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 Betreff des Beitrags: REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 01.12.2010 01:36 
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Requiem pour un Vampire (Frankreich 1971, Originaltitel: Vierges et vampires)

Der letzte Vampir, angewidert von der Bestie Mensch

Ein junger Mann und zwei junge Frauen rasen mit dem Auto durch die Landschaft. Sie werden von einem anderen Fahrzeug verfolgt, Schüsse fallen, der junge Bursche wird getroffen. Marie (Marie-Pierre Castel) und Michelle (Mireille Dargent) biegen in einen Feldweg ein, die Verfolger sind sie damit los. Ihr Begleiter stirbt an der Schussverletzung, die Mädchen setzen das Auto und den Toten in Brand. Die Flucht geht per Motorrad weiter, doch bald macht die Kiste schlapp. Zu Fuß geht es durch Felder und Wälder, auf einem kleinen Friedhof kommt es zu einem Zwischenfall, der glücklicherweise glimpflich verläuft. Schliesslich erreichen Marie und Michelle ein altes Kastell, wo sie zu ihrer Überraschung ein sehr einladendes Nachtlager vorfinden. Doch die Ruhe währt nicht lange. Aufgescheucht durch merkwürdige Geräusche, gerät das Duo in einen grotesken Albtraum. In dem alten Gemäuer residiert ein Vampir, umgegeben und umsorgt von seinen Schergen. Bizarre Rituale spielen sich ab, die verstörten Mädchen sollen der Gefolgschaft des Blutsaugers zugeführt werden...

Die kurze Inhaltsangabe zu "Requiem pour un Vampire", lässt ohne Zweifel Rückschlüsse auf einen Gothic Horror Beitrag zu. Aber Jean Rollin wäre nicht Jean Rollin, wenn er Hammer und Amicus, Mario Bava oder Paul Naschy kopieren würde. So unterschiedlich bereits die Werke der aufgezählten Firmen und Regisseure sind -man vergleiche Bava mit Naschy- Jean Rollin hat eine ganz eigene, andere Sicht auf die Dinge. Ab und an lockt uns Rollin auf eine falsche Fährte. Zum Beispiel im Moment, in dem der Vampir zum ersten Mal auftaucht, wähnt man sich tatsächlich für Sekunden in einem typischen Gothic Horror Streifen. Umgehend wischt Rollin dieses aufkommende Gefühl zur Seite, inszeniert wieder auf seine eigenartige, einzigartige Weise. Das faszinierende an diesem Film ist die unglaublich intensive, nahezu surreale Atmosphäre, die Rollin aus vordergründig unspektakulären Motiven zaubert. Wenn sich die Handlung nach einiger Zeit in das alte Gemäuer verlagert, ist die Erzeugung solcher Stimmungen nicht überraschend. Rollin gelingt dies aber bereits zuvor, allein durch sein Gespür für Motive und die richtige Position der Kamera. Da werden selbst vermeintlich banale Momente, in denen die jungen Frauen durch ein Feld laufen, zur gefilmten Poesie von unfassbarer Anmut. Ganz ohne Effekte oder Spektakel (abgesehen vom lauten Auftakt), ja zunächst gar ohne Dialoge. Lediglich der sehr stimmungsvolle Score wirkt zusätzlich verstärkend, ansonsten dominiert die Schönheit der Schlichtheit, die Schlichtheit der Schönheit...?¿ (Die zu keiner Sekunde schlicht wirkt. Es mag abgedroschen klingen, aber mit Worten lässt sich dieses Filmerlebnis nicht beschreiben, packen oder angemessen erfassen!)

Überhaupt ist der Film eine prall gefüllte Wundertüte, deren Inhalt lustvoll über den erwartungsvollen Zuschauer prasselt. Rollin steigt mit einer recht wilden Autoverfolgsjagd samt Ballerei ein. Dann dürfen wir die Mädchen bei ihrer weiteren Flucht geniessen. Eine kleine Verführungseinlage hier, ein Sturz ins Grab dort, bis sich die jungen Körper schliesslich über die uralten Gemäuer ergiessen, die Aufmerksamkeit des Bösen erregen. Doch wer ist wirklich "böse", wer ist tatsächlich "erregt"? Kennt man den Vampir sonst als Konzentrat aus Lust, Verführung und Verdorbenheit, fällt diese Rolle hier von ihm ab. Seine Schergen sind zügellos, gierig und bösartig, der Vampir selbst eine zurückhaltende, ja fast zerbrechlich wirkende Person. Bei genauer Betrachtung eine tragische Figur, gefangen in Melancholie und angeekelt von den Umtrieben seiner Geschöpfe. Diese unvollkommenen Geschöpfe, die längst nicht die ursprüngliche Kraft, den Charakter ihres Schöpfers, Mentors und Meisters geerbt haben. Er sei zu alt und zu schwach, so sinniert der einstige Fürst der Nacht, er könne seine Kraft nicht mehr auf seine Zöglinge übertragen. Sie werden nie wie er werden, sie bleiben Menschen, Menschen die lediglich in ihrer Ruchlosigkeit und Perversion gewachsen sind. Der letzte Vampir, ein melancholisches Wesen, erfüllt von der Sehnsucht nach ewiger Ruhe, Frieden, Stille. Die letzten Szenen -ich sehe in diesen Zeilen nicht die Gefahr von Spoilern- sind Melancholie pur, drücken aber nicht plump auf die Tränendrüse.

Jean Rollin sagt selbst, "Requiem pour un Vampire" sei auch von alten Comics beeinflusst, die er schon als Kind liebte. Ebenso offensichtlich sind Einflüsse aus der Ära des Stummfilms. Dieser Eindruck entsteht weniger durch die geringe Anzahl von Dialogen. Es sind vielmehr die herrlich schrillen Kostüme, das skurrile Makeup samt überlangen Fangzähnen, sowie das liebenswerte Overacting, die den Zuschauer an die Zeit vor dem Tonfilm erinnern. Freilich stehen die zahlreichen Nackt- und Erotikszenen im Kontrast zu diesen Eindrücken, doch erstaunlicherweise fügen sich diese Gegensätze(?) auf wundersame Weise stimmig zusammen. Erneut muss ich auf den wundervolllen Soundtrack hinweisen. Der Komponist namens Pierre Raph trifft immer den richtigen Ton. Egal ob sein Score eher psychedelisch flirrt oder klassisch angehaucht jubiliert, stets werden die jeweilgen Szenen perfekt untermalt. Wobei mir "untermalt" nicht als passendes Wort erscheint. Die Musik verschmilzt mit den Bildern zu einer wunderschönen Gesamtkomposition, Bilder und Töne gehen eine fruchtbare Symbiose ein.

Stundenlang könnte ich mich in Schwärmerein über diesen Film ergehen. "Requiem pour un Vampire" erobert mein Herz auch deshalb im Sturm, weil Rollin sich weit, weit vom Mainstream abhebt, sich aber nie zu verquaster, pseudointellektueller Sülzerei hinreissen lässt, mit deren Hilfe man den Dampfhammer-Schreiberlingen des "Fülletong" in den Arsch kriecht. ""Requiem pour un Vampire" ist ein ganz wundervolles und liebenswertes Filmerlebnis der besonderen Sorte. Ein echtes Kleinod, voller Momente die sich tief im Herzen und der Seele verankern. Wen es kalt lässt, wenn Louise Dhour in der Nacht auf dem Friedhof auf dem Flügel spielt... dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen. Dann wäre da noch Marie-Pierre Castel, die blonde Versuchung mit diesen unglaublichen Augen, dem sinnlichen Mund. Zart wie ein sanfter Windhauch, der an den ersten Tagen des Frühlings über meine Wangen streicht... (Hrrrmmmrrm! Heute eine Überdosis eingeworfen?) Ihre Begleiterin Mireille Dargent, nicht annährend so schön wie Marie-Pierre, doch auf eigenwillige Weise kaum minder anmutig und sinnlich... (Jaja, nun soll es genug sein!)

