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 Betreff des Beitrags: DIE NONNE VON MONZA - Eriprando Visconti
BeitragVerfasst: 04.04.2012 10:21 
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DIE NONNE VON MONZA
[LA MONACA DI MONZA][ITA][1969]

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Regie: Eriprando Visconti
Darsteller: Anne Haywood, Antonio Sabato, Hardy Krüger, Margarita Lozano, Giulio Donnini, Giovanna Galletti, Renzo Giovampietro, Maria Michi, Luigi Pistilli


Äbtissin Virginia de Leyva [Anne Heywood] lässt sich von Pater Paolo Arrigone [Hardy Krüger] erfolgreich bequatschen, dem Lebemann und flüchtigen Mörder Giampaolo Osio [Antonio Sabato] im Kloster Unterschlupf zu gewähren.
Dieses hätte sie mal besser gelassen, denn Giampaolo entpuppt sich als dauergeiler Lüstling, der von nun an Tag und Nacht versucht ist, unschuldige Novizinnen zu verführen.
Als Virginia ihn deswegen zu verweisen gedenkt, beschwört sie damit eine Katastrophe herauf: Eines Nachts lauert Giampolo ihr auf und vergewaltigt die Nonne.
Diese ist daraufhin zutiefst verunsichert, empfand sie das Geschehene im Nachhinein doch als gar nicht mal so unprickelnd. Obwohl sie weiß, dass sie sich damit gegen alles stellt, woran sie jemals geglaubt hat, verliebt sie sich in Giampaolo und bringt schließlich sogar ein Kind von ihm zur Welt.
Ein Umstand, den die Inquisition nicht gerne sieht...


DIE NONNE VON MONZA könnte man durchaus als einen frühen Vertreter des 'Nunsploitation'-Genres bezeichnen – vor falschen Erwartungen sollte man sich dennoch hüten.

Im Gegensatz zu vielen späteren Vertretern, die deutlich sensationslüsterner zur Sache gingen, hält sich Eriprando Viscontis Vorreiter noch diskret zurück.
Zwar wird auch hier unterschwellig an die niederen Instinkte des Zuschauers appelliert – so richtig getraut, die Sau rauszulassen, hat man sich dennoch nicht.
Stattdessen hüllte man sich in den seriösen Mantel eines vor historischer Kulisse stattfindenden Liebesdramas und heuchelt dabei ein bisschen sowas wie Bedeutsamkeit.

Der Ergebnis ist eine etwas befremdliche Mischung aus Sleaze und Anspruch - zwar recht kurzweilig, doch zeitweise auch arg unausgegoren.

Das darstellerische Niveau ist dabei überraschend hoch (was schon bemerkenswert ist, angesichts der stellenweise einfach nur strunzdoofen Dialoge).
Besonders Anne Heywood weiß zu gefallen und spielt die schwierige Rolle der gepeinigten Nonne sehr anständig.

Während Hardy Krüger als undurchsichtiger Priester ebenfalls überzeugen kann, wirkt Antonio Sabatos ständig lüsterner Verführer mit Hang zu Gewaltausbrüchen auf fast schon lächerliche Weise übertrieben.

Eines der großen Mankos ist das arg unausgegorene Drehbuch, das seine Charaktere oftmals sehr widersprüchlich handeln lässt.
Selbst, wenn man die abstruse Ausgangssituation, dass eine vergewaltigte Nonne sich in ihren Peiniger verliebt, weil sie durch dessen Tat die Wolllust kennengelernt hat (!), akzeptieren möchte, geizen auch die darauf folgenden Ereignisse nicht unbedingt mit Merkwürdigkeiten.

So verliebt sich offenbar auch der Vergewaltiger in sein Opfer, was ihn jedoch nicht davon abhält, auch weiterhin hinter jedem Rock herzusein, der ihm über den Weg läuft.

Dass er schließlich, um den Spaniern zu entkommen, abermals bei seiner Geliebten im Kloster untertaucht (das, wie zuvor mehrmals erwähnt, direkt neben seinem Haus liegt und daher nicht nur aufgrund der Tatsache, dass von seiner Liaison ohnehin bereits jeder weiß, kein gutes Versteck ist), sich dort zudem äußerst auffällig benimmt und offenbar nach Lust und Laune fröhlich ein- und ausspaziert (freilich ohne, dass den Nonnen sein Aufenthalt dabei auffällt), ist nicht einfach nur unglaubwürdig, sondern schlichtweg extrem hanebüchen (mal ganz abgesehen davon, dass seine Geliebte aufgrund ihres Verhaltens ohnehin schon längst aus dem Orden geflogen wäre, immerhin zieht sie sogar ihr Kind hinter den Klostermauern groß).

So befindet sich die Handlung, trotz gekonnt eingefangener Mittelalter-Atmosphäre, letztendlich lediglich auf simplem Groschenroman-Niveau und schockiert höchstens durch ihre Trivialität.

