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 Betreff des Beitrags: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 11:45 
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Jason Robards   Christine Kaufmann   Herbert Lom   in

MORD IN DER RUE MORGUE / MURDERS IN THE RUE MORGUE (1971)

mit Maria Perschy, Adolfo Celi, Peter Arne, Rosalind Elliot, María Martín sowie Michael Dunn und als Gast Lilli Palmer
eine Produktion der American International Pictures | im Verleih der AIP
nach einer Erzählung von Edgar Allan Poe
ein Film von Gordon Hessler


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»Stoße ich Sie ab? Ihrer Mutter habe ich gefallen!«


Ganz im Stile des Grand Guignol führt eine Theatergruppe Edgar Allan Poes "Die Morde in der Rue Morgue" auf. Das Haus ist stets gut besucht da die Masse nach Sensationen und Nervenkitzel sucht. Bei einer Aufführung wird die Hauptdarstellerin Madeleine Charron (Christine Kaufmann) ohnmächtig, nachdem sich in ihrer Fantasie bizarre Sequenzen über einen bestialischen Mord abgespielt haben, doch sie kann die immer wiederkehrenden Träume nicht ordnen. Als sich abseits der Bühne plötzlich Morde abspielen, ist der potentielle Täter schnell ausgemacht, da nur Mitglieder des ehemaligen Ensembles ihres Mannes César (Jason Robards) mit ätzender Säure ermordet werden. Es muss sich um René Marot (Herbert Lom) handeln, den auf der Bühne einst das gleiche Schicksal ereilte, doch Inspektor Vidocq (Adolfo Celi) sieht einen Haken an der Sache. Marot hat bereits vor vielen Jahren Selbstmord begangen. Als das Phantom jedoch immer weitere Opfer fordert, kommt man mit Hilfe von Madeleines Träumen auf die entscheidende Spur...

In der erfolgreichen Edgar Allan Poe-Reihe von American International Pictures stellt Gordon Hesslers "Mord in der Rue Morgue" ein wirklich sehenswertes, aber genauso eigenwilliges Filmvergnügen dar, das sich zahlreicher Elemente aus Horror, Grusel, bis hin zu kleineren Bruchstücken des gepflegten Psycho-Thrillers bedient. Die große Stärke dieser lediglich nur nominellen Poe-Adaption ist definitiv der sequenzartige Aufbau, der undurchsichtig bis zum zugegebenermaßen etwas zu konstruierten Finale bleibt, was aber nicht gleichzeitig heißt, dass überwiegend viele verworrene Tendenzen aufkommen. Vielmehr sieht man einen Verlauf, der nahezu traumwandlerisch vor sich hin plätschert und die Nerven wegen des diffusen Elements zu strapazieren versucht und dies bestenfalls auch kann. Hessler verweigert dem Zuschauer Transparenz und arbeitet mir allen Mitteln gegen einen klaren Durchblick, denn immer wieder ist man mit in die bizarren Traumsequenzen der Protagonistin mit eingebunden und daher kann man die Bilder auch keineswegs ordnen. Teilweise wirken diese Fragmente sogar so inkohärent, dass man vermutet, gleich in mehreren Parallelhandlungen zu sein. Zwar ahnt man, dass sich ein düsteres Geheimnis hinter all dem verbergen muss, aber Erklärungen gibt es quasi erst im letzten Moment. Mit diesem Film bekommt der Zuschauer also ein schönes Beispiel serviert, wie ein Verlauf auch ohne halsbrecherische Effekte und Überspannung funktionieren kann und das große Ziel, dass die Geschichte einfach beunruhigen soll, wird recht eindrucksvoll erreicht. Der Vorwurf, Hessler habe hier einen potentiellen Whodunit verschenkt ist nur auf den ersten Blick gerechtfertigt, da der Film diese Strategie nicht als Hauptziel verfolgt. Vorhersehbarkeit und Geheimnis veranstalten ein, unterm Strich interessantes Tauziehen, in das sich die Protagonisten jeweils wahlweise einreihen, und sich dieser Strategie sogar beugen.



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Gordon Hesslers Edgar-Allen-Poe-Beiträge der AIP überzeugen schon alleine wegen ihren ausgewogenen, und teils spektakulären Besetzungslisten, und auch hier bekommt man einige gute alte Bekannte zu Gesicht. Christine Kaufmann, die nach längerer schöpferischer Pause wieder am aktiven Filmgeschäft teilnahm, fungiert hier als Projeltionsfläche für Angst und Schrecken, aber ebenso für Geheimnisvolles und Undurchsichtiges. Die Kamera bedient sich förmlich ihres zerbrechlich wirkenden Wesens und ihres makellosen Gesichts, welches im Sinne des Verlaufs oft maskenhafte Züge annimmt. Madeleines Träume sind in ihrer optischen und akustischen Serialität nicht zu durchschauen, sie wirken beunruhigend und erscheinen sozusagen wie eine Deviation, deren immer gleich abfolgende Bilder des Rätsels Lösung vorenthalten, verzerren und eine Bewusstlosigkeit folgen lassen. Neben ihr wirkt Jason Robards eher wie ein Fremdkörper wenn man bedenkt, dass die beiden verheiratet sind, allerdings wirkt die unsympathische Note, die von ihm ausgeht, sehr förderlich für den Handlungsverlauf. Zwischen Jason Robards und Herbert Lom, dem Bösewicht der Geschichte, entsteht somit ein Tauziehen auf Augenhöhe, da Gut und Böse irgendwann kaum mehr voneinander abgetrennt erscheinen. Besonders Herbert Lom als tragische Figur zieht diesen Eindruck immer mehr auf sich, da man als Zuschauer irgendwie Verständnis mit diesem vom Schicksal gestraften Herrn bekommt und seine Motivation teilweise sogar nachvollziehen kann. Beide Akteure wirken solide, wobei dies für deren Verhältnisse fast schon wieder zu wenig ist. Hier werden Adolfo Celi als hartnäckiger Hüter des Gesetzes und Michael Dunn als undurchsichtiger Lakai des totgeglaubten Marot blendend aushelfen, denn sie zeigen weitaus stichhaltigere Leistungen, wenngleich diese wohl auch Parts waren, die das Drehbuch günstiger berücksichtigte. Kurze Wiedersehensfeude gibt es mit der gerne gesehenen Österreicherin Maria Perschy als Dirne und Lilli Palmer als Auslöser für das düstere Geschehen, deren Szenen im Film dem Vernehmen nach übrigens fast alle entfernt wurden. Da sie eine Schauspielerin darzustellen hatte, legt Palmer nochmals einen bedeutenden Schliff in Sachen Overacting drauf.

Mit "Mord in der Rue Morgue" bekommt man es mit einem beeindruckenden Beispiel zu tun, wie überzeugende atmosphärische Dichte als Alternative aussehen kann, die in ihrer Gestaltung sogar kleinere Ausrufezeichen setzen kann, insbesondere in der Bildgestaltung. Im Gegensatz dazu stehen teilweise hektische und unübersichtliche Tendenzen zu Buche, wenn man die Vokabel verworren allerdings durch verwirrend ersetzt, kommt man der Intention des Ganzen wohl ziemlich nahe. Hessler führt den Zuschauer immer wieder gekonnt in die Irre, da wichtige Erklärungen für den Spannungsaufbau vorenthalten werden. Das Finale ist in mehrere Etappen eingeteilt und verlangt zugegebenermaßen etwas zu viel Aufmerksamkeit ab. In der Ausstattung kann der Film durchaus überzeugen, üppige Settings und Garderoben fangen die Zeit, in der die Handlung spielt, recht gut ein, wobei viele Sequenzen auch eigenartig gestreckt wirken, da zahlreiche Wiederholungen angesagt sind. Im Bereich Effekte fehlen eigentlich entscheidende Akzente, beziehungsweise wie es aussieht, eher das richtige Know-how. Der Versuch, das Publikum nachhaltig auf psychologischer Ebene zu strapazieren, funktioniert zwar immer mal wieder für den Hausgebrauch, aber leider nicht auf einem konstanten Niveau. Die passenden Musikthemen von Waldo de los Rios funktionieren sehr gut und besonders das Titelthema bleibt in Erinnerung, aber konträr dazu nimmt man recht einfache Dialoge wahr. Insgesamt hinterlässt Gordon Hesslers Adaption einen vielleicht zu unschlüssigen Eindruck zurück, da in wichtigen Bereichen Potential verschenkt wurde, doch irgendwie ist dieses (zumindest so angelegte) Verwirrspiel überzeugend genug, um bei der Stange zu halten, vielleicht auch weil der Eindruck entsteht, dass die Gestaltung weitgehend unorthodox ist, und sich dem Empfinden nach von manchen Filmen der gleichen Natur abheben kann. Aber da liegt die Entscheidung wieder einmal beim Konsumenten, denn "Mord in der Rue Morgue" ist im Endeffekt in einer Art Grauzone anzusiedeln, weil sich die überproportionalen Stärken mit Ketten von durchschnittlichen Fragmenten abwechseln. Für meine Begriffe bleibt dieser immer wieder gerne gesehene Film jedoch sehenswert und absolut unterhaltsam.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 13:51 
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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 18:16 
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Welche Fassung hast Du denn gesehen, Prisma?

Wenn ich das richtig erinnere hat MGM für die DVD-VÖ vor ca. 10 Jahren Hesslers Director's Cut wiederhergestellt. Die deutsche Fassung dagegen dürfte auf dem Kinocut von 1971 beruhen, mit dem Hessler wohl sehr unzufrieden war.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 19:28 
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percyparker hat geschrieben:
Welche Fassung hast Du denn gesehen, Prisma?

Ich habe von dem Film nur eine ausgelutschte TV-Fassung zur Verfügung.
Die ist vor etlichen Jahren mal auf Tm3 gelaufen und hatte eine Laufzeit von etwa 83 Minuten.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 21:54 
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Prisma hat geschrieben:
Ich habe von dem Film nur eine ausgelutschte TV-Fassung zur Verfügung.
Die ist vor etlichen Jahren mal auf Tm3 gelaufen und hatte eine Laufzeit von etwa 83 Minuten.


Das ist dann die gekürzte und umgeschnittene Fassung, der DC läuft etwa 10 Minuten länger. Ich hab zwar beide Fassungen mal gesehen, aber genaues kann ich leider nicht sagen, weil zwischen den Sichtungen mehrere Jahre lagen. Die gekürzte Fassung war aber - wie Du es ja auch beschreibst - schon etwas verwirrend. Ich fand das allerdings auch nicht so tragisch und der Film hat trotzdem gefallen. Bei der US-DVD ist aber ein Interview mit Hessler drauf, wo er sich über die Eingriffe der Produzenten sehr verärgert zeigt. War dann glaube ich auch sein letzter Film für AIP.

AIP hat Hesslers Filme ja häufig stark gekürzt und umgeschnitten (nur SCREAM AND SCREAM AGAIN wurde da weitgehend verschont). Für die DVD-VÖs hat MGM aber erfreulicherweise wieder die Ursprungsfassungen hergestellt.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 25.11.2014 10:49 
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sid.vicious hat geschrieben:
Wurde auch mal metallisch gewürdigt.


Großartiger Song, großartiges Album. Aber diente nicht eher die Kurzgeschichte von Poe als Vorlage für den Song? Egal, unverzichtbar.

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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 25.11.2014 22:56 
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sid.vicious hat geschrieben:
Wurde auch mal metallisch gewürdigt.

Ja, wirklich klasse der Song, gibts auch mit passenden Szenen aus dem Film:




Der schöne Trailer gibt den Charakter des Films auch ziemlich gut wieder:




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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 05.10.2015 20:58 
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● MARIA PERSCHY als GENEVRE in
MORD IN DER RUE MORGUE (GB|1971)




In "Mord in der Rue Morgue" sieht man Maria Perschy in ihrem einzigen Auftritt des Produktionsjahres 1971 und es handelt sich dabei um eine kürzer angelegte supporting role, die für das Geschehen eigentlich weniger relevant ist. Wer ist Genevre? In ihrer ersten Szene taucht sie als geheimnisvolle Fremde auf, die dem Protagonisten der Geschichte eine dringliche Nachricht überbringen lässt, allerdings fällt die Fassade der sehr elegant wirkenden Frau ziemlich schnell, als man sie Ort ihrer Haupttätigkeit vorfindet. Genevre ist Teil eines Amüsierbetriebes, ganz offensichtlich handelt es sich um eine Dirne, die sich einen Namen in der besseren Gesellschaft machen konnte. Ein kurzer Blick genügt um zu verstehen, warum sie ohne jeden Zweifel sehr gefragt zu sein scheint. Ihre Attraktivität ist auffallend, sie stellt die latente Verführung und Bereitwilligkeit dar, die die Herzen der Kundschaft und die der Zuschauer ebenso höher schlagen lässt. Da der Weg nach kurzer Spieldauer zu ihr führt, ahnt man, dass sie eine Frau mit dunkler Vergangenheit sein muss. Noch bevor sie entscheidende Hinweise geben, und Licht in die düstere Angelegenheit bringen kann, taucht das Phantom in ihrem Gemach auf, allerdings nimmt man irritiert zur Kenntnis, dass sie die Gestalt mit schwarzem Umhang und Maske nicht als Gefahr identifiziert, sondern ihn in zuvorkommender Art und Weise wie einen ihrer Kunden behandelt. Sie kokettiert mit ihrem Aussehen und ihrer kompletten Erscheinung, stellt sich jedoch flexibel auf die Wünsche, die eher Befehlen gleichen, ein und tut das, was von ihr verlangt wird, schließlich könnte es sich ja um einen sehr großzügigen Kunden handeln. Dass unterm Strich nicht das Vergnügen, sondern Mord stehen wird, überrascht den Zuschauer, nicht zuletzt wegen ihrer grenzenlosen Naivität.

Gordon Hesslers Film überzeugt mit einer hochkarätigen, internationalen Besetzung, auch für Maria Perschy war es nichts Neues, Teil einer solchen zu sein. Auch wenn ihre Auftrittsdauer auf nur drei unmittelbar aufeinander folgende Intervalle beschränkt ist, kann sie dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dies hängt zunächst einmal mit ihrer hinlänglich bekannten Attraktivität zusammen, die insbesondere zu dieser Zeit ihre schönste Blüte erreicht hatte. Perschy wirkt reifer, erfahrener, schlagfertiger und noch eine Spur anschaulicher als ohnehin schon, so dass ihr Auftritt, der in Verbindung mit ihrem durchaus bekannten Namen, ebenfalls zum Aushängeschild für diese Produktion wird. Die Anlegung der Rolle gibt insgesamt wenig Raum für eine bedeutende Entfaltung, so wirkt Maria Perschy eigentlich nur eher routiniert, aber auch vollkommen selbstsicher bei dem was sie tut. Hinzu kommen einige oberflächlich wirkende Dialoge, bis auch schon das Ende eingeleitet wird. Hier kommt es allerdings zu einer sehr überraschenden Szene, da die Mordmethode in Verbindung mit den gezeigten Bildern im Gedächtnis bleiben wird. Im Grunde genommen benutzte man Maria Perschy hier sozusagen als Aufhänger, da mit ihr die Mordserie eingeleitet wird. Über Zusammenhänge und ihre Zugehörigkeit zu diesem Fall werden nicht allzu viele Worte verloren, so bleibt es unterm Strich also bei einem Auftritt, mit eher reißerischen Tendenzen. In den folgenden Jahren sollte ihre beachtenswerte Karriere im spanischen Film folgen, so dass man vielleicht davon sprechen darf, dass sie sich in "Mord in der Rue Morgue" für diese ergiebige Phase empfehlen wollte. Eine nette, wenn auch wenig bedeutende Rolle der vielseitigen Österreicherin.


➥ MARIA PERSCHY


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