Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 28.05.2017 12:24

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: ... UND VOR LUST ZU STERBEN - Roger Vadim
BeitragVerfasst: 05.03.2014 09:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 10.2013
Beiträge: 638
Geschlecht: männlich
... UND VOR LUST ZU STERBEN - et mourir de plaisir


Bild

F / I 1960

Regie: Roger Vadim

Mit: Mel Ferrer, Elsa Martinelli, Annette Vadim, ...


INHALT

Auf einer Flugreise erzählt ein Arzt seinen Mitreisenden von einer merkwürdigen Begebenheit, die er einmal erlebt hat und die ihn an der Rationalität der Dinge zweifeln lassen...

Der Gutsbesitzer Baron Leopold von Karnstein richtet ein großes Kostümfest anlässlich seiner Verlobung mit Georgina aus, auf der als Höhepunkt des Abends ein riesiges, mitternächtliches Feuerwerk auf dem alten Friedhof der Karnsteins geplant ist. Trotz aller Warnungen findet das Feuerwerk statt, doch versteckte Munition des letzten Weltkrieges lösen dabei eine große Explosion aus. Carmilla von Karnstein, eine Verwandte des Barons aus Österreich, die zu den Feierlichkeiten angereist war und der einstigen Vampirgräfen Mircalla sehr ähnelt, fühlt sich von der Ruine der Friedhofskapelle angezogen und entdeckt dort in den Trümmern ein altes, verlassenes Grab, welches die Dorfbewohner 1765 bei der Schändung der Gräber der Familie Karnstein übersehen haben mussten. Fortan ist Carmilla sehr verwandelt, hört anstatt moderner Beatmusik nur noch barocke Tänze, kann sich an Ereignisse vor Jahrhunderten erinnern, weiß allerdings nicht mehr, wo ihre Angestellten wohnen, usw. Die Tiere der Umgebung reagieren auf sie nervös, so gerät ein gefangener Fuchs in Panik, ihr Pferd scheut, obwohl Carmilla eigentlich eine gute Reiterin ist. Der Knecht sieht nachts beim Aufstellen einer Fuchsfalle eine geisterhafte Gestalt, die Magd wird in unwegsamen Gelände tot aufgefunden. Die geplante Verlegung der Hochzeit wegen der Vorfälle nach Venedig führt zu einer Katastrophe, denn längst hat Carmilla Gefallen an dem Baron gefunden.

Bild

KOMMENTAR

Dieser Klassiker des Vampirfilms wurde nun endlich auch in Deutschland veröffentlicht. Viel hat man über diesen Film gelesen, vielleicht hat man zu lange warten müssen, bis er endlich vröffentlicht wurde, die Erwartungshaltung ist groß, vielleicht zu groß. Roger Vadim zeigt die Handlung fast ausschließlich in Totalen, was mit der Zeit doch ermüdet. Zudem ist der Film sehr dialoglastig und behäbig geschnitten, es will zu Beginn einfach keine rechte Spannung aufkommen. Der Park und das Anwesen sind jedoch eine hervorragende Kulisse und entschädigen für so manche Länge im Film. Dies sind durchaus beeindruckende Szenen, wenn Carmilla / Mircalla abends in einem weißen Kleid durch den Park wandelt. Sehr schön ist hier die Kameraführung von Claude Renoir. Doch der Film bleibt bei seinem behäbigen Tempo, selbst als Carmilla die Magd verfolgt wird nicht schneller geschnitten, wird die Totale nicht verlassen, wird nicht auf aufgerissene Münder oder Augen geschnitten. Leichte Harfenklänge begleiten die Szenen, können in den ruhigen Szenen durchaus punkten, doch in den Verfolgungsszenen wären etwas mehr spannungssteigernde Elemente nötig.

Der Film punktet wiederum mit diesem tollen Park und der Kameraführung (nicht dem Schnitt und dem Verzicht auf Nahaufnahmen, denn diese sind Vadim anzulasten!. (Weiß jemand, um welchen Park es sich hierbei handelt? Er müsste in der Nähe von Rom liegen, denn der Film wurde in den Cinecitta-Studios aufgenommen.) Mel Ferrer spielt den Baron hervorragend, selten habe ich ihn besser spielen sehen. Annette Vadim sieht hübsch aus, versteht es, mit geringer Mimik wenigstens etwas Spannung aufkommen zu lassen und ist neben Ferrer und dem Park für mich das Highlight des Films: Ihr Spiel ist von Vadim exakt so ausgelegt wie er die Bardot insszeniert hat, jedoch spielt Annette wesentlich kühler, weniger erotisch, dafür abgründiger (kann man das so schreiben?), was für die Rolle der Carmilla einfach besser passt: Ihre Eifersucht ist nicht wild, saondern kühl und berechnend. Wenn sie beim Abendessen erfährt, dass die Hochzeit nach Venedig verlegt werden soll, so schlägt sie ihr Rotweinglas so heftig auf den Tisch, dass der Glasboden abbricht. sofort fängt sie sich wieder, trinkt in Ruhe das Glas aus, legt den Kelch einfach neben den Teller auf den Tisch und isst in Ruhe weiter. Diese Szenen sind grandios.

Übertroffen werden diese Szenen noch durch den Traum am Ende, wenn das farbenfrohe Bild in einem Grau versinkt und Georgina nur noch das Rot des Blutes als Farbe sehen kann. Der Traum ist ein wahrer Alptraum und ist in seiner Intensität vergleichbar mit Bunuels Visionen. Mehr will ich nicht verraten. Mircalla, der Vampir, kann sich im Spiegel sehen, allerdings sieht sie ständig ihr blutverschmiertes Kleid, und in einer Szene reißt sie sich das Kleid vom Leib und sieht ihren blutverschmierten Busen, für 1960 sicher eine recht freizügige Szene und mE sehr gelungen insszeniert.

Insgesamt eine 6 + 2 / 10 Punkten, der Anfang ist doch sehr langatmig, der Film gewinnt erst später an Fahrt. Die von mir oben beschriebenen Szenen erlauben jedoch die Pluspunkte. Ein Film, den man dennoch gesehen haben sollte.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ... UND VOR LUST ZU STERBEN - Roger Vadim
BeitragVerfasst: 17.03.2014 00:50 
Offline

Registriert: 11.2009
Beiträge: 4796
Geschlecht: männlich
Nach zwei Sichtungen im Kino habe ich nun auch die DVD-Ausgabe von Roger Vadims freier Adaption von Joseph Sheridan LeFanus "Carmilla" (die echte Verfilmung ist Hammers "Gruft der Vampire" von 1970) gesehen, in der Vadim die Handlung in die Jetztzeit verlegt.

Man sollte dabei nicht den Fehler machen, auch nur ansatzweise Horröses zu erwarten. Viel mehr handelt es sich um eine ruhige Geschichte um eine unerfüllte Liebe, die konsequent tragisch endet und m.E. schon einen Wegbereiter für die späteren lesbelnden Vampire des Jean Rollin darstellte, der auch die Erzählgeschwindigkeit übernahm. ;) Die Szene mit der blutbeschmierten nackten Brust Carmillas dürfte 1960 noch richtig skandalträchtig gewesen sein, und auch die harmlose lesbische Küsserei dürfte man damals noch nicht als banal abgetan haben.

Wer sich auf die Ruhe des Films einlassen kann, dürfte damit viel Freude haben, wobei die DVD wohl auch aufgrund hoher Nachfrage aus dem Ausland bereits OOP sein soll, schnelles Zugreifen dürfte also anzuraten sein.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker