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 Betreff des Beitrags: SCHLACHTNACHT - Frank van Geloven & Edwin Visser
BeitragVerfasst: 23.01.2016 12:27 
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Sl8n8
(Schlachtnacht / Slachtnacht / Slaughter Night)
Niederlande 2006 - Written & Directed by Frank van Geloven & Edwin Visser
Starring: Victoria Koblenko, Kurt Rogiers, Jop Joris, Linda van der Steen, Steve Hooi, Carolina Dijkhuizen, Lara Toorop...


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Wie aus heiterem Himmel trifft die achtzehnjährige holländische Studentin Kristel (Victoria Koblenko) ein schwerer Schicksalsschlag. Ihr Vater (Martijn Oversteegen), der gerade an einem Buch über den legendären Serienkiller Andries Martiens (Robert Eleveld) arbeitete, stirbt bei einem Verkehrsunfall, den sie selbst leicht verletzt überlebt. Mit ihren Freunden Estrild (Linda van der Steen), Ruud (Steve Hooi), Liesbeth (Carolina Dijkhuizen) und Paul (Jop Joris) reist sie nach dem Begräbnis nach Belgien, um Vaters Sachen aus dem Büro der Bergwerksgesellschaft, von dem aus er für das Buchprojekt recherchiert hat, zu holen. Dort wird sie vom freundlichen aber bestimmten Büroleiter nach einem ausführlichen Gespräch etwas überrumpelt, der sie und ihre Freunde kurzerhand zu einer Führung der alten, stillgelegten Mine anmeldet, welche auch ihr Vater oft besuchte. Anstatt der geplanten Party in einer Disco geht es nun also mit den Belgiern Mark (Kurt Rogiers), Susan (Lara Toorop) und Stefan (Emiel Sandtke) sechzig Meter in die Tiefe, und anstelle der alkoholischen Getränke gibt es Helme, Taschenlampen und viel Staub.

Die Besichtigung des Stollensystems ist durchaus interessant, wobei ihr Tour-Guide Louis (Serge-Henri Valcke) auch auf die unangenehmeren Aspekte ausführlich eingeht. So berichtet er zum Beispiel von den Gefahren des tödlichen Grubengases, das man - in Ermangelung einer Abzugsmöglichkeit - zur Explosion bringen mußte. Diese heikle Aufgabe wurde meist von verurteilten Schwerverbrechern erledigt, die man mit einer Laterne in die entsprechenden Stollen schickte. Kaum einer dieser "Feuermänner" kam lebend zurück. Der letzte, der auf diese gräßliche Weise vor etwa einhundertfünfzig Jahren starb, ist angeblich Martiens, und sein Geist soll seitdem in der Mine spuken. Wie die stürmische Jugend halt so ist, tut sie das alles als ausgemachten Quatsch ab, hantiert lieber mit einem Ouija-Brett herum und wirft fröhlich Ecstasy-Pillen ein. Es kommt, wie es kommen muß. Eines der Mädels, Susan, rastet völlig aus, verletzt Liesbeth schwer und verschwindet anschließend in den dunklen Schächten. Sollte an der Schauermär doch etwas dran sein und hat der ruhelose Geist des Satanisten Andries Martiens etwa von Susan Besitz ergriffen?

Sl8n8 ist eine sehr gefällige und leicht bekömmliche Mischung aus Slasherfilm und Dämonenhorror, quasi der uneheliche Balg von My Bloody Valentine und The Evil Dead. Ich habe ja ein Faible für Filme, die überwiegend in engen Höhlen, dunklen Stollen oder verzweigten Gängen unter Tage spielen. Filme wie My Bloody Valentine (Blutiger Valentinstag), The Strangeness (Abwärts ins Grauen), The Descent (The Descent - Abgrund des Grauens), Urban Explorer oder As Above, So Below (Katakomben) sind deshalb auch genau meine Kragenweite. Insofern hatte Sl8n8 leichtes Spiel, da es nach knapp dreißig Minuten mit dem Lift nach unten geht, wo prompt der blanke Horror über die kleine Gruppe Menschen hereinbricht. Da der Lift nicht mehr funktioniert und die Notausstiegsleiter zerstört ist, sind die jungen Leute in der Mine gefangen. Und jemand oder etwas trachtet ihnen nach dem Leben. Die damit einhergehenden, beklemmenden Gefühle, wie Klaustrophobie, Orientierungslosigkeit, Angst, und Ausweglosigkeit werden gut rübergebracht. Dazu trägt vor allem das recht überzeugende Set bei, aber auch die Schauspieler erledigen ihre Sachen ordentlich.

Das Problem ist, wie bei vielen Slashermovies, die Charakterisierung. Kristel, die Hauptfigur, hat etwas Tiefe, weshalb ihr Handeln auch nachvollziehbar ist. Zwar wächst sie einem nicht ans Herz, aber ein klein wenig fiebert man doch mit ihr mit. Der Rest ist allerdings, von ein, zwei Ausnahmen einmal abgesehen, plattes Kanonenfutter, dem man keine Träne nachweint. Eine Figur schafft es dank ihres Arschlochverhaltens sogar mühelos, daß man ihr ein möglichst schmerzhaftes Ableben wünscht. Der rote Lebenssaft wird großzügig vergossen, wenn Körper unerwünschte Bekanntschaft mit Spitzhacken, Speere, Messer, Schaufeln, Schrotkugeln und Preßluftbohrer machen. Die Effekte sind durchaus gelungen und bisweilen schön saftig, ohne daß man es mit dem Gekröse übertreibt. Bei den Kampfszenen kommt meist die hektische Wackelkamera zum Einsatz, was aber nicht allzu negativ ins Gewicht fällt. Erstens wird dieses Stilmittel nicht exzessiv genutzt, und zweitens kann man immer erkennen, was gerade passiert. Am Dämonen-Make-Up, der Szenenausleuchtung und der Kameraführung kann ich ebenfalls nichts aussetzen. Für einen Schocker dieser Preisklasse ist das alles absolut im grünen Bereich.

Etwas schade finde ich, daß es Frank van Geloven und Edwin Visser nicht geschafft haben, dem Streifen einen heimischen Stempel aufzudrücken. Dies ist Andreas Prochaska meines Erachtens mit seinen beiden In 3 Tagen bist du tot-Filmen wesentlich besser gelungen. Sieht man mal von der Sprache ab, so gibt es kaum etwas, das Sl8n8 von seinen amerikanischen Vorbildern unterscheidet. Obwohl der Streifen mit Originalität geizt und eigentlich keine rechte Spannung aufkommen mag, ist Sl8n8 aufgrund der sehr soliden Inszenierung kurzweilig geraten und als Horrorhäppchen für zwischendurch ganz gut zu gebrauchen. Bedauerlich ist jedoch, daß das Niveau des grausigen Intros nicht gehalten werden konnte. Dieser in der Mitte des 19. Jahrhunderts spielende, sehr stimmige Prolog gewährt grausige Einblicke in die okkulten Teufeleien von Andries Martiens, der versuchte, mit den acht Köpfen enthaupteter Kinder das Tor zur Hölle zu öffnen. Sieben Kinder hat er bereits getötet, und ihre vor sich hin faulenden, von Maden zerfressenen, auf Pfahle gesteckte Schädel werden von der Kamera mit Gusto eingefangen. Nach dieser starken Eröffnung begab man sich dann leider auf sicheres, konventionell-vertrautes Terrain und spult die sich anbahnende Schlachtnacht routiniert, unterhaltsam, überraschungsarm und immerhin ohne Durchhänger ab.

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