Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 23.03.2017 03:20

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: THE ASH TREE - Lawrence Gordon Clark
BeitragVerfasst: 07.01.2017 12:34 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.2011
Beiträge: 1057
Wohnort: Arkham
Geschlecht: männlich
The Ash Tree
(Ghost Story for Christmas: The Ash Tree)
Großbritannien 1975 - Directed by Lawrence Gordon Clark
Starring: Edward Petherbridge, Preston Lockwood, Barbara Ewing, Lalla Ward, Lucy Griffiths, Oliver Maguire...


Bild

Es ist ein riesiges, wuchtiges Herrenhaus, ein stolzes britisches Manor, welches mehr einem Schloß denn einem gewöhnlichen Landsitz ähnelt, das Sir Richard Fell (Edward Petherbridge, Die Päpstin) vor kurzem von seinem verstorbenen Onkel geerbt hat. Kaum hat er sich in seinem neuen Besitz eingelebt - er wohnt dort, sieht man von der umfangreichen Dienerschaft ab, alleine, da seine Verlobte, Lady Augusta (Lalla Ward, Vampire Circus), zurzeit durch die Welt bummelt -, greifen die düsteren Schatten der Vergangenheit nach ihm. Zuerst läßt sich Richard von den seltsamen Geräuschen, den flüsternden Stimmen und dem enervierenden Weinen von Babys nicht sonderlich irritieren, doch gegen die ungemein realistischen Visionen, die ihn ohne Vorwarnung längst vergangene Ereignisse durchleben lassen, ist er machtlos. In diesen Visionen geht es um eine Frau namens Anne Mothersole (Barbara Ewing, Dracula Has Risen from the Grave), die von seinem Vorfahren Sir Matthew (ebenfalls Edward Petherbridge) der Hexerei beschuldigt und daraufhin gefoltert und hingerichtet wurde. Doch nicht nur das macht Sir Richard zu schaffen. Eine mysteriöse Krankheit geht auf seinem Land um, der nicht nur Rinder und Schafe zum Opfer fallen. Auch sein Onkel kam unter merkwürdigen, nicht geklärten Umständen ums Leben. Als der steinreiche Gutsherr die örtliche Kirche ausbauen lassen will und zu diesem Zwecke das Grab von Anne Mothersole verlegen läßt, spitzen sich die unheimlichen Ereignisse zu. Und das Zentrum des Schreckens scheint die uralte Esche zu sein, die dem Gebäude so nahe ist, daß ihre langen Äste und Zweige die Wände und Fenster der Schlafgemächer sogar berühren.

Die fünfte Episode der "A Ghost Story for Christmas"-Reihe der BBC, abermals inszeniert von Lawrence Gordon Clark, fällt in vielerlei Hinsicht aus dem (bisherigen) Rahmen. Obwohl die Vorlage einmal mehr von M.R. James stammt (eine seiner sonderbarsten Erzählungen, die jedoch zu meinen absoluten Favoriten zählt) fühlt sich diese Verfilmung wie ein Fremdkörper an, der irgendwie nicht so recht dazu passen will. Es ist die Summe verschiedener Faktoren (die ungewöhnliche Thematik, die distanzierte Regie, die skurrilen Spezialeffekte, die gestelzte Sprache, die Protagonisten, zu denen man keine Beziehung aufbauen kann), die diesen Eindruck entstehen läßt. Hinzu kommt, daß Drehbuchautor David Rudkin, welcher James' gleichnamige, aus dem Jahre 1904 stammende Geschichte (deutsche Titel: Die Esche bzw. Der Eschenbaum) fürs Fernsehen adaptierte, zwar die Eckpfeiler der Story und die in ihr innewohnende Essenz beibehielt, ansonsten aber einiges veränderte. Der Großteil der Handlung entfaltet sich im achtzehnten Jahrhundert, wobei die Rückblenden in Form von Visionen bzw. Erinnerungen vermutlich aus den 1680er- oder 1690er-Jahren datieren. Diese Visionen aus der Vergangenheit sind sehr geschickt mit der Gegenwart verflochten, sodaß die Übergänge beinahe nahtlos sind und man lediglich anhand der Kleidung, der Frisuren und der Sprache erkennt, daß man sich nun in einer anderen Epoche befindet. Dieses Gleiten zwischen den zwei Zeitebenen ist zwar wirklich gut und stimmig in Szene gesetzt, offenbart jedoch die große Schwachstelle des Filmes umso stärker: Sämtliche Figuren sind einfach uninteressant.

Und aus diesem Grund ist dem Zuschauer ihr Schicksal auch mehr oder minder egal. Das trifft leider sowohl auf Sir Richard und Sir Matthew, als auch auf Anne Mothersole zu, die eher als unschuldiges Opfer denn als böse Missetäterin gezeichnet wird. Es deutet vieles darauf hin, daß Sir Matthew die fruchtbare, sexuell aktive Frau der Hexerei bezichtigt, weil er sie einerseits begehrt, andererseits seine Sexualität jedoch komplett unterdrückt. Mothersole wird daraufhin gefoltert und gehängt, wobei beides nur angedeutet wird. Aber zu keinem Moment schafft es der Film, Emotionen zu schüren und den Zuseher in die Handlung zu involvieren. Das Geschehen ist zu distanziert und zu kalt, um das Publikum zu packen. Und so plätschert der zweiunddreißig Minuten kurze The Ash Tree dahin, zwar sehr stimmungsvoll und angenehm düster, aber im gleichen Maße auch uninteressant und nicht mehr verbreitend als gepflegte Langeweile. Bis der Film urplötzlich gegen Ende, in den letzten fünf Minuten, doch noch zur Hochform aufläuft und den Zuschauern ein so bizarres wie grausiges Finale vor den Latz knallt, daß man es durchaus mit dem Prädikat "unvergeßlich" adeln kann. Was da noch in kurzer Zeit geboten wird, ist unerwartet, garstig, alptraumhaft und richtig, richtig creepy, obwohl die Spezialeffekte alles andere als überzeugend sind. Mehr zu verraten wäre gemein, also belasse ich es dabei, obwohl es mich in den Fingern juckt, das Ende ausführlicher zu schildern. Das muß man einfach mit eigenen Augen sehen. (*) Inwieweit das fulminante Finale (mit den schlichtweg brillanten, immens beunruhigenden letzten zwei, drei Sekunden) diese Gruselmär als gesamtes rettet, sei dahingestellt. Zumindest aber endet The Ash Tree mit einem tollen, ungeheuer denkwürdigen "BANG", der jüngere Zuschauer, die bei der Erstausstrahlung am 23. Dezember 1975 mit dabei waren, nachhaltig traumatisiert haben könnte.

(*) Selbst Kenner der Vorlage, die bereits wissen, was kommen wird, sollten überrascht sein, wie Clark und seine Leute die letzten paar Minuten umgesetzt haben, gibt es doch auch hier einige schaurige und sehr effektive Abweichungen gegenüber James' Erzählung.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: THE ASH TREE - Lawrence Gordon Clark
BeitragVerfasst: 14.01.2017 12:58 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.2011
Beiträge: 1057
Wohnort: Arkham
Geschlecht: männlich
Die gesammelten "Ghost Stories for Christmas" gibt es übrigens in einem schönen Set mit massig Bonus.

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker