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 Betreff des Beitrags: A WARNING TO THE CURIOUS - Lawrence Gordon Clark
BeitragVerfasst: 26.12.2016 13:35 
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A Warning to the Curious
(Ghost Story for Christmas: A Warning to the Curious)
Großbritannien 1972 - Directed by Lawrence Gordon Clark
Starring: Peter Vaughan, Clive Swift, Julian Herington, John Kearney, David Cargill, George Benson...


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Die Legende besagt, daß vor langer, langer Zeit an der Küste von Norfolk drei goldene Kronen vergraben wurden, um den Landstrich vor dem Bösen im Allgemeinen und dem Ansturm der Wikinger im Besonderen zu beschützen. Doch das - angeblich - übernatürliche Bollwerk bröckelt. Zwei der wertvollen Kronen sind im Laufe der Zeit bereits verloren gegangen, nur das dritte und letzte Stück wurde trotz aller Bemühungen nie gefunden. Nach mühseligen Recherchen spürt ausgerechnet der arbeitslose Hobbyarchäologe Paxton (Peter Vaughan, Brazil) den legendären Schatz in der Nähe des Dorfes Seaburgh auf. Bereits vor Ausgrabungsbeginn hat Paxton ein mulmiges Gefühl bei der Sache, was sich dramatisch verstärkt, als er die Krone in den Händen hält. Er fühlt sich beobachtet und alsbald auch verfolgt, als ob sich eine mysteriöse Macht an seine Fersen geheftet hätte. Als das Gefühl der Bedrohung immer intensiver wird, weiht er den im selben Hotel residierenden Dr. Black (Clive Swift, Frenzy) ein und entschließt sich schweren Herzens, die Krone an ihren angestammten Platz zurückzubringen. Schon in derselben Nacht führen die beiden Männer ihr Vorhaben durch, doch der "Wächter" (John Kearney) ist nicht so leicht zu besänftigen.

Etwa einen Monat nach Ausstrahlung der bei Kritik und Publikum gut aufgenommenen Schauermär The Stalls of Barchester gab die BBC grünes Licht für eine weitere Episode ihrer neuen Horrorreihe. Regisseur und Produzent Lawrence Gordon Clark, der zu diesem Zeitpunkt noch alle Freiheiten genoß (was sich ab dem folgenden Jahr ändern würde), entschied sich für M.R. James' 1925 veröffentlichte Erzählung A Warning to the Curious (Eine Warnung für die Neugierigen), welche er selbst zu einem Drehbuch adaptierte. Die zweite Folge von "A Ghost Story for Christmas" hatte ihre Premiere am 24. Dezember 1972 und wurde ein überragender Erfolg. Was nicht verwundern sollte, ist diese fünfzig Minuten lange TV-Arbeit doch eine echte Genreperle, die sich niemand, der an gepflegter, anspruchsvoller Gruselunterhaltung interessiert ist, entgehen lassen sollte. In erster Linie ist A Warning to the Curious ein exquisites Mood Piece, großartig gespielt, hervorragend gefilmt, und veredelt mit einer zwar sehr dezenten aber nichtsdestotrotz höchst effektiven Musikuntermalung. Hinzu kommt die phantastische Location, die nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Kombiniert mit der Art und Weise, wie John McGlashans Kamera die verschiedenen, teils pittoresken, teils trostlosen Schauplätze einfängt, entsteht eine unbehagliche Stimmung der völligen Isolation, so als ob man sich weit abgeschieden irgendwo im Nirgendwo - oder gar in einer fast entvölkerten Paralleldimension - befindet. Seaburgh wirkt wie ein gottverlassener, vergessener Ort, dessen unheimliches, bedrohliches Flair einem die Luft zum Atmen nimmt.

Und dieses unheimliche, bedrohliche Flair ist keineswegs eine Einbildung! Die ominöse Bedrohung ist real, allgegenwärtig und scheinbar unaufhaltsam. Schon im Vorfeld, als Paxton bloß nach der sagenumwobenen Krone suchte, ist Etwas auf ihn aufmerksam geworden. Als er den Schatz schließlich an sich nimmt, nimmt dieses Etwas seine Fährte auf, und wie beim ähnlich gelagerten It Follows denkt es nicht daran, von ihm abzulassen. Was Paxton getan hat, läßt sich (leider) nicht mehr ungeschehen machen, so sehr er es auch versucht. Regisseur Clark begnügt sich überwiegend mit subtilen, wohldosierten, an und für sich harmlosen Andeutungen, und er macht das so dermaßen geschickt, daß dem Zuschauer unwillkürlich eisige Schauer über den Rücken rieseln. Eine mysteriöse Gestalt, die unbeweglich am menschenleeren Strand steht und Paxton stumm beobachtet, wurde zum Beispiel selten so furchteinflößend in Szene gesetzt wie hier. Auch sonst hält sich Clark ans Weniger-ist-Mehr-Prinzip. Kaum meint man, endlich einen genaueren Blick auf das Phantom werfen zu können, wird dieses plötzlich von undurchdringlicher Schwärze verschlungen. Im Wald sorgen erst raschelnde Blätter und knackende Zweige für akute Angstzustände, danach herrscht wiederum eine dermaßen unnatürliche Stille, daß man sich die schaurigen Waldgeräusche glatt wieder herbeisehnt. Während aktuelle Filme wie Insidious, The Conjuring, Annabelle & Co ihre Schrecken lang und breit und oft ins Bild rücken, hält sich A Warning to the Curious vornehm zurück, bleibt konsequent unspektakulär und zurückgenommen bis zum Ende. Maximaler Gruselfaktor durch minimalen Aufwand. Großartig.

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