Ein paar härtere Szenen sind zwar vorhanden, doch diese machen den Exploitation-Jünger garantiert nicht glücklich – zwar kommt es durchaus auch zu Folterungen, doch diese sind kurz und knapp und stehen im Kontext der Handlung.

Am grausamsten geriet daher eigentlich die anfängliche Vergewaltigung - zwar sieht man auch hier keine Details, doch dafür geriet Anne Heywoods Schauspiel in der Szene sehr intensiv.

Letztes Endes besitzt DIE NONNE VON MONZA zwar keine Thriller-Qualität, grausame Langeweile jedoch buchstabiert sich auch anders.
Hauptproblem ist, dass das Werk es unter'm Strich keiner Partei so wirklich recht macht:
So gerieten die Ereignisse für geifernde Gorehounds viel zu harmlos, während anspruchsvolles Publikum sich vor allem über die gebotene Oberflächlichkeit echauffieren dürfte.

So bleibt dieser frühe Ausflug hinter sündige Klostermauern ein fein ausgestattetes und – besonders in der Hauptrolle – ansprechend gespieltes Liebesdrama, das sich nicht so recht traut, zu seinen spekulativen Tendenzen zu stehen.

Frei von jeder Kritik ist hingegen die schöne Musik Ennio Morricones, die das Geschehen ebenso effektvoll wie unaufdringlich untermalt.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE NONNE VON MONZA - Eriprando Visconti
BeitragVerfasst: 02.02.2016 20:13 
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DIE NONNE VON MONZA

Produktionsland:
Produktion: Silvio Clementelli
Erscheinungsjahr:
Regie: Eriprando Visconti
Drehbuch: Mario Mazzucchelli, Eriprando Visconti, Edward Bond, Giampiero Bona
Kamera: Luigi Kuveiller
Schnitt: Sergio Montanari
Musik: Ennio Morricone
Länge: ca. 98 Min.
Freigabe: Ungeprüft
Darsteller: Anne Haywood, Antonio Sabato, Hardy Krüger, Margarita Lozano, Giulio Donnini, Giovanna Galletti, Renzo Giovampietro, Maria Michi, Luigi Pistilli


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Nachdem er einen Steuereintreiber ermordet hat, flüchtet Giampaolo Osio in das Kloster von Monza. Doch anstatt seine Dankbarkeit zu zeigen, vergewaltigt er die Äbtissin Virginia de Leyva. Diese verliebt sich in ihren Peiniger und wird zu allem Überfluss auch noch schwanger. Die Kirche ist empört und will das Problem - Giampaolo Osio / Virginia de Leyva - so schnell wie möglich beseitigen.

DIE NONNE VON MONZA ist eines der frühen Nunsploitation-Werke. Der Film hält sich von (späteren) Genre-Schuddel-Sex-Einlagen - sprich von masturbierenden und lesbischen Nonnen – zurück. Es wird zwar etwas nackte Haut und eine Vergewaltigung geboten, aber ansonsten geht es recht zahm zur Sache. Nichtsdestotrotz - oder vielleicht gerade deshalb - gefällt mir Eriprando Viscontis Nunsploiter recht gut.

Der Film hat einen ansprechenden Look und das Ambiente erinnert mich ein wenig an DIE SÜNDIGEN NONNEN VON ST. VALENTIN (den ich ebenfalls sehr schätze). Luchino Viscontis Neffe - Eriprando, mischt die Bestandteile des Nunsploitation-Film mit etwas „Mantel und Degen-Feeling“. Die Schwerter werden zwar nicht geschwungen, aber die
Uniformierungen der Spanier - sowie der Inquisitionsschergen - versprühen ein leichtes Sword-Fighting-Movie-Flair.

Die Geschichte orientiert sich am Schicksal der Äbtissin Virginia de Leyva. Diese soll angeblich auf Tatsachen beruhen. Virginia de Leyva hat sich in ihren Vergewaltiger verliebt, sie bekommt eine Tochter, wird Opfer von Verschwörungen und will ihr Gelübde widerrufen. Das lässt die Kirche natürlich nicht mit sich machen. Ein altbekanntes, aber immer wieder zündendes Thema.

„Mein Vater wird das nie zulassen!“
„Er hat die Hand längst von ihnen genommen.“


Die Rolle der Virginia de Leyva wird von, der recht charismatischen, Anne Heywood gespielt. Die Verzweiflung der armen Nonne wird von ihr in ordentlicher Weise vermittelt. Antonio Sabato macht als Giampaolo Osio ebenfalls einen guten Eindruck. Weiterhin nennenswert sind Hardy Krüger (der sich in der deutschen Bearbeitung auch selber spricht) als Paolo Arrigone und Luigi Pistilli als Fuentes. Die deutsche Synchronisation (Hermes Synchron) ist - übrigens - hervorragend. Was wäre der deutsche Synchron-Kosmos nur - ohne Michael Chevalier?

Unter dem Strich kommt DIE NONNE VON MONZA als ein manchmal dramatischer und durchaus spannender ("zahmer") Genrevertreter daher. Wer das Genre mag, der sollte eine Sichtung in Erwägung ziehen.

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