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 Betreff des Beitrags: THE STALLS OF BARCHESTER - Lawrence Gordon Clark
BeitragVerfasst: 23.12.2016 13:35 
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The Stalls of Barchester
(Ghost Story for Christmas: The Stalls of Barchester)
Großbritannien 1971 - Directed by Lawrence Gordon Clark
Starring: Robert Hardy, Clive Swift, Thelma Barlow, Will Leighton, Harold Bennett, Penny Service...


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Beim Katalogisieren der Bibliothek der Kathedrale von Barchester entdecken Dr. Black (Clive Swift, Frenzy) und der Bibliothekar (Will Leighton) in den 1930er-Jahren eine alte, versteckte Truhe, deren Inhalt sich als recht brisant erweist. Es handelt sich nämlich um die Aufzeichnungen des Erzdiakons Haynes (Robert Hardy, Psychomania), der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Barchester tätig war und unter mysteriösen Umständen das Zeitliche segnete. Wie sich beim Lesen der Dokumente herausstellt, dauerte es geraume Zeit, bis Haynes überhaupt zum Erzdiakon berufen wurde, da sein Vorgänger, Erzdiakon Pulteney (Harold Bennett), trotz hohen Alters keine Anstalten machte, abzutreten. Erst im zweiundneunzigsten Lebensjahr räumte er unfreiwillig den Sessel für seinen Nachfolger, als er in seiner Wohnung eine Treppe hinabstürzte und sich das Genick brach. Haynes war endlich am Ziel seiner Träume, doch die große Freude wollte sich nicht so recht einstellen. Seltsame Erscheinungen plagten den rational denkenden Mann, welche ihn mehr und mehr beunruhigten und ihn an seinem Verstand zweifeln ließen.

The Stalls of Barchester bildet den Auftakt zur legendären BBC-Gruselreihe "A Ghost Story for Christmas" und wurde erstmals am 24. Dezember 1971 ausgestrahlt. Lawrence Gordon Clarks Adaption von M.R. James' Erzählung The Stalls of Barchester Cathedral (Das Chorgestühl der Kathedrale von Barchester bzw. Das Chorgestühl zu Barchester) aus dem Jahre 1910 ist ein ruhiges, gemächliches Schauerstück, welches vor allem durch seine zum Schneiden dichte Gothic-Horror-Stimmung beeindruckt. Wem es gefällt, wenn alte Männer durch dunkle Gemäuer schleichen, mit einer flackernden Kerze als einziger Lichtquelle, wenn ihre vorsichtigen Schritte auf einer Holztreppe von knarzenden Geräuschen begleitet werden und wenn Türen beim Öffnen bedrohlich knarren, der dürfte sich hier so wohl fühlen wie die Made im Speck. Und es ist vor allem diese tolle Atmosphäre, die den nur fünfundvierzig Minuten kurzen Film sehenswert macht. Wer auf blanke Gruselelemente aus ist, könnte eventuell enttäuscht aus der Wäsche gucken, sind die schaurige Momente doch nicht nur rar gesät, sie schleichen sich auch noch auf leisen Sohlen sehr subtil und fast schon unauffällig ins düstere Geschehen. Die einzige Ausnahme ist ein klassischer "Buh"-Schock (mit einer schwarzen Katze noch dazu!) von der Art, mit denen man heutzutage beinahe inflationär überschwemmt wird.

Daß sich Teile einer Kirche, insbesondere der hölzerne Chorstuhl mit seinen absonderlichen Schnitzereien, gegen den Gottesdiener zu wenden scheinen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wobei hier zwei Lesarten möglich sind. Entweder hat sich Haynes tatsächlich den Zorn übernatürlicher Mächte zugezogen (der gute Mann hat ja dem Ableben seines Vorgängers etwas nachgeholfen), oder er bildet sich alles nur ein, weil ihm die Schuldgefühle enorm zusetzen. Robert Hardy weiß in der Hauptrolle zu überzeugen, obwohl seine Figur unnahbar, stolz und unsympathisch ist. Ein Mitfiebern mit Haynes findet somit nicht statt, zumal er es sich ja auch selbst zuzuschreiben hat, was immer mit ihm geschieht. Die sparsam eingesetzten Gruselmomente verursachen leichte, wohlige Schauer, eine ausgewachsene Gänsehaut ist jedoch außer Reichweite. Aber, wie bereits erwähnt, The Stalls of Barchester lebt von seiner bedrückenden Atmosphäre, die einfach überall herrscht. In der großen Kirche, in der freien Natur (der kurze Nebenhandlungsstrang um dem Hanging Oak ist ein Gedicht), oder in der Bibliothek bei Dr. Black. Ob die Rahmenhandlung wirklich nötig ist, steht zur Debatte. Einerseits stört sie empfindlich den Erzählfluß, andererseits lockert sie das ansonsten ungemein düstere Geschehen etwas auf, verfügt Dr. Black doch über einen recht trockenen Humor. Aber selbst das ändert nichts daran, daß es in diesem schönen Stück britischer TV-Grusel-Geschichte kaum etwas zu lachen gibt.

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