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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: TÖDLICHE FERIEN - Robert Fuest
BeitragVerfasst: 19.05.2011 22:17 
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Naja, "Horror" passt nicht wirklich, aber einen eigenen Thread hat diese Perle ohne Zweifel verdient!


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Tödliche Ferien (Großbritannien 1970, Originaltitel: And soon the darkness)

Englische Angst auf französischem Boden

Die jungen Engländerinnen Jane (Pamela Franklin) und Cathy (Michele Dotrice), wollen gemeinsam einen schönen und erholsamen Urlaub in Frankreich verbringen. Per Fahrrad bewegt man sich entspannt durch das französische Hinterland. Während Jane den Trip ohne Vorbehalte geniesst, ist Cathy zunehmend gelangweilt und lechzt nach ein wenig "Action". Als die Freundinnen eine kleine Pause einlegen, fällt der Cathy ein knackiger Bursche (Sandor Elès) auf, der ihre Gedanken sofort in feucht-fröhliche Bahnen lenkt. Ohne den attraktiven Unbekannten angesprochen zu haben, setzt das Duo seine Reise auf den Drahteseln fort. Wenig später überholt sie der junge Mann auf seinem Motorroller, noch ein wenig später begegnen sie ihm erneut, diesmal steht still er am Strassenrand. Cathys Unzufriedenheit nimmt zu, sie besteht darauf eine kleine Pause einzulegen. Jane drängt nach einiger Zeit zur Weiterfahrt, es kommt zum Streit, Jane fährt ohne ihre Freundin weiter. Bald beschleicht Jane ein ungutes Gefühl, schliesslich fährt sie zu dem kleinen Wäldchen zurück, an dessen Rand sie ihre Begleiterin zurückgelassen hatte. Jane findet Cathy nicht mehr vor, nach und nach verstärkt sich die Angst um ihre Freundin. Plötzlich taucht der Unbekannte Rollerfahrer wieder auf, stellt sich als Paul vor, und bietet der verunsicherten Touristin seine Hilfe an. Immer tiefer wird Jane in ein Geflecht aus Sorge und Angst verstrickt, schnappt zu allem Überfluß erschreckende Sprachfetzen der Einheimischen auf. Vor ein paar Jahren wurde in der Gegend ein junge Frau ermordet, die offenbar vom Typ her der verschwundenen Cathy sehr ähnlich war...

Regisseur Robert Fuest erfreute mich mit den beiden herrlichen Dr. Phibes Filmen, in denen Vincent Price als durchgedrehter Rächer Angst und Schrecken verbreitete ("Das Schreckenscabinett des Dr. Phibes" (1971) & "Die Rückkehr des Dr. Phibes" (1972)). "And soon the darkness" aka "Tödliche Ferien" entstand kurz zuvor, beschreitet allerdings völlig andere Wege. Geschickt lockt uns der Film auf eine falsche Fährte, was in der heutigen Zeit vermutlich noch besser als vor 40 Jahren funktioniert, weil inzwischen viele Zuschauer auf typische Schlitzereien konditioniert sind. Alles deutet zunächst auf einen frühen Slasher mit "Backwood-Feeling" hin. Tatsächlich nimmt "Tödliche Ferien" viel von der Atmosphäre entsprechender Werke vorweg, funktioniert aber als reinrassiger Thriller, verzichtet (fast) vollständig auf Gewalt und Gegeifer, lediglich das Finale zeigt "sanft-rustikale" Ansätze.

Mit recht einfachen Mitteln wurde ein intensiver und packender Film auf die Beine gestellt, der in allen Disziplinen rundum zu überzeugen vermag. Während des Vorspanns verbreitet der beschwingte Titelsong gute Laune, Kameramann Ian Wilson fängt prächtige Bilder ein. Überhaupt ist die Kameraarbeit erstklassig, man lässt der wundervollen Landschaft viel Raum zur Entfaltung, doch die überschaubare Anzahl der Figuren verliert sich nicht in diesen Bildern, sondern kommt gleichberechtigt zum Zuge. Geschickt dreht Robert Fuest an der Spannungsschraube, zieht den Filmfreund mit vermeintlichen Kleinigkeiten tiefer und tiefer in den Strudel. Plötzlich ist ein Kleidungsstück verschwunden, dann ein Fahrrad zerstört, aus dem Unterholz ertönen leise Geräusche... Aufgrund ihre geringen Kenntnisse der französischen Sprache, fühlt sich Jane noch hilfloser und isolierter. Wie ich bereits schrieb kommt der Film ohne Brutalitäten aus, wer auf eine Schlachtplatte hofft ist an der falschen Adresse. Suspense ist der passende Begriff, in dieser Disziplin ist "Tödliche Ferien" geradezu ein Lehrstück!