Um ein wenig Boden unter den Füßen zu gewinnen, möchte ich flugs zu den nüchternen Fakten kommen. Zu "Requiem pour un Vampire" existieren weltweit diverse DVD-Veröffentlichungen. Der deutsche Markt erweist sich leider als unbespielt, im englischsprachigen Raum trägen die Auswertungen den Titel "Requiem for a Vampire". Die wohl schönste Veröffentlichung stammt aus den Niederlanden. "Requiem pour un Vampire" kommt von Encore als "3-Disc Collector's Edition" ins Haus, die DVDs stecken in einem schicken, aufklappbaren Digipak. Das Digi ist in einem nicht minder hübschen Schuber verstaut, dem Set liegt ein üppiges Booklet (64 Seiten) bei. Der Bonusbereich bietet interessante Interviews, alternative Szenen, Trailer und weiteren Stoff. Der Ton liegt im französischen Original vor, ergänzt durch die englische Synchronisation. Untertitel sind in zahlreichen Sprachen an Bord, auch deutsche Zeilen lassen sich auf Wunsch zuschalten. Ok, man hätte die Boni auch komplett auf der zweiten DVD unterbringen können. Anstatt einer dritten DVD, wäre z.B. der Soundtrack auf CD eine vortreffliche Beigabe gewesen. Trotzdem gilt: Wer ein wenig tiefer ein die Tasche greifen möchte, tätigt mit dem prachtvoll gestalteten Set von Encore den bestmöglichen Kauf!

Für aufgeschlossene, entdeckungsfreudige Filmfreude -aber nur für diese Gattung- lohnt sich die Entdeckung von "Requiem pour un Vampire". Ein wundervolles Filmerlebnis! Die Bewertung per Zahlenraster bereitet mir erneut grosse Qual. Aber bitte: 8,5/10 (sehr gut bis überragend, mit Spielraum nach oben!)

Lieblingszitat:

"Lass uns in die Gruft gehen."

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 Betreff des Beitrags: Re: REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 03.12.2011 21:26 
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Originaltitel: Requiem pour un Vampire
Alternativtitel: Caged Virgins; Vierges et Vampires
Produktionsland: Frankreich
Produktion: Sam Selsky
Erscheinungsjahr: 1971
Regie: Jean Rollin
Drehbuch: Jean Rollin
Kamera: Renan Pollès
Schnitt: Michel Patient
Spezialeffekte: Carol Fiedler
Musik: Pierre Raph
Länge: ca. 83 Min.
Freigabe: ungeprüft
Darsteller: Marie-Pierre Castel, Mireille Dargent, Philippe Gasté, Dominique, Louise Dhour, Michel Delesalle, Antoine Mosin, Dominique Toussaint, Paul Bisciglia


„Die Männer sind auf der Jagd“ so die Aussage eines weiblichen Vampirs oder ist sie nur ein angehender Vampir? Das Wie, Weshalb, Warum wird innerhalb des Films beantwortet. Im Vergleich zu anderen Rollin-Filmen, in denen meist vielen Fragen offen bleiben, wird bei „Requiem pour un Vampire“ das Meiste offenkundig erklärt.

Marie und Michelle sind auf der Flucht, welche sie u. a. durch eine beeindruckende Landschaft mit einem wunderschönen Friedhof führt. Nach einiger Zeit gelangen sie in ein verlassenes Schloss, allerdings trügt der erst friedliche Anschein…

Somit auch erst einmal genug zur Rahmenhandlung. Marie und Michelle sind die zentralen Figuren des Films. Aus ihrer Sicht nimmt der Zuschauer Augenkontakt mit den weiteren Geschehnissen auf. Die beiden Mädchen verbindet eine enge Freundschaft welche im Verlauf auf die Probe gestellt wird. Schließlich sind sie auserwählt um die vor dem Aussterben bedrohte Rasse der Vampire am Leben zu halten. Während Michelle sich mit der Rolle abgefunden hat, weigert sich Marie, sich dem Zwang der Untoten zu unterwerfen. Rollin zeigt bereits zu Beginn des Films das die beiden Mädchen zwar durchaus in der Lage sind sich selbst zu helfen, aber dennoch von einer starken Schüchternheit bzw. Unsicherheit geprägt sind. Diese Labilität ist nicht ganz unwichtig für den Verlauf des Films und erklärt das Verhalten von Michelle. Ganz wichtig ist hierbei die Szene in der Michelle, Marie auspeitscht um zu erfahren wo sich Frederique versteckt hält. Sie kommt hier zwar dem Auftrag des weiblichen Vampirs nach, allerdings ist jeder Peitschenschlag auch ein schmerzhafter Hieb für ihre Seele, so dass sie in Tränen ausbricht.

