine Motte aka Yael hat es mir angetan, neben Mireille Saunin für mich die anziehendste Frau in diesem Reigen aus Schönheit und Anmut. Es wäre müßig nun alle Namen aufzulisten, nur auf die einzige relevante männliche Rolle will ich noch ganz kurz eingehen. Der kleinwüchsige Alfred Baillou liefert eine beeindruckende Leistung ab. Wenn er seine Herrin Morgane voller Verzweiflung anschmachtet, leidet der Zuschauer mit dem kleinen und verzweifelten Mann. Aber Gurth ist gleichzeitig auch launisch und knarzig, der unendlich währende Liebeskummer hat tiefe Spuren hinterlassen.

Bruno Gantillon schüttet ein pralles Füllhorn über den Zuschauer aus. Dank der sehr stilsicheren Kamera von Jean Monsigny verfehlen die Bilder nie ihre Wirkung, der schöne Soundtrack rundet den prachtvollen Eindruck vortrefflich ab. Wer die reale Welt (was auch immer das sein mag) nicht loslassen kann, nicht dazu bereit ist sich der märchenhaften Welt von Morgana Le Fay zu öffnen, wird zu diesem Film kaum einen Zugang finden. Wer aber beim Namen Jean Rollin an behagliche Filmerlebnisse denkt -aber keine Kopie erwartet- der darf sich auf eine ganz, ganz bezaubernde Traumreise freuen, wird sich vielleicht auf Anhieb in dieses Werk verlieben.

Verzeiht mir meine manchmal allzu rührseligen Anflüge, aber ich bin noch immer berauscht von diesem Film! Zwecks Erdung wende ich mich nüchternen Fakten zu. Die aus den USA stammende DVD von Mondo Macabro ist sehr zu empfehlen. Der Film liegt in schöner Qualität vor, lediglich in wenigen Momenten macht die Kompression auf sich aufmerksam. Die Scheibe ist codefree, das Bonusmaterial interessant, man findet dort z.B. einen Kurzfilm von Bruno Gantillon. Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, dass der Flick ungekürzt und im korrekten Bildformat präsentiert wird. Der Ton liegt im französischen Original vor, englische Untertitel lassen sich zuschalten. Ein dickes Dankeschön an die Herrschaften von Mondo Macabro!

Soll ich diesem Knuffel nun abschliessend eine Bewertung in Zahlen auf den zarten Pelz brennen? Es schmerzt, ich wehre mich dagegen. Aber bitte, zunächst sollen es dicke 8,5/10 (sehr gut bis überragend) sein, mehr behalte ich mir für die nächsten Sichtungen vor.

Lieblingszitat:

Morgane: "Are you afraid?"
Françoise: "No, no. I follow logic."
Morgane: "That's the worst sickness. Here you can be cured of it."

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Blap V 3.0 regaining paradise

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Vom Ursprung her verdorben


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 Betreff des Beitrags: Re: GIRL SLAVES OF MORGANA LE FAY - Bruno Gantillon
BeitragVerfasst: 03.05.2011 05:09 
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Blap hat geschrieben:
Mit Worten ist dieser Film nicht angemessen zu beschreiben! Gebt euch einfach dem Genuss hin!

So ist es. L'art pour l'art.

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Je älter ich werde, desto weniger Zeit habe ich, sachlich zu bleiben


"Als es geschah, beschäftigte sich Igor damit, den Ursprung des Lebens zu erforschen."
"-Ach ja? Aber das ist ja absurd! Heutzutage weiß doch jeder, daß das ein Ammenmärchen ist."
(Das Geheimnis von Schloß Monte Christo)


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 Betreff des Beitrags: Re: GIRL SLAVES OF MORGANA LE FAY - Bruno Gantillon
BeitragVerfasst: 03.05.2011 13:49 
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ich war auch schwer angetan - wer die Filme von Jean Rollin mag sollte hier auf jeden Fall mal einen Blick riskieren (wenn auch nicht direkt vergleichbar)

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 Betreff des Beitrags: Re: GIRL SLAVES OF MORGANA LE FAY - Bruno Gantillon
BeitragVerfasst: 25.12.2012 13:15 
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Morgane et Ses Nymphes
(Girl Slaves of Morgana Le Fay)
Frankreich 1971 - Directed by Bruno Gantillon

Françoise (Mireille Saunin) und ihre Freundin Anna (Michèle Perello) genießen ihre Autofahrt durchs ländliche Frankreich. Doch die entspannte Stimmung schlägt um, als sie bei einem Gasthaus eine Pause einlegen und ihnen der Wirt zuraunt, schleunigst das Weite zu suchen. Tatsächlich sind die beiden beunruhigt genug, um die Warnung ernst zu nehmen, doch inzwischen ist die Nacht angebrochen und ihre geplante Abreise findet ein jähes Ende, als sie sich in der Gegend verirren und ihnen der Sprit ausgeht. In einem alten Gemäuer schlagen sie ihr Nachtlager auf, und als Françoise am nächsten Morgen erwacht, ist Anna spurlos verschwunden. Bei der Suche nach ihrer Freundin trifft Françoise auf einen buckligen Zwerg (Alfred Baillou), der sie ins malerische Château von Morgane (Dominique Delpierre) und ihren Gespielinnen bringt. Doch dort gehen geheimnisvolle Dinge vor sich, und eine Flucht scheint ausgeschlossen!

An einer Stelle im Film meint Françoise: "Seit wir das Gasthaus verlassen und den Wald betreten haben, ist alles wie ein Traum. Einer dieser Träume, der die ganze Nacht anzudauern scheint." Und spricht damit haargenau das aus, was ich mir beim Betrachten des Filmes gedacht habe. Bruno Gantillons Morgane et Ses Nymphes ist ein filmgewordener Traum, optisch überwältigend, unwirklich, erotisch angehaucht und frei von Logik. Passenderweise antwortet Morgane auf Françoises Bemerkung, daß sie "der Logik folge", mit: "Das ist das größte Leiden!" Bei meiner Besprechung zu Lucio Fulcis Don't Torture a Duckling schrieb ich, daß es ein durch und durch häßlicher Film sei. Morgane et Ses Nymphes ist das exakte Gegenteil, nämlich ein visueller Genuß, voller schöner, leichtbekleideter Frauen in farbenprächtigen Gewändern (zumindest solange, bis sie diese ablegen, was oft passiert) und einem atemberaubenden Schauplatz, das im 15. Jahrhundert erbaute Château de Val in der Auvergne nebst idyllischem See und unberührter Umgebung.

Allerdings gilt es zu beachten, daß Morgane et Ses Nymphes unsagbar langsam und bedächtig erzählt ist, daß auf ausgefeilte Charakterisierungen ebenso wenig Wert gelegt wird wie auf einen dramaturgischen Spannungsaufbau, und daß sowohl Actionszenen als auch Spezialeffekte außen vor bleiben. Man sollte also eine deutlich höhere Aufmerksamkeitsspanne als die eines gewöhnlichen Frettchens mitbringen, um dem Film etwas abgewinnen zu können. Aber wenn man Geduld beweist und es schafft, in die Märchenwelt von Morgane einzutauchen, dann wird man mit einem fast hypnotisch schönen Film belohnt, der sich hinter den besten Werken von Jean Rollin nicht zu verstecken braucht.

Bild . Bild . Bild

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