Die Besetzung besteht aus drei zentralen Figuren, die durch eine überschaubare Anzahl Nebenfiguren ergänzt wird. Michele Dotrice und Pamela Franklin spielen vortrefflich zusammen, Dotrice hinterlässt einen bleibenden Eindruck, obschon sie bereits frühzeitig aus dem Spiel genommen wird. Ob sie wieder auftaucht? Das erfahrt ihr bei der Sichtung des Streifens! Pamela Franklin fällt somit die grösste Rolle zu, die sie mit ihrer natürlichen Ausstahlung sehr ansprechend ausfüllt. Mir fiel im Verlauf des Films mehr und mehr die hübsche Erscheinung der jungen Dame auf, die auf den ersten Blick fast unscheinbar anmutet. Vielleicht ein "psychologischer Effekt", da ich mit Pamela um die Wette fieberte, das Rätsel um die verschwundene Freundin lösen wollte, Angst um die knuffige Hauptdarstellerin hatte. Bezüglich Sandor Elès war ich skeptisch, denn in der Hammer Produktion "Comtesse des Grauens" (Countess Dracula, 1971), kackte er im Schatten der göttlichen Ingrid Pitt massiv ab. Aber meine Befürchtungen wurden von Elès mit erstaunlicher Souveränität hinweg gewischt. Der aus Ungarn stammende Schauspieler liefert eine tadellose Leistung ab, erweist sich sogar als geradezu perfekte Wahl für die Rolle des rätselhaften Fremden. Ja, Elès verkörpert gewissermaßen den interessantesten Charakter des Films. Nach und nach wirft man dem gebannten Zuschauer Informationen hin, aber kann man diesen Erkenntnissen trauen? Welches Spiel spielt der Bursche? John Nettleton sehen wir als knarzigen, hüftsteifen Gendarm, Hana Maria Pravda als unfreundliche Gastwirtin, Claude Bertrand als unheimlichen Gatten der Dame, Clare Kelly als hilfsbereite -in Frankreich lebende- Engländerin. Jeder Figur bringt eine Portion beunruhigende Charakterzüge ins Spiel, mal offensichtlich, mal hintergründig. Erneut: Suspense vom Feinsten!

Sucht man mit dem Willen zur Nörgelei nach einem Schwachpunkt, kann man eventuell das eher gewöhnlich anmutende Finale bemängeln. Dort bricht dann doch noch kurzzeitig ein wenig Gewalt aus dem Unterholz hervor, die Geschichte mündet in eine nicht allzu kreative Auflösung. Mir steht der Sinn allerdings nicht nach Genörgel. Vielleicht hätte man das Ende offener gestalten können, doch ich finde den Kontrast interessant, der sich in den letzten Minuten zu dem restlichen Werk gesellt (Ich benutze ganz bewusst nicht das Wort "entgegenstellt").

Schon länger stand die britische DVD von Optimum auf meiner Einkaufsliste, doch dank der Veröffentlichung von Kinowelt konnte ich nun zu einer deutschen Scheibe greifen. Die DVD bietet den Film in guter Qualität an, neben der deutschen Synchronisation ist auch der englische Originalton an Bord. Der Bonusbereich gibt lediglich diverse Trailer her, Flatschenfeinde dürfen sich über das Wendecover freuen.

Von meiner Seite verdient sich "And soon the darkness" aka "Tödliche Ferien eine ganz dicke Empfehlung! Mit Sicherheit werde ich mir auch das 2010 produzierte Remake anschauen, welches sich dem Vergleich mit einem sehr starken Orignal stellen muss!

Sehr gut = 8/10 (da geht noch mehr...)

Lieblingszitat:

Cathy: "Hat man dir in den Hintern gekniffen?"
Jane: "Nein, so etwas machen sie nur in Italien."
Cathy: "Was machen wir dann in Frankreich?"

