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 Betreff des Beitrags: BLUE ANGEL CAFE - Joe D'Amato
BeitragVerfasst: 10.03.2011 22:11 
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Raymond Derek (Richard Brown) ist ein aufstrebender Politiker, der mehr und mehr der verführerischen Nachtclub-Sängerin "Blue Angel" (Tara Buckman) verfällt. Es dauert nicht lange bis daraus eine handfeste Affäre wird und spätestens als die Story auf den großen Titelseiten die Runde macht, drohen sowohl ihre Karriere als Sängerin als auch seine politische Laufbahn, steil bergab zu gehen...

So sieht das also aus, wenn sich der gute Joe den Marlene-Dietrich-Klassiker DER BLAUE ENGEL (von 1930) vornimmt und seine eigene Versionn davon dreht. Ambitionierte Homage oder doch nur eine Masche, um mit Verweis auf einen namenhaften Titel ein paar schnelle Lire in die Kassen zu spülen? Tja, die Wahrheit liegt, wie so oft, wohl irgendwo dazwischen. Fest steht für mich, dass die Geschichte trotz ihrer Vorhersehbarkeit und gerade aufgrund ihrer vertraut-sympathischen Kino-Klischees zu einem effektiven, teilweise gar anrührenden Ganzen verschmilzt. Sleaze steht diesmal nicht auf dem Programm, auch wenn D'Amato in gewohnter Manier natürlich noch ein Plätzchen für diverse Sexeinlagen gefunden hat und auch seine Hauptdarstellerinnen nicht unattraktiv in Szene setzt. Ohne mich ständig wiederholen zu wollen, muss ich mich auch wieder fragen: Was wären diese Filme nur ohne die unermüdlichen Komponisten? Mit Hilfe von Luigi Ceccarellis schönem Sound und einem Altmeister, der sein Handwerk versteht, auf dem Regiestuhl ist hier jedenfalls tatsächlich stimmiges Low-Budget-Kino entstanden, dem es gelingt Gefühle zu transportieren, wenn man sich mit der richtigen Erwartungshaltung darauf einlässt.

Immer wieder bemerkenswert, dass selbst in der Phase des letzten Aufbäumens der ital. Filmindustrie, unter sicher alles andere als idealen Bedingungen, noch solche fast schon liebevoll gemachten Werke möglich waren. Vielleicht sollte man meine Lobpreisungen auch mit Vorsicht genießen, denn wenn ich mir so die kursierenden Reviews ansehe, dann scheinen die Meisten meine Meinung nicht zu teilen - aber wie auch immer, ich persönlich kann nicht anders, als eine Empfehlung auszusprechen.


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 Betreff des Beitrags: Re: BLUE ANGEL CAFE - Joe D'Amato
BeitragVerfasst: 15.03.2011 00:14 
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Holt die Taschentücher raus! D'Amato ist der Mann für die großen Gefühle!

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 Betreff des Beitrags: Re: BLUE ANGEL CAFE - Joe D'Amato
BeitragVerfasst: 01.05.2011 19:07 
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Na, das Teil hat mir weniger gemundet, leider. Es war alles solide in Szene gesetzt, klar, auch der Score wusste zu gefallen (schöner catchy song), doch vernachlässigt Papa Joe hier zu sehr den Erotikaspekt. Die Story ist da zu vorhersehbar, wie du schon richtig anmerktest, und daher müsste das Ganze mehr mit Sex gespickt sein um wirklich gut unterhalten zu können.
Anderes Manko: diese One-Woman-Show. Tara Buckman hat den Sex-Appeal einer ausgelutschten Junkie-Nutty, leider auch nicht mein Fall.
Bei einer attraktiven Hauptdarstellerin mit mehr Erotikszenen hätte das den Film in recht hohe Sphären gehievt, so gibt's mit viel gutem Willen den Durchschnitt.