Rollin zeigt in seinem Film drei Bezugspunkte, zum einen die beiden Mädchen, zum anderen die Vampire und die so genannten „Männer“, deren Ziel die Fleischeslust ist. Die Szene mit den angeketteten Frauen, an denen sich die „Männer“ vergehen, ist meines Erachten viel zu lang ausgespielt worden. Es kann allerdings auch in der Absicht des Regisseurs liegen, auf diese Weise eine „Antipathie“ für die „Männer“ auszulösen. Jedenfalls ist diese Absicht, wenn es denn eine war, bei mit voll und ganz gelungen. Als dritte Partei treten die Vampire oder angehenden Vampire in Szene. Das Oberhaupt der Vampire ist bestrebt seine Rasse zu erhalten und diese zu beschützen. Hier baut Rollin bewusst einen Charakter auf, der gegenteiliges auslöst. Erwartet der Zuschauer den Ursprung des Bösen, so wird er hier gegenteilig und eines Besseren belehrt. Was ein keines Happy End zur Folge hat. Die Mädchen werden aus dem Bann der Untoten entlassen, die „Männer“ werden von ihnen erschossen und das Oberhaupt der Vampire lässt sich zusammen mit seiner „Nachfolgerin“ in seiner Gruft auf ewig einschließen. Es lässt wieder daraus schließen, dass das Böse nicht immer das Unbekannte, das Übernatürliche ist. Alles ist tief in der Seele verankert und kann kontrolliert werden. Die Bestie ist nicht das Übernatürliche, nicht der Vampir, die Bestie ist der Mensch selbst…

„Requiem pour un Vampire“ hat nicht ganz die Klasse von „Le Frisson des Vampires“ und auch nicht von dem, in allem erhabenen „Levres de Sang“, zeigt sich trotzdem als ein brillantes Kinomonument. „Requiem pour un Vampire“ ist einfach gesagt Kunst. Eine Kunst die allerdings von den Wenigsten verstanden und akzeptiert werden wird. Was der Film an Bildern liefert ist einfach nur erschlagend, die Farben und das gesamte Ambiente sind von einer morbiden und gleichzeitig faszinierenden Schönheit gezeichnet. Die Außenaufnahmen sind reine Perfektion und lassen über die ein oder andere zu lang ausgespielte Szene im Film hinwegsehen. Dieses ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Films, da sehr wenig Dialog verwendet wurde. Es ist halt immer möglich mit wenig Worten viel zu sagen.

Wichtig ist, wie in jedem Rollin-Film, sich auf seine Bilder einzulassen und in diesen zu versinken. Sollte man dazu nicht in der Lage sein, wird man Rollins Filme nie verstehen.


8/10

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 Betreff des Beitrags: Re: REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 15.12.2011 19:07 
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Requiem pour un Vampire
(Requiem for a Vampire / Caged Virgins / Vierges et Vampires)
Frankreich 1971 - Written & Directed by Jean Rollin

"I was used to the critics' insults, the public outcry, and I started shooting for my personal pleasure exclusively since the others had rejected me. REQUIEM is an attempt to simplify the structure of a film to an extreme. [...] Excluding the – timid – erotic scenes this could be a film for children made by children. It's a fairy tale. [...] REQUIEM is a naive film. The naiveté isn't forced, but reflects my state of mind at the time. That's what makes it so charming."
- Jean Rollin in Virgins & Vampires (1997),
Edited by Peter Blumenstock, Seite 41 -

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Requiem pour un Vampire schildert die Erlebnisse der beiden Freundinnen Marie (Marie-Pierre Castel) und Michelle (Mireille Dargent), welche nach einigen Irrwegen in einem alten Château landen, das von einem weltverdrossenen Vampir samt Anhang bewohnt wird. Und das ist auch schon die Geschichte, grob formuliert, doch wie so oft bei Rollin gilt auch hier: der Weg ist das Ziel, und dieser Weg ist ereignisreich, aufregend, und einfach wundervoll.

Nach der anfänglichen Hektik (eine Flucht im Auto inklusive Schußwechsel) befinden wir uns (und mit "wir" meine ich Kenner des Rollin'schen Oeuvres) bald auf vertrautem Terrain, und mit langen, ruhigen Bildkompositionen verabschiedet sich Rollin von der Realität und entführt die beiden jungen Protagonistinnen (und mit ihnen natürlich auch den Zuseher) in ein phantastisches Märchenland, in dem nichts unmöglich scheint, und wo sich die Logik in der Unwirklichkeit eines Traumes verliert. Mit so kraftvollen wie atemberaubenden Bildern (Cinematography by Renan Pollès) entfacht Rollin einen unwiderstehlichen Sog, der den Verstand geschickt umschifft, dafür jedoch die Gefühlswelt in Aufruhr versetzt und schließlich mit sich reißt.