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 Betreff des Beitrags: Re: TÖDLICHE FERIEN - Robert Fuest
BeitragVerfasst: 20.05.2011 19:29 
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Nach vielen positiven Kommentaren, die ich in letzter Zeit von dem Streifen gelesen hab,
habe ich mir vor einer Woche blind die DVD gekauft.................und man, ich wurde nicht entäuscht :D

War einfach nur überrascht und glücklich zugegriffen zu haben, vor allem die schöne
Kameraarbeit hat mich beeindruckt :!:

Ok.............von Horror kann man natürlich bei dem Film nicht reden, aber er ist ein wunderbar
gemachter Thriller ohne viel Blut und Gewalt ( spielt sich beim zuseher alles im Kopf ab ).

Die DVD hat ein sehr schönes Bild, kann man wärmstens empfehlen :!:


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 Betreff des Beitrags: Re: TÖDLICHE FERIEN - Robert Fuest
BeitragVerfasst: 24.05.2011 10:28 
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Ist in der Tat ein schöner, spannender Film. Habe mir auch das Remake mit Amber Heard zugelegt, bin aber skeptisch, ob der so gut ist. Obwohl Amber sexy ist...

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 Betreff des Beitrags: Re: TÖDLICHE FERIEN - Robert Fuest
BeitragVerfasst: 14.12.2011 21:39 
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Alternativer Titel: Tödliche Ferien
Produktionsland: Großbritannien
Produktion: Brian Clemens, Albert Fennell
Erscheinungsjahr: 1970
Regie: Robert Fuest
Drehbuch: Brian Clemens
Kamera: Ian Wilson
Schnitt: Ann Chegwidden
Musik: Laurie Johnson
Länge: ca. 95 Minuten
Freigabe: FSK 16
Darsteller: Pamela Franklin, Michele Dotrice, Sandor Elès, John Nettleton, Claude Bertrand, Hana Maria Pravda, Jean Carmet, John Franklyn, Clare Kelly


Die Engländerinnen Jane und Cathy sind auf einer Radtour durch Frankreich. Nach einem Streit trennen sich ihre Wege. Als Jane später nach Cathy sucht, ist diese verschwunden. Einige der Einheimischen sprechen von einem Mord der vor ein paar Jahren an einer holländischen Anhalterin verübt wurde und nicht geklärt werden konnte. Diese Tatsache verunsichert Jane noch wesentlich mehr.

Es ist schon erstaunlich was 1970 auf dem europäischen, sprich englischen Filmsektor mit „And soon the Darkness“ („Tödliche Ferien“) entstanden ist. Es wäre fatal hier von irgendeinem Thriller zu reden, da der Film bedeutend mehr kann als andere Filme des Genres.

Robert Fuest startet seinen Film mit einer gewissen Gemächlichkeit und Ruhe. Er stellt nicht allein seine Charaktere vor, sondern auch die Landschaft, die sich von ruhig und schön in eine unheimliche und beängstigende Atmosphäre verwandelt. Fuest schafft es, eine Landstraße als unberechenbar und böse darzustellen. Er stellt den Zuschauer auf eine Probe ob dieser an Seite von Jane das ihm Unbekannte miterleben will und kann. Dieses sollte bei einem aufgeschlossenen Publikum schnell der Fall sein. So erlebt man die Situationen die der Film mit sich bringt authentisch an Janes Seite, man sieht aus ihrem Blickwinkel und ist auf dem gleichen Stand hinsichtlich der Lösung. Jede Entdeckung die Jane macht, erlebt der Zuschauer mit. Fuest gelingt es dabei tatsächlich den Zuschauer als Fremden in einem anderen Land fühlen zu lassen. Alle Gesichtspunkte die Jane erblickt oder Situationen innerhalb der Kommunikation und die daraus resultierende Unsicherheit können vom Publikum jederzeit miterlebt werden. Es ist vereinzelnd beängstigen mit welchen Menschen die junge Frau konfrontiert wird und in welcher Weise sie mit den Konfrontationen umgehen muss.

