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 Betreff des Beitrags: MALENKA – LA NIPOTE DEL VAMPIRO – Amando de Ossorio
BeitragVerfasst: 14.05.2018 18:41 
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MALENKA – La Nipote del Vampiro
Titel der englischsprachigen Fassung: MALENKA aka THE NIECE OF THE VAMPIRE aka FANGS OF THE LIVING DEAD
Keine deutsche Veröffentlichung
Spanien / Italien 1969
Regie: Amando de Ossorio
Darsteller:
Anita Ekberg,
Julian Ugarte,
Diana Lorys,
Rosanna Yanni,
Adriana Ambesi

Bild

Silvia Morel (Ekberg), ein Fashionmodel aus Rom, bekommt das Schreiben, dass sie in Deutschland (?) ein Schloss geerbt habe. Voller Freude zieht es sie sofort dorthin, wo sie dann auch auf ihren Onkel (Ugarte) trifft, der ihr von ihren Familienwurzeln erzählt. Dabei kommt heraus, dass eine Ahnin sich mit dunklen magischen Künsten beschäftigt hat, worauf sie durch die Dorfbevölkerung den Flammentod am Pfahl erleiden sollte – doch hatte sie zuvor noch den Vampirismus in die Gegend gebracht, der bis in die Gegenwart noch höchst lebendig zu sein scheint…

Amando de Ossorios erste Regiearbeit im phantastischen Filmgenre, wenige Jahre vor seinem Durchbruch mit LA NOCHE DEL TERROR CIEGO, der vor allem in Europa ein großer kommerzieller Erfolg an den Kinokassen war, zeigt bereits, dass sich der spanische Meister schon hier auf das Erschaffen gotischer Schauer-Momente verstand. Die Kellergewölbe des Schlosses werden zumeist in einem dunklen „schauerlichen“ Blau ausgeleuchtet, während die oberen Räume in ein leuchtendes Gelb gesetzt sind. Wunderbar ist dann auch der visuelle Effekt, wenn Ekbergs Charakter in einem knallig roten Nachtgewand aus dem gelb ausgeleuchteten Gang des Obergeschosses in die tiefblaue Unterwelt absteigt, wo sie auf die Geheimnisse ihrer Familie trifft. Jetzt wird der eine oder andere Leser sich vielleicht denken, dass wir hier auf Bava-Gebiet gestoßen sind. Dies muss ich jedoch verneinen. MALENKA nimmt einen anderen Weg, in dem wir möglicherweise einen wichtigen Entwicklungsschritt für das spanische Horrorfilmgenre entdecken können…

Wie beispielsweise auch LA MARCA DEL HOMBRE LOBO (1967) oder EL HOMBRE QUE DE UMMO (1969), so scheint auch MALENKA seine Vorbilder vor allem in den Universal-Produktionen der 1930-er und 1940-er Jahre zu finden. Anders als Francos GRITOS EN LA NOCHE (1962), der trotz seiner Schwarzweißbilder in keiner Weise antiquiert wirkt, sondern durch seine Kameraarbeit und dem avantgardistischen Jazz-, beziehungsweise seinem experimentell anmutenden Soundtrack geradezu neue Maßstäbe setzt, bauen die späteren spanischen Horrorfilme eher auf das Triviale ihres Genres. Insofern scheinen die Filme mehr die Kindheitskinoerinnerungen ihrer Schöpfer zu reflektieren, als dass mit den alten Klassikern des Universal-Studios innovativ umgegangen wird. Bei MALENKA nimmt sich das nicht anders an. Während allerdings die Filme Paul Naschys – zumindest in ihren Exportfassungen – zunehmend explizierter werden, was sowohl die graphische Gewalt als auch die sexuelle Darstellung betrifft, nimmt sich de Ossorios Horrorfilmeinstieg diesbezüglich gänzlich zurück – was sich in seinen späteren Beiträgen dann aber ebenso merklich ändern wird, siehe etwa seinen LAS GARRAS DE LORELEI von 1972…

Aufgrund der strengen Zensurbestimmungen im damaligen Spanien war die Produktion von Horrorfilmen überhaupt ein riskantes Unternehmen – die betonte Naivität des spanischen Horrorkinos scheint vielleicht eine bewusst gewählte Strategie gewesen zu sein, den Film sicher durch die Zensurbehörde zu bringen. Interessieren würde mich in dieser Hinsicht, inwieweit im zeitgenössischen Spanien dann aber auch der spanischsprachige Horrorfilm aus Mexiko in den Kinos verliehen wurde, wo es erstaunliche Repräsentanten zu entdecken gibt. Dahingehend könnte man meinen, dass MALENKA ganz bewusst mit dem übernatürlichen Aspekt des Vampirismus spielt; die Klischees des Genres (besonders des Dracula-Mythos) herauskehrt, ja, sie maßlos betont, um sie dann anschließend ins Parodistische abgleiten zu lassen. Der heutige Blick auf MALENKA sollte deshalb auch weniger sein, hier einem Spannungskino zu begegnen – geht man mit diesem Anspruch an die Sache heran, dann wird man sicher enttäuscht. Der Film hat viel Staub angesetzt – richtig viel! Alles wirkt veraltet, auch der ansatzweise vorgebrachte lesbische Camilla-Aspekt zwischen Ekbergs Charakter und der Vampirfigur Ambesis wäre heute nicht einmal mehr als pikant zu bezeichnen. Man kann MALENKA wohl am besten genießen, wenn man den Film innerhalb einer Entwicklung sieht – als eine Art von Initialzündung für den spanischen Horrorfilm. In Italien hatte es vor Bavas Meilenstein LA MASCHERA DEL DEMONIO ebenfalls Stenos TEMPI DURI PER I VAMPIRI gegeben, der vielleicht dann auch in MALENKA einen spanischen Nachhall besitzt…

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Bild

ein kleiner Ausschnitt, der recht aussagekräftig die Stimmung des Films vermittelt:
youtu.be Video From : youtu.be


nicht unterschlagen werden soll zudem der erstklassige Soundtrack von Carlo Savina; hier der Titeltrack:
youtu.be Video From : youtu.be


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 Betreff des Beitrags: Re: MALENKA – LA NIPOTE DEL VAMPIRO – Amando de Ossorio
BeitragVerfasst: Gestern 19:49 
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Howard Vernon hat geschrieben:
nicht unterschlagen werden soll zudem der erstklassige Soundtrack von Carlo Savina; hier der Titeltrack:
youtu.be Video From : youtu.be


...der sich auch in diesem Film wiederfindet:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Beide Filme sollten dringend mal eine würdige Veröffentlichung bekommen, letzterer ist ja auch bei uns gelaufen.


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 Betreff des Beitrags: Re: MALENKA – LA NIPOTE DEL VAMPIRO – Amando de Ossorio
BeitragVerfasst: Gestern 23:25 
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Ragory hat geschrieben:
Beide Filme sollten dringend mal eine würdige Veröffentlichung bekommen, letzterer ist ja auch bei uns gelaufen.


Der deutschen Kinofassung wurde zwar ein recht klangvoller Titel verliehen, aber dafür beinhaltet diese auch mal wieder nachträglich eingefügte Erotik-Inserts, für die dann wiederum Handlungsszenen der Originalfassung weichen mussten. Dennoch würde ich die deutsche Kinofassung liebend gern mal sehen :)



http://dirtypictures.phpbb8.de/horror-f8/sexuelle-geluste-triebhafter-madchen-filippo-walter-ratti-t3043.html
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