Man möchte eintauchen in diesen Traum, mit Marie und Michelle über strahlend grüne Wiesen spazieren, malerische Friedhöfe erkunden, jeden Winkel des düsteren Châteaus erforschen, und einfach nur dem berührenden Klavierspiel einer Vampirin lauschen (das einzige, das man missen möchte, ist die berüchtigte, etwa fünfminütige Sequenz Mitte des Filmes, in der einige an die Wand gekettete Schönheiten von den Helfern der Vampire vergewaltigt werden; aber selbst diese im Grunde unangenehmen Szenen haben einen surrealen Touch, der die Wirkung zum Glück beträchtlich abmildert).

Rollin weiß um die Kraft seiner Bilder, gesprochen wird kaum, und das ist auch nicht nötig. Auf die Frage einer Vampirin läßt er Marie und Michelle die Geschehnisse einer guten halben Stunde kurz und knapp in wenigen Sätzen zusammenfassen.
Marie: "We ran away."
Michelle: "From a New Year's party."
Marie: "We were clowns."
Michelle: "We killed a man."
Marie: "We jumped over the wall."
Michelle: "Our friend was waiting in the car."
Marie: "We were followed."
Michelle: "He was killed."
Marie: "We got lost."
Mehr gibt es diesbezüglich nicht zu sagen, mehr muß man nicht wissen, denn im Vordergrund steht nicht das "was" sondern immer das "wie".

Und diese einzigartige, stimmungsvolle, visuell eigenwillige Umsetzung einer an und für sich unkomplizierten Geschichte ist es, die Rollins Filme im allgemeinen und Requiem pour un Vampire im speziellen auszeichnet. Diese überwältigende, ominöse, kaum greifbare Stimmung. Unwirklich und faszinierend. Traurig und märchenhaft. Romantisch und morbide. Hypnotisch und traumhaft. Erotisch und mysteriös. Poetisch und melancholisch. Unheimlich... und doch so vertraut.

Für die einen mag Requiem pour un Vampire ein sterbenslangweiliges, ohne Sinn und Verstand zusammengeschustertes Machwerk sein. Für die anderen - mich eingeschlossen - ist es filmgewordene Poesie, zum Träumen schön, die jedes Mal aufs Neue verzaubert und das Herz vor Freude schneller schlagen läßt. Die 23jährige Marie-Pierre Castel und die 20jährige Mireille Dargent sind absolut perfekt in ihren Rollen, und der Schauplatz - das Château samt Friedhof und Gruft - ist eine wahre Augenweide.

Requiem pour un Vampire ist das Meisterwerk eines unverwechselbaren Auteurs. Eines Auteurs, der auf etablierte Genrekonventionen gleichermaßen pfeift wie auf des Zuschauers Sehgewohnheiten. Regisseure vom Schlage des visionären Franzosen gab und gibt es in der Kinolandschaft leider viel zu wenige. Nach den zahlreichen feindlichen, zum Teil haßerfüllten Reaktionen auf seine Filme zu Beginn seiner Karriere freut es mich ungemein, daß Jean Rollin die aufkeimende Begeisterung für seine Arbeiten, die schließlich in einen regelrechten Kult gipfelte, noch miterleben durfte.

Schon von dem Moment an, als mich der Filmbug biß und mich die Leidenschaft fürs Kino packte, hatte ich ein Faible für den etwas anderen Film. Jean Rollin entdeckte ich Anfang der 1990er Jahre, als die britische Firma Redemption Films einige seiner Filme auf Video veröffentlichte. Requiem pour un Vampire war mein erster Rollin. Es war eine Liebe auf den ersten Blick. Bleibt mir nur noch eines zu sagen: Monsieur Rollin, merci beaucoup.