Fuest lenkt die Verdachtmomente in mehrere Richtungen. Der Zuschauer kann nicht mit Bestimmtheit sagen, wer der Verantwortliche ist und wird bis zum letzten Moment des Films hingehalten. Die Handlung des Films zieht sich dabei von den frühen Morgenstunden bis hin zur Dämmerung. Hierbei ist unbedingt auf die Angst hinzuweisen, die Jane vor der anstehenden Dunkelheit hat. Dieses Element führt den Film in eine noch bedrohlichere Atmosphäre. Die anfänglich entspannte und erholsame Landschaft droht sich der Klaustrophobie zu ergeben. Eine Umgebung die Unheimliches und abgrundtief Böses vermittelt. Wer sich jemals in einem Wald verlaufen hat und von der Angst der einbrechenden Nacht geprägt war, der kann das was Jane innerhalb des Films fühlt leicht nachvollziehen.

Fazit: Ein unspektakulärer Film, der von einer bedrohlichen Atmosphäre und viel Spannung lebt. Ein absolutes Filmjuwel aus den frühen 70ern. Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, der sollte das dringend nachholen.

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Zuletzt geändert von sid.vicious am 17.12.2011 12:21, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: TÖDLICHE FERIEN - Robert Fuest
BeitragVerfasst: 14.12.2011 23:17 
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sid.vicious hat geschrieben:
Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, der sollte das dringend nachholen.


Das möchte ich an dieser Stelle dick unterstreichen!

An das Remake habe ich mich noch nicht herangewagt.

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 Betreff des Beitrags: Re: TÖDLICHE FERIEN - Robert Fuest
BeitragVerfasst: 22.12.2011 10:39 
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Das Remake ist okay, aber das Original hat insgesamt eine bessere, düstere Stimmung. Gut am Remake ist allerdings die Landschaft (gedreht in Argentinien), die wirklich spektakulär ist und gegen die die französische Szenerie wie die Eifel im Regen wirkt. Und Amber Heard finde ich persönlich extrem ansehnlich, von daher wars halt okay;-)

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 Betreff des Beitrags: Re: TÖDLICHE FERIEN - Robert Fuest
BeitragVerfasst: 14.06.2015 17:35 
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And Soon the Darkness
GB 1970
Regie: Robert Fuest
Kamera: Ian Wilson
Musik: Laurie Johnson
Drehbuch: Brian Clemens, Terry Nation
Darsteller: Pamela Franklin als Jane, Michele Dotrice als Cathy , Sandor Eles als Paul, John Nettleton als Gendarm, Clare Kelly als Lehrerin, Claude Bertrand als Lasall, John Franklyn als alter Mann & Hana-Maria Pravda als Ms. Lasall



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Wie die beiden Engländerinnen Jane und Cathy auf die Idee gekommen sind, ihren Jahresurlaub in einer ärmlichen französischen Gegend zum Radeln zu nutzen, verstehen wohl nur die beiden. Die zwei Teenagerinnen sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Die eine trägt pink und bauchfrei. Die andere Halstuch und Hemd. Die eine ist lasziv und hüllt sich in billigen vergoldeten Tand. Die andere ist zugeknöpft und bieder. Die eine will ihren Urlaub nutzen um auch Männerbekanntschaften zu machen, die Sprödere der beiden will tatsächlich Fahrrad fahren. Selbstverständlich kommt es zum Streit. Die Vernünftige will nach einer Pause weiter, um noch bei Dunkelheit anzukommen. Die andere will warten, bis der schicke Franzose auf dem Moped auftaucht. Jane streitet, sie fährt alleine los. Ohne das Radio, ohne die Freundin. Sie fährt vorbei an abgeernteten Feldern und Blumenwiesen. Zornig passiert sie lilane Leberblümchen, den roten Bastard-Mohn, der sich überall im Brachland ausbreitet, dazu das Springkraut und den kriechenden Günsel. Notiz nimmt sie davon nicht. Sie ist ja wütend.
Nicht so wie Cathy, die hängt ihren Büstenhalter in den Busch in der Lichtung am Wegesrand. Was für eine Einladung! Da würde vermutlich sogar ich Rast machen. So leicht an Sex kommt man selten. Leider lockt sie damit den falschen an.

