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 Betreff des Beitrags: WHISTLE AND I'LL COME TO YOU - Jonathan Miller
BeitragVerfasst: 28.05.2016 12:23 
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Whistle and I'll Come to You
Großbritannien 1968 - Directed by Jonathan Miller
Starring: Michael Hordern, Ambrose Coghill, George Woodbridge, Nora Gordon, Freda Dowie...


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Parkins (Michael Hordern, Theatre of Blood), ein älterer, introvertierter Professor, macht Urlaub in einem kleinen Hotel in Norfolk an der britischen Küste. Wenn er nicht gerade die nähere Umgebung, wie zum Beispiel einen alten Templer-Friedhof, erkundet, vertreibt er sich die Zeit mit Spaziergängen am idyllischen, menschenleeren Strand. Bei einem seiner Ausflüge findet er neben einem verwitterten, überwachsenen Grab eine alte, dreckverkrustete Pfeife, in welche in lateinischer Sprache etwas eingraviert ist. Nachdem Parkins die Pfeife gereinigt und die mysteriöse Inschrift ("Who is this, who is coming?") entziffert hat, führt er das Mundstück an seine Lippen und bläst kurz aber entschlossen hinein. In der Nacht wird der Professor von sehr realistischen Alpträumen geplagt, die ihn zunehmend beunruhigen und aus dem Tritt bringen. Auch wenn er nicht an Geister und dergleichen glaubt, wie er dem Colonel (Ambrose Coghill), einem weiteren Urlaubsgast, beim Frühstück erzählt, so scheint der verhängnisvolle Pfiff doch Irgendjemand oder Irgendetwas gerufen zu haben.

Whistle and I'll Come to You ist eine Verfilmung der klassischen Schauergeschichte Oh, Whistle, and I'll Come to You, My Lad (Oh, pfeif' nur, und gleich komm' ich zu dir, mein Schatz, 1904) des britischen Autors Montague Rhodes James aka M. R. James (1862 – 1936). Regisseur Jonathan Miller (Alice in Wonderland, 1966), der die literarische Vorlage zum Drehbuch adaptierte und das Projekt selbst produzierte, drehte den zweiundvierzigminütigen Film für die BBC, welche ihn im Rahmen einer Programmreihe namens Omnibus ausstrahlte, die überwiegend aus Dokumentationen bestand. Whistle and I'll Come to You ist sehenswert aus zwei Gründen: Wegen Michael Horderns fulminanter zentraler Performance und wegen zweier wunderbarer Gruselmomente, die dem Betrachter wohlige Schauer über den Rücken jagen (sollten). Horderns Professor Parkins ist eine Schau! Der Mann ist ein komischer Kauz par excellence, einerseits leicht zerstreut und liebenswert, andererseits verschroben und etwas arrogant. Die Art und Weise wie er kommuniziert, wie er sich bewegt, wie er um sich blickt, das ist alles bis ins kleinste Detail perfekt und vollkommen glaubwürdig umgesetzt. Dazu kommen die vielen kleinen Marotten (z. B. murmelt er gerne im Selbstgespräch kaum verständliches Zeugs vor sich hin), über die man sich als Zuschauer königlich amüsieren kann. Hordern hat hier wahrlich eine wunderbare Figur zum Leben erweckt, die sowohl zum Sonderbarsten als auch zum Besten zählt, was das britische Genrekino zu bieten hat.

Die perfekt platzierten, schaurig-schönen Gänsehautmomente haben es ebenfalls in sich. Aufgrund akuter Spoilergefahr verzichte ich darauf, Details über den "Besucher", der zweimal für einige wenige Sekunden im Bild zu sehen ist, zu verraten. Reicht die visuelle Komponente alleine schon aus, um schreckhafte Gemüter dazu zu animieren, sich die Decke über den Kopf zu ziehen, so sind es die begleitenden kreuzunheimlichen Geräusche, welche die jeweilige Szene so unglaublich effektiv machen. Diese Momente sind ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig ein ausgeklügeltes Sounddesign ist. Bild und Ton harmonieren hier in nahezu vollendeter Meisterschaft. Die Auflösung der Geschichte ist sehr gelungen, obwohl Miller und Hordern da für meinen Geschmack etwas zu sehr auf die Tube drücken. Aber das tut der Freude über diese exzellente kleine Schauermär keinen Abbruch. Im Jahr 2010 versuchte sich Andy De Emmony, erneut im Auftrag der BBC, an einer Neuverfilmung, diesmal mit John Hurt in der Hauptrolle. Obwohl diese Umsetzung bestimmt nicht schlecht ist, so stoßen die zahlreichen, teils gravierenden Änderungen, die man an der Geschichte leider vorgenommen hat, dem Zuschauer sehr sauer auf. M. R. James-Fans sei somit Jonathan Millers kongeniale filmische Adaption ans Herz gelegt, die einmal mehr beweist, daß die Angst vor dem Unerklärlichen immer noch am meisten Furcht einflößt, ganz besonders, wenn sie so subtil, mysteriös und typisch britisch daherkommt wie bei Whistle and I'll Come to You.

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