6 / 12

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 Betreff des Beitrags: Re: BLUE ANGEL CAFE - Joe D'Amato
BeitragVerfasst: 20.01.2016 20:53 
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Blue Angel Café – Joe D´Amato

(Italien 1989)

9.1.2016; Kino (35mm, Kommkino Nürnberg) / 1,33:1



Der verheiratete Raymond ist Gouverneurskandidat in einem amerikanischen Bundesstaat und verliebt sich in die Nachtklubsängerin Angie, die anfangs nur den Auftrag erfüllt, ihn vor der Presse zu kompromittieren, indem er mit ihr fremdgeht und dabei von der Presse ertappt wird. Doch auch sie verliebt sich in Raymond, dessen Schlafzimmer mit schönen Plüschhasen drapiert ist – eine verbotene Liebe! So ist sich auch Raymond seiner Gefühle noch nicht sicher und als er sich von Angie verabschiedet, die ihn bittet, noch mit ihr in ein Hotelzimmer zu kommen, sagt er ihr, dass es besser wäre, sich jetzt Lebewohl zu sagen und dass er ihr kein Geschenk hatte kaufen können, deswegen gibt er ihr wie einer Hure Geld. Doch auch er ist sich seiner Gefühle für die schöne Sängerin bald im Klaren, gesellt sich zu ihr beim Möwenfüttern an der Hafenpromenade, wo sie ihm auch etwas von dem für die Möwen gedachten Brot gibt, mit ihm anschließend einen 300-Meter-Lauf absolviert und schließlich wieder mit ihm schläft. Raymond lässt sich nun von seiner Frau scheiden und verliert seine politische Glaubwürdigkeit, weswegen er seine Partei verlassen muss und Alkoholiker wird. Er verarmt auch immer mehr, weil Angie so viele Pelzmäntel kauft, und als Angie ihn unterstützen will, indem sie wieder als Nachtklubsängerin arbeiten möchte, sagt ihr ihr alter Chef, dass er sie ersetzt hat und es jetzt viele Blue Angels gibt, für die er jetzt der Boss ist und die nicht dem erstbesten Anwalt hinterherlaufen. Raymond verbringt seine Zeit weiterhin damit, auf der Couch billigen Alk, der in braunen Papiertüten eingewickelt ist, zu trinken und Angie immer heftiger zu beschimpfen. Sie trennen sich und Raymond versöhnt sich wieder mit seiner Exfrau, zieht mit ihr in ein Haus mit Vorgarten am Stadtrand und wird eines Tages von Angie besucht, die wieder in ihrem alten Nachtklub arbeitet. Sie freuen sich, dass es beiden gut geht, aber ihre Liebe hätte keine Zukunft gehabt.

Joe D´Amato, der in den späten 80er Jahren vor allem Erotikfilme drehte, viele davon auch in amerikanischen Drehorten, wollte mit „Blue Angel Café“, anscheinend zeigen, dass er auch Soap-Operas ins Kino bringen kann. Tatsächlich ist die gesamte Dramaturgie des Films amerikanischen Seifenopern entlehnt, und das zeigt sich besonders in der sprunghaften Dramaturgie, dem Overacting der Darsteller besonders in Streitsituationen und daran, dass der Zuschauer häufig vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ohne, dass erzählt würde, warum etwas passiert ist und welche psychologische Entwicklung die Protagonisten dabei durchleben. So ist es wie bei vielen von D´Amatos Erotikfilmen der gleichen Zeit, in denen ohne Psychologie die Erotik nicht knistern mag: Auch das Drama fesselt nicht, wenn man mit den portraitierten Menschen nicht warm werden kann.

Der Film wurde auf dem 15. Außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und wurde vom Kongress aufgrund der stimmungsvollen und ehrlichen Inszenierungsweise positiv aufgenommen. Für mich allerdings nahm der Film den eigentlich erst auf diesen Film folgenden „Stählernen Überraschungsfilm“ vorweg.


Fazit:

Als Seifenoper im Filmformat vielleicht gelungen. Leider mag ich keine Seifenopern.

Wertung:

1 / 10


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