Jean Rollin, 3. November 1938 – 15. Dezember 2010

"... a little film made with almost no money. [...] I wanted to create the ultimate naive film, to simplify story, direction, cinematographie, everything. Like a shadow, an idea of an plot. [...] I wanted to make a film that was like a fairytale told by someone at the campfire, invented as it was being told."
- Jean Rollin über Requiem pour un Vampire im Gespräch mit Peter Blumenstock im Mai 1995 in Paris;
aus Virgins & Vampires (1997), Seite 148 -

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Zuletzt geändert von Randolph Carter am 22.02.2015 09:09, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 17.12.2011 22:32 
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... ich freu mich tierisch auf die kommenden US blu ray`s.... zu etlichen klassischen Rollin's. Code free sollen sie sein :)

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BeitragVerfasst: 04.05.2012 23:14 
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Hat dir der nicht gefallen? :shock:

Ich fand den extrem stimmig, atmosphärisch und wunderschön gefilmt! Wahre Poesie in Filmform...

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 Betreff des Beitrags: Re: REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 04.05.2012 23:28 
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Ich vermute viel eher...

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Aber an der Encore gibts doch wirklich nichts auszusetzen, zumal die auch um einiges hübscher aussieht. :?

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BeitragVerfasst: 04.05.2012 23:42 
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Deswegen behalte ich meine auch und kaufe die BD zusätzlich! Gerade für die Booklets bzw. Bücher lohnen schon die Encore-Dinger zu behalten. Die sind bzgl. Anzahl der Discs natürlich unnötig aufgeblasen.

An den Blu-rays gibt technisch nichts zu meckern. Die sind ebenfalls sehr gelungen. Ich empfehle die "erste Staffel" uneingeschränkt. Beim drumherum muß man Abstriche machen. Booklets gibts für alle das Gleiche, diese Redemption Cover sind natürlich auch nicht wirklich 100% top - aber man hat sich zurückgehalten. Das ist mir Schlussendlich aber auch egal. Die Filme profitieren jedenfalls von der erhöhten Auflösung in Bild und Ton. (Codefree) BD Player kriegst du für 50€ also was hält dich ab :mrgreen:

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BeitragVerfasst: 05.05.2012 09:40 
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Die Blu-Ray ist der Grund... Da ich das Booklet schon gelesen habe und, wenn ich die HD-Scheibe hier stehen habe, nicht mehr zur DVD greifen würde. Von daher: Verschenkter Platz :mrgreen:

Die Filme von Rollin sind über jeden Zweifel erhaben!


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.... da kommen die nächsten 3 schon am 15.5 :o ...... dann muß ich wieder zum Axel.... :P

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An den BDs kommt man als Rollin-Verehrer offenbar nicht vorbei. Die wundervollen Encore-DVDs gebe ich trotzdem nicht her.

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BeitragVerfasst: 06.05.2012 12:48 
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Blap hat geschrieben:
An den BDs kommt man als Rollin-Verehrer offenbar nicht vorbei. Die wundervollen Encore-DVDs gebe ich trotzdem nicht her.


... die Encore-DVD`s sind für mich sogar immer noch wichtiger, als die BD`s. Die Blaustrahler müssen als Quali-Update natürlich zusätzlich ins Haus

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 Betreff des Beitrags: Re: REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 06.05.2012 13:06 
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Ist eigentlich abzusehen, dass die Redemption BD codefree sein wird? In den Shops wird sie überall mit Code A angegeben.


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BeitragVerfasst: 06.05.2012 13:34 
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Wenn es so ist wie bei den erstern 5 (wovon ich ausgehe) dann sollten die Codefree sein.

Mir wäre es aber eh wurscht ;) :mrgreen:

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BeitragVerfasst: 06.05.2012 15:29 
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.... Axel schreibt immer A bis Code free bestätigt wurde. Sollte aber zu 99% Code free sein.

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Bei den meisten steht bei Axel (noch) Region A, die Redemption-BDs sind aber definitiv alle Region Free.

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BeitragVerfasst: 06.05.2012 17:42 
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Die Angaben bei Axel sind eigentlich zu 100% verlässlich.

Da steht doch bei jeder (!) US Scheiben immer (!) Region A (not yet tested) - solange die es noch nicht geprüft haben, diese Angabe ist also ein Indikator für nichts und soll nicht zu Spekulationen einladen ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Jean Rollin
BeitragVerfasst: 06.05.2012 17:50 
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Ja, das ist wahr. Die bereits erhältlichen Rollin-BDs besitze ich aber alle, und wenn ich eine geschaut habe, schreibe ich brav eine Mail an Axel, dass die Scheibe "Region Free" ist. Und dann ändern sie es - zuletzt bei FASCINATION. :geek:

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