Der Urlaubsfilm wird ein Kriminalfilm. Nach einer Weile hält Cathy an einem kleinen, verarmten Cafe. Eine schwarzgekleidete Frau raunt sie an, sie ist böse, sie fuchtelt mit den Armen, zischt: "Tres mauvais, tres mauvais". Cathy lernte Französisch, doch mehr als zu einem Bonjour reicht es nicht. Sie ist hilflos, es ist Frankreich. Alle sprechen sie französisch. Ihre Einsamkeit, ihre Verwunderung lindert das sicher nicht. Sie macht sich auf die Suche in dieser niedersächsischen Landschaft in der am ganzen Horizont kein Hügel zu finden ist, keine natürliche Eingrenzung, nur meilenweite Leere. Skelettierte Autoleichen die Hühner beherbergen, schlaglöcherne Straßen. Auf ihrem Weg als Detektivin lernt sie einige Eingeborene kennen. Den feschen Polizisten auf dem Mofa. Die intellektuelle Lehrerin und Paul. Der stellt sich ihr als geheimer Ermittler vor. Erklärt ihr, dass es schon mal einen Mord hier gab. Dass das erste Opfer, eine Niederländerin, ebenfalls strohblond war. Er lädt sie ein, gemeinsam mit ihm die Büsche zu durchforsten. Vielleicht finden sie ja Hinweise. Doch irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht. Und das liegt nicht daran, dass er der einzige ist, der keine Hillbillylatzhose trägt sondern einen Anzug.

Natürlich entgeht das auch Jane nicht. Sie schlussfolgert in bester TKKG-Manier und löst den Fall für sich auf, innerhalb weniger Minuten. Der ganze Kriminalfall spielt an einem einzigen Nachmittag. Sie hätte ihre Freundin aus Nottingham ja schon gern wieder. Auch wenn sie etwas doof war, etwa als sie im touristisch nicht erschlossenen Franzosenland der Hinterhöfe ihre Freundin fragt, ob der Mann dort denn vielleicht Franzose sei. Der Ausflug mit der Blondine war eine Tortur, die jeder kennt, der mal mit Freunden Urlaub macht und die Schattenseiten des Kumpels kennenlernen muss. Sie beschwerte sich, seit sie ankamen, erst war ihr zu warm, dann war sie zu müde und das französische Essen konnte auch nicht mit dem englischen Mithalten. Sie ist ein verzogenes Gör. Jetzt ist sie Tod.

Jane beauftragt den Polizisten. Der macht sich auf. Fährt los mit dem Moped und rastet an dem nächsten Hof. Suchen wird er nicht. Er trinkt Wein und starrt auf die uferlos betonierten Straßen in ihrer nutzlosen Breite, diese Fahrrinnen, die übergehen in Asphaltparkflächen und Gehwege. Nur Grün ist in dem Graugrau nicht auszumachen, wo er rastet. Das alles pattdrückende Betongemisch lässt keinen Spalt für Sprießendes, dass die bröckelnden Hausfassaden in ein etwas lebendigeres Licht tauchen könnte.

You`re ordering. I`m not a bloody nun, I like to talk to people once in a while.

Ein wirklich schön gefilmter sommerlicher Mädchenmörderfilm. Jane ist völlig hilflos und den Anwohnern ausgeliefert. Dass sie kaum Französisch versteht steigert die Isolation der Touristin. Sie ist auf die paar englischen Wortfetzen der anderen angewiesen. Jeder der verhärmten Franzosen scheint sein kleines Geheimnis mit sich zu tragen. Der einzige dort, der Intellektuell zu etwas fähig zu sein scheint, ist Paul. Der mutmaßliche Polizist. Doch als er, um sie zu suchen, eine Scheibe einschlägt, verliert auch Jane alle Gelassenheit. Sie hat zwar ihr Fahrrad, aber keine Freundin. Sie ist diesen schlimmsten all ihrer Nachmittage, gefangen in diesem Halunkengau, in dem sich retardierte Kriegsveteranen den Schlüpfer der Ermordeten über den Kopf stülpen und gefühllos vor der Hinterbliebenen auftanzen. Die Kamera hat die dortige Landschaft, das Leben und die Personen hervorragend eingefangen. Es sind viele Close-Ups von Augen, von Gesichtern, in die alle Anspannung eingefräst ist.
Ein sehenswerter Suspense-Thriller!




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